Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1936)
- Date
- 1936-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 18. Juni 1936 28. Siwan 5696 Nummer 25 Vor Beendigung der Streikunruhen in Palästina? W Drei tage Ruhe in Jerusalem. Jerusalem, 17. Juni. Nach einem Telegramm an. die ITA. vom 17. Juni herrscht seit M o n t a g, den 15. Juni, in Jerusalem vollkommene Ru h e und das Leben trägt wieder sein normales Gesicht fast wie vor Ausbruch der Wirren. Es scheint, daß die Erklärung des High Commissioner bei seinem Besuche im Hadassah-Kramkenhajus, er rechne mit der Möglichkeit der Wiederherstellung; normaler Verhältnisse für „die nächsten Tage", mehr als ' ein Beschwichtigungsversuch war. Man sieht seit Montag wieder in den Hauptstraßen Jerusalems Araber* in fried- 1 i che m G e s c h a f t srv erketr mit Juden. Freilich kommen inder Provinz noch verteinzelte Terrorakte vor. So wurden in Haifa, ungeachtet des neuen Gesetzes, das die schwersten Strafen für> Bombenangriffe androht, Bomben gegen ein jüdisches Krankenhaus geworfen. Menschen kamen nicht zu Sahaden. Auch P o 1 i z e i s t a t i o n e n wurden beschossen, obwohl die T o d e s s t r a f e auf solche Angriffe steht. Jüdische Autobusse wurden hie und da wieder bombardiert. Hundert Dunam Qtruspflanzungen bei Nat an j a h wurden vernichte^. In Jaffa kam es zum ersten Male zu .ednar •.ernsten Schlägerei zwischen mohammedanisöhen und christlichen Arabern. Einem halbstündigen 'Feuergefecht bei K f ar S a b a konnte erst durch Eingreifen des Militärs mit Maschinengewehren ein Ende gemacht werden. Doch glaubt man heute in Jerusalem, daß diese Zwischenfälle nur noch die letzten A ü s s t r a h 1 u n g ei n der Streikunruhen bedeuten. In Jerusalem selbst wenigstens ma cht sich die S t r e i k m ü d i g k e i t ■ in allen Gassen bemerkbar. (Weitere Berichte aus Palästina findet der; Leser auf Seite 2, 9 u. 10;) Syrien eine unabhängige Republik. Paris, 18. Juni. Gestern brachten die politischen Zeitungen fdie Mitteilung, daß 'die französische Regierung beschlossen hat, ihr Mandat über Syrien-und tdem L i b a n o n in einen- Bündnisvertrag;mit den beiden Ländern umzuwandeln und die-r •sen'; eine Art von Um abih än gi/g k ei t näch dem Vorbild des I r ak zu geben, so. daß die rbeiden Staaten nach Inkraftsetzung des Bündnisvertrages zwei u n a b h ä n g d g e ,RV e p u )b 1 i - "k e n bilden und in v.den V o l k e r b u n d eintreten werden. Frankreich unterhält nur noch eine Militärmacht in bisherigem Maße in Syrien. Es ist nicht anzunehmen, daß dieser, bedeutsame Schritt Frankreichs; ohne Wirkung auf die;;ganze arabische Welt und besonders in Pa - (Fortsetzung siehe Seite 2.) In der heutigen Nummer beginnt ein laufender Roman von der unseren Lesern bereits bekannten Schriftstellerin Alice Landsberg unter dem Titel Der Tempelbau zu Heikenbrunn, der in schöner Form und anregend aus vergangenen jüdischen Zeiten erzählt. Aus dem Inhalt: Der Emir Feisal-Vertrag ......Seite 2 Das Brandunglück in Chawurath Chaiez Chajim _ Seite 2 Fasttag in und für Erez Jisroel . . . . Seite 2 Das „Schlagwort" von der jüdisch-arabischen Freundschaft ..........Seite 3 Ormsby-Gore und der