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Der Israelit · 1936-09-03 · Heft 36 (3.9.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 36 (3.9.1936)
Date
1936-09-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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3. September 1936 .D J s ,r a. e l ,i;.t Nr. 36 Seite 13 Die Tragödie der Thoräschxeiberfamilie. in Saied. Safed, 25. Aug. Aus den eingelangten, palästinensischen Zeitungen erfahren wir die Einzelheiten über den vierfachen Mord in Safed. Unter dem Drucke der Zensur dür fen die Zeitungen nicht mehr als nackte Tatsachen berichten. Aber diese sprechen genugsam für sich. Es war in der neunten Abendstunde von Don nerstag zu Freitag, am 26. Aw, als eine Horde Araber auf dem Wege über den jüdischen Friedhof durch die kleinen Gäßchen in die Judengasse eindrang; Der jüdische Distriktskommissar Bergmann war tags vorher abberufen worden und der neue DistriktskommiS' sar, man weiß nicht warum, hatte gerade für diesen Abend die Wache von der jüdischen Gasse zurück gezogen. Im armseligen Häuschen des iThoraschrei» bers war die Türe kaum abgeschlossen. Die Mörder gelangten ins vordere Zimmer, wo die drei Kinder auf einer Matte auf dem Boden schliefen, Im Nebenzimmer, deren Türe offen stand,brannte eine kleine Petroleumlampe, die die Mörder zu sich nahmen. Vater Unger und seine Frau, ebenso deren Mutter, die erst das Ganze nicht begriffen, hörten noch, wie einer sagte: „Schlafende Kinder, schade!" Da brüllte der andere: „Kinder werden Erwachsene, weg mit dem Judenpack!" Und schon dröhnten Schüsse. Vater Unger traf ein Schuß, der ihm den Kopf zerschmetterte. Die Großmutter setzte sich, nachdem schon die zwei Kinder tot waren, aufs La» ger des dritten Kindes, um es ztis chützen. Die Mordbubeh schleuderten sie beiseite und schössen auch auf das dritte Kind, das am zweiten Morgen seine Seele aushauchte. Sie schössen dann auch auf die zwei Frauen, verwundeten sie aber nur leicht. Die Bestattung der vierköpfigen Familie fand noch am Freitag vor Sabbateingang statt. Der herbeigeeilte frühere Distriktskommissar Bergmann (er ist .inzwischen* wieder in sein Amt eingesetzt worden), ging gesenkten Hauptes hinter der Bahre her und war nicht imstande, auf dem Friedhofe ein Wort aus dem Munde hervorzubringen. Am Montag darauf fand in der großen Schul in Verbindung mit Jomkipp.ur kofon eine große Trauerkundgebung statt. Die ganze. Gemeinde Safed hatte an diesem Tage gefastet, die Geschäfte ruhten. Die Rabbiner der aschkenasischen und sepharclischen Gemeinde, sowie Vertreter der Agudas Jisroel und des K e h i 1lakomitees hielten erschütternde Trauerreden. Die Großmutter richtete einen Brief an den Hi gh C o m mi s si o n e r , der in allen Zeitungen Palästinas veröffentlicht wurde. Die alte Frau frag*t in dem Brief, ob Exzellenz schon je gesehen hätten, wie man Blut von Kindern im Schöße der Mutter vergießt? Im Briefe wird der Hergang des schauerlichen Mordes genau geschildert und es heißt darin weiter: „Ew. Exzellenz haben schon genug Blut gesehen, aber ich bitte Sie, nach Safed zu kommen, durch die düsteren Gassen zu gehen, bis in jenes kleine, arme Stübchen, wo das Blut der Märtyrer, der unschuldigen kleinen Kinder noch am. Boden haftet, der Kinder, die beim großen lieben G'tt Anklage erheben gegen die verantwortlichen Lenker der britischen Weltmacht. Könnten die Führer dieses Blut sehen, ich wette", sie würden mit einer Haridbewegung, und koste es was es wolle, dem immer hoch anhaltenden großen Morden ein Ende setzen und es nicht mehr zulassen, daß die Bestie sich noch weiter -an unschuldigem Blute berauscht, Eltern ihrer Kinder und Kinder ihrer Väter und Mütter beraubt." Amerika, Der Gründer d^s Orthodoxen Rabbinßrverbande's Amerikas gestorben. New York, 25. Äug. In Belmar, New Jersey, ist Rabbi .Morris S. M a l•- g o 1 i e s , einer der ältesten Rabbiner Amerikas und Gründer des V e r b a n d e s o r t h o d ° x e r Rabbiner in Amerika und Kanada, am 25. August an den Folgen einer Blutvergiftung gestorben. Rabbi Morgoldes war, 1851 in Kroza in Rußland geboren. Seine Studien absolvierte er an litauischen Die Woche. Frankfurt a. M. In Darmstadt wurde ein