Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1936)
- Date
- 1936-07-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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9. Juli 1936 D e r I s r a e 1 i t Nr. 28 Seite 15 Vermischtes. Em rituell geführtes Schulerheim in Hamburg. Hamburg, 5. Juli. Um auswärtigen Schülern Gelegenheit zu gehen, die Hamburger jüdischen Schulen zu besuchen, beabsichtigt die Ortegruppe Hamburg der Agudas J i s r o e 1 ein ges etzestreu geführtes Schüler heim einzurichten, das unter Leitung eines) Erziehers stehen «oll. Die Kosten dürften für jedes Kind voraussichtlich 50 RM. monatlich betragen. Berlin, 30. Juni. Nach § 9 Abs. 1 Ziffer 6 des Körperschaftssteoiergesetzes von 1934 sind Körper schaften und Vermögensmassen, •die ausschließlich und unmittelbar .gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecken dienen, von der Körperchaftssteuer befreit Ein Finanzamt hatte von einer Stiftung die Zahlung von. Körperschaftssteuer verlangt, die nach den Satzungen den Zweck hatte, aus den Zinsen das Schul geld für unbemittelte jüdische Zöglinge an höheren Lehranstalten zu bestreiten. Der Reichsfinanzhof hat durch Urteil vom 7. April 1936, das in den „Wirtschaftlichen Kurzbriefen" mitgeteilt wird, den Standpunkt des Finanzamts gebilligt und die Körperschafts steuerpflicht der Stiftung festgestellt. Auch der vor liegende Streitfall sei nach § 1 des Steueranpassungs gesetzes zu beurteilen, wonach Steuergesetze nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen sind. Dieser Auslegungsgfundsatz müsse für alle Rechtsfragen gelten, die nach Erlaß des Steueran passungsgesetzes zur Entscheidung gelangen. Gemein5 nützig, so heißt es* in. der Urteilsbegründung; weiter, sind nur Zwecke, die dem gemeinen Besten auf ma teriellem, geistigem oder sittlichem Gebiet nützen. Unter dem gemeinen 'Besten ist aber nur das Wohl der deutschen Volksgemeinschaft zu verstehen. Die Förderung der höheren Schulbildung von jüdischen, also fremdrassigen Staatsangehöriigen, diene nicht dem Wohl der deutschen Volksgemeinschaft. Für die Frage, ob eine Mildtätigkeit vorliege, komme es allerdings nicht darauf an, ob 'die unterstützten Personen, wenn sie sich im Inland befinden, einer fremden Rasse an gehören. Mildtätigkeit liege aber nicht vor, da der Fonds nicht dazu bestimmt ist, "der wirtschaftlichen Not abzuhelfen; vielmehr soll er dem Mangel dea* höheren Schulbildung der Bedürftigen abhelfen. Ein solcher Mangel stellt aber keine Bedürftigkeit dar. Berlin, 3. Juli. In der ,»Deutschen Justiz" wird ein Urteil des Amtsgerichts Mainz vom 27. Mai 1936 veröffentlicht, in 'dem festgestellt wird, .daß der Irrtum eines Vertragspartners! zur Anfechtung eines Vertrages berechtigt. Der Beklagte hatte im Januar 1933 seine Tochter in der Privatschule des Klägers angemeldet. Gegen die vom Kläger angestrengte Klage auf Zahlung des Schulgeldes hatte der Beklagte eingewandt, er habe erst im März 1933 durch seine Tochter erfahren, daß der Kläger Jude sei. Daraufhin habe er sofort verboten, daß das Kind die Anstalt weiter besuche. Er, der Beklagte, sei alter National Sozialist und hätte seine Tochter niemals in die Schule des* Klägers geschickt, wenn er gewußt hätte, daß dieser Jude sei. — Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, daß der /Beklagte von der Zugehörigkeit des Klägers zur jüdischen Rasse erst nach