Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 42 (22.10.1936)
- Date
- 1936-10-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 4 Jerusalemer Kind im Nachdenken Schlafe auf die andere Seite, und sein Bein legte sich auf den Fuß Davids. David war in großer Gefahr. Er durfte den Fuß nicht wieder frei machen, sonst wäre Abner aufgewacht. Und Abner war ein großer Held. Da kam eine Wespe und stach Abner ins Bein. Abner zuckte und zog das Bein zurück. Diesen Augenblick benutzte David, rasch .ging er von dannen. Die Wespe hatte ihm das Leben .gerettet. Und David sang ein neues Lied: „Au® der Hand de® Feindes hat G'tt mich befreit, Seinen Namen will ich preisen bis in Ewigkeit."3) Emka. Was man von Palästina wissen muß. i. Palästina liegt an einer Erdstelle, wo sich drei Erdteile, fast berühren, am östlichen Ufer des Mittelländischen Meeres zwischen diesem im Westen und dem Jordan vom Tiberiassee bis zu seiner Mündung, dem Toten Meer und einer Grenzlinie bis an die Spitze des> Golfes von Akaba im Osten. Palästina ist rund 3000 km von Deutschland entfernt. Damit wir das besser verstehen, seien einige Vergleichszahlen gegeben, 500 km Entfernung Ffm.—Dresden, 1000 km Entfernung Ffm.—Danzig, 2000 -km Entfernung Ffm.—Wien—Budapest— Bukarest. Palästina reicht in nordsüdlicher Richtung von 33° bis 31° nördlicher Breite. Die Palästina berührenden Breitenkreise laufen durch den Norden Mexikos, durch den SüdteiL de® Atlas, durch die Landschaft in der Umgebung der Jangtsekiang=Mündung. Palästina ist dem Aequator weit näher als Ffm, (auf dem 50. Breitengrade). In westöstlicher Ausdehnung erstreckt sich Palästina zwischen 34lA 0 und 35lU0 östlicher Länge. 3) Ps. 18. Die Sonne geht dort also l3/4. Stunden früher auf als in Frankfurt a. M., das nahe dem 9. Längengrade liegt. Die Einheitszeit Palästinas (nach dem 30. Längengrade berechnet) weicht von der mitteleuropäischen Zeit (für die der 15. Längengrad bestimmend ist) um eine Stunde ab. Wenn es in Palästina 12 Uhr ist, zeigt unsere Uhr auf 11. o. Aus Schüleraufsätzen. i. Vom Jom-Kippur, Es ist der Abend des neunten Tischri: der „Kolnidre". Wir haben den Alltag vergessen und tiefer Ernst liegt auf allen Gesichtern. Der Chason hebt an, die feierlichen Melodien des Kol-Nidre zu singen. Die Tore des g'ttlichen Gerichtes sind geöffnet und bangend harren alle auf sein Urteil. Wir denken daran, wie wir das ganze Jahr verlebt haben, und ob G'tt auch unsere Sünden verzeihen wird. Wir wollen an diesem Tage nichts von Speise und Trank wissen. Wir wollen uns von dem Alllag losreißen, tun volU kommen rein der g'ttlichen Idee zu leben. Wir sind ganz demütig vor G'tt, -ganz winzige Menschenkinder, die nicht einmal fest auftreten können. Ganz spät erst in der Nacht, noch tief ergriffen „von der feierlichen Predigt und dem ergreifenden G'ttesdienst, gehen wir nach Hause, um am anderen Früh mit derselben Andacht wieder in die Synagoge zu gehen. Schon bevor der Morgen graut, gehen wir in die Synagoge, um tm® wieder ganz dem Gebot der Thora hinzugeben. Wir sind schwache Menschen. Der Allmächtige sieht, wie hilflos wir doch sind. Wir beten weiter, bis die letzte Tekiah erklingt. Der heilige Fürst zieht fort. Wir Menschen flehen noch einmal zu G'tt: „selach lonu, verzeih' uns, verzeih' uns!" Und jetzt wird es uns leicht und frei, und wir haben das feste Vertrauen, daß G'tt unser Schicksal zum Guten lenken wird. Irmgard Regensburger, Ichenhausen (13 Jahre). IL Ein Erlebnis aus dem Monat Tiscbxi, Der Roschhaschonoh und der Jöm-Kippur sind vorbei und damit haben wir die ernsten Feiertage hinter uns. Und nun kommt das herrliche Sukkofest. Wie viele Freuden haben wir da. Wir dürfen in der Sukkoh essen, und die Mizwoh ausüben, das Lulaw zu schütteln. Jetzt kommt aber ein Fest der reinsten Freude, an diesem Feste, da gibt es keine anderen Mizwaus, da gibt es nur Freude und Lust. Alle Gesichter verwandeln sich. Aber nicht nur die Gssichter von uns Kindern, denn uns fällt es ja gar nicht schwer, lustig zu sein, sondern auch den älteren Leuten sieht man es an, daß da® Fest der Freude und der Lust zu uns gekommen ist. Wir Kinder tanzen, singen Lieder und ziehen mit unseren Fähnlein herum. Wir wissen gar nicht, wohin mit unserer Freude. Aber nicht nur wir freuen uns, sondern aucli die Großen freuen sich. Sie gehen mit der heiligen min herum und schwingen sie und tanzen mit ihr. Man kann es gar nicht glauben, .daß diese Leute, die am Simchasthorafest mit der mw tanzen, auch manchmal so ernst und streng sein können. Ja, so! gut aufgelegt waren die Leute, daß uns mehrere davon sogar beschenkten. Da sind dann sogar ttnserci großen Mädels herbeigesprungen und haben ihre Sachen geholt, da wollten sie dann keine großen Damen sein. Später haben dann noch die Herren, gesungen und dann gingen alle Leute mit frohem Mute heim. Es ist schade, daß es noch ein ganzes Jahr dauert, bis wieder Simchasthora ist. Renate Regensburger, Ichenhausen (11 Jahre).