Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1936)
- Date
- 1936-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a- 10. September 1936 23. EM 5696 Mumm©!* 37 euer m erbefe Erwartung des Belagerungszustandes. Aus London wird berichtet, daß Generalleutnant D i 11 , der frühere Chef der Operationsabteilung im Kriegsministerium, zum militärischen Oberbefehlshaber in Palästina ernannt wurde und sich bereits auf den Weg nach Palästina begeben hat, Früher lägdas Oberkommando in Palästina in Händen des High Commissioners, seit den. Unruhen übte der Oberkommandierende der Flugmacht das Oberkommando aus. Die Ernennung wird vom englischen Kolonialministerium mit einem halbamtlichen Communique über die Lage in Palästina begleitet. Es wird darin die Entwicklung der Dinge seit Ausbruch der Unruhen kurz geschildert, bis zur Ernennung der Königl. Prüfungskommission. Die Kommission, heißt es darin, könne erst nach Beendigung der Unruhen -ihre Arbeiten aufnehmen. Es wird darin ferner auf die Vermittlungsversuche des Königs von Saudi-Arabien, des Em i r s von Transjordanien und des Außenministers der 1 r a k - R e g i e r u n g eingegangen, die kein hei r i e d ig endes,Ergeb n.i s g e b r a c h t hätten. Am 31. August hätten die arabischen Führer in einer Kundgebung erklärt, daß. sie den Streik .fortsetzen wurden, bis ihr Ziel erreicht sei. Nach einer sorgfältigen Ueberprüfung der ■Gesamtlage habe sich die britische Regierung überzeugt, daß sehn e Ii? r? und wirksame r e M a ß n a hm en ergriffen werden müssen, um den Gewalttätigkeiten möglichst rasch.-ein Ende zu bereiten. Zu diesem Zweck habe sie es für nötig gehalten, weitere beträc h t Ii che Verstärkungen nach T, a l ä s t i n a zu entsenden. Im Hinblick auf den Umfang /der Verstärkungen und der damit zusammenhängend eh erhöhten Verantwortung sei das militärische Oberkommando in die Hände des Generalleutnants D i 11 gelegt worden. In der'J'Erklärung wird schließlich betont, daß die'; britische Regierung auf der Grundlage des Berichtes . stehe, den der Mandätsausschüß dem Völkerbundsrat im Jahre 1930 erteilt habe, und in dem es hieß, daß d i e V e r p I l i c h t tutg.e n d e r MTa n d a.t s m a c h t v o n gl e i - . c h e m: Gewicht für beide Teile der B eiv S'l'lc'fe'r unig s 6 i e'n: '. ". . " ';■'/,.;!!'::. ■ ■ ■•:... - '. ■ 0 ' - "' . -.' ■. ' - Im Zusammenhang damit: werden die Vorkehrungen zü dem Transport von 1 Ö ÖOO M ä n n nach Palästina bekanntgegeben. Eine kleinere Vorhut geht bereits am 9. September ab. Das Gros verläßt England am 14,, 18., 20. und 22. September. : Die K o s t en , die sich; aus der Entsendung1 der Truppen und der Verstärkung der;. Besatzung, ergeben, gehen zu Lasten ■ * Palästinas. Die Militärverwaltung kömmt für die Kosten der normalen Garnisonen auf, während alle zusätzlichen Ausgaben von der Mandatsverwaltung getragen werden müssen. , Wie die ITA. ferner erfährt, sind alle Vorbereitungen für die P r o k 1 am ierung des Belagerungszustandes getroffen. Die Palästinaverwaltung hat gemeinsam mit den Befehlshabern der in Palästina stationierten Streitkräfte; eine Beratung abgehalten, um die Abgrenzung der Gebiete vorzunehmen, über die der Belagerungszustand zunächst verhängt werden soll. Gleichzeitig wurde auch die Einsetzung von Standgerichten und anderen beim Belagerungszustand erforderlichen Dienststellen erörtert. Ueber