Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1936)
- Date
- 1936-09-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Erziehung- und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Orgfan des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands ^dhx M ]IM HoiogoH o—o llölölö M ]\Sil Aus Adlers Niv Sefosajim (IL Teil. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M., 1936.J Zur Sidra Bereschi». Im Anfang der Welt war das Wort, das Wort G'ttes, dein die Tat sich anschloß wie durah magnetische Kraft. Und so vollendete G'tt sein Werk in den sechs Ta/gen der Schöpfung und krönte es mit der Erschaffung der ersten Menschenfamilie. Der schöpferische Welteng'tt hat die , Menschen aber nicht zum süßen Nichtstun mit seinem Odem belebt. Mitten in die paradiesische Fülle des Lebens rief er ihnen als Ziel und Aufgabe ihres Daseins zu: „Dienet und hütet!" Arbeitet, schaffet, -wirket, erzeuget, bringet vieles zustande, beherrschet die Erde und machet sie g'ttgewollten Zwecken Untertan, bewachtet und bewahret das Weltall, gebt ihm ein Ammer lachendes, freundliches Antlitz! Alle diese Gedanken liegen in der Größe der dem Menschen von G'tt zugewiesenen Arbeit, in den zwei Worten: •nm»hniJ»i> s]kp nasVa nVna »mis nty^K p pya» »an »»»an w pa nn»3'i mioff ,riaRj>a nvsv ty OmVa oyu &b pwnn dir •bMT) bis, pn J>aa :*nm »mattVi mayV Wie modern und aktuell umschreibt dieser Midrasch das heutige Programm jedes sozialen Staates: Arbeit und Brot! Ohne Arbeit — kein Brot! Unsere Weisen, die teilweise selbst" einfache Arbeiter der Faust waren, wissen ein Lied von der Bedeutung der wertschaff eaden Arbeit zu singen: 'ji'^ya flu maaai nimnv mxbn nbna „Handwerk hat goldenen Boden", „Ehre der Arbeit!'' und „Achtet 'den Arbeiter-" sind uraltes. Gedankengut dieses Midrasch. „Süß ist der Schlaf des. Arbeiters," spricht der weise König Salomo, „ob er wenig oder viel von seiner Arbeit genießen kann." Was unsere Spruchweisheit der Väter lehrt, hat schon der alte Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in sein 1817 erschienenes „Deutsches Volkstum" aufgenommen: „Wie wahr sind .die Lehren der Rabbinen: „Ein jeder, der seinen Sohn kein Handwerk lernen läßt, ist gleich, als wenn er ihn die Räuberei lehrte." (Jehuda) „Die Gelehrsamkeit steht schön, wenn man noch ein'© Verrichtung dabei kann; denn die Bemühung im diesen beiden Stücken macht, daß man die Sünde vergißt; und alle Gelehrsamkeit, wobei kein Handwerk ist, wird zul&tzt unnütz und zieht Sünde nach sich." i(Gamaliel.) „Hand* und Kopfarbeit können sehr gut .miteinander bestehen." Jüdische Arbeitswertung aus der Zeit und Quelle des Midrasch rabba (Bereschis 74, 10) drückt sich noch bedeutend wuchtiger aus: nV»xn naR^ai |iaa n^'sn man naiv /mas maia naR^an R'n na»an an« »a ,->b n»n pns' nnsi nnia« ipb* »a« »pb« »bil» :*ia«3» ,m»B3 •»»R nSVI B'p>l>R MR*1 »S3 flRl »*J? *R >">it)n\>V Bp»1 Mitten in den hochgehenden Wogen des Streites mit Laban bewahrte Vater Jakob volle Ruhe und Selbstbeherrschung. Er hatte es erst vor wenigen Augenblicken von Laban vernommen: •sn D3B3? n\vyb »i» bxb-w> Er ahnte, daß Labans dunkles Sinnen darauf gerichtet war, ihm den Untergang zu bereiten. ppaa Rirt »a) -Van dr ipyb »pa p>i ö»iatn by «*>r im &b »uns •6a ->b W' :iaR» tir ipj>W (wti Seiner Hände Werk hat ihm also das Leb e n gerettet, diese Welt und das Jenseits. Denn so sagt der königliche Sänger mit denselben Worten: aiei yivm Va«n »s "pas