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Der Israelit · 1936-09-24 · Heft 39 (24.9.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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._ä»jsä*g>WSÄ!SSas!a8S*^^SM^Ä 1 V -V " ' "V Der Israel» Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M- 24. September 1936 8. Tischri 5697 Nummer 39 Rosch - Haschanah in der Welt. Das Roschhaschanafest 5697 trug in der gesamten (jüdischen Welt die ' schwerernste Prägung der Zeit. Aus Berlin und dem ganzen Reich wird berichtet, daß die Synagogen an beiden Tagen von Betern überfüllt waren. Die sonst benutzten öffentlichen Säle standen dieses Jahr nicht zur Verfügung, wodurch der Andrang in den Synagogen so groß war, daß man in den .Großstädten die durch Auswanderung geschlagenen Lücken gar nicht merkte. Ueberall im Reiche sind die Feiertage ohne jegliche Störung verlaufen. Die von den Gemeinden veröffentlichten Verhaltungsmaßregeln, die den Schwerpunkt der Feier auf Synagoge und Familie verlegten, wurden überall strikte eingehalten. In Berlin hat der Reichsbund jüdischer F r o n t Soldaten einen freiwilligen Ordnungsdienst in und vor den ..'Synagogen gestellt, der aber nirgends in Funkiion treten mußte. Eine eigene Note hatte, wie telegraphisch ^berichtet wird, das'vRosdhhaschanafest in Palästina,' insbesondere in Jerusalem, wo, im Gegensätze zu den anderen Festtagen, Rosch- 'Haschanah ebenfalls zwei Tage gefeiert wird. Die Feier war überall, aber besonders in. Jerusalem von einer Andacht und Inbrunst getragen, wie nie zuvor. Die üblichen iMüssaf-Gebete an der Heiligen Mauer blieben aus. Abgesehen von ganz kleinen, kaum beachteten Zwi- .schenfällen, verliefen die Tage ohne Störung, , Aus Warschau wird berichtet, daß, wie immer, ganze Stadtyiertel im Zeichen des Feier- .tages standen. Bezeichnend ist, daß am Rüsttage :zu Roschhaschana sich 18 getaufte Juden beim .Rabbinate mit der Bitte einfanden, wieder in die Jüdische Religionsgesellschaft aufgenommen zu werden. Aus der Provinz wird gemeldet, daß „auch dort überall das Fest in Ruhe verlaufen ist. Besonders schmerzlich berührt es, daß im "Herzpunkt Europas, in der schweizerischen Völkerbundsstadt G e n f , d as Fest eine kleine Störung erlitt. In der Nacht zum zweiten Feiertag wurden vom Dach eines Nachbarhauses; her .schwere. Sändsäcke auf die Synagoge geworfen, die die Fensterscheiben zertrümmerten und innere Einrichtungen beschädigten. Die Polizei ist eifrig auf der Suche nach den Tätern. In Amerika, so wird berichtet, waren in allen Synagogen 'die Predigten auf die Notwendigkeit der Einigkeit unter den Juden und auch auf den gesteigerten Abwehrkampf gegen die materielle Not der Brüder in Europa abgestimmt. Auch aus .Sowjetrußland liegen Nachrichten vor, die besagen, daß sowohl in Moskau wie in der Provinz die Feiertage ungestöi:jL verliefen*, Wieimmer hatte der „Verband "der Gottlosen" eine antireligiöse Propaganda entfaltet, die aber in der Oeffentlichkeit gar nicht beachtet wurde. Die Tageszeitung „Emes" übt zum ersten Male Kritik an den Methoden und Praktiken des „Gottlosen-Verbandes", spricht aber dabei in einer Polemik gegen eine Stelle in den Propagandaschriften von einem „heroischen Freiheitskampfe der Araber", Daraus kann man ersehen, wie wenig diese Clique noch mit Juden und Judentum gemein hat. Aus dem Inhalt: Vorläufig kein Kriegsrecht in Palästina Seite 2 Einzelheiten über die Königliche Untersuchungskommission .... Seite 2 Die Juden und die nationalen Symbole Seite 2 Polens Interesse an jüdischer Palästinaeinwanderung .......Seite 2 u. 4 Der Vatikan und Palästina.....Seite 4 Erkenntnisse und Bekenntnisse im neuen Jischuw ....."':.......Seite 5 Neue Ausschreitungen in Polen .... Seite 7 Ein Blutbeschuldigungsprozeß in England Sexte 7 Weiterer Terror in Palästina . . . Seite 7 Beilagen: Erziehung und Lehre Teschuwo. Von Rab-b.