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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 38 D e r 1 s r a e 1 it 16. September 1936 Lehre des Rabbiners baut ein Haus des Friedens seinen Hörern". Zum Schluß ist noch angekündigt, daß wir uns in der nächsten Lektion mit „Martha, Martha, du entschwandest, beschäftigen werden", um uns das hebräische Perfekt zu Gemüte zu führen. Wer dieses Wunder erleben will, muß schon das zweite Büchlein kaufen. So mancher Leser wird fin= •de», daß es bessere Beispiele zum Erlernen des Neuhebräischen nach der genannten Methode gegeben hätte. Warum soll man sich für das kleine Wörtchen ki — denn die Seleukiden einprägen? Ich würde dafür vorschlagen: kikeriki, und als Titel für das Büchlein: „na schön, lachen wir einmal!" E. Die Stimme spricht. Erweitertes Werk. Von Karl Wolfskehl. Im Schocken Verlag, Berlin. Wolfskehl ist uns nicht mehr unbekannt. Wie hier jüdische Geschichte gelebt, jüdische Lehre empfunden, jüdisches Schicksal erlitten und erbeten wird, haben wir in all den 150 Jahren, die hinter uns liegen und jüdische Dichter deutscher Zunge in Menge hervorgebracht haben, von keinem gehört. Die hier vorliegende erweiterte Ausgabe (in blauer Leinwand, mit Golddruck, in Goldschnitt und auf Büttenpapier) läßt jedes einzelne seiner Gedichte nur noch eindrucksvoller zu uns reden. Zum Abschied von deutscher Heimat, zur Erwekkung und Wiederbesinnung, zur Erinnerung und Ermutigung kann ich mir kein schöneres Geschenk als dieses Werk vorstellen. E. Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt, Von Stefan Zweig, Wien, Leipzig, Zürich. Herbert Reichner Ver- 1 a g. Gegen 300 Seiten. Mit 8 Bildtafeln, in Leinen RM. 5.80. Die Auseinandersetzung zwischen Calvin und seiner Zeit ist hier an seinem Kampf mit Castellio in einem spannenden vom Anfang bis zum Ende m Atem haltenden Rahmen dargestellt. Zwei ewige Ideen, Freiheit und Autorität, stehen widereinander. Gegen die. diktatorische Erscheinung Calvins, der jede Meinungsfreiheit unterdrücken will und durch ©ein Vorgehen gegen Servet viele Gegner auf den Plan gerufen hat, erhebt sich zur Verteidigung der mißachteten Menschenrechte Castellio, um zum ersten Male im europäischen. Denkraum Toleranz für jede Weltanschauung zu fordern. Wenn er auch, ebenso wie. Servet, im Kampf um seine Ideen fällt, hat doch die Nachwelt den beiden Gerechtigkeit widerfahren lassen. Stefan Zweig hat diesen Ideenkampf, der auch Leute noch nicht ausgetragen ist, erschütternd lebens- und .gegenwartsnah dargestellt. Bei all dem muß der Zweifel gestattet sein, ob Stefan Zweig, dessen Kunst sich so vielen anderen Motiven und für dasselbe Motiv so vielen anderen Gegenständen widmen konnte, nicht beser daran getan hätte, diee® Buch nicht zu schreiben. Die Gestalt Calvins ist Tausenden von Menschen heilig: ist es Aufgabe eines Juden, 'dieses Bild ernüchternder Kritik zu unterziehen? . ( E. Buches und zeigt die Fülle der Probleme und den Reichtum der Gedanken, die schließlich in der Ueberzeugung gipfeln: „Erst der Augenblick, in dem wir uns überlegend über unser vorgelebtes Leben erheben, und uns die Frage vorlegen: soll unser künftiges Leben an dieses vergangene gebunden bleiben oder sollen und können wir diese Gebundenheit lösen und anderen Lebensmöglicihkeiten nachgehen, erst dieser Augenblick und diese Frage geben unserem Leben den Charakter einer persönlichen Entscheidung. Wir können dieser Entscheidung ausweichen und in die Indifferenz eines unpersönlichen Lebens zurückfallen ... In diesem Falle haben wir uns durch unsere Unentschiedenheit entschieden und ganz in der Zeit lebend „unsere Zeit" verloren. Die Zeit wird dann unser Schicksal werden, weil wir die. Zeitüberlegenheit unseres Lebens aus der Hand geben. Die Welt wird dann unser Schicksal werden, weil wir die Möglichkeit zu ihrer Ueberwindung uns entgleiten ließen." E. f * SOEBEN ERSCHIEN: ANLEITUNG ZUM TALMUOSTUOIOM von NAPHTALI COHN ERSTES HEFT ZU TRAKTAT SABBAT ABSCHNITT I Das Werk umfaßt 52 Seiten einschließlich einer hebräischen Anmerkung von Rabb. Wolf S. Jacobson, Kopenhagen Diese grundwissenschaftliche und trotzdem populäre Einführung in das Talmudsiudium wird gerade