y»a» „Heil 'dir ob deiner Hände Arbeit" — in dieser Welt — „und wohl dir!" — in der Ewigkeit. Heute noch begrüßt der Landmann die aufgehende Sonne mit fleißiger Hand, die Arbeitsstätten füllen sich mit Millionen rüstiger Arbeiter bis zum Abend. Größe, Achtung, Ehre, Reichtum und das Leben verbürgt dem Menschen sohin die ehr Ii c he Arbeit nach biblischer Auffassung. *) Durfte nachts verkosten. Aber — die Arbeit auf und an der Erde soll nicht den ganzen Sinn des Lebens und Daseins umschließen. Dn i^ri a)nbstn oaa Rxaa Rio naiRn inR 2)b»bviI> vnn» an nvbv (26.10 >a m*t) tun» .ahlR »»« hi /rt»TR Tal» .1»h J»p .tfMj» /W #)»p ♦n'n nms an« 'a Von drei Männern berichtet die Heßige Schrift, daß sie eng mit dem Boden und dessen Bearbeitung verwachsen waren. Kajin nennt sie nmR law» Noa einen naiRn b?»r, König Ufia einen naiR aniR. Kajin brachte dem Erdboden alles zum Opfer, seine Kraft, seine Zeit, ja, sogar seinen Zwülingsbruder, mit dem er die Erde nicht teilen wollte, weil er in unersättlicher Gier sie ganz für sich und seine Nachkommen besitzen wollte. Wie sich dann der Mund der jungen Erde mit dem Blute des von seiner Hand erschlagenen Abel füllte, ward sie zum zweiten Male von G'tt überall da verflucht, wo der Brudermörder seinen Fuß hinsetzen würde. Des Rechtes „die Erde zu beherrschen" war Kajin verlustig gegangen; in knechtischem Verhältnis sollte er zur Erde stehen und trotzdem sollte sie ihm „ihre Kraft versagen", IW^^ Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Allen unsern Mitgliedern und Freunden entbieten wir herzlichste t)*n *iai-Wünsche. Der Vorstand i. A.: Münk, Vorsitzender. Ehemalige Kölner! Euch allen die besten ö*n "laa-Wünsche für Beruf und Familie! J. Apt, Hannover, Sallstr. Allen meinen verehrten' Mitarbeitern, lieben Kol* legen und Freunden wünsche ich herzlich na»nn iaa naits« L. Kaufmann, Sprendlingen. liliii»! Noa glaubte „Herr dier Erde" sein zu können, ohne sich selbst zu bezwingen. Wahrhaft frei ist nur derjenige, der im Gesetzmäßigen lebt; nur dann wird er zum n»»K rs- Süßer schmeckt das härteste Brot der wahren Freiheit, 'so lehrte ihn einst das bittere Oelblatt im Schnabel der Taube, als der süßeste Bissen der Unfreiheit. Als Noa die Schranken des Genusses überschritt, indem er sich dem übermäßigen Trunk hingab und so, der Menschenwürde entblößt, Ursache des Gespöttes für seinen sinnlichen Sohn Cham wurde, verlor auch er die Herrschaft über das Irdische; er hatte erst „begonnen", sich darin festzusetzen, erzählt die Heilige Schrift und — aller Anfang ist schwer.- Usia, der König von Juda, li eb t e den Erdboden. Seine Hauptsorge als Landesvater galt der Landeskultur, .die Produktion des Boden® •wollte er heben und steigern und dadurch den Export an Lebensmit- 2) entbrannt (von annn onV) 3) keinen Nutzen. teln vermehren. Als ihm dieses gelungen war, ward sein Herz stolz, sein Sinn hochfahrend. Eines Tages überschritt er seine religiösen Befugnisse, als er das Opfer des Räucherwerks in der goldenen Pfanne im Heiligtum darbringen wollte. Er .achtete nicht der Warnung >der ihm entgegentretenden Priester, daß der dem Altar nahende Fremde sterben müsse. Der Aussatz brach an seiner Stirne hervor, er verlor als Aussätziger auf Lebenszeit Thron und Lebensgemeinschaft, weil er ein zu großer Freund des Irdischen geworden war. (Nach »J» nrun) „Drei Dinge lassen .dien Menschen die Schranken der Welt übersteigen: der Neid, der Genuß und die Ehrsucht". (Pirke