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Der Israelit · 1936-06-04 · Heft 23 (4.6.1936) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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4,* Juni-1936 - - Der I.s r a e I i t Nr. 23 Seite 15 Die Frankfurter Wochä. .» Bertha Pappenheim jT'y« Am zweiten Schwuaustag wurde Bertha Pappe n. h e i an in „ihrem Heime" in Isenbu r g durch einen sanften Tod ..von einer kurzen schweren Krank- . heii erlast. Der Vorstand de« 3 üdischen Franenjbunäes Berlin gibt das Ableben, seiner Führerin mit folgenden Worten; bekannt: „In Bertha Pappenheim verliert die jüdische Frauenwelt .die geistige- Fühxeri»/ die ihr jahrzehntelang mit leidenschaftlicher Üeiberzeügungskraft-. die Wege zu höchsten Zielen und zu schlichter Pflichterfüllung gewiesen hat.". Wir, in Frankfurt, .die wir Gelegenheit hatten, die Lebensarbeit, von Bertha Pappenheim ..aus nächster Nähe zu sehen' und zu bewundern, wissen, daß es unangebracht wäre, diese. große Frauenpersönlichkeit unter dem engen Horizonte ihres Frankfurter Arbeitsbereiches zu werten. So müssen wir uns denn eine eingehende Würdigung für eine der nächsten Nummern, ^werin einmal alle Phasen ihrer umfassenden jüdischen Arbeit, an den Tag gekommen sind, vorbehalten. Für beute seien nur einige Daten aus ihrem Leben und ~ Gesamtwirken angegeben. Bertha' Pappenheim wurde 1859 in Wien geboren, so daß sie nun im Alter von 77 Jahren von uns scheidet. Von Kindheit iher mit großer Geistesbega bung. grenzenloser Arbeitskraft und ungebrochenem, vor nichts zurückschreckendem Mut begnadet, dabei von glühender Liebe zu ihrem Volke beseelt, stand sie schon in verhältnismäßig jungen Jahren an der Führung der jüdischen Frauenbewegung in Deutsch land, obwohl sie für ihre Person nie führen, sondern nur arbeiten wollte. Aber sie riß mit ihrem unermüdlichen Arbeitseifer alle mit und blieb doch immer oben. 1904 gründete sie den Jüdischen Frauenbund, der bis zuletzt zu ihr als zu ihrer geistigen Führerin hinaufsah. Vorher schon war sie Leiterin des Jüdischen Frauenvereins Frankfurt und der von ihr gegründeten Weiblichen Fürsorge. Sie trat. nicht allein für das Recht der jüdischen Frau, sondern auch für da® Recht des hilfs- und schutzlosen jüdischen Kindes mit dem ihr eigenen Eifer und Gerechtigkeitssinn ein, und so konnte aus ihrer Initiative vor 30 Jahren das heute allbekannte und anerkannte Heim in Isenburg entstehen,, aus dem seitdem so viel unermeßlicher Segen ausströmte, das in den letzten Jahren auch ihr eigenes Heim geworden war, dem ihre aufopfernde Liehe buchstäblich bis zum letzten Atemzuge gehörte.- Was Bertha Pappenheim für die Jüdische Frauenbewegung in der Welt getan hat, kann nur in großen Zügen angedeutet werden. Wiederholt bereiste sie die Länder des Ostens, um dort die Lage der jüdischen Frau, izu studieren und Abhilfe zu schaffen, wo solche nötig war, Waisenhäuser zu gründen und auch sonst aus. dem reichen Schatz ihrer Erfahrung heraus, Wege aus der Not zu zeigen. Führend stand sie mitteia, im Kampf gegen den Mädchenhandel. Kaum war der Notschrei der Juden aus dem neuen S o w j etrußland zu uns geidrugnen, als Bertha Pappenheim unter persönlichen Opfern und Schwierigkeiten ohnegleichen sich auch dahin begab, um materielle und geistige Not nach Möglichkeit zu lindern. Zuletzt noch — es war ihre letzte große Aus- . landsreise im Dienste der jüdischen Liebe — reiste sie nach P o 1 e n , um die iB e s J a a k a u w - S c h ul en zu besichtigen, denn es war kein Geheimnis, daß diese Firau, die nicht gerade aus religiösem Milieu kam, sich in den letzten Jahren immer mehr dem religiösen Gedanken und dem religiösen Leben näherte. Die thoratreuen Schulen für die jüdischen