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Der Israelit · 1936-08-07 · Heft 32 (7.8.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 32 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 32 Der Israelit 7.-August 1936 allem Elend Juden bleiben, und deshalb sie ver dämmen — nein, Vater, um der Gerechtigkeit willen kann ich die Juden zwar nie ganz lieben aber niemals auch hassen, geschweige .denn verfolgen ..." Aufatmend stand Prosper vor dem Vater Aus ihm glühte alle Männlichkeit, die ihn über seine Zeit hinwegsehen ließ und sein Herz weit machte für das jüdische Sein, dem er Gerech tigkeit als einer der ersten seines Landes wider fahren ließ. (Fortsetzung folgt.) Geschichtliches aus dem Talmud nach der Tempelzerstörung Von Benzion Rachelsohn in Frankfurt a. M/ (Schluß.) Auffällig ist dagegen, wieso Rabbi Jehoschua ben Chananjah so sicher war, daß der Junge später ein mal Mauroh Haurooh sein wird, woher hat er diese Gewißheit geschöpft? Tausfaus bemerkt zur Stelle, Rabbi Jehoschua ben Chananjah hielt den Jungen für einen nnana ibsmfür besondere weise. Das ist aber gerade, was wir fragen. Worin hat Rabbi Jehoschua ben Chananjah diese geistige Ueberlegenheit des Jungen erblickt? Die Beschlagenheit in T'nach, die der Junge zweifellos im hohen Maße besessen hat — sonst könnte er nicht plötzlich die zweite Hälfte des abgebrochenen jesajanischen Verses aufgreifen und fortsetzen — dürfte für eine Haurooh-Prognose kaum ausreichend sein, da T'nach und Haurooh im allgemeinen zwei verschiedene Gebiete sind. Viel* leicht aber war auch ausschlaggebend für den Titel nnana a^aw (besonderer Geist) der allgemein klare und tiefe Verstand, der aus der Antwort des Jungen spricht (S. Bowo Baßro 119b. p nvaaan msbi r-TOa- Hierzu bemerkt Raschbam: f-iK ina p nvwan]>. Denn man bedenke doch: Hinter Schloß und Riegel hörte plötzlich der Junge eine Stimme draußen vor der Türe laut rufen: „Wer hat die Leiden über Israel verhängt?" Er sieht den Fragenden nicht. Er erkennt ihn auch, angesichts der veränderten Tonlage beim lauten Sprechen, höchstwahrscheinlich an der Stimme nicht. Er rief aber trotzdem laut zur Straße hinaus: „Es ist G'tt, demgegenüber wir uns versündigten usw.". Diese, einer jesajanischen Mahnpredigt entnommenen Worte, wirken, wenn sie der Einzelne zu -sich selbst spricht, wie ein Sündenbekenntnis. Ein Sündenbekenntnis ist wohl angebracht gegenüber rrapii/ oder jemand Irdischem, von dem man Gnade erflehen will. Ein Sündenbekenntnis aber laut zur offenen Straße hinauszuschreien und noch dazu im Feindeslande, ist nicht nur sinnlos, sondern unter Umständen auch gefährlich. Wer bürgt ihm dafür, daß nicht irgend ein Feind —? Hebräisch sprechende Täuflinge hat es immer gegeben — da draußen ihm eine Falle gestellt hätte und aus> dem entlockten Geständnis ihm einen Strick drehen würde, der für ihn verhängnisvoll werden könnte. Mit dieser Möglichkeit müßte der Junge, sofern er nicht gar zu dumm wäre — und das ist von einem Angehörigen des paai Dan djt wohl kaum anzunehmen — rechnen und, um allem aus dem Weg zu gehen, lieber — schweigen. Er hat aber nicht geschwiegen, sondern, allen Bedenken zm Trotz gesprochen. Das ist nur möglich, wenn der Junge in dem Fragenden da drau/ ßen einen aufrichtigen Freund erblickt hatte, dem er sich voll und ganz anvertrauen kann. Zu einer solch* sicheren Annahme aber gehört ein tiefdurchdringender Blick, ein großes Einfühlungsvermögen und ein treffsicherer Verstand. Diese Geistesgaben mochten mit dazu beigetragen haben, den Jungen als n»sna s*>bib zu bezeichnen und ihn zum Mauroh Haurooh zu proklamieren. Allein, in Pßochim 3b kommt ein ähnlicher Fall vor. Zwei Schüler saßen vor ihrem Lehrer (derselbe war entweder *~?