Anmeldung seiner Tochter zum Unterricht Kenntnis erlangt hat, und daß der Beklagte von dieser Kenntnis an sein Kind die Schule des Klägers, nicht mehr besuchen ließ, wodurch er den mit dem Kläger geschlossenen Unterrichtsvertrag angefochten hat. Der Beklagte habe sich bei Vertragsabschluß über eine wesentliche Eigenschaft der Person des Klägers geirrt. Denn die Rasse eines Menschen, seine blutsmäßige Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volkstum, ist, wie das Gericht ausführt, seine wesentlichste Eigenschaft schlechthin. Wenn der Kläger meint, er habe in seiner Schule nur deutsche Lehrer beschäftigt, deshalb müsse sein Institut kulturell als. deutsche Anstalt gelten, so sei diese Auffassung dem Gericht unverständlich. Denn .diese Lehrer waren, nicht zuletzt finanziell, von dem jüdischen Direktor abhängig, so daß durch sie eine Erziehung der ihnen anvertrauten Jugend im deutschen Geist nicht zu erwarten war. Es sei auch anzunehmen, daß der Beklagte seine Tochter von der Schule des Klägers von Anfang an ferngehalten hätte, wenn .ihm bekannt gewesen wäre, daß der Kläger . Jude ist. Da die wirksam erfolgte Irrtumsanfechtung, des Beklagten den Vertrag zwischen ihm und .dem Kläger aufgehoben hat, kann der Kläger auf Grund des Vertrages keine Ansprüche mehr erheben. Die Frankfurter Woche- Eine Palästinakundgebung in Frankfurt a. M. Nun hatte auch die Frankfurter Aguda ihre Pa 1 ä s t i n a k u n d g e b u n g ,: so wirksam und nachhaltig, wie nur möglich, da sie sich nicht in Klagen und Anklagen erging, sondern sich mit Palästina beschäftigte, wie es ist und wie es sie in soll. Im dichtbesetzten großen Saale des Vereinshauses (Frankfurt-Loge) leitete1 unser Raw, Herr Rabbiner J- H o r o wi t z , die Versammlung mit einem Hinweis auf den Vorabend des 17. Tamusi hin, der zu einer Parallele reize und zur intensiven J~niwn mahne „Die Feinde und Widersacher des jüdischen Aufbaus in Palästina sind die gleichen geblieben, wären auch wir die gleichen geblieben wie nach dem babylo* ' nischen Exil um Esra, den Schriftgelehrten." Das Auditorium erhob sich von seinen Plätzen zu Ehren der jüngsten Märtyrer in Erez Israel. Damit war der würdige Rahmen für das Referat des Abends gegeben. Herr Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, ging von der letzten p^sa* =Veranstaltung und dem Psalm «pi»' '3 >jyi> ni»sn aus. „Ein Gebet für den Annen in seiner Hilfslosigkeit" und niemals wäre uns das. Gefühl der Ohnmacht so zu Bewußtsein gekommen, wie an jenem „kleinen Jomkippur". Vielleicht sei der Jubel am Aufbau zu früh und zu groß gewesen. Wenn viele in seiner Reisegesellschaft glaubten, die Vorschrift der nynp. beim Anblick der Heiligenstätten sei veraltet und man könne sie umgehen, so sollten vielleicht die letzten Vorgänge uns „den Riß im Herzen" erneuern. Redner erinnert an das bekannte Sendschreiben des Chatam Sofer aus Anlaß des großen Erdbebens in Safed, das. in seiner ganzen Abfassung uns zeigt, wie man damals1 in einem Beben der Erez Israel-Erde immer einen mahnenden Fingerzeig G'ttes und zugleich auch die „Wehen der Erlösung" gesehen hatte. Schon auf dem Wege nach Erez Israel, auf dem Schiffe, falle die Verschiedenheit der Menschen, die sich in Erez Israel treffen, ins Auge, aber im Lande seien bereits die Symptome der Einigkeit der nach Art, Gesinnung und Geburt grundverschiedener Menschen auf der großen