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Der Israelit · 1936-05-26 · Heft 22 (26.5.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 22 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 22 1936 Agudistische Jugendheime. Außenstehende ahnen nioht, wie viel gerade jetzt, da manoheinem das warme Heim zu wackeln beginnt, in unserem orthodoxen Frankfurt für die Errichtung von Heimen für junge Menschen, die einer ungewissen Zukunft entgegengehen, getan wird. Vom N o a r A g iu d a t i, unter kräftiger Mithilfe der hiesigen Thoralehranstalt J e s c h i w a und des K er e n Hatorah in Deutschland, werden in Frankfurt drei Heime unterhalten, die insgesamt etwa 100 junge Menschen betreuen, ihnen das geistige Rüstzeug für ihre Zukunft gaben und in jeglicher Weise ein Heim bieten, bis sie genügend gerüstet sind, um den Weg in die ersehnte Heimat anzutreten. Hunderte pochen an die Türe und machen mit Recht den gleichen Anspruch auf Bergung und Fortbildungsmöglichkeit, und es 'hängt nur von unserer weiteren Leistungskraft ab, auch ihnen Platz zu gewähren, denn diese drei Heime, die so ganz im Hintergrunde blühen und Segen ausströmen, sind nur ein Versuch, aber der Versuch hat bereits gezeigt, welche Aufgaben heute an uns herantreten und wie sie mit Hilfe aller gelöst werden können. Die Aufgaben wachsen mit den Leistungen, und Experimente sind, wenn sie gelungen sind, dazu da, daß sie gesichert und ausgebaut werden. Für Unzählige, die von dem Vorrat an Menschengut im Schutze des N. A. so gut wie noch gar nichts wissen, seien die drei Heime genannt: Zwei in der Ob ermain -Anlage 1 6 im 1. und 2. Stock, unter Leitung von Ehepaar Hörwitz und Studienrat Dr. Willi Wolf und Frau, und eines in der Thüringer straß«, unter Leitung von Studienrat Dr. Jakob Rothschild und seiner Mutter, Frau Hugo Rothschild. In all den drei Heimen 'herrscht, bei aller spartanischen Einfachheit, eine Ordnung und Heimeligkeit, wie sie kaum übertroffen werden können. Die bequemen, blitzsauberen Betten . zeigen nicht allein gutes Material, sondern beweisen auch die erstaunenswerte Gewandtheit und Ordnungsliebe der Jungen. Die Menuzettel zeugen von einer gesunden, guten, kräftigen Kost, von der Kunst, auch in fleischarmer Zeit junge Menschen im Wachsen so gut aind kräftig zu ernähren, daß die gesunde Seele auch einen gesunden Körper hat. Ein guter Geist herrscht an all den drei Häusern, genährt von Liebe zum Kinde, von Liebe zur Thora, von, Verständnis für die Zeit und ihre Forderungen, vor allem von der Erkenntnis der jüdischen Aufgabe in der heutigen Zeit. Alles läuft darauf hinaus, dem jungen Menschen den ach so schweren Weg in die Zukunft so weit wie möglich zu erleichtern. Man muß nur einmal das kameradschaftliche Verhältnis zwischen Führern und Schülern gesehen haben, um die neue Methode zu loben, danach den Jungen an Gedankengut gar nichts aufgezwungen wird, sondern ihnen auf dem Wege der freundlichen Aussprache nur beigebracht wird. „Beigebracht", das ist der richtige Ausdruck. Etwas, was der Junge noch nicht hatte, noch nicht in ihm saß, was nach seiner Jugend und Vorbildung noch nicht sein Eigenes sein konnte, wird an ihn herangetragen, daß er es in sich aufnehme. Er muß es nicht vorbehaltlos tun, er kann mit seinem ebenfalls noch jugendlichen Führer darüber diskutieren. Was daraus entsteht, das ist das herrliche jüdische Zukunftsgut, 'das in diesen Heimen treulich gehütet wird und so trefflich gedeiht. Die Jungen, alle zwischen 14 und 16 Jahren, besuchen die-T horalehrans t a 11 Jeschiwa , sehen im Rosch-Jeschiwa und den Dozenten die Meister, an denen sie sich emporranken. Die Stunden des geistigen Austausches in den Heimen sind nur zusätzlich gedacht. Hier wird manches Saatkorn, das man in der Pflanzstätte in der Obermainanlage in sich aufnimmt, noch weiter gehegt und an die Sonne gezogen. Der Noar Agudati gibt selbst in seinem Heftchen als Ziel dieser Bote Chinuch schel Keren Hatorah genannten Jugendheime an: „Es ist Zweck der Heime, den Jungens in einem zwei- bis dreijährigen Kursus eine gut fundierte jüdische Grundlage zu vermitteln, sowohl durch theoretische Ausbildung, als auch durch das Milieu, und ihnen eine Vorbereitung für ihren Beruf zu ermöglichen. Dem ersten Ziel dienen Unterrichtsstunden im Rahmen der Frankfurter Thora-Lehr-Anstalt Jeschiwa, sowie