Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1936)
- Date
- 1936-09-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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•Seite 8 Nr. 37 Oer Israelit 10. September 1936 Palästina. Der Kleinkrieg in Palästina geht weiter, Jerusalem, 2. Sept. In der Nacht zum Mittwoch stieß edne Autodroschke bei Natania auf eine Mine. Ein Insasse, Jehuda Spiewak, wurde hierbei schwer verletzt. Bewaffnete Araber haben das Militärlager Beer Schewa angegriffen. Ein Soldat wurde leicht ver* wundet. Bei Ras e I A i n wurde ein judischer Autobus beschossen. Ein arabisches Kind, das auf der Straße spielte, wurde durch Kugeln der Angreifer verwundet, Da die Araber auf den Straßen zwischen Gaza und Khan Junis Minen gelegt haben, werden die Muchtare der Dörfer dieser Gegend gezwungen, in Autos den die -Straßen passieren' den Militär kraftwagen vor an zufahren. Die Muchtaras haben darauf ihre Aemter niedergelegt. In eine jüdische Gerberei in der Jerusalemer Vorstadt Givat Schaul wurde eine Bombe geschleudert. Durch den bei der Explosion entstandenen Brand wurde die Gerberei vollständig vernichtet. Ein jüdischer Autobus ist auf der Fahrt durch Ramie mit Steinen beworfen worden. Einer der Insassen, Mosche B e j a r s k i, wurde durch einen Steinwurf verletzt und mußte in das Hadassah-Kran* kenhaus in Tel Awiw gebracht werden. Auch bei J a g u r sind die von und nach Haifa fahrenden Autobusse heftig angegriffen worden. Die Oelleitung de* Irak- Petroleum» Gesellschaft ist abermals bei Pamra im Beisan-Gebiet durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt worden. Das ausströmende Oel wurde in Brand gesteckt. Ein Militärkraftwagen stieß auf der Straße Jerusalem—Nablus auf eine Mine. Vier Soldaten wurden schwer verwundet. Ein jüdisches Packhaus bei R e * c h o w o t und ein arabischer Schuppen bei Ramie wurden niedergebrannt. Das landwirtschaftliche Bulletin der „Official Gazette" teilt mit, daß in den ersten drei Monaten der Unruhen 36 600 Weinstöcke vernichtet wurden. Die amerikanischen Senatoren, die zu Studien* zwecken nach Palästina gekommen sind, bereisen jetzt das Land in Begleitung von zehn Geheimpolizisten, die von einem hohen Polizeikommissar befehligt werden. Die Autobuskooperative für den Personen- und Güterverkehr in Tel Awiw hat gepanzerte Autobusse in Dienst gestellt. Der Kommandant des transjordani&chen Grenzwachkorps, Pik Pascha, hat die Versendung von Weintrauben aus Transjordanien nach Palästina verboten, weil in den Kisten Munition nach Palästina geschmuggelt wurde. Bei A n a b t a in den Bergen bei Tulkerem kam es am Donnerstag zu einem schweren Gefecht zwischen englischen Truppen und arabischen Banden. Ein Flugzeug wurde getroffen und mußte niedergehenl Der Fliegeroffizier Huater und -der Bedienun<|smann des Maschinengewehrs "wurden getötet, das Flugzeug verbrannte. Außerdem ist ein Korporal des zweiten Bataillons des Lincolnshire-Regiments gefal* len, zwei Offiziere und zwei Soldaten wurden verwundet. Auf Seiten der arabischen Rebellen sind etwa 20 Mann gefallen. S a f e d, sowie die Siedlungen B e t Alfa und H a o z a r sind heftig aus verborgenen. Schützen1 nestern beschossen worden. Die Telefonleäitungen zwischen den Kolonien Bet Alfa, Natania, Ramat Hakowesch und Haozar sind durchschnitten worden; Rund 3000 jüdische Einwanderer im August. Jerusalem, 3. Sept. Im Verlaufe des Monats August sind in Palästina 2865 jüdische Einwanderer neu eingetroffen. 