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Der Israelit · 1936-06-11 · Heft 24 (11.6.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 24 (11.6.1936)
Date
1936-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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*^-t»wt»si»ak-.-'! '-H?0IKL1936' Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M. 11. Juni 1936 21. Siwan 5696 Nummer 24 Die Not des alten Jischuw und der gesetzestreuen Siedlungen in Palästina. Von der eigenen Not des alten Jischuw innerhalb der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Not in Erez Jisroel zeugt folgender der Palästina-Zentrale in Frankfurt a. M. von der Jerusalemer Agu da zentrale zugegangene Brief vom 8. Siwan (29, Mai): „Zu unserem unermeßlichen Leidwesen ist noch Je eine Aenderung und B esserung in der Lage in Erez Jisroel zu konstatieren, man kann umgekehrt sagen, daß sich der Umfang der Ereignisse und deren traurigen Folgen noch wesentlich vergrößert hat. T> a u s e n d e gesetzest reue J u d en.des alten Jischuw stehen 'brotlos (da, und es besieht leider keine Hoffnung, daß sie sich ohne Bruderhilfe von außen noch irgendwie1 einordnen könnten. In dieser Lage haben wir beschlossen, uns an das gesetzestreue Judentum der G.ola zu wen.- den, daß es seiner Pflicht gegen die thoratreuen Brüder in Erez Jisroel nicht vergesse, die sich an keine : andere' Organisation hilfesuchend "wenden können, als an „die gesetzestreue Weltorganisation. Agudas Jisroel. Eile tut not, wenn nicht die Hilfe, für die Unglücklichen zu spät kommen sollte., Wir^brauchen dringend Hilfe für die Notleidenden folgender Kategorie: 1. die Witwen und. Waisen der Todesopfer, 2. die Flüchtlinge, die aus der Altstadt Jerusalems ins jüdische .Zentrum sich gerettet haben, und auch diejenigen, die sich noch unter, persönlichen (Gefahren in den alten Gassen aufhalten, deren Zahl insgesamt ..ungefähr 4000 Seelen beträgt, 3. die,, Abgebrannten und solche, deren Hab und Gut, , nachdem sie ihre Häuser verlassen hattten, geplündert. oder vernichtet wurden, 4. kleine Leute, die infolge ihrer Evakuierung ihren Erwerb vollkommen verloren haben. Es sind in der Mehrzahl Leute, die sich früher aus Meinen Warenläden oder durch Ausübung eines Handwerks in nichtjüidischeh Bezirken recht und .schlecht ernährt; haben, 5. Arbeitslose, die sich aus den 15 Gruppen der P oale Agudas Jisroel rekrutieren, die infolge der Krise und des völligen Stillstandes im Baugewerbe um ihre Arbeitsstellen gekommen sind. Die Arbeitslosen in den Städten des alten Jischuw, wie iii den Kreis'eh der Poale Agjidas Jisroel belaufen sich auf viele TäusendeyiW 6. (Handelr! und Gewerbetreibende, die infolge des Boykotts und des Stillstandes im Geschäftsleben . um ihren Verdienst gekommen sind. Ein wesentlicher Teil dieser Geschäftsleute arbeitete mit nichijüdischfer Kündschaft, die ihre Zahlungen an.• Judeü ^ollkommeh eingestellt hat. Diese Kategorie ist in eine besonders schwere Lage geraten1,und läüft Gefahr, völliger Deklässlerung zu verfallen. :; Das ist ungefähr 'die Lage, aus der heraus wir die Brüder-in der Gola aufrufen, uns zur Hilfe zu kommen. Ohne Verzug, sobald dieser Notschrei an die Ohren unserer Freunde dringt, mögen sie mit dem umfassenden Rettungswerke beginnen. Alle Gruppen, alle Stellen und Organe des gesetzestreuen Judentums müssen mobilisiert und aktiviert werden, daß sie sich zu einer Rettungsfront zusammenfinden. Alle .Möglichkeiten zur Rettung des heiligen Landes , und zum Aufbau seiner neuen Trümmer müssen ausgenutzt werden. Die Früchte dieser geweckten Bruderliebe in Form von Hilfsgeldern seien abzuführen an die