heute, da der Talmud so vielfach verkannt wird, jedem Lernenden von größtem Nutzen sein. Zu beziehen zum Preise von RM. 1.50 VERLÜG DES ISRAELIT u HEÜMON GmbH. Abteilung Hermon-Verlag Frankfurt a. M., Schüft zensf raße 12 Postscheckkonto: Frankfurtmain Nr. 39592 * i 'Antirelativismus. Von Herb ert S p i e g e Iber g. Zürich und Leipzig. Max Niehans Verlag. Gesetz und Sittengesetz. Von Hedbert Spiegelberg. Zürich und Leipzig. Max Niehan s V e r 1 a g. Das erste der angezeigten Bücher will eine Kritik des Relativismus und Skeptizismus der Werte und des Sollens sein. Auf Grund eine© Vortrages und in Erweiterung desselben gibt der Verfasser Dar=, Stellung und Kritik, indem er sich vor allem mit der. Behauptung vom gleichen Recht aller Wert- und Sollensmeinungen und den Folgerungen, die daraus gezogen werden, auseinandersetzt. Nach einer Erklärung der Meinungsverschiedenheiten auf dem Gebiet der Werte und des Sollens behandelt er .dann noch kritisch Sinn und Berechtigung des Sprichworts „über Geschmack läßt sich nicht streiten", um zu dem Schluß zu kommen; „Es gibt Grenzen der axiologisehen und praktologischen Erkenntnis, aber sie geben nicht das Recht, nun auch die Existenz absoluter Werte und Tatsachen zu leugnen. Der Relativismus bleibt eine Form des Dogmatismus. Er ist zwar negativ, aber darum nicht weniger gefährlich, als der positive Dogmatismus einer unkritischen Mes taphysik." Im zweiten, 380 Seiten starken, .die Begriffe: Gesetz und Sittengesetz einer tiefgründigen Untersuchung unterziehenden Werk versucht der Verfasser eine Kritik des wissenschaftlichen „Legismus". Darunter versteht er jede Ueberbetonung der Rolle des Gesetzes. Hauptfall dieses Legismus ist der, daß das Gesetz als die primäre grundlegende Gegebenheit auch von Disziplinen wie Ethik und Naturwissenschaft hingestellt wird. Dem Verfasser kommt es vor allem auf die Klärung von Recht und Bedeutung des. „Gesetzes" in der Ethik an. Er will zeigen, daß eine gesetzesfreie Ethik und Rechtsphilosophie lange Zeit hindurch eine .genügende Garantie für Ethik und Recht abgegeben hat und daß sie auch heute noch möglich ist. Mit Immoralismus hätte das nicht das geringste zu tun, vielmehr mit absoluter Bindung an zeitlos Ewiges, aus sich bestehendes Ethisches. Der Verfasser Ast der Meinung, daß nicht nur das wirklich Seiende und Geschehene gegeben ist, sondern auch die ethischen Tatsachen das Sollens und Nichtsollens, der Pflichten und Berechtigungen. Er stellt sich die Aufgabe, die bisherige enge Verflechtung, teilweise sogar In-einsetzung von Gesetzesethik und Pflichtethik aufzuheben und der Idee der ethischen Pflicht zu ihrer Entfaltung in voller Reinheit zu verhelfen. Die Ergebnisse des Verfassers laufen auf einen Primat der autarken ethischen Ordnungen selbst vor der g'ttlichen Schöpfung hinaus. Die ethische Ordr nung ist ihm ihrem Wesen nach etwas Unerschaffe* nes, in gewissem Sinne etwas Ewiges, wenn er auch zugibt, daß die autarken Ordnungen erst durch die Schöpfung einer realen Welt aktuelle Bedeutung erhalten haben. :' An die Untersuchung, gegen deren Schlußfolgerungen vom Standpunkt der, religiösen .Ethik manches einzuwenden wäre, schließt sich, ein zweiter historischer Teil ah, der sich mit , der Frage befaßt, wie weit es bereits gesetzesfreie praktologische Ethik gegeben hat. E. Karte von Tel Awiw 'und Jaffa. Maßstab 1:7500, Gr. 60:90 cm. Von Zwi F r i e d 1 änd e r. Jer usa 1 e m. Verlag P a 1 e © td h,e und Aegypten Lloyd Ltd. Die . im Dreifarbendruck hergestellte^ i^ehr s übersichtliche und schöne Karte bietet eine .genaue Örientierungsmöglichkeit über die beiden mehr als 200 000 Einwohner zählenden Städte., Die Karte erscheint gleichzeitig in zwei Ausgäben, mit hebräischer und englischer Beschr^ftjung. Sie , ist in Palästina durch Buch- und Zeituhgshkndel, im Auslande durch die im Pälästinaverkehr tätigen Reisebüro® zu beziehen. Für Touristen und Olim, für Schulen und Arbeitsgemeinschaften sehr zu empfehlen. E. Altes Testament und Heutiges Judentum. ''Von S c.h m ö k e 1. T ü b in g e n. 19 3 6. Verlag . J. C. Mohr. '! Der Verfasser sucht nachzuweisen, daß Nationalsozialismus und „Kampf gegen dasheutige Judentum, wohl mit der