Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 41 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^?^^^>^Wß^^lS^^^' Seite 10 Nr. 41 Der Israelit 15. Oktober 1936 Palästinaproblem an, die folgenden Wortlaut hat „Der Kongreß bringt die fortdauernde Unterstüt zung in Erinnerung, die die britische Arbeiterbewe gung der Errichtung eines Nationalheims> für das jü disohe Volk in Palästina gewährt hat; in der Er kenntnis, daß den Interessen sowohl der jüdischen wie der arabischen Arbeiter nur durch herzliche Kooperation gedient werden kann, bedauert sie tief den Ausbruch eines Rassen* und Religionskampfes der dieses große menschenfreundliche Projekt zu zerstören und das jüdische Volk .der Möglichkeit zu berauben droht, seine eigenen politischen, sozialen und kulturellen Einrichtungen zu entwickeln. In Anerkennung des ungeheuren Fortschrittes, die in der Förderung der Wohlfahrt des jüdischen Volkes in Palästina unter dem Einfluß der bei den jüdischen Arbeitern aufgebauten starken gewerkschaftlichen Organisationen bereits erzielt wurde, hofft der Kon greß ernstlich, 'daß die Britische Regierung gemäß den Bestimmungen ihres Mandats in Palästina und dien ihr auferlegten Verpflichtungen, .das Land ini Interesse von Juden und Arabern zu entwickeln, alle notwendigen Maßnahmen treffen wird, um die gegenwärtigen Unruhen zu beenden. Der Kongreß vertraut darauf, daß nach Wieder herstellung der Ordnung durch Methoden des Ausgleichs alle Schritte werden getan werden, um die friedliche und geordnete Entwicklung Palästinas zu sichern. In Erkenntnis der Tatsache, daß Palästina infolge seiner Lage ein Punkt höchster strategischer Bedeutung und als solcher ein Gegenstand rivalisierender, imperialistischer Ambitionen ist, erklärt der Kongreß, daß das Land im Interesse des Weltfriedens unter internationaler Kontrolle stehen soll; er hält daher den Grundsatz der Regierungsform des bestehenden englischen Mandats unter dem Völkerbund zwecks Sicherung gleicher wirtschaftlicher Möglichkeiten für alle Länder und eines angemessenen Minderheitenschutzes aufrecht." In 'der Begründung dieser Entschließung rollte die Berichterstatterin, Miß Susan Lawrence, das ganze Palästinaproblem auf. Sie rügte die Einmischung der außerpalästinensischen Mohammedaner und berief sich u. a. auch auf den vom Völkerbund gewährleisteten Minderheitenschutz. In der Versammlung machte eine Rede des Abg. Wedgewood, die scharfe Anklage gegen 'die britische Palästinapolitik enthielt, großen Eindruck. Palästina. Der Bevölkerungszuwachs Palästinas im zweiten Vierteljahr 1936. Jerusalem, 7. Okt. •In dem zweiten Vierteljahr 1936 hat sich die jüdische Bevölkerung Palästinas um 4347, die mohammedanische um 3174 Seelen vermehrt, die christliche um 768 Seelen vermindert. Diese Zahlen sind auf Grund einer Gegenüber Stellung von Ein- und Auswanderung, sowie von Geburten und Sterblichkeit errechnet. Die Juden erzielten im zweiten Vierteljahr einen Ehrw-anderungäüberschuß von 2581 Personen, während ihr Einwanderungsüberschuß im ersten Vierteljahr 8816 betrug. Dagegen war bei den Arabern im zweiten Vierteljahr die Auswanderung um 2253 Personen größer als die Einwanderung. Die Gesamtzahl der Geburten betrug in diesem Zeitraum 12.352, um 5975 weniger als im ersten Vierteljahr. Es entfielen auf die Mohammedaner 8792 öder 71 Proz., auf die Juden 2584 oder 21 Proz., auf die Christen 857 oder 7 Proz. aller Geburten. Hervorzuheben ist, daß die Zahl der Geburten in den jüdisehen ländlichen Siedlungen im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr gestiegen, während 'die allgemeine Geburtenzahl gefallen ist. Die Zahl der Todesfälle war um 700 kleiner als •im ersten Vierteljahr und betrug 4537. Die Juden hatten 818 Sterbefälle zu verzeichnen, um 108 mehr als im ersten Vierteljahr und um 154 mehr als in demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres. Intervention