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Der Israelit · 1936-09-10 · Heft 37 (10.9.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 37 (10.9.1936)
Date
1936-09-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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10: September 1936 Der Israelit Nr. 37 Seite 9 Wieviele Opfer haben die Palästinaunruhen bisher gefordert? — Eine neue amtliche Verlustliste. Jerusalem, .2. Sept. Nach einer soeben veröffentlichten neuen amtlichen Verlustliste beträgt die Zahl der in der Zeit vom 19. April bis 31. August bei den Unruhen in Palästina Gefallenen und Verwundeten 1424, 261 Personen wurden getötet, 443 sind zurzeit in den Krankenhäusern in Pflege, 721 wurden leicht verletzt. Die Zahl der gefallenen englischen Soldaten beträgt 18; von diesen wurden im Kämpfen mit den Arabern 11 und durch unglücklichen Zufall 7 getötet. -Von englischen Polizisten sind 2 gefallen, 7 wurden schwer, 32 leicht verletzt. Die Zahl der getöteten Juden beträgt 73; ferner wurden 115 Juden schwer und 161 leicht verwundet. 2 jüdische Polizisten wurden schwer, 6 leicht verletzt. Die Zahl der getöteten Mohammedaner beträgt 156, .die der schwerverwundeten 209. Gefallen sind 6 arabische Polizisten, 9 arabische Polizisten wurden schwer, 13 leicht verwundet. Schließ* lieh sind 6 Christen gefallen und 23 Christen wurden schwer, 22 leicht verwundet. Nach nichtamtlichen Feststellungen beträgt die Zahl der jüdischen Todesopfer bisher 82. Die vor kurzem aus England abgereiste erste Gruppe englischer Chaluzim ist in Haifa eingetroffen und wurde von der jüdischen Bevölkerung mit großer Herzlichkeit begrüßt. Jerusalem, 4. Sept. In dem Tel Awiwer Viertel Tiferet Israel wurden drei Baracken, bei Rischon le Zion ein Packschuppen niedergebrannt. Ferner ist ein Teil der Regierungswaldungen an dem Karmelabhang einem Brand zum Opfer gefallen. In Poria bei Kianeret ist ein jüdisches Haus niedergebrannt worden. Die Audienz der Aguda mit Oberrabbiner Duschinsky beim High Commissioher. Jerusalem, 7. Sept. Wie bereits mitgeteilt, hat der High Commiss'.oner vorige Woche eine Delegation der Agudas Jisroel in Audienz empfangen. Einige Einzelheiten über diese bedeutsame Aussprache seien hier noch zur Ergänzung angegeben: Die Delegation bestand aus Oberrabbiner D u schinsky, Rabbi M. Blau, Dr. M. Buxbaum und Dr. Elieser S i r k i s. Der Regierungssekretär Mr N u r o k stellte die Herren dem High Commissioner vor, der seine Freude ausdrückte, mit Rabbi Duschinsky und seinen Kollegen von .der Agudas Jisroel zusammenzutreffen. Aus der Ansprache Oberrabbiner Duschinskys, die uns im Wortlaute vorliegt, ist der tiefe Schmerz eines großen jüdischen Herzens über die Lage in Erez Jisroel herauszuhören. Er schildert die tausendjährige Sehnsucht de® jüdischen Volkes nach seinem Lande und seine eigene maßlose Freude, als ihm gegönnt war, noch in alten Tagen seine Wirkungsstätte im heiligen Lande zu errichten, wie sein Herz mit tiefem Dank erfüllt war gegen die Regierung und den High .Commissioner, die im Lande das Recht schützten für alle. Nun habe brennender Schmerz jenes Freudengefühl verdrängt. Als Abgesandter des thoratreuen jüdischen Volkes wolle er nun dem höchsten Beamten des Landes, an dessen Loyalität er nicht zweifle, sein Herz ausschütten und ihn bitten> daß er alles tue, damit im Lande der Propheten der Frieden herrsche, wie er von dieser Erde aus von den gleichen Propheten für die ganze Welt verkündet wurde. Rabbi iM. Blau entrollte in ausführlicher Rede ein umfassendes Bild 'der Lage, erinnert an frühere Zusammenkünfte und Versprechungen der Regierung und vermittelte den Notschrei des Jischuw. Der High Commissioner, der von der Vorsehung auserkoren sei, .die Geschicke des Lande® in so schwerer Zeit zu lenken, sei zugleich berufen, über die Rechte des jüdischen Volkes, das hier eine Heimat suche, zu wachen. Rabbi Blau setzte dann auseinander, wie schwer und tief ein eventuelles Einwanderungsverbot die gesamte Judenheit der Welt treffen würde. Es wäre dies eine Prämie für unerhörte Mordtaten, die nach solcher Ermutigung sich auch später