-Ass; Dr. Michel Schlesinger. Wieder einmal ist die Zeit der Teschuwo gekommen. Prüfend überschauen wir die Vergangenheit und möchten gute, fromme Vorsätze für alle Zukunft fassen. Aber der Rückblick auf das, was gewesen, trübt uns den Ausblick auf das, was werden soll. Denn was ist aus den guten, ach so festen Vorsätzen früherer Jahre geworden? Wir gestehen es uns ehrlich ein: Trotz aller guten Vornahmen in der Teschuwo-Stimmung des Jahresbeginns sind wir auch im vergangenen Jahre nicht besser geworden, nicht treuer in der Erfüllung unserer Pflichten gegen G'tt und' Menschen. Wir haben nicht weniger Snn.Jliy-V' gesprochen, unser Herz nicht vor nX3W £□311 — am wenigsten vor der gefährlichsten, mit einem leschem-Miz'WO-Mäntelchen umhüllten — bewahrt, das Gebet und die Brochaois nicht mit größerer Andacht verrichtet, überhaupt uns weder in unseren Täten, noch in unseren Worten, auch nicht in unseren Gedanken und Gefühlen irgendwie: merklich gebessert; alle unsere guten Vorsätze waren umsonst. Dieses regelmäßige, alljährlich festzustellende Scheitern unserer ehrlich gemeinten Teschuwo-Vornahmen von Jugend auf, es lähmt von Jahr zu Jahr immer mehr unsere Energie, den Vorsatz zum endlichen Beginn eines reinen-Lebens vor G'tt zu fassen, und schließlich, nachdem wir in jüngeren Jahren' immer wieder unter, der deprimierenden Last der scheinbar unentrinnbaren Verstricktheit in unsee Sünden bitter genug gelitten haben, werden wir ganz abgestumpft gegen den zur Umkehr aufrüttelnden Ruf dieser Wochen. Sind wir wirklich nicht fähig, Teschuwo zu tun? Oder haben wir vielleicht noch niemals die in der Thora wie für jede auch für diese Mizwo der Teschuwo enthaltenen Ausführungsbestimmungen beachtet und eingehalten? Zwei Hauptteile enthält die Mizwo der Teschuwo. Die Besserung des Wandels in der Zukunft und schmerzvolle Reue über das Vergangene. Aber, und das ist das Wesentlichste der jüdischen Lehre von den Wegen der Umkehr zu G'tt: Die Besserung des Wandels hat dem gebotenen Reueschmerz zeitlich durchaus voranzugehen, "»nana '3W '"HIK spricht Efrajim in dem als Haftara des zweiten Rosch-haschana-Tages verlesenen Jirmiijahu-Kapitel: „Nachdem ich mich gewandelt, bereue ich". (Rambam, Hilch. Teschuwo, R. Jona, Schaare Tesch.). Allerdings, der Anstoß zur Umkehr kann und muß zuweilen durch schmerzliche Erfahrungen gegeben werden, denjenigen zu ermähnen und .züchtigend zu demütigen, dessen Sinn und Gemüt sich dem bloßen Ruf G'ttes zu den seinem Willen gemäßen höheren Zielen verschlossen zeigt, 101X1 'amo1' „Züchtigend erzogest du mich," spricht Efrajim. Jedoch die auf solche oder andersgeartete Anregung erfolgende Teschuwo selbst darf nicht mit dem Schmerz und der Seelenpein der Reue begonnen werden. Ja, geradezu m Freude soll an die Mizwo der Teschuwo wie eben an jede Mizwo herangegangen werden (Reischis Chochmo). Es heißt allerdings: (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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