1800 von ihnen reisten mit Zertifikaten der Jewish Agency ein. Zusammen mit den im August als Einwanderer legalisierten Touristen dürfte di© Zahl der jüdischen Einwanderer im August die Ziffer 3000 übersteigen. Der Dampfer „Galiläa" brachte am Montag 500 Passagiere nach Haifa, darunter über 300 jüdische Einwanderer aus Deutschland. Letzte Nachrichten aus Palästina, Jerusalem, 8. Sept. Das Oberste arabische Komitee hat als Antwort auf den Londoner Kabinettsabschluß Fortsetzung des Streikes proklamiert. Daß zwischen den verantwortlichen arabischen Parteiführern und den Terroristen, alle Erklärungen der ersteren zum Trotze, Verbindungen .bestehen, haben auch neuerdings Haussuchungen in Jaffa erwiesen. Kein Wunder, daß die Zusammenstöße nicht aufhören. Am Sonntag lieferten wieder arabische- 'Banden bei Nablus den englischen Truppen ein blutiges Gefecht, bei dem viele Araber getötet wurden. Die Araber geben jetzt eigene Communiques über die Gefechte au®, die den engEschen widersprechen. Bomben, die am Sonntag gegen das große King David Hotel in Jerusalem und andere Gebäude geworfen wurden, richteten keinen besonderen Schaden an. Im Hadassah-Krankenhaus in Tel Awiw erlag am Sonntag der am 1. September schwer verwundete Jehuda Spiewak seinen Verletzungen. Damit hat die Zahl der jüdischen Todesopfer 82 erreicht. Auf den »teilvertretenden Chefsekretär Max Nif: r o k, der Jude ist, wurde am Montag vormittag ein Attentat verübt. Die Revolverschüsse verfehlten. aber ihr Ziel. Die Attentäter konnten wieder entkommen. Der erwartete Kriegszustand ist noch nicht da, doch glaubt man, daß seine Verhängung nur noch eine Frage von Tagen ist. Ueber die Stadt Nablus, den Herd der Unruhen, ist ein täglich 19 st findiger Ausnahmezustand verhängt, so daß der Straßenverkehr nur für fünf Stunden täglich freigegeben ist. Der Zustand wird solange andauern, bis die Stadt die ihr aufgelegte Kollektivstrafe bezahlt hat. Ein hier verbreitetes Gerücht, daß König E d ua r d, der zur Zeit in der Türkei weilt, dort mit dem irakischen Außenminister Nuri Pascha zusammentreffen werde, wird hier mit aller Entschiedenheit dementiert. Jüdische Industrie in Palästina fordert Mjilitärlieferungen. Jerusalem, 2. Sept. Aus Kreisen der jüdischen Industrie Palästinas wird eine stärkere Berücksichtigung heimischer Erzeugnisse bei der Versorgung der in Palästina sta* tionierten englischen Truppen verlangt. Man weist darauf hin, daß die Verproviantierung dieser Truppen vielfach durch Einfuhr von Waren und damit durch Export palästinensischen Kapitals .geschieht. Dieser Zustand müsse dadurch geändert werden, daß man Erzeugnisse der palästinensischen Industrie und Landwirtschaft verwendet. Die Gründungstätigkeit in Palästina stark zurückgegangen. Jerusalem, 2, Sept. Die Zahl der Gründungen in der palästinensischen Wirtschaft, die im Jahre 1935 einen Höchststand erreichte, hat sich auf Grund der Wirtschaftslage des¬ Landes erheblich vermindert. Für 1935 werden dAe jüdischen Investitionen in Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Bauwesen und Boden auf 10 Millionen Pfund geschätzt. Es ist nicht anzunehmen, daß im Jahre 1936 die gleiche Höhe des Wertes der In* vestitionen erreicht werden wird. Kennzeichnend für den Verlauf der Gründungstätigkedt in der palästinensischen Wirtschaft ist die Tatsache, daß im ersten Halbjahr 1935 167 Aktiengesellstchaften mit einem Kapital von insgesamt 2,2 Millionen Pfund gegründet worden sind, während im ersten Halbjahr 1936 nur 89 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 0,5 Millionen Pfund registriert wurden. Bei dem Rückgang des in Gesellschaften investierten Kapitals um fast vier Fünftel ist allerdings zu berücksichtigen, daß Anfang 1935 mehrere Großunternehmen mit Kapita* lien von je mehr als 100.000 Pfund errichtet wurden, was sich dann auf die Gesamtziffer