Owaus: IV, 28). Den Gefahren in sittlicher Beziehung, die der Besitz des eigenen Bodens nach diesen drei Typen der Menschheit im Gefolge haben kann, wollten die Gesetze, die msa der Thora vorbeugen, Neid, die Wurzel alles menschlichen Uebels, sollte durch das Sabbatjahr und Jobeljahr, durch die pflichtgemäße Abs gäbe von Zehnten und Hebe <hvvm nnnn) wirksam bekämpft werden. „Fremdlinge und Beisassen", Pilger und Wanderer sind wir Menschenkinder auf G'ttes Erde. Und Raum für alle hat die Erde. Den Genuß sollte der jüdische Mensch weihen, veredeln, emporheben durch das Durchdringen seines Geistes mit dem Sinn der niaia, durch das Bewußtsein, daß der Segen der fnuchtquellenden Erde von oben stammt. Vor allem aber sollte der Israelite Sieinen zweiten Zehnten 0»3W *iw»a) an di« Stätte tragen, die d«r Ewige erwählt hatte, um dort seinem Namen ein Heiligtum zu errichten. In Jerusa* lern, in .der Stadt, wo man der Bedeutung ihres Namens nach den „Friedien sehen" konnte (abv S~1RV)' da sollte die Frucht des Bodens an heiligem Tisch, umstrahlt von der heiligen Leuchte, durchglüht vom Flammenstoß des Altars genossen werden. Heimgekehrt von der heiligen Opferstätte, konnten sie dann in diesem Sinne, in dieser Weltanschauung zeitlebens weiter genießen (wnp nmoa \>bv\ ]»^aiR)« Denn dort auf der Höhe Morijas hatten sie die Erstlinge G'tt geopfert, wie schon Abel .getan und empfunden hatte; dort ein Bekenntnis, ein historisches, ein religiöse« und soziales nach Parschas ixttan »a in rührender Einfachheit und schlichtem Glauben abgelegt. G'tt setzte den Menschen in den Garten Eden fna&^l mxtb- Diese Worte von der Bestimmung des Menschen umschreibt der Targum Jonathan ben Usiel mit dem Satze: KmipD nmnh «mwa rfta '-inrri daß er arbeite in der Thora und deren: Vorschriften hüte. Welcher Arbeit von selten Adams hätte es im Paradies noch bedurft? Ein Strom bewässerte diese Gefilde, die jungfräuliche Erde gab ihre Früchte in verschwenderischer Fülle und Pracht, zahm liefen und flögen und schwirrten die Tiere umher. Adam sollte nur die sieben noachidischen Gebote, die seine ganze Thora waren, erfüllen; er sollte nach dem Gebot und Verbot seines Schöpfers leben und diese hüten. Ein kleines Ver» bot im Essen und Trinken war sein Prüfstein, über den er aber durch das Horchen auf dlie Stimme seiner Frau stolperte. Gebot: <\va nun und Verbot: nvyn xb ms», inen nar sind auch die beidien Pole uns serer Thora. Wie oft im Jahre fühlen sich die Herzen und Geister unseres Volkes von diesen Polenden abgestoßen! Ein Schuldbekenntnis drängt sich auf unsere Lippen: Was du hassest, mein G'tt, das liebte ich und was du liebtest, das haßte ich in menschlichem Unverstand. Vertiefen wir uns mehr und mehr in den Sinn der beiden Worte: mnw?l mysb, begreifen und verstehen wir den Umfang und die Bedeutung unserer E r d e n a u f <g a b e n besser, dann kehrt etwas wie Arbeitsfreude in uns ein, Diener unseres G'tt es sein zu dürfen auf diem Boden, den Er unseren Vätenn gab. In unserem Gemüt er» klingen noch hie gerührte Saiten unter dem Hymnus Davids: „Dietnet G'tt in nna»» tretet hin vor Ihn mit Jubel! Erkennet, D»pt>R Rin avn »3/ er hat uns erschaffen, .daß wir sein Volk und .die Schafe seiner Weide seien. Mit Drommeten und Schofarton huldigt vor dem ewigen König! Denn G'tt ist die reine Güte und Gnadle und von Geschlecht zu Geschlecht spricht aus Gewitterstürmen wie vom Sternenhimmel — Seine unwandelbare Treue."