Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1936)
- Date
- 1936-07-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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23. Juli 1936 v Israelit Nr. 30 Seite 15 In den Belagerungsnächten, Schließ' das Fenster und die Türe, Lösohe auch der Lampe Licht, Wie im Meer die Insel spüre Unsrer Nächte Sturmgesicht, Und man zählt -den Schlag der Stunden. Plötzlich— kracht ein ferner Schuß, Aug' in Finsternis, gebunden, . Herz erbebt vor solchem Gruß. Wärs mein Bruder, den es meuchlings Niederstreckte auf der Wacht? Krochen nicht die Wilden bäuchlings Lauernd aus der Wüstennacht? Neigte sich nicht dort ein Vater Schreckensfahl: „Mein Sohn ist diesi?!" Sieh, zum Richtblock eben trat der Letzte, den mein Volk entließ. Und man zählt den Schlag der Stunden. Plötzlich — flammen Feuersäulen, Himmelsrand bricht auf wie Wunden Und die Wasserwogen heulen. Siehst du nicht da® Wäldchen blaken, Das im Herbst gepflanzt die Brüder? Brennt man Scheunen und Baracken, Häuser samt den Menschen nieder? Rennen -dort nicht nackte Kinder Vaterlos in Furcht zusammen? Gegenüber steht der Schinder Und schießt krachend in die Flammen. - Rufen nicht zu uns noch Stimmen Angsterfüllt von Qual und Schmerzen? Brennt nicht . unser heiliger Tempel, Der erbaut in unsren Herzen? Müßige Rede, die ich führe. Ach, sie nützt und lindert nicht. Wie im Meer die Insel spüre Unsrer Nächte Sturmgesicht. S. Schalom. (Autorisierte Uebertragung aus dem Hebräischen von Sch&löm BenXhorinj'" Kinderecke. ...... ..^ - In den drei Wochen. Von Heinrich Ennstädter. Glühend lag die Julisonne auf den Pflastersteinen des kleinen Städtchens, über die nur selten ein Wagen rollte. Die Bürger suchten die kühlsten Räume des* Hause® auf, und die Frauen verschoben ihre Besorgungen auf den Abend, von dem wenigstens etwas Kühle zu erwarten war. Auch die Kinder mieden die Straße. In der jüdischen" Religionsschule war soeben, um 3 Uhr nachmittag®, der regelmäßige Unterricht beendigt; aber niemand bewegte sich der Tür zu. „Hitzierien" kannte man in diesem Räume nicht. Hingegen näherte sich ein kleines Mädchen schüchtern dem Lehrer: „Herr Lehrer! Würden Sie vielleicht so gut sein, uns noch eine Geschichte zu erzählen? Wir wollen auch sehr brav sein." Der Lehrer schaute lächelnd die Kleinen ah, die verlegen die Augen niederschlug, und dann die übrigen Kinder, die ihre Augen gespannt auf ihn richteten, und versetzte mit absichtlicher Ernsthaftigkeit: „So? Und auf den Nachmittagskaffee wollt ihr Heber verzichten? Und gar auf den frischen Brotplatz (Kuchen aus Brotteig), der soeben aus dem Backofen geschoben wird?" Die Kinder lachten, „Die Mutter hebt ihn uns schon auf!" erwiderten sie unbesorgt. „Nun, dann brauche ich mir keine Sorge zu machen," meinte dann der Lehrer und begann also mit seiner Geschichte. „Kinder, wir haben haute wiederholt, wie häufig sich das Volk Israel versündigt hat, und wie es G'tt dafür bestrafte. Jetzt wollen wir uns einmal vorstellen, wie es gekommen wäre, wenn z. B. die Versündigung der Kundschafter nicht stattgefunden hätte. Ganz genau läßt sich das aber nicht sagen. Die Kundschafter erzählen also dem Volke von ihrer