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Der Israelit · 1936-11-05 · Heft 44 (5.11.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 44 (5.11.1936)
Date
1936-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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p v—i c »■•c.jii /% i r-j £*>^ v c * -* - -"'ftüfOKttJB Frankfurt a. M. 5. November 1936 20. Marcheschwan 5697 Nummer 44 Jerusalem, 2. November. Die Nachrichten aus dem Irak erwecken hier das größte Interesse. Mit der Machtergreifung der National e n Partei wird zwar eine Verschlechterung der Lage der Juden befürchtet, andererseits aber kann man hoffen, daß mit dem Einsetzen einer starken Hand in der Politik die Unruhen in den Städten und auf den Strafen, die bereits elf jüdische Opfer gekostet haben, doch nachlassen. Einen Tag nach dem Staatsstreich und der Insallierung des neuen Regimes in Bagdad trafen in Jerusalem alarmierende Meldungen über eine neue Welle von Pogromen auf Juden im Irak ein. Es hieß, daß eine große Menge Araber am Tage des Umsturzes in das jüdische Viertel in Bagdad eindrang, mehrere Juden ermordete und zahlreichen anderen Juden schwere Verletzungen zufügte. Die Meldungen über die Judenpogrome in Bagdad wurden auch durch den Sender Kairo verbreitet. Palästinensische jüdische Führer setzten sich mit Bagdad in Verbindung. Sie wurden dahin informiert, daß die neue Regierung erklärt hat, daß in Bagdad und im ganzen Lande Ruhe herrsche, und daß Juden weder getötet noch angegriffen w u r d e n. Diese Angaben werden auch in einer Zuschrift der irakischen Gesandtschaft in Berlin bestätigt. Ueber die Rückwirkungen der Vorgänge auf Palästina wird zunächst darauf hingewiesen, daß sowohl der jetzt verhaftete Nuri Pascha wie der bisherige irakische Ministerpräsident Yassin Pascha, die zur Stützung der arabischen Ansprüche in Palästina vor der Kgl. Kommission erscheinen sollten, nunmehr keinerlei Mandat hierzu besitzen. Die neue Regierung hat sich aber beeilt, dem Obersten Arabischen Komitee mitzuteilen, daß die Haltung des Irak gegenüber den Arabern Palästinas durch den Regierungswechsel keine Aenderung erfahren habe. Der neue Außenminister Said Nadschi el Asil werde nach Palästina entsandt werden, um den Vertretern der Araber behilflich zu sein, ihre Beschwerden und Forderungen vor der Kgl. Kommission zu formulieren. Um die Königliche Untersuchungskommission London, 2. November. Die für Donnerstag, den 29. Oktober, vorgesehene Abreise der Königl. Untersuchungskommission wurde aus technischen Gründen noch für eine Woche hinausgeschoben. Sie fährt am Donnerstag, den 5. November,, von London ab und trifft am 11. November in Jerusalem ein. Die hebräische wie arabische Presse in Palästina erhielt die Aufforderung von der Regierung, die Frage der „Boykottierung der Kommission", wie sie von der einen oder anderen Seite geplant sein sollte, nicht zu erörtern. Es darf auch nicht einmal die Möglichkeit einer solchen Boykottierung in Erwägung gezogen werden. Für Uebertretung sind strengste Straf maßnähmen angedroht. Die Vorbereitungsarbeiten für die Königl. Kommission sind überall im vollen Gange. Wie der ITA. mitgeteilt wird, wird auch Dr. W e i z - mann von der Kgl. Kommission vernommen werden. Zu einer Sitzung, die dieser Tage in J er u s a 1 e m stattfindet, sind Vertreter sämtlicher führender jüdischer Institutionen und Organisationen eingeladen, um eine einheitliche Haltung der (jüdischen Instanzen vor der Kgl. Kommission zu sichern. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die Präsidentenwahl in Amerika . . Seite 2 UeberraSchende Lösung in der Bürgermeisterwahl in Tel Awiw.......Seite 2 Es gibt wieder Touristenvisen .... Saite 2 Rabbiner Dr. Leo Kahn V"st in Wiesbaden Seite 4 Die Jüdische Schule, wie sie nicht ist, und wie sie ist. Von Dir. Dr. Elias, Frankfurt a. M. Seite 5 Die Moeza des Noar Agudati .... Seite 6 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld.....Seite 7 Die Landung der jüdischen Einwanderer in Kapstadt........Seite 3 u. 8 Wieder ein jüdischer Nobelpreisträger Seite 9 Der neue Oberrabbiner in Amsterdam Seite 10 Gegen die antisemitische Propaganda in London.........Seite 2 u. 10 Palästinaberichte ......Seite 10 u. 11 Fleischknappheit und Fischernährung Seite 12 SCHEUKLAPPENPRAXIS. Von Dr. Nathan Birnbaum. Furchtbar die Geschehnisse in Erez Jisroel. Noch furchtbarer die Entwicklung, die in ihrem Gefolge im Schicksale Erez Jisroels eingesetzt ■hat. Am furchtbarsten die Unfähigkeit des jüdischen Volkes, sich volle Rechenschaft darüber zu geben, wo es mit seinen Hoffnungen und Notwendigkeiten hält und sich sohin einen Weg ins Freie, zu bahnen. Himmelhoch ragte schon der immerfort sich erhöhende Turm der Illusionen. Da kam der erste Stoß. Nunwuchs der Turm nicht mehr, doch wankte er zunächst noch kaum. Bis weitere Stöße stets dichter und drohender folgten. Da begann er zu wanken und in sich zusammenzusinken. Und was von ihm noch da ist, ist eine Ruine, die man sich und arideren noch gern als den hohen Turm von einstmals einreden möchte. Sicherlich haben vom zionistischen Standpunkte die Revisionisten Recht, wenn sie den von den übrigen Zionisten schon früher allmählich ausgebildeten Standpunkt eines doppelt-nationalen Palästina nicht mehr als Zionismus ansehen. Sicherlich kann ein doppelt-nationales Palästina nie ein Judenstaat werden — und um den ging es ja von allem Anfang an — und sich damit begnügen, heißt von der Linie des Zionismus abweichen. Dafür aber bedeutete es ein anerkennenswertes Aufgeben eines Teiles der Illusionen auf Grund einer frühen, zumindest teilweisen, Erkenntnis der Wirklichkeit. Nur daß diejenigen, die sich mit solchem Minus zufriedengeben, heute in ihrem tiefsten Inneren schon nicht mehr sicher sein können, ob sich nicht auch ihre gemäßigten Erwartungen als Illusionen herausstellen werden. Natürlich soll aus dieser Feststellung des Debacles der Illusionen nicht die Notwendigkeit einer Abkßhr von der Erez Jisroel-Arbeit gefolgert werden. Gewiß besteht vielmehr die Pflicht und die Notwendigkeit, die jüdische Position im Lande unserer Ahnen zu erhalten und womöglich auszubauen. Gewiß muß weiter mit Nach*- druck aber auch mit einer Klugheit, die sich vor Verranntheiten hütet, für die Möglichkeit gekämpft werden, Juden in namhafter Zahl und unter günstigen Entwicklungsbedingungen in Erez Jisroel unterzubringen. Allein, es ist gefährlich, sich in die alten Illusionen zu verbeißen, zu glauben oder sich zu dem'Glauben aufzuputschen, daß Erez Jisroel der einzige Punkt ist, an dem, jetzt noch mehr als früher, die ganze jüdische Energie einzusetzen ist. Und mehr als gefährlich, eine aus Verstocktheit geborene Sünde ist es, nicht sehen zu wollen, daß, selbst wenn ein Teil der palästinensischen Illusionen Wirklichkeit werden könnte, doch noch viele Millionen von gepeinigten, mit ihrer wirtschaftlichen und seelischen Existenz dicht vor dem Abgrund stehenden Juden, im Stiche gelassen, geopfert, jenseits aller Rettung, Lösung und Erlösung bleiben. Und daß für diese anderwärts, und zwar in nach jeder Richtung befriedigender Weise Platz geschafft werden muß. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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