*>n oder "ai- S. das.) und sprachen von einer bestimmten technischen Handlung, bei der gewisse Gefäße erforderlich 'sind und keinerlei Vorschritten bestehen, daß dieselben *VfflB sein müssen. Der eine Schüler fragte wörtlich: „Warum sindo'^a n'Rno unreine Gefäße in diesem Falle zulässig?" Dem anderen war der Ausdruck D'imo unsympathisch, und er formulierte seine Frage wie folgt: „Warum sind in diesem Falle keine onints n^a, reine Gefäße vorgeschrieben?" Auf Grund dieser Formulierung rief der Lehrer, ebenso wie Rabbi Jehoschua ben Chananjah in unserem Falle, über den Schüler aus: '3« mjaiör "Ii nra „ich bin überzeugt,, dieser Schüler ist Mauroh Haurooh in Israel." Dort erfolgte die Mauroh Haurooh-Prognose nicht auf Grund von intellektuellen Fähigkeiten, sondern lediglich auf Grund der mno V/pitt, des sogenannten Seelenadels, der aus der Yotmüli'erung der Frage spricht, Und das ist etwa wie folgt zu verstehen. In Sanhedrin 106b ist nämlich ein Grundsatz aufgestellt, daß es einem mangelhaften B»w KV niemals — selbst bei noch so großem Thorawissen — vergönnt sei, eine halachische Frage zu ' einer endgültigen, allseits anerkannten Entscheidung zu bringen; mit anderen Worten, eine nbxv richtig zu paßkenen. Diesen Schüler kannte jedenfalls der Lehrer von früher her für fähig zur Haurooh. Er hatte nur noch keine Gelegenheit, seine O'as? fiKl» bezw. seine sittliche Reife für die Haurooh=Funktion kennenzulernen. Kaum hat er daher die reine, edle Gesinnung des Schülers aus seiner Frage erkannt, war für ihn die Haurooh-Prognose zur feststehenden Tatsache geworden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß mit dem Jungen im Gefängnis in ähnlicher Weise vorgegangen worden ist. Rabbi Jehoschua ben Chananjah hat, wie ein gangs erwähnt, die Anregung erhalten, den Jungen zu befreien und nachher für "ihn weiter zu sorgen Ihm war es nicht bange um die intellektuellen Fähigkeiten des Jungen, er wollte sie schon zur Entfal tung bringen. Er zweifelte nur an der ovso dkt des Jungen. Denn es ist viel leichter, einen zum \vA (Gelehrten) zu machen, als zu einem w>nv 8T- Kaum aber hat er aus der Antwort des Jungen seine ungebrochene thoratreue Gesinnung erkannt, war für ihn die Prognose der Haurooh außer allem Zweifel Vermischtes. Bremen, 3. Aug. Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Bremen macht folgendes bekannt: „Da uns der große Union-Saal, den wir seit fast dreißig Jah ren benutzten, nicht mehr zur Verfügung steht, andere geeignete Räumlichkeiten aber nicht erhältlich sind, entstehen Schwierigkeiten hinsichtlich der Platzzuteiktng. Diese können durch Maßnahmen organisatorischer Art nicht behoben, vielleicht aber gelindert werden. Die Gemeindemitglieder werden deshalb gebeten, für die bestehende Situation Verständnis aufzubringen und uns ihre Plätze in denjenigen Stunden zur Verfügung zu stellen, in denen sie am G'ttesdienst nicht teilnehmen. Nur auf diese Weise ist es durchzusetzen, daß möglichst viele den G'ttesdienst besuchen können." Bad Brückenau, 6. Aug. Am pnrtKi nar beging das weithin bekannte Hotel Kaufmann den Tag seines 60jährigen Bestehens. Anknüpfend an den verlesenen Wochenabschnitt wies Herr Studienrat Erlebacher, Würzburg, als 'derzeitiger Gast, im Namen aller übrigen Gäste des Hauses, durch treffende Gleichnis©© auf die Reize des prächtigen Badeplatzes und' auf