vierzigtägigen Wanderung durch Kenaan und zeigen die wundervollen Früchte, die sie mitgebracht haben. Da erhebt sich mächtiger Jubel! Die Männer greifen nach ihren Waffen und möchten am liebsten sofort die Götzendiener vertreiben und ihre Tempel niederreißen. Die Frauen sprechen schon unter «ich, wie sie die vielen Früchte einmachen und zum Kochen und Backen verwenden wollen, und die Kinder freuen sich auf die festen Häuser in den Städten und Dörfern, die sie demnächst bewohnen werden, und auf die Gärten und Bäume, die dazu gehören. Vor allem aber danken die Menschen dem lieben G'tt, der sie so wunderbar geführt hat. So kommt der Einzug in das „gelobte Land". M o s c h e und Aharon stehen an der Spitze des Volkes, das über den Jarden zieht und die kenaani* tischen Völkerstämme niederwirft. Sie verteilen das Land und sichern seine Grenzen. Die Verwaltung des Landes vollzieht sich genau nach den Gesetzen der Thora, In Jerusalem wird ein festes, weithin leuchtendes Heiligtum gebaut. Aber noch viel weiter leuchtet das Beispiel eines Volkes, das sichtlich von G'tt geführt wird und in Seinen Wegen wandelt in Bescheidenheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Viele Heiden bekehren sich zum Judentum, und Friede herrscht im Lande und an seinen Grenzen." Ein Knabe hebt den Finger. „Herr Lehrer! Da brauchte man auch am Tischo beaw nicht zu fasten?" „Gewiß nicht!" antwortete der Lehrer. „Wenn das Volk den rechten Weg nie verlassen hätte, dann wäre ihm gar viel Unglück erspart geblieben," Noch länger sprechen die Kinder mit ihrem Lehrer über dies und jenes, was anders gekommen wäre, und mancher gute Vorsatz faßt Wurzel in den empfänglichen Kinderherzen. Die Frankfurter Woche. Zum zehnten Jahrzeitstage für Rabbiner Dr. Salomon Breuer S>"3T- Anläßlich des zehnjährigen Todestages des Herrn Rabbiner Dr. Salomon Breuer ^*st findet am Sabbat anai 'D 17.15 Uhr — nach Minchah — im Hörsaal, Friedberger Anlage 5/6, eine Gedenkfeier statt, wozu auch Damen höflichst eingeladen sind. Die Jahrzeit für Rabb. Dr. Salomon Breuer ^"21 im Mekor Chajim. Anläßlich der Jahrzeit von Rabbiner Dr. Salomon Breuer H»"*! findet 'diesen Sohabbo» im Anschluß an den G'ttesdienst im Hörsaal ein Stiftungslernen unter Leitung des Herrn Dajan Dr. E. Posen statt; ebenso ist der Midrasch*Vortrag am Schabbosabend eine Stunde vor Nacht dem Andenken des heimgegangenen Raws gewidmet. Lebhafter Besuch beider Veranstaltungen wird erwartet. Aus der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M.-Höchst. Die trotz der vor einer Reihe von Jahren bereits erfolgten Eingemeindung selbständig gebliebene Jüdische Gemeinde Höchst a. M., die ihre Synagoge und ihre anderen Einrichtungen den Anforderungen des überlieferten Judentums gemäß aufrechterhält, hat, nach der Pensionierung ihres bisherigen verdienst: vollen Beamten, Herrn Lehrer Levy, nunmehr Herrn Kantor und * Lehrer Carl Hartogsohn, der seit fast deri Jahren in Groß-Gerau (Hessen) amtiert, SOMMER -SCHLUSS-VERKAUF IN DAMENSTOFFEN || ß | g g ROSSMARKT 81, Lift zu ihrem Beamten gewählt. Herr Hartogsohn wird noch vor den Jomim Hanauroim sein neues Amt antreten. Jüdische Wohlfahrtspflege. Der Provinzialverband