Linie der Thora erkennbar. Redner geht auf Einzelheiten ein und schildert Licht= und Schattenseiten besonders im jüdisch-religisen Leben in Haifa, Tel Awiw, Petach Tikwah und Jerusalem. Der Histadruth seien mancherlei Verdienste zuzuschreiben, aber ihr Schulwesen sei bestenfalls areligiös. Fielen in Tel Awiw die jüdischen Schilder und Iwrith weg, so würde die Stadt in ihrer Bauart und im Straßen* bild nichts Jüdisches aufweisen. Die Awoda Iwrith, die vom jüdischen Standpunkt aus selbstverständlich zu fördern sei, werde' zum Schaden aller überspannt, ebenso sei der Druck, mit dem das Iwrith durchgesetzt wird, nicht zu empfehlen. Redner streift noch einige aktuelle Probleme, um auf die Frage der Kindererziehung zu kommen. Das Cheremproblem in Jerusalem könne nur von den führenden Thoraautoritäten gelöst werden. Wie aber auch diese Kulturfragen für die deutsche Orthodoxie in Palästina gelöst werden, die Kinder müßten, wenn sie auch nicht dem alten Jischuw zugeführt werden, in vollem Respekt, vor dem alten Ji s c h u w erzogen werden, es müßte ihnen Liebe und Verständnis^ für diese ältesten und echten Erbauer von Erez Israel anerzogen werden. Redner setzt große Hoffnungen auf die nun in den Poale Agudas Jisroel organisierten orthodoxen Arbeiter, die einen Ansatz bilden, Erez Jisroel im Geiste der Thora aufzubauen. Es gehe nicht an, daß man nach menschlichen Maßstäben baue und baue und hinterher mit der Thora komme und von ihr verlange, daßsie Konzessionen ö'inn liefere». Selbst da, wo die Möglichkeit eines "wn gegeben sei, müsse versucht werden, von vornhinein den Bau so in Angriff zu nehmen, wie ihn die Thora wünscht, ohne von ihr hinterher Konzessionen fordern zu müssen, wie man es,jetzt bei der t-iybn (Melken am Sabbat), und auch bei der Schmitofrage erlebt. Man hätte sich vielleicht gleich zu Anfang in Erez Israel so einrichten können, daß diese Fragen für das Wirtschaftsleben nicht so von Belang gewesen wären, wie sie es heute sind. Die Aguda, meinte der Redner zuletzt, dürfe nicht bitten, sondern siie müsse fordern. Ihr Pro* gramm. daß alles unter das Diktat der Thora gestellt, wird, berechtige und verpflichte sie, das zu tun. Es sei unsere Aufgabe, die jüdischen Menschen in Erez Jisroel zu Mitgliedern des f nc» 'U zu erziehen. Nach dem lebhaften Beifall, mit dem das Referat quittiert wurde, dankte Herr R.-A. Dr. S c h 1 esinger dem Redner, für die Botschaft, die er uns aus und über Erez Israel gebracht hat und schloß die Versammlung, indem er wiederum mit eindringlichen Worten, unter Hinweis auf den 17. Tamus, zur Beherzigung der Mahnungen und Anregungen dieses Abends aufforderte. Familien-Nachrichten. Geburten: Einen Sohn,. Dr. Isaak Bamberger und Frau Gerda geb. Lewinski, Tel Awiw, Hamacabi* straße 3. Barmizwoh: Ferdi/ Sohn des Herrn Hermann Klausner, Ostendstr. 1. Synagoge Hans, Handwerkstraße 31. '»»d» ni£>a naw — Joseph Philipp, Sohn des Herrn Jacob Ettlinger, Stockholm (Schweden), Oestermalms-gatan 7. -»son mon nnv?. — Rudolf, Sohn des Herrn Rafael Seeberger, Günzenhausen, Dampfer Tel Awiw. '»oa nwa nzv- Briefkasten. J. B. B. Mk. 24.16 für angegebene Abonnenten verbucht. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Sehabbos morgens nach Schluß der Synagoge: n»J»l, Herr R.-A- Dr. E. Posen. — nachmittags 4.30 Uhr im Vereinslokal, Mikro, Herr Rabb, H. Mayer. — 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal, Midrasch-Vortrag des Herrn Dr. Jos. Saffra. Sehabbos nachm. 