Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1936)
- Date
- 1936-07-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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\;';'''";-'^>-'\*^.'a;: .'■((_ 2. Juli 1936 Der Israelit Nr. 27 Seite 15 Die Frankfurter Woche. Große öffentliche Kundgebung der agudistischen Gruppen. Wie bereits angekündigt, spricht am Montag, den 6. Juli, 20.30 Uhr, im „Veremshaus" (Frankburt=Loge), Eschersheimerlandstr. 27, Herr Rabbiner Dr. A. Klein, Nürnberg, über das Thema „Erez Jisroel". "Karten zu 30 und 50 Pfg. sind bei der Palästina-Zentrale, Sohwanienstr. 12, den jüdischen Buchhandlungen, Cafe Grünebaum, Hanauerlandstr. 4, Siegfried Salomon, Gr. Eschenheimerstr. 19, Cafe Loesar, Gr. Wollgraben, und an der Abendkasse zu haben. Sijum in der „Kippestub". Am nun m 'a av fand in der Kippestub=Synagoge eine schön© ovo -Feier auf d'S-it '0 nvipa statt. Das Lernen findet jeden Morgen nach. xvnns JiVs.fi statt. Nachdem in der Synagoge die letzte n:wn von D'Tisa gelernt war, begab sich die Gemeinde in den mit den großen Oelgemäldem der Rothschilds geschmückten Sitzungssaal der Männer- und Frauen-Krankenkasse, wo die Kaffeetafel gedeckt war. Die Schwestern des Hauses, denen besonderer Dank gebührt, hatten freundlicherweise die Herrichtung des Frühstücks und die Bedienung der Gäste bei der Tafel übernommen. Für andere Aufwartungen war durch Stiftungen einiger Mitglieder der Gemeinde reichlich gesorgt. Eine rechte rns» bv nnns? schlang bald ein einigendes Band um alle Teilnehmer. Herr Rabbiner Donath, der Dozent des Schiur, begrüßte alle Gäste und dankte den Teilnehmern am Lernen für ihr reges Interesse, In sinniger Weise zog er im pin die Verbindungsfäden zwischen der letzten rilttra von w^oi und der ersten riaw» aus nwo und dankte all denen, die das Lernen ermöglicht und zum Gelingen des FesteiS beigetragen hatten. Nach ihm sprach Herr Gans, Lehrer i. Rv dem Vorstand, insbesondere dem rührigen Vorsitzenden, Herrn Julius Bender, Dank und Aberkennung dafür aus, daß man, nicht zuletzt infolge seiner Mühewaltung, in die* sem Kreis© Feste der Thora feiern kann. Der Vorsitzende, Herr Julius Bender, begrüßte namens des Vorstandes die Teilnehmer, dankte Herrn Rabbiner Donath für seine lehrreich-aii, klaren i~\VDHi- Vorträge und regte zu weiterer iehhalien Teilnahme am Lernen an. Herr Prof. Werner schloß seinem Dank an Herrn Rabb. Donath für die Leitung des W noch seinen besonderen Dank für sein Wirken als nVsn h>j?a an und mahnte in launiger Weise zur Beachtung des nbzn njwa rip-nv- Als Mitglied des Synagogen=Vorstamdei9 brachte Herr Manfred S c h am e s die Grüße seiner an- und abwesenden Kollegen im Synagogen*Vorstände und dankte in deren Namen nochmals allen, besonders auch den gütigen Spendern, die zum guten Gelingen des Festes beigetragen hatten. Es wäre nur zu wünschen, daß noch eine größere Zahl D'rt sich dem täglichen Lernen anschließen. —J.