Bejahung des Alten Testaments zu vereinbaren seien." Da® Alte Testament ist ihm kein jüdisches Buch. Die Voraussetzung, mit der der'Verfasser an das heutige Judentum herangeht, macht den! Juden eine Diskussion unmöglich. Jedenfalls ist es nicht zutreffend, daß das heutige Judentum, sofern es nicht religiös dndifferent, vom Alten Testament nur .die Thora, d. h. den Pentateuch kennt. Noch weniger stimmt, daß die Prophetenreligion und die P^alnienfräminigkeit ihm innerlich fremd ist. Uhd erst recht stimmt nicht, daß der Talmud nach jüdischer Anschauung wertvoller ist als das. Alte Testament, vor dem sich doch alles Talmudische erst ausweisen muß. E. Religion of ReaSom. Hermann Cohen's System ol Re- Hgious Philosophy. by Trude Weiß R o s m a rin. New York. 1936. Bloch Pub- Ii s h i n g Comp. Preis Doli. 2.50. Die Religionsphilosophde Hermann Cohens hat in •der Verfasserin eine verständnisvolle und klare, aber auch kritische Darstellerin gefunden. Daß sie es sich nicht leicht machte, zeigt die Bibliographie, die alles, was nur irgendwie von nichtjüdischen und jüdischen Werken über .die Persönlichkeit und das Schaffen Hermann Cnhens vorliegt, berücksichtigt. Die biographische Einleitung zeigt sie ebenso vertraut mit dem Leben und der Persönlichkeit;des, Philosophen, wie die Darstellung der Hauptideen der Cohen sehen Religionsphilosophie ihre Vertrautheit mit den philosophischen Strömungen, den jüdischen Richtungen und dem jüdischen Leben der Zeit erweist. Das Buch ist nicht nur für Amerika, sondern auch für i Palästina eine willkommene Bereicherung. Den deutsche» Juden wird vor allem das Schlußkapitel; Germanism und Judadsim interessieren, in welchem die Verfasserin als Jüdin an der Illusion Hermann Cohens Kritik übt. E. Die Willensfreiheit als religiöses und philosophisches Grundproblem. Von Dm Rudolf Keussen, Stadtpfarrer in Karlsruh e. F r e i £ u r g i. Br. 19 3 5. .Willibrordbuchhandlung. Auslieferung für den Buchhandel: F u r c h e Verlag GmbH., Berlin NW. 7. „Freiheit ist Lebensausdruck, den wir selbst uns geben. Also steht es in unserer Handy ob wir uns von den Gebundenheiten des Lebens lösen und welche Stufe der Freiheit wir gewinnen." In eingehenden philosophischen und theologischen Erörterun-, gen hat der Verfasser von seiner religiösen Lebens* anschauung ausdiese Grundauffassung verdeutlicht. Die dem Buch vorangehende ausführliche Inhaltsangabe der einzelnen Kapitel erleichtert die Lektüre des Die Aristotelisch-Thomistische Philosophie. I. Logik und Naturphilosophie. Von Josef Gredt O. S. B. 193 6. Herder u. Co. GmbH. Verlagsbuchhandlung F r e i b u r g. i. Br. P.. Gredt's Werk 'dient der philosophischen Schulung christlicher Theologen. Es ist im Wesentlichen eine Uebersetzung seiner lateinischen Elementa Pbilosophiae.; Aristotelico-Thomistioae. Der für den engeren Schulbetrieb gedachte,, schwerfällige scholastische Apparat; ist in dieser deutschen Bearbeitung fortgefallen. 'Text und Gliederung erleichtern die Uebersichtlichkait, die Sprache iist bewundernswert klar und flüssig. j Li; der' Logik behandelt der Verfasser, die verschiedenen Denkfornien ' und, Denkinhalte, sowie die BpweapMnrun^ und die Wissenschaft, Dieser Teil ist nicht nur für die dem Verfasser, der in mehr als 40jähriger Lehrtätigkeit am Kollegium Anselmianum in Rom tätig st, nahestehenden Schüler von Wert; In der schon oben gerühmten Klarheit ist sie .für jeden eine dankenswerte Einführung in die Logik. ■ Begrüßenswert auch für Juden und vor allem für den glauibenstreuen Juden ist der zweite Teil: .Naturphilosophie. Von den aristotelisch=thomistischen Grundsätzen aus verbreitet sich der Verfasser in aus- , führlichen und tiefgehenden Auseinandersetzungen über da® ganze Gebiet der •naturvvissenschaftlichen: Probleme unserer Zeit, die sich au® der religiösen Auffassung von Welt, Leben und Seele ergeben. Dabei ist es dem Verfasser nicht nur um die Darlegung der geschichtlichen Entwicklung der verschiedenen Geistesströmungen und Anschauungsrichtungen, sondern auch und vor allem darum zu tun, die Stellung der heutigen Wissenschaft zu jenen Problemen kritisch zu beleuchten. E.

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