den bequemen und ungestörten Aufenthalt an demselben hin und rühmte in dankbarer Anerkennung und durch eine sinnige Widmung die unver* ändert hervorragende und liebevolle Aufnahme, die all denen bekannt ist, die in den beiden hiesigen Hotels zu verkehren Gelegenheit haben. Coburg, 3. Aug. Bei der Volkszählung 1925 zählte die Israelitische Kultusgemeinde Coburg insgesamt 316 Seelen; 1933 noch 220. Am 1. April 1936 umfaßte die Gemeinde 176 Juden und Anfang Juli 161. Von den am 1. April vorhandenen 176 Personen waren 25 unter 15 Jahre alt, 40 bis 30 Jahre, 93 von 30 bis 60 und 40 von 61 bis 90 Jahre. Strasbourg, 5. Aug. Wie bereits gemeldet wurde, ist die hiesige Agudagruppe wieder aufgelebt infolge des Vortrages von Herrn Jacob Rosenheim. Besonders die Jugendgruppe hat sofort angefangen zu arbeiten und ist bald dem schon seit 10 Jahren bestehenden Jugendverein Jeschurun beigetreten, da die meisten Agudisten diesem vorher schon angehörten. Infolgedessen besteht jetzt nur noch ein gemeinsamer Verein unter dem Namen „Yechouroun- Groupement de jeunessie Agoudiste". Damit ist endlieh eine Lücke ausgefüllt: Strasbourg hat wieder seine organisierte Aagudajugend, die jetzt schon fast 150 Mitglieder zählt. Hoffentlich wird es dem neuen Vorstand gelingen, eine segensreiche Arbeit zu leisten, zum Wohle der Strasbourger, wie auch der gesamten orthodoxen jüdischen Jugend. Familien-Nachrichten. Barmizwoth: Albert, Sohn des Herrn Joseph Mühlgay, Frankfurt a. M., Rückertstr. 50, nm niv, Synagoge Friedberger Anlage. Silberne Hochzeit: Nathan Löwy und Frau Bella geb. Kellermann, Nürnberg W., Knauerstraße 27, 27. Aw-15. August. 70. Geburtstag: Frau Jakob Cohen, Prag« Bilkova 19. Briefkasten. K. in K. Die anonyme Rezension des Geschichts" buches von Emil Gohn in der literarischen Beilage der jüngsten Nummer stammt nicht aus der Feder von Ör. Maximilian Landau in Berlin. Die Frankfurter Woche- Tagung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen-Nassau in Marburg a. d. Lahn. Unter Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. J. Ho r ovitz, Frankfurt "a. M., des ersten Vorsitzenden de« Prövinzialverbanidesi, fand vergangenen Sonntag; im Saale des Jüdischen Heilerziehungsheimes in Marbürg a. d. Lahn die diesjährige .Tagung des Provinzialverbandes Hessen-Nassau statt.; Nach der Begrüßung durch den Tagungsleiter gab die Geschäftsführerin dieses größten Provinzialvers bandes, Frl. Hilde M e y e r o' w i t z , einen Arbeitsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr 1935/36. Es wurden in der Berichtszeit im gesamten Gebiet des Verbandes, also den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden, etwas über eine Viertelmillion Mark für Unterstützungszwecke ausgegeben. Die Jüdische Winterhilfe, die ebenfalls vom Proyinzialverband aus durchgeführt wurde, betreute bei einer Seelenzahl des Bezirkes von etwa 9000, insgesamt 2333 Personen, also etwa 26 Proz. der jüdischen Bevölkerung. Der Bezirk leidet sehr stark unter der zunehmenden Ueberalterung der Gemeinden. Es ist nicht selten, daß das Verhältnis der Jugendlichen unter 14 Jahren zu den Mitgliedern von 14 Jahren, an wie 28 zu 100 ist. Die Ausgaben für die Berufs* Umschichtung sind gegenüber denen für die Erstausbildung sehr stark zurückgegangen. Große Schwierigkeiten bringt die Beschaffung der Mittel, .die zum großen Teil aus Zuschüssen der Reichsvertretung in Berlin sich zusammensetzen, aber auch die Gebe1 freudigkeit im Bezirke selbst ist sehr groß, allerdings macht sich hier die sehr starke Abwanderung der