— Bertha Pappenheim n"S7« (Aus einer Gedenkrede von Irene Darmstädter im Frankfurter Mädchenklub.) Der Verlust kam nicht plötzlich. Seit Pessach wußten wir, daß sie krank darniederlag und daß der Toid nur Erlösung von schwerem Leid bringen würde. Aber jetzt erst, da er eingetreten, fühlen wir uns so recht verwaist und klagen mit der Welt um eine Führerin großen Formats, Ja, diese zarte weißhaarige Frau hat eine Welt in sich getragen und eine Welt voll Lasten auf sich genommen, mit starker Energie die Beschwerden ihres schwachen Körpers gemeistert, immer wieder niedergekämpft, um mit immer neuer Kraft und flammendem Herzen die Lösung der großen Aufgaben der Zeit in die- Hand zu nehmen. In einer Zeit, da die jüdische Gemeinschaft an opferbereiten Führerinnen und Helferinnen noch ganz arm war, hat sie sich an die Spitze der jüdischen Frauenbewegung gestellt, und ist bis zuletzt die beste, beweglichste, schaffensfreudigste geblieben und sich dabei doch treu geblieben auch im Wandel der Zeit, für deren wechselnde Aufgaben sie immer neuen Auftrieb, immer neuen Impuls gab. Eine seltsame Mischung von warmherziger Güte und kritischem Verstand war sie die geborene Führerin. Wie sie auf dem Felde der Humanität für alle, die mit ihr arbeiteten und lebten und gegen den Widerstand so mancher, mit denen sie zu kämpfen hatte; durch die Macht ihrer klugen Persönlichkeit wegweisend geworden und gewirkt, wird an anderer Stelle aus berufenerem Munde gesagt werden. Wir im Mädchenklub möchten von einer Seite ihres Wesens sprechen, von der all jene, die ihr auf der breiten Heerstraße der Oeffentlichkeit gefolgt sind, wenig .wissen. Wir hier im Mädchenklub haben sie wahrhaft als Mutter kennen gelernt. Wie viele Seelen hat sie zu G'tt geführt, und das heißt nach dem Worte unserer, Weisen: Hat sie geboren! Und wenn Muttersein heißt: Dem Leben und seinen heimlichen Gewalten ausgeliefert sein, damit es sich immer neu schaffen kann, wenn Muttersein heißt: allem Werdenden dienen, alles Lebendige verstehen und alles Bedürftige in Liebe hüllen, — ach, niemand hat es besser verstanden, als sie — dann war sie Mutter mit jedem Splitter ihrer Kraft, mit jeder Faser ihres Herzens, in jedem Teilchen ihres Wesens. Von hier aus fand sie ja den Weg zu den großen Müttern unseres Volkes, zu ihrer Literatur. Sich selbst erlebte sie in der mutigen Glückel von Hamein, auf die sie ihren Stammbaum ja zurückführen kann, deren Lebenserinnerungen sie aus der Verwandtschaft ihrer Seele heraus ins Deutsche über* trug. Sich selbst fand sie wieder in dem mittelalterlichen Glaubensbuch unserer überlebensgroßen Mütter, das sie in ihrem Maasse-Buch unserer Zeit neu erschloß. So manche der rührenden Geschichten, die darin erzählt werden, mag aus ihrem Herzen geschrieben sein, so wie wir in manchen Gestalten ihre Züge wieder erkennen. So etwa, wenn in der 77. Geschichte erzählt wird: Als Rabbi Jochanan ben Sakkai einst an Erew Sabbat keinen Wein zum Kiddusch hatte, da nahm seine alte Mutter ihren Schleier vom Kopfe und verkaufte ihn . . . Wer weiß, um wieviel mehr es sich da handelte, als um den Schleier, wer weiß, wieviel Glück mit ihm geopfert wurde. So, ganz so war Berta Pappenheim. Alles, was nur einer Frau an persönlichem Glück und persönlichem Anspruch zukommen kann, hätte sie sich erwerben können. Alles hat sie hins gegeben, um den Töchtern ihres Volkes zur Heiligung ihres Lebens den Weg zu zeigen . . . Aber auch dieses Bild ist nicht vollständig, es erschließt nicht die ganze Tiefe .ihrer Seele, wenn wir es nicht ergänzen durch die Erinnerung, die sie an dieser Stätte in unserem engen Kreise hinterlaasien hat. Die große Welt zog sie in ihre Kreise, unser Volk nahm sie für die großen Tagesfragen in Anspruch, eine ausgedehnte literarische Tätigkeit trug ihren Ruhm hinaus in die Welt, hier bei uns wußte sie nichts von