den Eindruck in Palästina wird berichtet: Während unter den Arabern tiefe. Enttäuschung über die Erklärung der Regierung herrscht, (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Nach dem Kabinettsbeschluß in London Seite 2 Die Gemeinde wählen in Polen . . . . Seite 2 RoSchtaSctanah-GlückwünScIie .... Seite 2 Siad direkte Verhandlungen mit den Arabern möglich?............Seite 3 Scheiterhaufen in Spanien .....Seite 3 Gesetzestreue Schulen in Preußen. . Von Dr. Hermann Weil.....Seite 4 Ein Wort an unsere thoratreue Jugend Seite 5 Die jüdische Kulturarbeit in Deutschland. Seite 6 Palästinaeinwanderer aus Deutschland Seite 6 Zur jüdischen Lage in Polen.....Seite 7 Briefe aus Palästina......Seite 8 und 9 Von Rafob. Mosch« Blau in Jerusalem, „Als G'tt seine Welt erschaffen wollte, schaute er erst in seine Thora, um danach den Weltenbau zu errichten." Als Agudas Jisroel eine politische Bewegung wurde, schauten sie erst in das Thorabuch, um danach ihre politischen Richtlinien festzusetzen. Die Pa- Tästihapolitik der Agudas Jisroel ist ein Teil ihrer politischen Weltanschauung schlechthin, die aus der Quelle der Sinailehre geschöpft ist. Agudas Jisroel verneint das Gallith nicht, aber bejaht es auch nicht. „Hast Du der Erlösung geharrt?" ist eine der sechs Fragen, auf die wir einst vor dem g'ttlichen Richter Antwort zu geberi'haben. Die Erlösung ist uns stets nahe und gegenwärtig, ohne daß wir uns nur für einen Augenblick von ihr ablenken können. Darum kann die Aguda das Galuth nicht schlechthin bejahen noch es zu stabilisieren trachten. Allein Agudas!-Jisroel kann den Goluszustand auch nicht negieren und' übersehen, solange die Erlösung noch nicht d# ist. Solange wir im Galuth sind, känn 'sibii, das gesetz^streue Judentum von dem Tätbestähd des Galuth und den uns daraus erwäc^sejnderi .Aufgab^ Gältith ist kein stabiler Begriff, auch, bedeutet esjCkeinen Dauer^undIdealzustand für die; Thora.;!;'Die'Ge- und ■^Verböte, die wir. außerhalb des Landes halten, sind Vorbereitung, Hachschara für Erez Israel; Das gilt nicht allein für die' Erez Jisroel. Gebote, die an den Boden Erez Israels gebunden sind. Und trotzdem: solange der Galuthzustand andauert, sind die religiösen Verpflichtungen auch und gerade im Galuth bündig, festgelegt und heilig. Im gleichen Verhältnis steht das gesetzestreue Judentum auch zum jüdischen Nationalismus. Wir können das Wesen des Nationalismus, d. h. die Eigentümlichkeiten des jüdischen Volkes, nicht verleugnen. Indessen kann nicht der Nationalist mus als Grundkern' des Judentums angesehen werden, Ein Proselyte, der zur jüdischen Gemeinschaft gefunden hat, wird als Jude in jeglicher Beziehung angesehen, dagegen hat ein Jude, der den Sabbat entweiht, sein Judesein verwirkt. Von diesen Erwägungen war auch von vornherein die Stellung der Agudas Jisroel zum Najtionalheim in Erez Israel als zur Vorstufe für die Geulah bedingt. Nie dachte Agudas Jisroel daran, den Jischuw zu bagatellisieren und die mustergültige Arbeit derer,;die am Nationalheim bauen, zu verkennen. „Wer in E. J. wohnt, ist G'tt . nahe", heißt es im Talmud. Die Liebe zu und die Sehnsucht nach Erez Israel hat im Galuth nie nachgelassen. Auf der anderen Seite aber lehnte es die Aguda ab, im Aufbau des Jischuw übertriebenerweise das einzige Element des Judentums zu erblicken. Unser Volkstum (Fortsetzung siehe Seite 3.) m