des polnischen Generalkonsuls. Jerusalem, 6. Okt. Der polnische Generakonsul in Jerusalem, Dr. RzyslaW Kurnikowski, intervenierte nochmals beim Chefsekretär der Palästinaregierttng, Jahn Ha» thorn Hall, wegen der Sicherheit der polnischen Bürger in Palästina. Diese Intervention hatte das Ergebnis, daß der Gouverneur des Norddistrikts, Major Keith-Roach, persönlich die Lage in S a f e d und Tiberias untersucht und eine Reihe Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Im Zusammenhang damit wurden in Safed 32 Araber verhaftet, in TIberias wurde der Polizeichef abberufen und durch einen anderen Offizier ersetzt. Am 6. Oktober wurden in Palästina 36 Araber festgenommen, 15 von ihnen unter dem Verdacht, die Oelleitung der Irak Petroleum-Gesellschaft beschädigt zu haben. In Nazareth und Gaza explodier* ten während der Nacht mehrere Bomben, ohne Scha den anzurichten. Vor dem Abbruch. Die Lage vor und an den Feiertagen. Jerusalem, 11. Okt. Die Feiertage sind relativ ruhig verlaufen, frei lieh die heiligen ernsten Tage in gesteigerter Andacht und das Sukkausfest in etwas gedämpfter Freude. Es hat sich während der Feiertage GsD nichts Erschütterndes ereignet. Kleine Zwischenfälle Gelegentliche Angriffe auf jüdische Siedlungen, Zusammenstöße mit Truppen gehören zu den Ereignis seh des Tages und zählen nicht mit. Viele öffentliche Gebäude, u. a, das D i s k i n '- sehe Waisenhaus und das Hebräische Lehrerseminar mußten für Einquartierung von Militär zur Verfügung gestellt werden. Der High Commissioner besuchte in Tel Awiw das Lager der aus Jaffa und Umgegend stammenden jüdischen Flüchtlinge und drückte ihnen sein Bedauern über ihr Schicksal aus. Er besuchte dann auch die Landungsbrücke des Tel Awiwer Hafens und erkundigte sich eingehend über das Fortschreiten der Arbeiten, Der Hafen besitzt pro« visorische Einrichtungen für das Aus- und Aufladen der Waren. Weitere Bauten sind im Entstehen. Das Kapital zum Bau des Hafens wurde zum Teil in Palästina, zum Teil im Auslande gezeichnet. Als De pots- und Verwaltungsgebäude dienen die ständigen Pavillons der Levantemesse. Leiter der Bauarbeiten ist der britische Ingenieur Mr. B a c k t o n. Für fünf Tage verboten wurde die hebräische Zeitung „Chadaschoth Achronoth", und zwar wegen der Behauptung in einem Leitartikel, die Regierung führe eine Militärkomödie auf, indem sie Generäle und Truppenmassen in das Land bringe und r.ie nicht gebrauche. An den letzten Festtagen tobte sich kurz vor Toresschluß der Terror noch ordentlich aus. Am Mittwoch (Hauschana-rabba) wurde bei Ginegar die Oelleitung der Irak Petroleum^Gesellschaft beschädigt und das ausströmende Oel angezündet. An verschiedenen jüdischen Siedlungen, so in Newe Jakob bei Jerusalem, wurden Feuerüberfälle verübt. Menschenopfer sind nicht zu beklagen. In Haifa wurde der stellvertretende Kommandant der Palästina-Polizei schwer verwundet. Am Donnerstag (mss »raw) kam es zu schweren Kämpfen zwischen Truppen und Arabern an den Hängen des Karmel. Flugzeuge mußten in den Kampf eingreifen. Die Höhe der arabischen Verluste wird nicht bekannt gegeben. Bei Bethlehem soll der bekannte syrische Führer Said By el Aasi gefallen sein. In der Altstadt Jerusalems schössen Araber auf Araber und töteten einen arabischen Jungen, dessen Großvater vor einigen Tagen in der Nähe von Jerusalem ermordet wurde. Die Familie soll angeblich Boden an Juden verkauft haben. Erneute wilde Kämpfte spielten sich ab bei Tulkerem und Dschenin, wovon Anfang an sich der Herd der Unruhen befindet. Am Freitag wurde auf dem Tempelplatze ein arabischer Hilfspolizist von der Menge ermordet. In den jüdischen Zentren merkte mau kaum von diesen Unruhen, und so konnte das Fest, wenn, aucn viel stiller wie sonst, seinen harmonischen Ausgang nehmen. Die sonst üblichen Feierlichkeiten des „Wasserschöpfens"' fielen in den Lehrhäusern aus. Vom Rabbinat der Charedimgemeinde wurde bekanntgegeben, daß die öffentliche Feier zwar dieses Jahr ausbleibe, daß aber Oberrabbiner Duschd^lci in seiner Sukkah wie sonst Gäste empfang«. 