immer wieder wiederholen könnten. Er unterbreitet dann den Wunsch, den Geschädigten einem Ersatz zu bewil* Mgen und von Staatswegen für dife Opfer, die hilf- Die Woche. Berlin. Der Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart gibt ein Verzeichnis, jüdischer Verfasser juristischer Schriften heraus. In einem Vorwort, das der Liste vorangesetzt ist, wird gesagt, daß ein solches Verzeichnis ein Bedürfnis sei. Wer unangebrachte Berücksichtigungen nichtarischen Schrifttums vermeiden will, müsse schnell feststel* len können, ob der Verfasser eines bestimmten Werkes Jude ist. — Hier wurde am Sonntag eine Kulturausstellung unter dem Titel „Jeme Bialik" eröffnet. Eine Fülle von Bildern, Modellen, graphischen Darstelltingen und anderen Kunstobjekten gibt dem Besucher eine Vorstellung von der kulturellen Arbeit des neuen Palästina. Landau. Die „Frankenthaler Zeitung" meldet au® Landau: Die seit einiger Zeit geplante Judenschule wurde mit Wiederbeginn des Unterrichts in Landau eröffnet. Sie wird von 42 Judenschülern besucht, nämlich 13 aus Landau, 13 aus den Gemeinden des Bezirks Landau und 16 aus jenen des Bezirksamtes Bergzabern. Nürnberg. Die „Bayerische Volkszeitung" berichtet, daß das Schöffengericht Nürnberg einen Angeklagten, der in einer früheren Gerichtsverhandlung wider besseres Wissen behauptet hatte, ein Oberführer der SA habe geduldet. daß SA-Männer bei Juden einkaufen und sonstige Geschäfte mit ihnen machen, wegen Beleidigung des Oberführers zu neun Monaten Gefängnis verurteilt hat. Breslau. Die „Schlesische Tageszeitung" meldet, daß aus Alt-B erun im Kreise Rybnik die letzte jüdische Familie ausgewandert sei. Früher habe der Ort 70 jüdische Familien gezählt. Wien. Am 4. September wurde in Wien ein Röntgenologen=Kongreß eröffnet, an dem auch bekannte jüdische Gelehrte teilnehmen. Palästina hat eine aus drei Herren bestehende Abordnung zu dem Kongreß entsandt. Anläßlich der Eröffnung weist die österreichische Presse auf die Märtyrer der Röntgenologie hin und erwähnt hierbei die jüdischen Röntgenologen Dr. Max Lewy-Dorn (Berlin) und Dr. N. D o h a n (Wien), die als Opfer ihres Berufes zugrundegegangen sind. Budapest. Der Vorstand der Pester Israelitischen Religionsgemeinde hatte sich in der Haupts-5-nagoge vollzählig zu einer Trauerfeier für den heimgegangenen Bischof Dr. Desider BaItazar versammelt. Rabbiner Dr. Siegmund Großmann schilderte das Lebenswerk des großen Priesters und großen Menschen. Prag, Nach Meldungen der tsohechoslovakisehen Handelskammer in Palästina ist d^e diesjährige Zahl der Kurgäste aus Palästina, die in tschechoslovakischen Bädern weilen, bedeutend größer als im Vorjahre. Es hänge dies damit zusammen, daß die augenblickliche Lage beinahe aller palästinansischen Kurorte keine Sicherheit biete und die Schiffahrtslinien ihre Preise auf ein Minimum herabgesetzt haben. Rom. Zum Oberrabbiner von Rom anstelle des verstorbenen Prof. Angelo Sacerdoti wurde soeben der bisherige Oberrabbiner von Alexandrien,. Prof. Davide P r a t o , berufen. Prof. Prato war vor seiner seinerzeitigen Berufung nach Alexandrien Rabbiner in Florenz. Paris. Der Botschafter der USA. in Paris, Jesse Isidor S t r a u s , der bekanntlich Jude ist, ist aus Gesundheitsrücksichten von seinem Posten zurückgetreten. Botschafter Straus ist zu seinem jetzigen Amt am 16. März 1933 von Präsident Roosevelt, mit dem er durch persönliche Freundschaft verbunden ist, berufen worden. Kopenhagen. Auf dem Internationalen Philologenkongreß, der am 26. August in Kopenhagen eröffnet wurde, hielt Dr. Max W e i n r e i c h, Mitglied de® Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Wilna, einen Vortrag über die Bedeutung der jiddischen Sprache für allges mein philologische Studien. Ein Referat über „Gesellschaft und Sprachen der Primitiven" erstattete der berühmte Gelehrte L e v y -Brühl und Dr. Roman Jacobson- Prag sprach über linguistische Beziehungen zwischen Nachbarvölkern. HelsingforS. In Helsingfors wurde soeben ein Kongreß der jüdischen Jugendverbände der skandinavischen Länder und Finnlands abgehalten. Warschau. Bei einer judenfeindlichen