4.15 Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage, Chumisch und Raschi (Selbstlernen), Herr Julius Lewin. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, föi« t]Di\ Herr S. Schachnowitz. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal. DrnaR pa, Herr R.A. Dr. Schlesinger. — nachm. 6-15 Uhr im Hörsaal, (auch für Damen), „Haftauro" Herr Rabb. Mayer. — Sonntag vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, mm, Herr J. Soffer. Montag (auch Donnerstag) morgens nach Schul: ram- Mitgliederlernen. Montag (auch Mittwoch) abends 7 Uhr im Veremslokal, (rnna »aa) anaa, Herr Rabb. Dr. J. Breuer. Dienstag (auch Freitag) morgens nach Schul, iiaPB, Herr R.-A. Dr. E. Posen. Dienstag (auch Donnerstag) abends 7 Uhr im Vereinslokal, Kim, Herr R.-A. Dr. E. Posen. Die Leitung des Chumisch mit Raschi-Schiurs am Sehabbos nachm. hat Herr Lehrer H. Reich vertretungsweise übernommen. Jahrzeitsstiitungen. Sonntag, 12. Juli: David Held-Stiftung. Freitag, 17. Juli: Josef Grünblatt-Stiftung. Liwjath Cben. Die Vorträge fallen in den nächsten wrav aus. Die Wiederaufnahme der Vorträge wird hier bekanntgegeben. Agudas Jisroel-Ortsgrappe. Thora und Massar. Herr Dozent J. Ehrentreu, »am mit o'Bnsa, Sonntag 18 Uhr, Uhlandstr. 39. Herr M- Feuerwerker, ry 'oa maa (für Jugendliche) Sonntag und Dienstag 20-30 Uhr, Fichtestr. 5 bwi für Jugendliche, Sehabbos ^4 Uhr ym Inns maa (für Baalebatim), Montag und Mittwoch 18-30— 19-30 Uhr ebenda. Herr Rabbiner Mannes, JVD13 »an, Sehabbos 4 Uhr Hans Handwerkerstr. 38. Herr R.-A. Dr. E. Posen as?n flisa, Sehabbos 18-19 Uhr, Wittelsbacher Allee 11. Herr B. Rachelsohn, mna nawa Dienstag 20.30 Uhr, Sandweg 6 c. R.-A. Dr. M. Schlesinger, row 'aa für Baalebatim, Mittwoch 20.30 Uhr und Sehabbos 17.30 Uhr, Rabbinatszimmer, Friedberger Anlage. Herr J. Sofer. »av *]X täglich 12-13 Uhr am Sonntag 11-12 Uhr, jetzt Hans Handwerkstr. 18. Herr Zuntz, n»n mix, Sonntag nach T)->"\nv, Rabbinatszimmer Friedberger Anlage 4. Der Schiur vor n'inw unter Leitung des Herrn Feuerwerker (nwiatf '»a) findet um 5 45 Uhr, Montag bis Donnerstag im Hörsaal der I- R. Gstatt- Herr Rabbiner Feuerwerker beginnt diese Woche im Rahmen des Thora und Mussarprogramms einen neuen Schiur über: „Aktuelle halachische Zeitfragen'' für Baalebatim im Gemeindehaus, Fichtestraße 5, am Sehabbos um 5 Uhr. Presseschau der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Am Sehabbos, 21, Tammus, 11. Juli 1936. 18 Uhr, Schwanenstr. 12, findet, die Besprechung der religiösen Presse mit anschließender Diskussion statt. Damen und Herren sind dazu herzlich eingeladen. Verband polnischer Staatsbürger. Anmeldungen und Sprechstunden täglich vorm. 10-1 Uhr. Zeil 7 außer Samstag und Sonntag. Gebetzeiten. örn->Q raw Freitag abend 7.45 Samstag fiaatfrn 6.35 Samstag morg. 7.45 Samstag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 9.35 Wochengottesdienst: Hauptminjah in der Synagoge 6.30 Daran anschließend: Lernen des ts"n *ipa-Vereins im Hörsaal Zweiter Gottesdienst im Hörsaal 7-30 Nachmittags 7.15 Tefillinlegen am Morgen 3.15 Angenehme Ferien, auch über Wochenende, verleben Sie im Kurheim Dr. Rosenthal in Bad Homburg. Das Heim, das in schönster Lage Homburgs liegt, bietet alles, was zur Erholung und Ausspannung beiträgt, bei modernem Komfort und mäßigen Preisen.