alldem, wollte sie uns nur Freundin, nur Beraterin sein. Von dem ersten Tage an, seitdem der Klub besteht, haben wir ihre liebreiche und 'helfende Hand gespürt, hat jede einzelne hier eine persönliche Freundin gefunden, hat sie in jeder einzelnen von Ihnen einen persönlichen Schützling gesehen, und wer erinnert sich nicht mit Wehmut der schönen Feste, der frohen Feiern, die wir in sorglosen ruhigen Zeiten zu Purim und Chanukah veranstalteten und denen sie in Gemeinschaft mit Frau Giern. Cramer durch ihre Anwesenheit einen besonderen Glanz verlieh! Draußen war ihr Beruf, hier ist sie, fast wie in ihrem Isenburger Heim, das sie wie ihren Augapfel behütet, zuhause. Wind und Wetter existierten nicht für sie, wenn sie in unseren Mädchenklub gehen wollte. Jeden Montag Abend war sie fast die erste, die in unseren Räumen weilte. Wie war sie glücklich, wenn sie hier in diesem Raum, an diesem Tisch an den großen und kleinen Sorgen des Clubs Anteil nehmen konnte, wenn sie von den Clubschwestern ins Vertrauen gezogen wurde. Vielleicht kann man einen Menschen sehr gut danach beurteilen, was er in seinen Musestunden tut. Berta Pappenheim hat, wie es sich für einen so lebendigen Geist von selbst verstand, vieles geschrieben, Eigenes und Uebertragungen, aber bei der Auswahl der Motive ist sie immer einer eigenen Spur gefolgt. Berühmt geworden ist die Liebe, die sie dem alten Teitsch-Chumisch Zeno Ureno entgegenbrachte, weniger bekannt ist vielleicht, daß sie eine wundervolle Sammlung kostbarer alter Spitzen und Gläser besaß. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß zwischen jener Liebhaberei Zeno Ureno und dieser Freude an Spitzen und Gläsern und wie Ihnen, liebe Clubschwestern, allen bekannt ist, am Fädeln und Zusammenstellen feiner bunter Perlenketten — oft genug sahen wir sie emsig fädeln und liebevoll entwerfen — ein tiefer künstlerischer Zusammenhang bestand: hier und dort war es das echt weibliche, was sie anzog. Darum las sie uns so gerne aus jenem Buche vor. Aber auch sonst, was sie las, was sie vorlas, jedes Wort gewann eine besondere Bedeutung, weil jedes Wort aus ihrem Munde eine per* sönliche Note bekam, weil sie aus der Zeit für die Zeit, weil sie aus dem Herzen zum Herzen redete. Und sie wußte und glaubte, daß Mädchen ihr eigenes Gesetz zu hüten, und einen Eigenwert zu wahren haben, darum legte sie Wert darauf, daß der Club in seinen allabendlichen Arbeitsstunden sich grundsätzlich auf Mädchen beschränkte — und es zeigte sich, daß dieser Frau, deren Leben ausgefüllt war von Arbeit für die Welt, deren Geist alle Probleme gelehrter Bildung gewälzt hatte, nichts menschliches fremd war. Ob sie ihre seltsamen Lebensregeln aufs zeigte, von ihren Reisen in Rußland und Galizien erzählte, ob sie über Hygiene und Krankheit, über Tageseinteilung und Freizeit, über Liebe und Ehe sprach, überall ist sie mitten unter uns, daß jeder getroffen, jeder sich beeindruckt fühlte. Alles entsprang dem Reichtum eines ausgefüllten Lebens, der Tiefe eides Bildes., das sich von aller Oberflächlichkeit freizuhalten wußte. Von dieser Kraft der Nachempfindung, von der Tiefe ihrer Menschenkenntnis, von ihrer scharfen Beobachtung und strengsten Konsequenz, und zuletzt von ihrem angeborenen feinen Humor, war jeder bald ganz gefangen, so alt einer war, oder so jung, denn sie war nicht nur älter als wir alle, sondern auch jünger, das war ihre