Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 41 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M. 15. Oktober 1936 29. Tischri 5697 Nummer 41 alästina. Jerusalem, 13. Oktober. Wie erwartet, wurde am Montag, den 12. Oktober, die Beendigung des Generalstreikes in Palästina verkündet. Die Aufhebung erfolgte auf Grund eines Aufrufes der vier arabischen Herrscher in Irak, Jemen, Transjordanien und Hedschas. Die Aufrufe der Araberfürsten wurden einzeln erlassen und haben folgenden gleichen Wortlaut: „An unsere Söhne, die Araber in Palästina, durch den Vorsitzenden des Obersten Arabischen Komitees in Jerusalem. Wir haben Uns ausführlich mit der gegenwärtigen Lage dn Palästina beschäftigt und haben beschlossen, eine Uebereinkunft zwischen Uns und unseren .Bruderkönigen und Fürsten abzuschließen, euch zu empfehlen, den Frieden wiederherzustellen, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Wir vertrauen auf die guten Absichten unseres Verbündeten, Großbritanniens, das seine Entschlossenheit ausgedrückt hat, Gerechtigkeit walten zu lassen. Ihr könnt von unserem Wunsche versichert sein, daß Wir unsere Anstrengungen fortsetzen werden, um euch weiter zu unterstützen." Der sich daran anschließende Aufruf des Obersten Arabischen Komitees hat folgenden Wortlaut: ,,Die arabische Nation in Palästina proklamierte einen Streik und beschloß seine Fortsetzung, angesichts der ungeheuren Gefahren, die die Nation als Ergebnis der gegenwärtigen Politik und der Vorenthaltung Ihrer politischen Rechte bedrohen. Sie hat in einer erstaunlichen Weise der ganzen Welt gegenüber ihre feste Ueberzeugung kundgetan, daß eine Aenderung -der gegenwärtigen Politik dringend nottut. Es liegt jedoch in unserer vererbten Tradition, den Wünschen der arabischen Könige und Fürsten Folge zu leisten. Das Oberste Komitee ist fest überzeugt, daß die Herrscher ihren Söhnen nicht befehlen würden, dies" zu tun, wenn es nicht' in deren Interesse und im Interesse der Wahrung der Rechte der Nation gelegen wäre. Das Oberste Komitee erkennt den großen Vorteil der Intervention und der Unterstützung der Herrscher, und appelliert an - die Araber, den Streik und die Unruhen zu beenden." Nach der Proklamierung des Streikabbruches. Die Lage nach der offiziellen Beendigung des Streikes ist nun wie folgt: Im friedlichen Teile des arbeitenden arabischen Volkes in den Städten herrscht große Freude, daß nunmehr dem Zustand, der sechs Monate lang alle Arbeit und Kraft lähmte und vielen den wirtschaftlichen Ruin brachte, ein Ende gemacht ist. Die Arbeit in den Betrieben wird wieder aufgenommen, die Läden sind geöffnet, das Geschäftsleben erhält seine alten Formen wieder. Die breiten Massen der Araber sind jenseits aller Politik glücklich, sich wieder unter ruhigen Verhältnissen redlich ernähren zu können. Nach fast sechsmonatiger Pause ist die Arbeit im Hafen von Jaffa wieder aufgenom- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Nach Abbruch des Streikes.....Seite 2 Forderungen für die neue Schedule . Seite 2 Die Auswirkung der Abwertungspolitik in Palästina...........Seite 2 Auswanderung und Wehrgesetz . . . Seite 2 Zwischen den Zeiten. Von Rabb. Mosche Blau, Jerusalem Seite 5 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld.......Seite 6 Jüdische Schulen und Schulklassen . Seite 7 Die Eröffnung der Jüdischen Winterhilfe in Berlin ............Seite 7 Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach Seite 7 Palästina und Auswanderungsfragen vor dem Völkerbund.....Seite 2 u. 8 Nachrichten aus Polen und Litauen . Seite 9 Palästinaberichte.......Seite 2 u. 10 EIN WINTER DES HELFENS. Der Reichsbeauftragte für die Winterhilfe das Deutschen Volkes hat angeordnet, daß die Sammlungen und die Betreuungen für das Winterhilfswerk in jüdischen Kreisen durch Juden selbst entsprechend der Regelung des Vorjahres durchgeführt werden. Der Zentralwohlfahrt&stelle der Juden in Deutschland ist die Leitung dm Reich übertra* gen worden, für Berlin leitet wieder die Jüdische Gemeinde die Jüdische Winterhilfe 1936/37. Die Festwoche hat uns am vorletzten Tage mit der Forderung entlassen, des Armen und des Fremdlings zu gedenken, unsere Freude in Erfreuen, unser häuslich Glück in Beglücken zu suchen, Herz und Hand nicht vor dem dürftigen Bruder zu schließen, sondern sie zu, öffnen und „wiederum zu öffnen", zu geben und „wiederum zu geben", ohne Verdruß und Ueberdruß "paV W SS Wie eine Fortsetzung, /ja eine Fortwirkung dieser Festlehre im harten Kampf des Tages mutet uns der Aufruf der jüdischen Z.entr alorgan.is ationen in Berlin an, der von der R e icfes Vertretung der Juden in Deutschland und den Vorständen sämtlicher Organisationen, auch der Unabhängigen jüdischen Orthodoxie D euts c hl ands , unterschrieben ist. Wir lesen darin u. a.: „Zum zweiten Mal gehen wir, auf uns selbst gestellt, in den Kampf gegen Wintersnot und Kälte. Die Juden Deutschlands sind dem Ruf, der VOr Jahresfrist an sie erging, gefolgt. So (konnten wir allen Hilfsbedürftigen unserer Gemeinschaft in schwerer Wintersnot hilfreich zur Seite stehen. Ueber 83.000 Menschen hat die Jüdische Winterhilfe in den Großgemeinden und in den kleinen Orten betreut. Ueberall wurde sie nicht nur als Mittel zur Linderung der Wirtschaftsnot, sondern stets auch als der Beweis der Einheit der Judenheit Deutschlands empfunden. Wir werden in diesem Winter vor schwereren Aufgaben noch stehen als im letzten Jahre, weil die Not gestiegen ist und die Zahl der Menschen, die noch helfen können, immer kleiner wird. Aber die Not hatte in unserer Geschichte immer eine erweckende Kraft. Es kommt darauf an, daß wir aus ihr einen Segen machen.; . Eine Gemeinschaft, die nicht von der Verbundenheit aller ihrer Glieder getragen wird, ist verloren. Wir wissen, daß die Forderung der Jüdischen Winterhilfe auch in diesem Jahre von allen Juden in Deutschland gehört werden wird." Das deutsche Judentum wird vor schwere Aufgaben gestellt, es wird sich wieder bewähren, denn es geht um ein Rettungswerk nach innen und um einen Akt der G'ttesheiligung, einen QtPM PVPpf nach außen. Der Winter vorigen Jah- (Fortsetzung siehe Seite 3.)