auswirkte. Im ersten Halbjahr 1935 sind über 28 Kapdtalerhöhiragen von Gesellschaften im Gesamtbetrage von fast 2 Millionen Pfund erfolgt. In den Monaten Januar bis Juni 1936 sind nur 20 Erhöhungen im Betrage von 440.000 Pfund registriert worden. Vor kurzem ist eine KoUeneinifuhrgesellschaft in Tel Awiw mit einem Kapital von 10.000 Pfund gegründet worden; Die Gesellschaft will auch eine Brikettfabrik errichten, 'die jährlich 10.000 to Briketts produzieren soll. Große öffentliche Arbeiten in Palästina, Jerusalem, 2. Sept. Auf Grund der Verhandlungen, die von der politischen Abteilung der Jewish Agency mit dem Regierungsdepartment für öffentliche Arbeiten geführt worden sind, wurde ein Arbeitskontrakt für die Her* Stellung von 49 Kilometer neuer Straßen im Emek und in der Scharon-Ebene geschlossen. Die Arbeiten werden von der kooperativen Baugenossenschaft „Solei Boneh" durchgeführt. Die Genossenschaft hat auch von dem Haifaer Department für öffentliche Arbeiten den Auftrag zum Bau von Straßen zwischen Haifa und Tire und zwischen Benjamina und Chedera und zur Lieferung des hierzu erforderlichen Stein* materials erhallten. Die Arbeit, für 'die ein Betrag von etwa 100.000 Pfund erforderlich ist, wunde bereits aufgenommen, Zur Zeit sind 300 jüdische Arbeiter bei dem Straßenbau beschäftigt. Mit dem Fortschritt der Arbeiten soll ihre Zahl auf tausend erhöht werden. Als erster Transport in der neuen Exportsaison sind in Haifa drei Waggons Zitrusfrüchte aus Petach Tikwah, Rechowot und Ghedera eingetroffen. Im Zusammenhang damit hat sich das Gerücht verbreitet, daß die arabischen Schiffer unmittelbar vor dem Abbruch des Streiks stehen, weil säe fürchten, die Arbeit der neuen Ausfuhrsaison zu verlieren. Palästinensische Bevölkerungsstatistik für das erste Vierteljahr 1936. Jerusalem, 2. Sept. Nach einer Schätzung des Statistischen Büros der Pälästinaregierung .ist die Bevölkerung Palästinas in den ersten drei Monaten de® laufenden Jahres um 84.695 auf 1,263.136 Seelen angewachsen. Die Zahl der Juden betrug am 1. April 366.136, die der Mohammedaner 778.615 (66.553 Beduinen nicht eingerechnet) und die der Christen und Angehörigen sonstiger Bekenntnisse 118.365. Die jüdische Bevölkerung des Landes hat sich in dem ersten Vierteljahr um 10.984, die mohammeda* , nische um 8480 und die christliche und sonstige um 2111 Seelen vermehrt. Dieser Statistik zufolge machte die jüdische Bevölkerung Palästinas bei Nichteinrechnung der Beduinen 29 Proz. der Gesamtbevölkerung des Landes aus. » * Jerusalem, 2. Sept. In der „Official Gazette" wird bekanntgegeben, daß eine neugegründete „Palestine Petroleum Com* pany" in das Handelsregister eingetragen wurde. Aufgabe der Gesellschaft ist die Erschließung und Ausbeutung von Erdölvorkommen in Palästina. Mitglieder der Gesellschaft sind vier Araber umid ein Jude, ein Kolonist aus Rechowot. Soeben veröffentlichte statistische Angaben über die Palästinatouristik lassen ersehen, welche Rück* Wirkungen die Unruhen in Palästina auf den Fremdenverkehr gehabt haben. Während in den ersten sechs Monaten des Jahres 1935 56.270 Touristen »ach Palästina gekommen sind, von denen 87 Proz. 'das Land wieder verlassen haben, waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bloß 34.637 und von diesen sind 99 Proz. wieder ausgereist. Es ist somit im Vergleich zum vorangegangenen Jahre ein 40prozentiger Rückgang des Touristenverkehrs zu verzeichnen. In der „Official Gazette" werden neue Verfahrens* Vorschriften für Konkurse veröffentlicht. Die neue Konkursordnung zerfällt in 287 Abschnitte und führt in einem Anhang über 190 Formulare, die in einem Verfahren Verwendung finden sollen.