für Jüdische Wohlfahrtspflege Hessen-Nassau hält seine Tagung am Sonntag, den 26. Juli, vormittags 10 Uhr in dem Jüdischen Heilerziehungsheim in M a r b u r g ab. Es finden n«ben Begrüßungen Referate von Dr. Georg L u b i n s k i, Berlin, über „Auf* gaben jüdischer Sozialarbeit" und Dr. Max Hermann Mayer, Frankfurt a. M. über „Auswanderungsfragen" statt. Eine Frankfurter Synagoge in Palästina. „Chewrath Tehillim sc hei Frankfurt am Main" bei Haifa, Am 3. August feiert in Haifa das bekannte Frankfurter Ehepaar Josef und Ida Lubowsky das Fest der goldenen Hochzeit. Ein großer Freundeskreis gedenkt an diesem Tage des segensreichen Wirkens des Paares in Frankfurt voller Dankbarkeit, Wir erinnern uns dabei der verdienstvollen Gründung von Josef Lubowsky, der „Chewrath Tehillim", an ihr Bethaus und Beth Hamidrasch in der Schwa* nenstraße, die fast ein halbes Jahrhundert unter größten persönlichen Opfern aufrecht erhalten wurden und den Jereiim und Thoragelehrten aus aller Welt ein immer offenes und gastlichesi Heim boten. Der G'ttesdienst und das Thorastudium fanden hier eine Pflegestätte, und durch einen besonders schönen Brauch erinnerte man alljährlich durch das Anzünden eines Jahrzeitslichtes am Todestage des Königs David an den Psalmsänger, dessen Bedeutung auch im Namen der Chewra dokumentiert wurde. Das Jubelpaar hat bei seinen Kindern in Haifa nun eine neue Heimat gefunden, und als man vor einigen Monaten in Frankfurt Abschied nahm, da wurden die Seforim und Gerätschaften des Bethauses in große Ueberseekisten gepackt, damit sie mit nach Erez Israel auswanderten. Und wenn diese Zeilen jetzt erscheinen, da ist man in Haifa schon wieder beim Auspacken, Denn in einem besonderen Neubau in einer neuen Wohnsiedlung auf dem Har Kanaan bei Haifa werden die Pulte und Schränke schon wieder aufgestellt. Frankfurter werden jetzt das Bets haus wieder einweihen und für die Benutzung freigeben. Die Erinnerung an ihren Geburtsort wird in dem Namen „Chewrath Tehillim s c h e 1 Frankfurt a. M." fortleben. Briefkasten* B. KI. in O. Brief und Quittung der Bank erhalten, „Unwissender" 5. Sie schreiben : 1) „Trauerfeier für Bäume schön. Warum macht man nicht Trauertag für ]rov b-bw? Bäume wachsen wieder, aber naw W»n ist \prb biv *b niw»". — Ungefähr das meinten wir. 2) Gewiß darf man am Spazierengehen und wenn dabei min na*r gesprochen wird, erst recht. Eine Kleiderfarbe für Frauen ist nicht vorgeschrieben. Schwarz zum Zeichen der Trauer ist nicht jüdisch. 3) Auf direktes Geheiß nicht, weil n\yo nva». 4) Nein. Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter J. Vredenburg und Frau geb. Hirsch, Amsterdam, Unbekende Gracht 3. Barmizwoth: Julius, Sohn des Herrn Louis Gradmann, Köln, Pantaleonstr. 28-, mm rav. — Hermann, Sohn des Herrn Markus Emanuel, Rotterdam, Beatrijsstraße 53, uarn km. Freunden u. Verwandten leisten Sie einen guten Dienst, wenn Sie sie mit dem „ISRAELIT" bekannt machen. Nennen Sie uns, bitte, die Interessenten, damit wir ihnen Probenummern zusenden können. Sommer-Schluß-Verkauf -: -Beginn Montag, deit.27. Juli I I SimHMg 9 /iksnuiß,S& nwsgjebmck GELLHORN SpwMate! 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