Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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^^^^^^ppl^^^^^^^^^^^^^l^^^^^^^^^^^^p^^ Freuden des Mieters. Von Sch. Ben-Chorm in Jerusalem. Wir haben veraltete Begriffe mitgebracht nach Palästina, die man uns hier mehr oder minder systematisch abgewöhnt. Das ist auch eine Art 'Hachscharah. Was es heißt, ein Mieter einer Wohnung zu sein — in unserem heiligen Lande, das vermag nur der zu erfassen, der den bitteren Kelch, welcher dem Mieter von seinem Hausherrn mit höhnischer Geste gereicht wird, bis zur Neige geleert hat. Genug der allgemeinen Betrachtungen, greifen wir einen Fall heraus, der so recht anschaulich die Lust zeigt, die es bedeutet, ein Mieter zu sein. das ist es ja — durch dich, oder besser, mit deinem Gelde soll das in seinem embrionalen Stadium steckengebliebene Haus seiner Vollendung entgegengehen. . Es darf dich also nicht wunder nehmen, wenn der „Kablan" (das ist hier kein Geistlicher, sondern der Bauherr), dir in beredten Worten und schillernden Farben Vorzüge und Wonnen seiner, deiner Wohnung preist, denn es hängt für ihn alles davon ab, daß du einwilligst, ihm die Miete auf viele Monate vorauszubezahlen, denn von dieser deiner Miete soll das Haus gebaut werden. Du nimmst nun an, harmloser Leser, der Termin, zu dem hier Um- und Einzüge stattfinden, sei der erste Januar, erste März, erste Juni oder erste September, die Vierteljahresanfänge, wie sie in Europa üblich sind. Mitnichten — du befindest dich in „Erez Jisrael" und nicht in Europa. Aha, denkst du Erez Jisrael einen Mietvertrag nach arabischem Usus, Aha, werden einige Theoretiker einwenden, schon macht sich wieder die unselige Assimilationsfreudigkeit der Juden bemerkbar. Aber — sei beruhigt, du argloser, abstrakt denkender Diskussionspartner — mit Assimilation hat das nichts zu tun. Was immer man den Juden Palästinas vorwerfen mag, daß sie zu stark auf die arabische Psyche eingingen — dieser Vorwurf träfe sie zu unrecht. Vielmehr sind die Mucharim-Motive rein merkantiler Natur: Das arabische Mondjahr — von Mucharim bis Mucharim reichend — hat nicht, wie das europäische Sonnenjahr 365 Tage, sondern 11 Tage weniger, also — nach Adam Riese — 354 Tage: Schön und gut. (Für den Hausherrn). Die Miete wird nun monatlich entrichtet. Immer am Ultimo voraus für einen oder mehrere Monate. Aber — In Europa mietet man gewöhnlich fertige Wohnungen. Man sieht sich alles genau an, schließt einen Kontrakt mit dem Hausherrn und bezieht die gewählten .Räume. In Palästina kann von derlei nicht die Rede sein: man begibt sich hier zu einem Wohnungsvermittler und zahlt zunächst ein Pfund, um diesen freundlichen Herrn in Aktion treten zu lassen, denn allein wird man keine Wohnung finden. Woher das kommt, fragt der Ortsunkundige — sehr einfach: weil die Wohnungen, welche man hier mietet, gar nicht vorhanden sind, genauer gesagt, findest du nichts vor als eine Steinwüste, in der, wie zur Erinnerung an die Zerstörung des Heiligtums, einsam einige unfertige Mauern gen Himmel ragen. Eine solche Wüstenei nennt man „Binjan", Bau — wiewohl nicht gebaut wird. Wenn aber nicht gebaut wird, wie sollst du je hier zu einer Wohnung kommen? Nun eben, Der Hafenbau in Tel Awiw. schlau, hier sind wohl die Monate des jüdischen Jahres in Kraft, deren sagenhaft ferner Klang — Nissan, Ijar, Siwan, Tamus usf. — dir vielleicht noch aus einer jener 'Ruhepausen des Unterrichtes, genannt „Israelitische Religionsstünde" in Erinnerung ist. Bemühe dich nicht unnötig: dein Hausherr spricht dir nicht, wie dein seliger Religionslehrer, von den Monaten, die das Jahr der Synagoge ausmachen; Als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, erklärt der Hauswirt, daß der Mietvertrag von „Mucharim" zu „Mucharim" in Kraft sei. Was ist Mucharim? » Objektiv gesehen, der moslemische Neujahrstag, subjektiv gesehen ■— ein allgemein geübter, ungemein sinniger Brauch jüdischer Hauswirte. Warum, so wirst du fragen, schließt ein jüdischer Hauswirt mit einem jüdischen Mieter in und hier ist der Pferdefuß — nicht etwa die arabischen Monate werden gewählt, sondern unsere guten alten europäischen: Januar, Februar, März, April usw. Somit ergibt sich nun folgende groteske Situation: du mußt für die vollen 12 Monate des gregorianischen Kaiens Mietzins entrichten, darfst aber für diesen Preis nur von Mucharim bis Mucharim in deiner Wohnung hausen: mit anderen Worten, diese seltsame Kombination des gregorianischen und mohammedanischen Kalenders hat zur Folge, daß du 11 Tage umsonst bezahlst — was nach dem deutschen Sprichwort des Mieters „Uhl" (Eule), aber des Hausherrn „Nachtigall" ist. Lerne zu leiden ohne zu klagen! Unterschreibe dennoch — verbissener Miene — den Mietkontrakt — es wird der Schade des Hauswirts nicht sein. Aber vergiß nicht, du hast eine nichtvorhandene Wohnung in einem nichtvorhandenen Haus