Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1936)
- Date
- 1936-07-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Peväii%§pn- BeMg& Nummer 30 1936 ~ Der Tempelbau zu Heikenbrunn. Roman von Alice Landsberg1 in Wiesbaden. {Fortsetzung.J,; „Reich mir deine Hand, aber rasch,", .sagte er, kniete nieder und packte den hilflos Aufschau enden. Unter Aufbietung aller - Kräfte entriß -David den jungen Prosper Sterenberg dem gewissen Tod.;- Keuchend standen' die beiden Knaben nebeneinander auf dem kleinen Büschel Gras. ..Mehr als, einmal hatte es den Anschein gehabt,- als'■ wäi^ea^sic beide verloren, aber .Da: vids imgescKhlälerte; Kräfte wußten etwas; zu leisten. „Bist du ausgeftüht?" fragte endlich David ruhiger. Als Prosper nur.nickte, packte er dessen Hand und sie sprangen zusammen wieder zurück ins Trockene. ' Mittlerweile 'hatte der' Tückische? Burkhardt mit Namen, der. Sohn eineyS Stadtschreibers, mit gemischten Gefühlen der .Rettung. zugesehen, ohne a^uch;3iur äie Hand zur-Hilfezu regen. Jetzt, da er die', beiden gerettet sähv kam er aus 'seirier Sicherheitavif sie iu. Prjo.sper, ohne U eberlegen ballte-die F aust^. und stehlug dem anderen mitten ins Gesicht. Aufheulend verteidigte sich der 'üble Geselle^ „Das hätte ich;tauch, fertig gebracht,! was :der Jude getani hat das ist kein Kunststück schrie er und spie vor desnx Knarren David aus. Weitausholend hieb Prosper1 dem Elenden ein zweitesttial ins Gesicht und;jägte ihn; von dan- ,nen, Nur. von ferne drohte """4er[: '3\iii^:'imt'/-'der Faust. - >1... -,ci, ^:: i, _ „Spaßhat ' er machen wollen,-''Sagtet er —" wütete Prosper .ua4 schlang t den Arm um David, der sehr . blaß war um seines - Glaubens willen verletzten: ihn stets tief. Aber Prosper hatte eine' Art,: es^ihn-verges^ •sen zu machen. 1 .• ••';,Du bist mein Freund. Ein Freund' hilft, ohne 1 "es sich bezahlen zu lassen, sagt Vater ~ du hast nicht gefragt, wieviel ich dir gebe, wenn du hilfst — du hast einfach geholfen . . Röte lag auf Davids Gesich,t. Nein,, gewiß, das tat ein Mensch nicht. „Wenn jemand in Not ist, so >vill unser G',tt, daß wir helfen, gleichviel, wer i - v ' f»i " .; X }»ßU % .'• : rm, -es ist -rvO J-.^i '."; '.. h^i^ri'tinh^*: IWun stieg /auch -Prosper" ■ leichtiMife?■ Fäfobe (-wiej der ins •'öf'ilsäbH.t."'"'. „Daß du' eMii;$üde ^ytv^äb' ich nicht gemerkt, bis der andere es sagte —" „Ist das so schlimm?''^lächelte David nun. Nun lachte auch Prosper. , „Du bist eigentlich ein:Bubwie. &lle 'andern, nur trägst du Judenkleider." Das war der Anfang' zwischen den beiden, der zu einer Freundschaft führte. Sie bewährte sich schon am ersten Tag. Kläglich bekannte Prosper,, gegen den Willen des Erziehers die Sumpfwiese mit Burkhardt aufgesucht zu! haben. „Ich glaubey der Burschen stieß:, miqh in den Sumpf, denn er braucht immer Ge'kL, . ' /* stieß er heftig aus.!;:; Nun waren seine Kleider voll Schlamm, naß und würden das Entsetzen seiner Leute erregen. David Wußte Rat. Die treue, Tante, sie. war die Retterin aus dieser Not. Heimlichsbhlicben die beiden .Knaben ins Haus des^ Vorstehers und die gütige alte Schwester' d^J^rst'eners wahrte das Geheimnis der Buben;; Die Freundschaft war dauerhaft, wenngleich alles getan wurde, um die Buben wieder auseinander zu bringen. „Mit einem Judenjungen verkehrst du," schrie der Burgherr seinen Jungen an — aber der mutige Knabe bekannte sich ehrlich dazu. Von ihm erfuhr, der Burgherr auch die