Angeklagter. zu einem . Jahr Gefängnis verurteilt, weil er an einem jüdischen Metzger mit anonymen Briefen Erpressungs» versuche begangen hatte. Berlin. Vom 24. bis 27. August fand in Berlin eine von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden veranstaltete p ä d a gogische Arbeitstagung im Rahmen der Lehrerfortbildung statt. Die Tagung, die von Dr. Fritz Bainberger geleitet wurde, war von etwa 200 Lehrern Berlins und der näheren Umgebung Berlins besucht. — Die Orchesterkonzerte des Berliner Kulturbunde® im September stehen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Hans Wilhelm Steinber'g. Der ..Kurt . Singer'sche Chor (früher Berliner Äerzte-Chor) wird im Winter zusammen mit dem Opern-: chor des Jüdischen Kulturbundes Berlin Handels, großes Ovatorium „Israel in Aegypten" zur Aufführung bringen. — Die „Juristische Wochenschrift" Seite. 2487 berichtet von einem in einem bestimmten Falle gefaßten Beschluß des L a n d g e r i c ,h t s Berlin, in dem ausgesprochen ist, daß eine deutsche Mutter das Recht der Sorge für die Person ihres deutschen Kindes mißbrauche, wenn sie' die Möglichkeit jüdischer Beeinflussung nicht völlig ausschalte. — Am Samstag, den 22. August, nachmittags, erlag der Hauptschriftleiter der „Jüdischen Allgemeinen Zeitung", Dr. Eugen Tannenbaum, einem Herzschlag. Der Verstorbene, ein Frankfurter Kind, der erst im 46. Lebensjahre stand, war früher an der S c h e r l P r es s e tätig und hat sich nicht zuletzt durch seine Wirksamkeit als Kritiker und Publizist einen Namen gemacht. — In der am 5. September in Berlin statt2 findenden Tagung des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde werden Fragen der Programmgestaltung erörtert 'Werden. — Im Hinblick auf die Problematik der jüdisch-arabischen Beziehungen wird von der ZVfD. erwogen, ein Institut für arabische Gegenwartskunde zu gründen, in der eine allgemeine Ausbildung in Ara'berkunde gegeben werden soll. Essen. Vor der Großen Strafkammer hatte sich ein 23jähriger Jude wegen Rassenschande und seine Geliebte wegen Begünstigung zu verantworten. Er erhielt neun Monate Gefängnis, das Mädchen dreißig Mark Geld» strafe. Die „Nationatzeitung" schreibt laut „Berliner Tageblatt" hierzu, daß solche milden Urteile nicht geeignet seien, das deutsche' Blut und die deutsche Ehre wirksam zu schützen. Würzburg. In der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg gab es im ersten Halbjähr 1936 drei Geburten, dagegen 26 Sterbefälle. 37 Personen sind ausgewandert. Die Gemeinde, die i. J. 1925 2261 und 1933 noch 2145 Personen zählte, ist am 1. August auf 1637, um fast 25 Proz. seit 1933 zurückgegangen. Zürich. Das Bibeldrama von Franz Werfe! „Der Weg der Verheißung", das ursprünglich unter der Regie von Max Reinhardt in New York uraufgeführt werden sollte, wird nunmehr im Züricher Schauspielhaus von. Direktor F. Riesser herausgebracht werden. ■ Budapest. Nach längerem Leiden verstarb im', Alter von 65 Jahren der reformierte Bischof von Debrecen, Dr. Desider- B a 11 a - z ar. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hat der Verstorbene sich gegen Judenfeind» schaft ausgesprochen und ist für eine gerechte Würdigung -von,;)Juden und Juden» tum eingetreten.. Prag. .Nach Meldungen der tschechoslovakischen Handelskammer, in P-alastina ist die diesjährige Zahl der Kurgäste aus Palästina, die in tschechoslovakischen Bädern weilen, bedeutend größer als im Vorjahre. Es hänge dies damit zusammen, daß die augenblickliche Lage1 beinahe aller palästinensischen Kurorte ■ keine Sicherheit biete und die Schiffahrtslinien ihre Preise auf ein Minimum herabgesetzt haben. London. Im „Daily Tele= '■< graph" veröffentlicht Pierre D r e y f u s ,: der Sohn des im vergangenen Jahre ver- - storbenen Hauptmanns Alfred Dreyfus, feine . •neue Darstellung des bekannten Spionage» ' Prozesses, die sich auf b i s h e <x u n b e ' kannte Briefe und Stellen aus^ dem^l Tagebuch von Hauptmann Dreyfus stützt. Jeschiwoths. Seit 1877 übte er den Rabbinerberuf in Sloboda (Polen), aus. Von 1889 bis 1906 war er Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde von Boston, seit 1906 Rabbiner der Synagogengemeinde Kehillat Jeschurun in New