Großmufti . . . Seite 4 Erez Jisroel-Briefe. Von Dr. Isaac Breuer Seite 5 Judengesetzgebung und Amnestie . . . Seite 7 Der Rückgang der jüdischen Landgemeinden Seite 7 Arische Hausangestellte in jüdischen Häusern Seite 7 Die Lage in Polen.......Seite 7 und 8 Berichte aus Palästina . . . Seite 2, 9 und 10 „Belehrung und Mahnung"......Seite 4 Der Maschgiach von Mir. Von Dr. Weiß Seite 12 Das Erwachen zu neuer Jugend. Von B. Cohen. „Ein ..Zug tiefer Ermüdung geht durch unsere Zeit". Mit diesen Worten begann ein vor nicht langer... Zeit erschienenes jüdisch-pädagogisches Werk. Leider war dieser Leitsatz keine Uebertreibung. Wir taten vor einem Jahrzehnt alle sehr jügendfrisch. Wir hatten sogar eine ganze Menge Jugendbewegungen, jeder nach seiner :Nuance^V]|Und wenn Jugendlichkeit eines Volkes : an dieser Menge zu messen wäre, dann wären wir Juden Deutschlands durchweg Jugend in Reinkultur gewesen ... Leider aber mißt die harte Wirklichkeit den Grad des Jungseins an anderen Dingen, z. B. an der Fähigkeit, sich in neue äußere Umstände hineinzufinden oder ererbten Wohlstand durch klareren Gegenwartsblick und frischeren Elan zu wahren und zu mehren, als dies die Aelteren konnten, welche diesen Wohlstand in besseren Tagen geschaffen hatten. Diese Jugendlcihkeit scheint dehn doch schon lange nicht mehr in der Judenheit des Westens eine Selbstverständlichkeit gewesen zu sein, nicht nur nicht bei den angeblich so besonders gegenwartsfernen Gesetzesbefolgern. Es scheint doch, als hätte auf die altberühmte jüdische Rührigkeit die Thoraforschung und -befolgung der Vorzeit keine schläferndere Wirkung ausgeübt als alle „Ismen" und Jugendbewegungen der Gegenwart, als jede, als die geringste1 von ihnen. Ob dies Fragen sind, die. uns im. Sinne der Thorabefolgung als solcher interessieren? Es scheint, als hätten unsere Weisen ganz wohl die Segnungen echten Jungseins zu schätzen gewßut. Insbesondere sahen sie einen hohen ethischen Wert im Jungsein eines Volksganzen. Die Sidra des traurigsten und düstersten Tages unseres Jahres spricht von den Sünden, .die Israel begeht, wenn es alt wird im Lande. Die Fürsprache Lots für seine Zufluchtsstadt Zoar, die „doch so klein ist", gilt, nach Raschi, der Jugendlichkeit dieser damals hoch neuen Siedlung. In jungen Siedlungen, so meinen unsere Weisen, sind die Sünden nicht so zahlreich wie an älteren Orten. Diese Beobachtung können wir aus den Erfahrungen unserer Gegenwrat bestätigen. In unseren Gemeinden haben sich seit recht langer Zeit die Symptome des unseligen Altwerdens des Gemeinschaftslebens gezeigt: Prinzipielle Streitfragen waren zu persönlichen geworden. Das wache und rührige-Mitleben der jüdischen Menschen mit dem Streben der Thorabeflissenen und mit dem Pflichtenkreise des jüdischen Jahres und der Judenheit der Welt war längst dumpfem Dahinvegetieren neben und fern dem Lebensquell g'ttlicher Lehre gewichen. Groß- und Kleingemeinde wetteiferten in Ueberalterung und Interesselosigkeit, hr Nachlaufen hinter Moderednern ohne Nachwirkung und in scheingeschäftigem Nichtstun. Der dritte Partner dieses faden Wettstreites war —- die Jugendbewegung aller Schattierungen. (Fortsetzung siehe Seite 3.) ^k^m^M^Mi^^i