verschwiegene Geschichte mit dem Sumpf. Es stimmte ihn milder, daß sein sonst in Freundschaftsdingen sehr wählerische Sohn sich endlich einen echten Knaben zum Freund wählte, denn Burkhardt besaß mit nichten das Wohlwollen des Burgherrn. Deshalb ließ er Prosper gewähren und die Erzieher folgten seinem Beispiel, nachdem sie sahen, daß Prosper von dem klugen Judenjungen nur lernte. Daß sich Burkhardt wieder zwischen die beiden dtfängte, sich hoch und heilig verschwor, nie wieder solche „Späße" zu machen und so lange winselte, bis es 'Prosper leid ward, ihn wegzuschicken^ -war min. nicht mehr derart schädlich für den jungen Burgherrn. Frelinde im eigentlichen Sinne waren nur Prosper und David. Der eine lehrte den anderen das Beste seines Gemütes j und sie fuhren gut dabei. Als sie erwachsen wurden, trennte sie zwar Stand und Leben, aber sie wußten, über alle Hindernisse hinweg blieben sie doch Freunde. Prosper wälü^ 'einem Familiengesetz zufolge, einen Beruf, der ihn lange Zeit von der Heimat fernhielt. Bauten von1 seiner Hancf; erlangten, ,' eine gewisse Berühmtheit, seine Phantasie befruchtete sich, stets aufs neue und er war glücklich in diesem^ ins bunteste Leben'-führenden Beruf. „Wie kaimst du," fragte er bei den wenigen Malen, in denen die Freunde beisammen waren. David, „es in den engen Wänden aushalten. Wenn icbvnicht wüßte s :> >wi e v stark.-. dein . Jf£eiheits& drang wäre, würde mir diese Frage gar nicht einfallen, äbef'-jdich kenne ich doch ..:'/T."... , Davidjfänd nur ein leichtes Lächeln für,,,dieses .e^lic^T'-empfiindene Mitleid;.:Sgin Freih^itsV jgefühlj erstrebte anderes. Freiheit Ides,Geistes;! Nicht» der I^>rp:er begehrte die Lust; des Unjhetfschweifens,'der Gei§t nur wi.Ss alle] Fesseln^ zurück und-- wehrte sich gegen jede Belastung. . Qas-verstand Pros*^^ zu s§hrv fuiidsemer Zeit Und' David Var^imei ''■ Aber an'diesen; F^etind dächte Da^id mit aller Inbrunst , und sein Kampf gegen den eigensüchtigen Gedanken blieb ungleich. Prosper war Baut meister von Rang und Ruf. Wie anders hätte Da? y.id denken können, daß er und kein ^anderer deV Förderer des Tempelbaues sem;;muJ5te. '. Ehrlich kämpfte er jedoch dagegen; an,;.den Freund an die Stelle zu rufen, die sie untereinander ausmachten als : Treffpunkt, als sie sich zum: letzjenniale trenntjßn.; 1 David-wußte, Prosper!, war von einer zweijährigen Reise zurückgekehrt. Gesehennatten sie sichfäsi vier Jahre nicht mehr, denn Prosper heiratete vor nunmehr sechs ''Jahren und hatte einen strengen PfKohte'nJfrfcis^fett' ierfulfen. Meist ^efänfl sicli seine junge;fFräu mit dem Kind mit auf Reisen. Nun aber' schien Prosper seßhaft werden zu wollen, denn von einer neuen Abreise hörte David nichts mehr. Sie hatten sich noch nicht getroffen. Es brauchte bei ihnen nicht viel Aeußerliches, um die Freundschaft zu beweisen. Ab er - die' Hand mußte Dandd demr Freunde geben und in aller Ehrlichkeit;'versprechen: Jeder rufe! fidlen anderen im Falle einer Notlage, möge sie sein, wie sie;äuch mochte. Sinnend e^rwog David immer, wieder die Mög1 lichkett, bis er . aus. dejn ö^äanken heraus1 die Ehrlichkeitj siegen ließ, die ihn dazu;,zwang,. sicK Prosper zu ÖfferdDäfen. Wie' -äer allerdings diese T'eMpeiges^chtl^^ äufnahm, 'blieb; in' Frfige gestöllt. : : i- -Ji i; ,,; ' v '[[.'