Töchter in Polen zogen sie an, sb daß sie, den damals schon bei ihr sich bemerkbar machenden körperlichen Leiden trotzend, die weite Reise unternahm, das ganze Schulwesen des Bes Jaakauw ohne Voreingenommenheit prüfte und in Sitzungen und Beratungen in . Krakau, am der weiteren Ausgestaltung des Schuir programm.es kräftig mitarbeitete. Und esi war ihr kurz vor ihrem Heimgange noch die Freude gegönnt, zu sehen, wie ihr« vielfachen Anregungen durchge-, führt wurden. , Sie, die Uebersetzerin des „Zeeno urenno-Buches' und anderer' religiöser Lektüre, ging, am Festerer G e s e t 2 g e >b u n g von unsi, -r-■. nrmi nr«sf möchten wir ihr.:nachrufen. „Geht .hinaus und sehet ihr Töchter Zions!" Sehet, was, ein menschlicher, ein jüdischer Wolle, alles. v*rma^ er & seiner Betätigung die Richtung zu G'tt, zu seinem Volke und seiner Lehre sucht! . . . Justizrat Dr. Julius Blau 75 Jahre. Am 31. Mai feierte der langjährige Vorsitzende: der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M., Justizrat Dr. Julius Blau, seinen 75. .Geburtstag. Neben der Israelitischen Gemeinde» Frankfurt zählen der Hilfsverein der Juden in Deutschland, der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, die Konferenzgemeinschaft der Großgemeinden und — seit, der, Gründung dieses Gremiums der Organisationsausr schuß der''Refchsveftfetung Herrn .Justizrat Dr. Blau: zu ihren maßgebenden Persönlichkeiten. Die Etatberatung in der „Israelitischen Gemeinde", . Die Sitzung der Gemeindevertretung vom Donnerstag, den 7. Mai, begann mit einem stehend angehörten Nachruf des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Felix Meyer, auf die Opfer der Unruhen in Erez Jisroel. — Infolge Auswanderung hat Frau Bloch-Neustadt ihr Mandat niedergelegt. An ihren Stelle tritt neu.in das Kollegium ein; Dr. Kirschheim; an Stelle des verschiedenen Herrn W. Netter ist Dr. Gottschalk neu eingetreten. — Fürs Pflegamt de« Krankenhauses war Dr. Moser gewählt worden. Wegen Abwesenheit von Frankfurt bittet er, ihn vom Amt zu befreien. Als für ihn eine andere Persönlichkeit vorgeschlagen werden sollte, bat Heinrich Gerlich (Volksp.), die Wahl von der Tagesordnung abzusetzen, da Dr.: Moser bis zum 15. Juni zurückkomme. Herr Oettinger, Vorstandsmitglied und Fi nanzreferent, eröffnete den Reigen der Etatreden mit der Mitteilung, daß zur Zeit eine Senkung des Steuersatzes nicht möglich sei, da die starke Abwan derung ständig Ueberraschungen bringe. Gingen doch viele jüdische Unternehmungen in andere Hände über, wodurch wiederum viele Arbeitnehmer brotlos würden. Herr Dr. Geiger, der zu denen gehört, die den Gemeindeetat aufstellten, gibt Auskunft über einige Posten. Für 1935/1936 sind 625 Wegzüge von Steuerzahlern zu verzeichnen, was einem Ausfall von 6—7 Proz. an Einkommen entspricht. Dabei treten täglich neue Aufgaben, an die Gemeindeverwaltung heran. Zahlenmäßig wird der Abgang durch Auswanderung ausgeglichen durch Zuzug von Familien aus Kleingemeinden, jedoch bedeute dieser Zuwachs fast immer eine erneute Belastung der Gemeindefinanzen, weil es sich vielfach um Hilfsbedürftige handelt. — Im Februar 1936 stehen 9 Geburten — 33 Todesfällen . gegenüber. Die Gemeinde habe keine Mittel, alle Aufgaben zu lösen. — Warme Worte hat Dr. Geiger für die Künstler, die im Kulturbund mitwirken, es sei eine soziale Pflicht, ihnen zu helfen! — An den Landesverband und die andern zentralen Instanzen werden RM. 45.000 (7 Proz. des Gesamtetats)' abgeführt, wovon allerdings ein großer Teil wieder zurückfließt, indem die Beratungsstelle und andere ähnliche Einrichtungen davon subventioniert werden. — Die Disziplinarstrafordnung für -die Beamten solle nun schon seit Jahren verabschiedet werden; sie sei wichtig, wenngleich die Gemeinde sie auch nicht jeden Tag gebrauche. Zum Punkt Synagogen und B e t s> ä 1 e bittet Dr. Geiger um private Zuwendungen. Noten usw. für die verschiedenen Ghöre erfordern relativ viel Geld. Die konservaitve Synagoge Bockenheim bringe RM. 700.