begüterten Familien 'bemerkbar. Nach diesem ausführlichen Geschäftsbericht sprach Herr Rabbiner Dr. Horovitz seinen besonders warmen Dank an Frl. Meyerowitz, die die immer wachsende Arbeit in stets gleichbleibender Zuverlässigkeit bewältigt, und für die übrigen Mitarbeiter des Verbandes aus. Er gab dann dem Vertreter von Kassel, Herrn Dr. Goldschmidt, das Wort, der kurz über die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle Kassel berichtete. Die Zahl der Betreuten war in Kassel im Winter 541, von diesen blieben zur Betreuung im Sommer 275 Fälle. Herr Dr. Goldschmidt machte dann noch einige Vorschläge für die Errechnung der Beiträge zur neuen Winterhilfe und führte einiges über die geplanten Bezirksschulen und die Frage der Altersheime aus. Vor der Mittagspause referierte Herr Dr. Max Hermann M ai e r, der Leiter der Frankfurter Zweigstelle 'des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, über Fragen und Aussichten' der Auswanderung. Am Nachmittage eröffnete Herr Dr. Horovitz in seiner feinen und netten Art, unter der die ganze Tagung wie unter einem guten Stern stand, wieder die Versammlung und bat um Meldungen zur Ausspräche über die Geschäftsberichte des" Vormittags. Es fiel besonders auf, daß in der ganzen Aussprache es sich bei den einzelnen Rednern nie darum drehte, Klagen oder Einwendungen zu machen, sondern lediglich darum, wie noch mehr getan und noch besser geholfen werden könne. Besonderen Anklang fanden die Vorschläge, begüterte Auswanderer zur Hilfe heranzuziehen. Jeder Auswanderer, der hier ein Sperrkonto zurücklassen muß, sollte nach diesem Vorschlag einen gewissen Betrag daraus der jüdischen Wohlfahrtspflege zur Verfügung stellen. Leider werden sich natürlich diese Vorschläge nicht in die Wirklichkeit umsetzen lassen, jedoch ist anzunehmen, daß die in Frage kommenden Auswanderer, wenn man an sie herantritt, von sich aus* einen gewissen Betrag für die Zurückbleibenden zur Verfügung stellen. Herr Dr. Lubineki, Berlin, begann dann sein längeres Referat über Wohlfahrtsfragen. Er wie* zunächst auf die Bedeutung Palästinas als Auswande* rungsland, die bei dieser Tagung noch nicht genügend gewürdigt worden sei, hin, kam dann zum Problem der Berufsausbildung, dessen Schwere sich in letzter Zeit immer mehr herausstelle. Den meisten Schulentlassenen sei heute nicht mehr die Möglichkeit einer normalen Berufsausbildung gegeben. Die meisten werden in öffentlich=jüdisichen Ersatzeinrichtungen wie Grundlehre, Lehrwerkstatt, neuntes Schuljahr usw. untergebracht. Man könne nicht ernst genug die Tatsache empfinden, daß es sich hier um Ersatzeinrichtungen und einstweilige Maßnahmen, noch ohne rechtes praktisches Ziel, handele. Demgegenüber wies der Referent auf die Bedeutung, die der Jugendalijah und der Ausbildung von Kindern im Auslände zukommt, hin> r ■ Die Frage der Zurückbleibende n wurde dann sehr ausführlich behandelt. Die meisten der Aelteren, und dieser Begriff de® Aelterseins fällt heute absolut nicht mehr mit dem physischen Begriff des Alters zusammen, haben hier keine Möglichkeit mehr, in den Wirtschaftsprozeß eingereiht zu-werf den und eine Auswaniderungsmöglichkeit ist^bei ihnen nur in,®ehr geringem Maße gegeben. Die bestehenden Altersheime seien größtenteils. überfüllt und für die heutigen Verhältnisse viel zu teuer. . Es. würden zwar Versuche mit neuen Heimtypen. gemacht, einzelne davon mit recht gutem Erfolg, jedoch stehe man hier mit seinen Bemühungen erst am Anfang. Zu den

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