■ .; t; : •'. '•'1 Dttfch einen Boten benaohriehtigtej er Prosper, der ihm sö'fört äie zusagende Antwort übermitteln ließ. Die-vereinbarte Stelle war ein kleines Haus, das einer alten Magd des Burgherrn gehörte, die ihrem jungen Herrn noch heute treu; ergeben war. Ungestört vermochten die beiden i jungen Männer hier von allem Möglichen zu;reden. Es war David, als er zur verabredeten Stunde aufbrach zu jenem Hause, als sei er wieder ein Knabe, der ohne Erlaubnis ein Unternehmen wagte, von dem man schwerlich den Ausgang wußte. In der Judengasse grüßten ihn viele, auch als er durchs Tor in die eigentliche Stadt kam, begegnete er freundlichen Blicken, doch atmete er auf, als er kurz vorm zweiten Tor der Stadt auf das Häuslein der .Magd stieß. .Prosper war schon anwesend, als die alte Magd David ins Stübchen führte-und in den beiden hochgewachsenen Männern noch immer die „Buben" sah, denen man gute Leckerbissen, zusteckte, die aber jedesmal von David, dem „dummen Judenbübchen" mannhaft zurückgewiesen wurden als für ihn verbotene Speisen. Aber ihren perlenden Wein würde er heute nicht verschmähen, glaubte sie irrig. Als sie die Türe hinter den beiden Männern zudrückte, hielten die sich immer noch an den Händen und schauten sich an. -'Sie"mochten nicht 'glauben, "was sich ihren Augen darbot. Sie "waren Männer geworden, jeder nach seiner Art. Prosper, dessen kühnes Gesicht davon, sprach, daß er außer der Baukunst auch seinem ritterlichen Gesohlecht im Jagen, Fechten, und Reiten nichts nachgab, schien ein;Endlein kleiner als der mächtige David, dessen ^rotblondes Haar gegen das braune des Junkers.' aufblitzte wie die leibhaftige Sonne. Der kurze-Bart Davids umgab das stolze Gesicht mit einem Lichtschein,der auch aus den hellen Augen bjitzte als Freude an dem Wiedersehen mit dem Freund. Prospers Gesicht wies auch Sanftmut und Nachgiebigkeit auf, wenngleich ein!, kühner Zug dies nicht wahrhaben wollte. Hartwarden, sagten die Erzieher stets, wenn er das Gemüt offenbaren wollte in hemmungsloser Güte. David wußte ein besseres Mittel: er bot §iph und seine frühe ^lbstbeherrsohuug, an der Prosper mehr lernte als an tausend Ermahnungen anderer. .; ' „Es könnte umgekehrt sein," lachte einmal der Burgherr, als der Judenknäbe trotz aller Abwehr1 von Prosper zur Burg geschleppt wurde. „Er sieht einem Burgherrn ähnlich mit dem blonden Haarj;und mein Prosper scheint als Jüdleinl" Aber; nur Scherz und Freude über dieses Naturspiel lag in des- Burgherrn Stimme. Hätte er die beiden heute beobachtet, in ihn wäre ein seltsames Denken gefahren: schade, daß dieser'Jude— ein Jude ist! das hätte er gewiß beim Anblick dieses machtvollen Mannes gesagt und gedacht. ' . , Die , beiden Freunde sahen nur ''sich, sie überlegten auch nicht lange, die Arme umeinander zu Söhlingen und sich so der langen Trennung durch nähe Beisammensein zu entledigen. Viel Worte njachten. sie nicht. Sie setzten sich nach der irt^ nigen Begrüßung an den Tisch und tauschten die ersten, weniger wichtigen Worte: Wie es dem anderen ginge, wie weit man gekommen war rr und ehe sie es sich bewußt, waren, steckten sie im Austausch übersprudelnder Gedanken. . Viel' hatte sich verändert. Prosper war heimgekehrt und würde endlich das Haus des Vaters nach einiger Zeit übernehmen, der sich allmählich alt fühlte. Nun hatte Prosper nach dem Tod 'dWs Bruders auch dessen Pflichten noch zü übern.ehmep,' und er hatte dem schönen Land Italien Lebewohl, sa^en müssen für lange Zeit, wenn nicht auf immer. Mit einem Seufzen bekannte er''eil um wieder munterzu werden.;;r ' (Fortsetzung folgt.)