—^- und erfordere dagegen eine Ausgabe von RM. 21.000, so daß man die Schließung dieser Synagoge erwägt. Die „rituellen Einrichtungen" bringen RM. 12.400 und erfordern, an Ausgaben RM. 39.102. Für die soziale Fürsorge, gehen ein RM. 40.000 und die Ausgaben erreichen die ungeheure Summe von RM. 286.080. — Das Krankenhaus erfordert einen . Zuschuß von RM. 73.000, nachdem eine starke Abwanderung in 'die dritte Klasse zu verzeichnen ist. Zurzeit prüft man die Einführung der freien Arztwahl auch für die 3. Klasse, um vielleicht dadurch eine bessere Rentabilität herbeizuführen. Für die Jugendpflege hat man größere Mittel zur Verfügung gestellt, und man versucht — mehr als bisher — die Jugend zur Gemeindearbeit heranzuziehen. Die Räumlichkeiten der verschiedenen Institutionen reichen bei weitem nicht au® angesichts der um ein Vielfaches gestiegenen Frequenz, beispielsweise des Jugendheim® und der Einrichtungen in der Königswarterstraße. — Durch den Ausgledchsfonds werden die Kosten von RM. 6000 für die Anschaffung eines neuen Bestattuhgsautos gedeckt. Das Bestattungswesen weist eine Einnahme auf von RM. 106.100, Ausgaben entstehen RM. 121.210. Der Posten Pensionen und Renten" erfordert RM. 65.910, Schulden- und Zinsendienst ergeben auf der Einnahmeseite RM. 4710, auf der Ausgäbenseite RM. 151.954. An Kultus, st euer sieht die Emnahmeseite vor RM. 1.096.132, Ausgabenseite: RM. 61.860. Verschiedenes und Unvorhergesehenes: Einnahme RM. 15.000, Ausgabe RM. '36.400. Namens der Liberalen dankte Herr Dr. Mainzer Herrn Di*. Geiger und Herrn Bürodirektor Mayer für 'die verantwortungsvolle Arbeit und bemerkt noch, daß. die Frankfurter Judenheit in vorbildlicher Weise ihre Hilfe dem JWH. gegeben habe. Für die konservative Fraktion stammte Herr Felix Meyer dem Etat— mit ganz geringen Aenderungen -— zu. Die Konservativen seien die eifrigsten Verfechter des Schulwerks, wenngleich sie auch Kritik zu üben Veranlassung fänden. So müßten die jüdischen Fächer mehr im Vordergrund des Lehrplans stehen. Das Lehrerkollegium fand der Sprecher noch nicht-ganz so. wie es sein müßte, hoffte aber, daß im nächsten Jahre kein Anlaß sein wird, die Dinge beim .Namen zu nennen. Das Phüantropin würde zurzeit von 1270. Schülern besucht. i ,Für die, V o lkspar t ei fordert. .Herr Heinrich G e'r I i c h dae früheste Einstellung der Schulung der Kinder auf die. Auswanderung, und .die Einführung des Neuhebräisohen als ob'Hgatorisches , :Untemchtsfach. Ferner müsse . der . .GescMchtsunterricht verbunden werden mit jüdischer, Volkskunde. Für den K-e r en Hajessod fordert Gerlich eine weit höhere Subvention als bisher und kommt dann auf die wiederholt behandelte Frage . der Umgestaltung der Gemeindevertretung zu sprechen. Herr Rosenwasser, der zurzeit keiner Fraktion angehört, tritt für eine Einstellung eines konservativen Jugendrabbiners ein. Der Antrag wurde mit fast allen Stimmen abgelehnt. Der Redner kritisierte dann die Haltung der Konservativen, 'die nicht dem Zeitgeist entspräche. Die Konservativen müßten sich als „Misrachigruppe" konstituieren. Herr Dr. Emst Freimann entgegnete, daß durch die Jugendarbeit, die man leiste (Thoralebranstalt und Talmud Thora-Verein) die Anstellung eines Jugendrabbiners überflüssig sei. Die Frage der Subvention für den Keren Haj essod rief eine .ausgedehnte Debatte hervor. Vom Vorstandstisch nahmen dazu Stellung die Herren Dr. Blau und Oettinger. Ersterer gibt zu, daß kein Posten groß genug sei, um den Aufbau