Größe. So sehr sie über uns alle, hinausgewachsen war, so konnte sie doch immer wieder zur Ursprünglichkeit ihres Wesens zurückfinden. Die Jugend unserer Tage ist in eine neue, umwälzende, alles neu formende Zeit hineingerissen, und schaut gierig nach allem, was groß und kühn vor ihr erscheint; Wie verstand sie es da, mit ihrem Herzen, das jünger war als das der frühreifen Jugend, mit ihrem sprühenden Temperament, das keine Scheu kannte, wo es um die Wahrheit ging, junge Menschen zu fesseln und sie nimmer loszulassen, bis daß sie den Segen ihrer treuen Augen, ihres über* legenen Geistes und ihres warmfühlenden Herzens an sich erfahren hatten. Die Arnold Bernstein - und die Red Star Linie. Die Arnold Bernstein=Linie eröffnete im Jahre 1933 ihren Passagierdienst zwischen Antwerpen und New York mit den Schiffen „Ilsenstein", „Gerolstein" und „Königstein" von je ca. 10 000 Tons, nachdem sie auf der gleichen Route seit über zehn Jahren einen regelmäßigen Frachtverkehr, zur Hauptsache für die Beförderung unverpackter Automobile, unterhalten hatte. Die Arnold Bernstein=Linie hat als einzige Linie ihre Schiffe als Einklassenschiffe aufgezogen, um einem langgehegten Wunsche des Reisepublikums anchzukommen. Es war bekannt, daß die Mittel für eine Rundreise in der ersten Klasse für einen Passagier, resp. seine Familie, selten ausreichten, man andererseits aber nicht auf jeglichen Komfort verzichten und sich mit einer einfachen Ueberfahrt begnügen wollte. Für solches Reisepublikum baute die Arnold Bernstein-Linie die Brücke und bot für den erstaunlich billigen Preis von ca. RM. 220.— für die Einzelreise und ca. RM. 400.— für die Rundreise eine Gelegenheit, Amerika kennenzulernen und dabei gleichzeitig eine Erholungsreise auf See zu machen. Die Dampier haben nur Außenkabinen mit je zwei Bette nin den besten oberen Decks mitschiffs, fließendes warmes und kaltes Wasser in den Kabinen, Dusch- und Baderäume, große komfortable Gesell* schaftsräume, herrlich geschützte Lauben auf Deck, Sonnen- und Sportdecks, bei einer ausgezeichneten erstklassigen Verpflegung und Bedienung. Die ständig wachsenden Passagezahlen der Arnold Bernstein- Linie sind der beste Beweis für die Beliebtheit bei dem Reisepublikum. Die Red Star Linie, welche bis Anfang 1935 unter englischer Flagge fuhr, wurde im vorigen Jahre angekauft und unter deutsche Flagge gebracht. Sie unterhält mit ihren Schiffen Pennland und Western* land von je 16.500 BRT einen regelmäßigen vierzehntägigen Dienst — Antwerpen—Southampton—New York und zwar fahren diese Schiffe ebenfalls nur eine Klasse in der gleichen Art wie die Schiffe der Bern* stein-Linie. Die Fahrpreise der Red Star Linie sind eine Kleinigkeit höher als diejenigen der Bernstein- Linie. Die Red Star Linie besitzt die Auswanderer- Konzession für nichtarische Personen. TAPETEN Kollektion 1936 sehenswert GustavSchwarz&Co Reulerweg 53 Ferienaufenthalt im Gebirge: (Garmisch) für 1 od. 2 Kinder i.Alt.y. 10-15 Jahr.; str. rit, Verpfl., Tagespreis KM. 4.50. 0ü. unt. J. K. B. 16 oauptpostl. München In großer Stadl Sliddeulscril. ist eine unter Rabbinatsaufsicht stehende bestens eingeführte Metzgerei zu verpachten. Bewerbungen unt. 3148c an die Exp. d. Bl. L_„ JA _ (Norden), Haus, 011 II O n groß. Garten, 6 Schlafzlmm., 4 Wohnzimmer, 2Mäddienz., Möbel.Wälche, Gefchirr an str. kosch. 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