1 Das Tel Awiwer Museum Universalerbe Dizengfliffs. Tel Awiw, 7. Okt. Am 7, Oktober ist das Testament des versterbe* nen Bürgermeisters von Tel Awiw, Meir Dizengöff, veröffentlicht Worden, Dizengöff hat. sein gesamtes Vermögen für eine Stiftung hinterlassen, die auf seinen Namen und den Namen seiner Gattin zugunsten des Museums von Tel Awiw errichtet werden soll. An die Stadtverwaltung richtet Dizengöff letztwillig die Bitte, dem Museum einen Jahresbeitrag zu gewähren, und an die Bevölkerung von Tel Awiw, den Stiftungsfonds durch Beiträge zu vergrößern. Kulturkonferenz des Jischuw beschließt Verstärkung der hebräischen Erziehungsarbeit. Tel Awiw, 11. Okt. Die vor kurzem in Tel Awiw abgehaltene Kulturkonferenz, an der über 400 Delegierte aus allen Teilen des Landes teilgenommen haben, hat eine Reihe von Beschlüssen über die Verstärkung der hebräischen Erziehungsarbeit gefaßt. Es wurde ein Kulturrat geschaffen, der dem Waad Leumi angegliedert wird. Ein großangelegtes Referat hielt auf der Tagung der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi. Er wies darauf hin, daß der Prozentsatz 'derjenigen Juden, die die palästinensische Landesbürgerschaft besitzen, seit dem Jahre 1931 bedeutend gesunken ist. Auch in sprachlich=kultureller Hinsicht habe sich die Zusammensetzung des Jischuw verschlechtert. Es sei dies die Folge davon, daß fremde kulturelle Einflüsse auf ungenügenden Widerstand stoßen. Man könne annehmen, daß die Hälfte des Jischuw heute die hebräische Sprache nicht beherrscht. Der Nestor der hebräischen Schriftstelleain Palästina, Alexander S. Rabinowicz, rief zum Zusammenschluß aller Kräfte auf, um die hebräische Kultur zu festigen und die Güter der jüdischen Kultur aus der Galut zu retten, die der Erhaltung wert sind. Die wichtigste Aufgabe sei die Verbreitung der hebräischen Sprache unter den Massen. Die Vertreter des M i s r a c h i und der Poale M i s r a c h i haben die vom Waad Leumi einberufene allgemeine Kulturkonferenz Palästinas verlassen und eine Erklärung veröffentlicht, daß es ihnen unmöglich sei, einer auf unjüdischem, von der Thora unabhängigem Geist beruhenden kulturellen Zusammenarbeit zuzustimmen. Auch die Vertreter der Revisionisten sind aus der Konferenz zum Protest dagegen, daß in das Präsidium kein Revisionist gewählt wurde, ausgeschieden. Amerika. Pater Coughlin verteidigt sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus. C h i c a g o , 6. Okt. In der „Social Justice", dem Organ Pater Charles E. Coughlin«, wird in Abrede ges tellt, daß der Radio- Priester von Detroit Antisemit sei. Eine solche Ein= Stellung, heißt es in dem Artikel, wäre unlogisch, unchristlich und unpraktisch. Es wird darauf hingewiesen, daß Pater Coughlins Angriffe auf die „Geld* Wechsler" sich nicht auf Juden allein beschränkt hätten. Sondern auch geigen hervorragende Katholiken und Pro"festanten gerichtet gewesen seien. Es gäbe keine Judenfrage in den Vereinigten Staaten, so wird in dem Artikel weiter ausgeführt, wenn gewisse furchtsame Juden aufhören würden, den Einbrecher unter dem Bett zu suchen, und wenn manche andere Bürger jüdischer Rasse mutig genug wären, den unsozialen Juden ebenso wie den unsozialen Christen öffentlich zu verurteilen, da beide den armen Juden und den armen Christen, die ganze Geschichte der menschlichen Zivilisation hindurch ausgebeutet haben. Wenn solche heimtückische Propaganda von Juden der Unterschicht zum Schaden der Juden der besseren Klassen, die zahlreicher sind als jene, fortgesetzt wird, darf man gewiß sein, daß der Nationalyerband für soziale Gerechtigkeit (die; Organisation Pater Coughlins) und die lausende Juden, die ihm angehören, . nicht müßig bleiben werden.« '"