in E. J. zu fördern, aber es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, von - sich aus einen angemessenen Beitrag für den Keren Hajessod zu leisten. Auch Herr Oettinger ist gegen die Subventionen, denn man bringe durch die Kosten für die Umschichtung viel auf für Erez Jisroel. Das transferierte Geld sei entwertet, dasjenige aber, das hier ausgegeben werde, sei vollwertig. Herr Hugo Hecht, Mitglied des Vorstandes, wandte sich •dagegen, daß zwei Herren vom Vorstandstisch ihre Privatmeinung äußerten, während es sonst üblich sei, die Ansicht des Vorstands von 'dieser Stelle aus zu vernehmen. — Herr Dr. Freimann brachte zum Ausdruck, daß viele Juden nicht für die Unterstützung des Keren Hajessod eintreten,, weil er die ihm zufließenden Gelder in einer Weise verwende, ' wie sie der Ansicht 'dieser Geldgeber nicht entspräche, Der rligiöse Aufbau sei nicht unbedingt garantiert, wenn man den Keren Hajessod unterstütze. — Der Antrag Gerlich, die Festsetzung des zu gewährenden Beitrags auszusetzen, bis die Spitzenverbände grundsätzlich über diese Frage entschieden haben, wird abgelehnt und die Zuweisung von RM. 500.— für den zionistischen Fond mit großer Mehrheit beschlossen. Mit der Israelitischen Religionsgesellschaft sind Verhandlungen gepflogen worden wegen ihrer Beteiligung an der Arbeit der „Anlernwerkstätten". Ein Beschluß ist in dieser Hinsicht von. beiden Seiten noch nicht gefaßt worden. Man verwies die Besprechung in die nichtöffentliche Sitzung. — Beim Wegzug von Mitgliedern in andere Gemeinden Soll sich die Möglichkeit der Doppelbesteuerung auf drei Monate erstrecken, wenn alle andern Gemeinden zustimmen. Der Etat wurde angenommen und ist mittlerweile von der Behörde gutgeheißen worden. Verein „Mekor Chajim". Einer uns ' gewordenen Anregung entsprechend, haben wir einen neuen Schuir eingerichtet, bei dem in zwangloser Form auch die Kreise sich beteiligen können, denen bisher die Gelegenheit zu selbständigem Lernen fehlte. Der Schiur, bei dem zunächst Chumisch mit Raschi zur laufenden Sidro als Lehrstoff genommen werden soll, wird jeweils Schabbos nachmittag. 4.15 Uhr im Hörsaal, Friedberger Anlage unter Leitung des Herrn. Julius Lewin stattfinden und erwarten wir zahlreiche Beteiligung. Insbesondere dürfte der Schiur die von auswärts in letzterer Zeit nach hier verzogenen Kreise interessieren. Bei entsprechender Beteiligung ist vorgesehen, ähnliche neue Schiurim einzurichten. Briefkasten. J. K. Manche erlauben es unter gewissen Voraussetzungen- Lehrer Seh. in Fl. Die mxa m findet am Sabbat 1? "]b 'o statt. J. Z. in D. Es empfiehlt sich aus naheliegenden Gründen, solche bedauerliche Vorkommnisse nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. M. L. in Jebenhausen. Wir danken Ihnen für Ihre Mitteilung und wünschen Ihnen, daß Sie, wie bisher seit 40 Jahren, noch weiter Abonnent unserer Zeitung bleiben, wjnny S. in Gateshead. Die bei uns angezeigten Maschinen werden hier ohne religiöse Bedenken gebraucht. Im Übrigen bitten wir Sie, die Anfragen nicht unfrankiert an uns zu richten, da wir hier Strafporto zu zahlen haben- Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Dr. Siegmund Stein und Frau Hannah geb. Cahen, Köln. — Dr. Max Kober und Frau Ada geb Cahen, Kfar Saba (Palästina). Barmizwoh: Erich, Sohn des Herrn Dr. med» Jacob Levy, Berlin N. W. 87 Siegmundshof 21,? na» "\b rbv 's Synagoge Siegmundshof. Verlobte: Rahel Goldschmidt, Hamburg, Klosterallee 22 mit-Arthur Joelson, Hamburg Bogenstr. ' Vermählte: Jakob Oppenheimer Hannah Oppenheimer geb. Jeremias, .Kibbuz Chofez Chaim, Gederah. Silberne Hochzeit: Hermann Löwy und Frau« Leipzig C. 1 Waldstr. 41 11. Siwan 5696.

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