Adressen unserer Vorsteher und Verwalter: Die Herren: Dr. Isaac Breuer, Elieser Sirkis und Dr. Falk Schlesinger, per Adr. Agudas Jisroel, Jerusalem, POB. 513." Dem Brief liegt noch ein kleiner Plan für die einzuleitende Hilfsaktion bei, in dem empfohlen (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Brandunglück in Gedera.......Seite 2 Palästina vor der Mandatskommission Seite 2 Neue Pogromwelle in Polen . . Seite 2 und 6 Leon Blum an der Spitze der französischen Regierung.........Seite 3 und 8 Tel Awiwer Bürgermeisterreden . . . Seite 4 Nationalheim oder Pogromgebiet? Von Schalon ben Ghorra in Jerusalem Seite 4 Mobilmachung der Kräfte ......Seite 6 Die gesetzestreuen Rabbinerverbände regen einen Taanis an......Seite 6 Nachrichtein aus Palästina . . Seite 7, 8 und 14 Brief aus Brasilien.........Seite 9 Amerikanische Nachrichten......Seite 9 Nachrufe auf Rabbi Jerucham in Mir und den Wischnitzer Rebbe *>"XT . . . Seite 10 Thora und Mussar im Osten. In dem offiziellen hebräischen Organ der Agudas Jisroel - Weltorganisation „Darkenu" äußert sich der bekannte Warschauer Aguda-Füforer A. S. Friedmann über die vom Frankfurter Raw zunächst für Deutschland angeregte T h-o r a - u n d M u s s.a. r-Bewegung in den nachfolgenden interessanten Ausführungen. Säe zeigen,, wie sehr der Frankfurter Aufruf auch im Osten befruchtend und anregend gewirkt hat. Die Bewegung für Th o r a und Mu s s ar, die von der Agudas Jisroel-iLandesorganisatipn in Deutschland geschaffen wurde und über die auch unser Führer, Jacob Rose n.h «im, in seinen jüngsten Aufsätzen; („Darkenu" Nr. 12, 13, 14) ausführlich referiert hat, .darf unter; keinen Umständen eine Angelegenheit Deutsch-. lands bleiben, sondern muß in den Herzpunkt all e r Agudagruppen .der Welt einrücken. Wir müssen mit klarem Auge erkennen, daß gerade die. Ausbreitung und Entwicklung der Agudas Jisroel zu einer großen Volksbewegung zum Teile auf Kosten ihrer inneren Kraft und Tiefe ging.. Manche wertvolle Menschen, haben sich darum in die-^Schmollecke zurückgezogen. Auf der anderen Seite hat- Einzelnen die Kiallarbeit keine Zeit und Kraft mehr gelassen zur . Selbstvervollkommnung in J—lim nilöV Die politische und technische. Arbeit hat hie und da die. individuelle Älijah ruchani t h beiseite geschoben. Es liegt schon in der Natur der Sache, daß in unserem inneren Ringen zwischen den eigenen Interessen und denen der Gemeinschaft eine Seite Not leidet. Großen und besonders begnadete Menschen, die leider i nicht dicht gesät sind, finden den Ausgleich. Bei Vielen macht man indes die Beobachtung, daß sie im Bestreben zur inneren Läuterung die Gesamtärbeit gänzlich aus dem Auge Lassen und so ejpem radikalen geistigen Egoismus verfallen. Dann aber kann es sich ergeben, daß Menschen, die sich mit all ihren Gaben und ihrer •Kraft dem Klall verschreiben, nicht mehr zum Thorastudium, zur Ausbreitung und Entfaltung ihrer geistigen und moralischen Kräfte kommen. Wo aber das Licht nicht von innen heraus »hell aufstrahlt, ist eine mustergültige Führung, besonders eine Führung der Jugend, nicht denkbar, Hier kann die Bewegung „Thora und Mussar" ausgleichend, helfend und rettend dazwischen treten. In jeder Gruppe muß , ein besonderer M u s s a r z i r k e 1 wirken für diejenigen, die innerlich in Thora und Midoth wachsen wollen, ohne Schaden für ihr Gemeinschaftsgefühl und ihre Gemeinschaftsarbeit. Nur auf diese Weise kann dem tragischen inneren Ringen ein Ende gemacht werden, indem die Agudamitglieder für beide Wege erzogen werden, die-dann ineinander laufen. (Fortsetzung siehe Seite 3.) OH

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