York. n"ax:n Afrika. Jüdische Flüchtlinge aus Spanisch-Marokko in Tanger. Tanger, 24. Aug. In Tanger sind zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Spanisch-Marokko eingetroffen, Auf Grund einer Intervention des italienischen Konsuls, der der Präsident der diplomatischen Kontrollkommission in' Tanger ist, wird ein großer Teil der Flüchtlinge nicht in das internationale Territorium in Tanger hineingelassen werden. Es Steht ihnen keine andere Mög» lichkeit offen, als nach Spanisch-Marokko wieder zurückzukehren, von wo sie deshalb-geflohen sind, weil sie schweren Repressalien ausgesetzt sind, die von den Militärbehörden des Generals Franco über sie verhängt wurden. (ITA.) Personalien. Hamburg, 30. Aug. Obgleich seit Monaten nicht unerwartet, ja vielleicht als Erlösung aus Qualen erwartet, hat dennoch das am Freitag rwi erfolgte Hinscheiden der braven und rührigen Frau Cäcilie K i s s i n g e r in weitesten Hamburger d'XT'-Kreisen tiefsten Schmerz ausgelöst. Noch vor wenigen Jahren hatte man ihr, infolge ihrer stetigen und opfer» bereiten Tätigkeit für nm bv n"m, kaum ihr Alter geglaubt. Sie wurde 1863 als Tochter Rafael Möllers geboren, dessen Kinder alle gehämmerte jüdische Charaktere waren und vy>K9 sind und dessen Frau Elise Möller geb. Beith ein besonderes leuchtendes Vorbild der gleichzeitigen Unermüdlichkeit in häuslicher und n-na-Pflicht für alle ihre Kinder war. Aus einem solchen Hause emporgewachsen, wurde sie 1892 die rechte Lebensgefährtin für den Lehrer und Jugendbildner Meier Kissinger, der ganze Generationen der Hamburger D',kt> heranbildete und sich ihr dankbarstes Gedenken ewig gesichert hat. Im Geiste ihres Elternhauses erzog sie ihre Töchter, die nun ihre Jüdischkeit und Liebe zur miri der neuen Generation weitergeben, im gleichen Geiste auch die Waisenkinder der Ältonaer Gemeinde, die der sorgenden Liebe der Kissinger'schen Eheleute von 1908 bis zum Eingehen des Altonaer Waiseninstituts anvertraut waren; — selbst manchem fremdem jungan Menschen, der im Kissinger'schen Hause ein Heim fand, wurde darin etwas von der selbstverständ» liehen und anheimelnden Jüdischkeit dieser Getreuen mit auf den späteren Lebensweg gegeben. Beim Begräbnisse am Sonntag, dem 28. Ab, kam in den Wor» ten einiger offizieller Persönlichkeiten, aber auch in denen des Vertreters der Familie, Dr. Rafael Möller, die tiefe Trauer zum Ausdrucke, welche in der ganzen Gemeinschaft unserer Hamburger Freunde, deren Reihen sich so sehr gelichtet, über Cäcilie Kissingers Tod herrscht. Möge da® tvot der Verstorbenen uns allen in den kommenden yrn •>»•> ein "guter Fürsprech sein. Gleich ihrem Vaterhause kann auch ihrem eigenen Stamme das in unserer friedlosen Zeit besonders kostbare Trostwort der Haftora ihrer Sterbewoche zugerufenvi.werden: „Alle deine Kinder sind zu G'tt erzogen, und so. ist groß der Friede deiner Kinder." n"3S3n Regensburg, 30. Aug. In der Nacht zum Freitag, den 14. August, verschied die Gattin unseres verewigten alten '-P'Si m. Frau Mathilde Dr. Meyer' n"V- Eine Frau ist mit ihr dahingegangen, die es stets, dank ihrer Güte und Herzensbildung verstand, ihr Haus zum Mittelpunkte unserer Gemeinde zu machen. Ihr kunstverständiger Sinn kam in den von ihr geschaffenen jüdischen Gemälden zum Aus» druck, mit denen sie die Wände ihres Heimes schmückte. Trotzdem die Verschiedene zehn Jahre lang an den Krankenstuhl gefesselt war, verlor sie niemals ihr G'ttverträuen. All die Liebe und Wertschätzung, derer sich die Dahingegangene erfreute, tat sich bei der am Sonntag, den 16. August, statt» gefundenen ''iV kund. In einer großangelegten Ansprache entrollte Herr Bezirksrabbiner Dr. S a 1 o - mon ein wahres'Lebensbild der Entschlafenen und pries ihre seltenen hervorragenden Eigenschaften. Mit kindlichen dankbaren ■ Worten für all das Geleistete, ■ nahm ein Sohn der Dahingeschiedenen Abschied von der teuren Mutter. — Im Trauerhause würdigten nochmals die Herren Oberlehrer Sonn und Kantor Jacob L e w k o w i t z in warmgehaltenen i CP-ipon die überragenden Taten unserer heim» gegangenen Rabbinersfrau. Möge ihr rrOT unserer n^np beistehen. rrsa^n M. Ltz. '

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