Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 43 (29.10.1936)
- Date
- 1936-10-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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.^jgäas^SH««^^;-^S^Mli^K^ 5-^. - Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 29. Oktober 1936 13. Marcheschwan 5697 Mummer 43 .Kommission unterwegs nach London, 27. Oktober. Die Abreise der Kgl. Unters uchungs-S k ommissioB für Palästina äst für den 5. N ov e m b e r 1936 festgesetzt worden. Die Mitglieder der Kommission sind: Earl Peel (Vorsitzender); Sir Horace Rumbold (Vize-Vor- '.sitzender); Sir Laurie H a m m o n d; Sir Maurice Carter; Sir Harold Morris, K. C.; Professor Reginald Gounland; J. M. Martin vom -Kolonial-Amt (Sekretär). Die „Morningpost" bringt einen längeren Artikel über die Aufgaben und Arbeiten der Kgl. Kommission, in dem verlangt (wird, daß dem Besuch der Kommission in Palästina der Charakter eines 'bedeutsamen Staatsaktes gegeben werde. Der zeremoniellen Aufmachung solle dabei größtes Äugenmerk zugewandt werden. Den Arabern müsse der Eindruck vermittelt werden, daß die -Kgl. Kommission die .größte Bedeutung für die -Zukunft Palästinas haben wird. Die Ueberfahrt der Kommission solle von Marseille aus an Bord eines englischen Panzerschiffes erfolgen. Ihre Ankunft An Haifa solle unter besonders feierlichen iZeremonien vor sich gehen. Ebenso solle der Empfang der Kommission in Jerusalem Anlaß zur ^Entfaltung von zeremoniellem Pomp bieten. Die „Times" erklärt in ihrer Ausgabe vom 27. Oktober, die Verhältnisse in Palästina seien «o zufriedenstellend, daß alle Hoffnung bestehe, der König wende in seiner Ansprache anläßlich der Wiedereröffnung des Parlaments die nun erfolgte Entsendung der Kgl. Kommission nach Palästina erwähnen. Das englische Kabinett vertraue darauf, daß man 1b ei einer Situation angelangt ist, die der Kgl. Kommission freie Bewegung im Lande ermöglicht. Während des größten Teils ihres Aufenthalts in Palästina werde die Kommission in Jerusalem tagen, es seien aber auch kurze Besuche in Haifa und anderen Zentren des Landes vorgesehen. Devisenbestimmungen iür Auswanderer. Berlin, 27. Oktober. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung liat unter dem 26. Oktober einen neuen Runder l.a ß, herausgegeben, der sich mit der Anwendung verschiedener Devisenbestimmungen auf die Auswanderung von Personen aus Deutschland befaßt. Die Dritte Diurchführungsverordnung zum Gesetze über die Devisenbewirtschaftung vom 1. Dezember 1935 hatte in ihrem § 6 bestimmt, daß bei Verlegung des Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthaltes nach dem Ausland die für den bisherigen Inländer geltenden Beschränkungen und Verbote des Devisengesetzes oder einer Durchführungsbestimmung hinsichtlich solcher Werte bestehen, die schon vor der Auswanderung diesen Beschränkungen und Verboten unterlagen. Von dieser und ergänzenden Bestimmungen werden im § 6 Abs. 2 Werte ausgenommen, die einen Betrag von 1000 Reichsmark nicht übersteigen. Ferner gelten diese Bestimmungen nicht für Umzugsgut und sonstige Gebrauchsgegenstände für den eigenen Bedarf des Auswanderers, seiner Familienangehörigen oder der mit ihm vor der Auswanderung in einem gemeinsamen Haushalt lebenden Personen. Der neue Runderlaß gibt nunmehr eine Begriffsbestimmung des Umzugs gutes. Darunter sind sämtliche Gegenstände zu verstehen, die der Auswanderer und seine Familienangehörigen in ihrem Haushalt bis zu ihrer Auswanderung benutzt haben, sowie neuwertige Gegenstände, die der Auswanderer zur Vervollständigung seines Hausrats oder als Handwerks- oder Arbeitszeug im Ausland zur Ausübung seines Berufes verwenden will. Zur (Fortsetzung siebe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Irak löst Palästina ab........ Seite 2 Neue Bürgermeisterkrise in Tel Awiw Seite 2 Vom Konzerte zum Schauspiel .... Seite 3 Widersprüche in Polen und Rumänien Seite 4 Die jüdische Schule, wie sie nicht ist und wie sie ist. Von Dir. Dr. Elias .... Seite 5 Zwischen den Zeiten. Von Rabb. Mosche Blau, Jerusalem Seite 6 Einführung in die jüdische Geschichte, Von Dr. Ph. Biberfeld......Seite 7 Die englische Kirche gegen den Judenhaß Seite 8 Die Lage der deutschen Juden in Spanien Seite 8 Briefe aus Erez Israel .... Seite 2, 9 u. 10 Beilage; Erziehung und Lehre. Das politische Problem des Heiligen Landes. Von Dr. Isaac Breuer in Jerusalem. Der Streik ist zu Ende. Ruhe und Ordnung scheinen allmählich wiederzukehren. Die Königliche Kommission mag sich anschicken, ins Land zu kommen, um die letzten Gründe seines Unglücks zu studieren, die offenbar jedermann kennt, mit Ausnahme der — Mandatsregierung. Wollten die Araber nicht endgültig darauf verzichten, die Majorität im Lande zu sein, mußten sie die furchtbare Kraftanstrengung machen, die dieser Streik für sie bedeutete. Es war die höchste Zeit. Nur noch wenige Jahre, und ihre Majorität (wäre unwiederbringlich an die Juden übergegangen* War der Zweck des Streiks, die Weltaufmerksamkeit auf die Tatsache des völlig erwachten arabischen Nationalismus zu lenken, der-entschlossen ist, sich keineswegs von den Juden in eine Minoritätsstellung drängen zu lassen, so hat der Streik nicht ohne Erfolg geendet, mag auch die öffentlich erklärte Streikparole schließlich' fallen gelassen worden sein. Es ist dem ijüdischen Volk nicht gelungen, in Palästina die Majorität noch vor der Selbstbesinnung des arabischen Nationalismus zu erwerben. Dies ist eine Tatsache, mit der das jüdische Volk sich abfinden muß. lieber die Schuldfrage mögen sich die Gelehrten streiten. Bleibt die Königliche Kommission selbst Jahre im Lande, wird sie nichts anderes feststellen können, als was ihr ijedes Kind schon' heute sagen kann: Das Land stöhnt unter dem Gegensatz zwischen dem arabischen Nationalismus und dem Anspruch des jüdischen Volkes auf Errichtung seines Nationalheims. Gibt es einen Ausgleich? 1. Die Geschichte kennt keinen Vorgang, daß ein waches Volk ohne ausrottende Gewalt sich auf seinem eigenen Boden von einem anderen Volk in eine Minorität hätte umwandeln lassen. Der wiederholt geäußerte Gedanke, dem arabischen Volk in Palästina etwa durch den Völkerbund garantieren zu lassen, es werde auch als künftige Minorität niemals von den Juden majordsiert werden, wird dem arabischen Nationalismus schwerlich Genüge tun. Dieses „niemals" ist keine Tatsache, sondern ein — Versprechen. Ein politisches Versprechen. Im Wörterbuch der Politik ist aber das Stichwort ,.niemals" nicht zu finden. Daß die Araber heute noch in Palästina die Mehrheit bilden, ist eine Tatsache. Diese Tatsache gegen einen politischen Wechsel auf die Ewigkeit einzutauschen, wäre nicht gerade ein Zeichen politischer Reife. 2. Ohne Vorgang in der Geschichte ist aber auch die jüdische Situation. An dem historisch auch heute noch, trotz zweitausendjähriger Zerstreuung, völlig lebendigen Zusammenhang des jüdischen Volkes mit dem Heiligen Lande kann schlechterdings nicht gezweifelt werden. Die Möglichkeit der Gründung eines umfassenden Volksdaseins ist für das jüdische Volk nur im (Fortsetzung siehe Seite 3.)