Kundgebung in dem Dorfe Wielo Lencz im Kreise Kalisz wurde der 50jährige Samuel. L eszk o w so schwer mißhandelt, daß er seinen Verletzungen erlag. losen Witwen und Waisen, zu sorgen, da der jüdische Jischuw selbst nicht imstande sei, diese Lasten zu tragen. Das jüdische Volk habe bei seiner Heimkehr keinerlei Absichten mitgebracht, über irgend eine Nationalität zu herrschen. Es wolle nur Heim und Ruhe haben, und die Erfahrung habe gezeigt, daß die von den Juden in Erez Jisroel investierten Kapitalien und Kräfte auch den Arabern zugute kamen. Die Juden seien zu jeder Zeit gewillt, zu einer Verständigung mit den Arabern zu kommen, damit jeder Teil auf sein Recht komme. Zuletzt bat noch Rabbi Blau, daß bei einer Neuordnung der Dinge in Palästina volle Rücksicht auf die Wünsche und Interessen des gesetzestreuen Judentums genommen werde, das auf den Grundlagen von Thora und Tradition stehe und von der Jewish Agency nicht vertreten werde und daß, wenn jene ersehnte Zeit kommt, da Juden und Araber an einem Tische sitzen, die Agudas Jisroel nicht draußen bleibe. Dr. M. Buxbaum teilte dem High Commissioner den Inhalt eines Teiegrammes der Agudas Jisroel in S a f e d mit, wonach sich dort die Lage so kritisch zugespitzt habe, daß die Juden in größter Gefahr und Angst leben. Die Antwort des High Commissioner war kurz und prägnant, aber nicht unherzlich. Auch er leide schwer unter den derzeitigen Verhältnissen und er könne die Worte des Oherrahhiners und des Rabbi Blau verstehen. Er könne nur wiederholen, was er bereits auch den Delegierten des Waad leumi gesagt hat, daß sich die Regierung von. keinen Gewalttaten einschüchtern lasse. Zur angeblichen Einwanderungssperre habe er dem nichts zuzufügen, was er bereits wiederholt geäußert habe. Es sei verfrüht, über die Frage der Entschädigungen zu sprechen, so lange die Unruhen andauern. Die Regierung werde ernstlich die Sache erwägen, sobald die Ruhe hergestellt sei. Tief erschüttert sei er von den Vorgän* gen in Safed, hoffe aber, daß die Administration dort nun wachsam auf dem Posten stehen werde. Ueberfällen aus dem Hinterhalte entgegenzutreten, falle keiner Regierung leicht, er zweifle aber nicht, daß in absehbarer Zeit die vollkommene Ruhe wieder hergestellt sein wird. Mn. G.-P. Irgun dati. Petach Tikwah, 1. Sept. Man schreibt uns aus Petach Tikwah: Einwanderer aus Deutschland, auch wenn sie mehr oder minder reichlich über die Mittel zu landwirt* schaftlicher Ansiedlung verfügen und auch wenn sie eine gründliche Hachscharah hinter sich haben, stoßen in Palästina bei der Gründung oder dem Erwerb eines eigenen Meschek auf besondere Schwierigkeiten, wenn sie ihre Umschichtungspläne innerhalb eines religiösen Milieus verwirklichen wollen. Es gibt zur Zeit keine gesetzestreuen Mittelstandssiedlungen in Erez Israel. Nicht als ob man religiöse Olim in den bestehenden oder in der Entstehung begriffenen Siedlungen nicht aufnehmen würde; im Gegenteil, immer wieder hört man, — und das ist keine Phrase —, daß man dort religiöse Siedler gern aufnimmt und ihre Wünsche weitgehend respektieren will. Aber es liegt in der Natur der Sache, daß ein einzelner traditionell eingestellter Jude in einem religiös neutralen Milieu eben immer ein Einzelgänger ist, dessen Einfluß auf die Gestaltung des Gemeinschaftslebens unbedeutend sein muß. Die bis* herigen Erfahrungen zeigen jedenfalls, daß auf den bisher beschrittenen Wegen das religiöse Judentum sich atomisierte. Diesem bestehenden Mißstand sucht nun eine Gruppe von mittelständischen deutschen Olim abzuhelfen, die sich unter dem Namen „Irgun dati" in Petach Tikwah zusammengeschlossen hat und die einen Kreis gleichgesinnter Leute um sich sammeln will, um als geschlossene Gruppe zur Ansiedlung zu gehen. Die Gruppe ist politisch neutral; sie verlangt von ihren Mitgliedern, daß sie die Pflicht zu Binjan Haarez in Wort und Tat anerkennen und durch Charakter und Lebensführung Gewähr für die Verwirklichung der angestrebten Pläne bieten. , Nähere Auskunft erteilt u. a. Dr. Markus Freund, Petach Tikwah, Reh. Herzl.

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