Vorbereitungsstunden und Unterricht im Heim. Dem zweiten Teil dienen handwerkliche Kurse, die im zweiten bezw. dritten. Jahre besucht werden. Durch engste Zusammenarbeit mit dem Noar Agudati ist eine Erziehung zum chaluzischen Gedanken gewährleistet. Zusammenfassend sei hervorgehoben, daß 'durch jüdisch-geistige Arbeit (Lernen), durch Berufsvorbildung und durch Eingliederung in die Gemeinschaft der Versuch unternommen wird, jüdischer Jugend den Weg in ihre schwere Zukunft zu erleichtern und sie selbst für ihre Zukunft zu festigen." Din Kinder kommen aus Stadt und Land, aus verschiedenem Milieu, verschiedener sozialer und Bildungsschicht. Wie sie zueinander halten, sich gegenseitig stützen und einander ergänzen* ist ein Wunder kameradschaftlichen Zusammenlebens. In jedem der Heime ist auch ein älteres Mitglied, zuweilen auch ein Führer des B e t h Ci altiz mittätig, um auch auf diese Weise die Verbindung vom Beth Chaluz und Noar Agudati-Heim aufrecht zu erhalten. In jedem Heime. arbeiten drei bis vier Mädchen, die dem Hause und seinen jungen Bewohnern dienen, noch mehr aber sich selbst nutzen, da ihnen -diese Arbeit als H a c h s c h arah angerechnet wird. Sie lernen und sie arbeiten, arbeiten im Lernen und lernen beim Arbeiten; bestrebt, ebenfalls auf dem Wege über dieses Heim ans ersehnte Ziel zu kommen. . Wie bei den relativ geringen Beiträgen der Chaluzim trotz kräftiger Unterstützung von Seiten der Jeschiwa, des Keren Hatorah und des Noar Agudati bei diesem soliden Aufbau das Gleichgewicht des Etats erhalten werden, kann, das ist das Geheimnis des unermüdlichen Kassierers, Herrn Justin O e 11 i n g e r , und wir wollen ihm das Geheimnis nicht, abtrotzen, sondern nur wünschen, daß ihm durch reiche Zuschüssedie Rätsellösung erleichtert wird. Gesagt sei, daß ohne die hervorragenden Leistungen des Keren Hatorah in Deutschland für diese Heime und die kräftige Initiative und Tatkraft des Führers der deutschen Keren Hatorah, Herrn Pels in Hamburg, das Bestehen dieser Heime nicht möglich wäre. Die Thoralehranstalt Jeschiwa, die den Heimen ihre Seele und ihren Inhalt gibt, bringt auch materielle Mittel auf. Ohne Noar Agudati würde aber ein Eckstein im Bau fehlen: Die politische Schulung, der Ansobulß an den Klall, .die Vertiefung der jüdischen Anschauung, mit einem Worte: die Ebniung des Weges in die Heimat und in die Zukunft. Darum sei ihnen allen zum gleichen Teile Dank, besonders auch den jungen Frauen der zwei Führer, .die ihr ganzes Eigenleben hergeben, um der Sache zu dienen, wie auch Frau. Rothschild, die den jungen Menschen wahre Mutter ist. Die genannten Instanzen, die in Gemeinschaft mit dem Kassierer für die Aufrechterhaltung des Etats zu sorgen-'haben, haben nicht'weniger als 20 000 bis 25 000 Mark Zuschuß im,Jahre gemeinsam aufzubringen. Ein großer Betrag im Vergleiche zu der Not der Zeit, eine kleine Summe, wenn man an die kostbaren Früchte denkt, an das kostbare Menschengut, das hier gehütet wird. Wenn irgendwo, so gilt hier das talmudische Wort: '"17 K>K 3,iT''l»nfi wri» ■ „Nicht Münzen sind es, sondern Leben! . . Vermischtes. Berlin, 24. Mai. Der angekündigte Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Klein über idas Thema „Die neuen Wege" muß verlegt werden auf Dienstag, den 2. Juni 1936, abends 8 Uhr (Festsäle Hackescher Hof, Rosenthalerstr. 40/41, am Bahnhof Börse). Breslau, 22. Mai. Am 11. Mai hielt die Agudas Jisroel-Ortsgruppe ihre Generalversammlung ab. Derselben ging ein an Anregungen und praktischen Vorschlägen überaus reicher Vortrag des Herrn Dr. med. Max Ebstein voraus., der ein umfangreiches und notwendiges Arbeitsprogramm umriß. Nach dem Geschäfts- und Kassenbericht des Vorsitzenden, Herrn I. Moll e r , fand eine ausgedehnte Diskussion statt, an der ich die Herren Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann, Rabbiner Wassermann, Dr. Frey h an und andere Mitglieder beteiligten. Herr Ernst Falk forderte die WiedereinsteUurag eines Sekretärs (von der Versammlung befürwortet). Herr Schneller richtete einen flammenden Appell, die Arbeit für den Keren Hatauroli und besonders den Keren Hajischuw weit mehr zu intensivieren. Nachdem dem bisherigen Vorstand für seine vielfältige und aufopfernde Arbeit Dank und Entlastung ausgesprochen worden war, wurden idie folgenden Herren wiedergewählt: I. Möller, Vorsitzender, Dr. Ebstein, Dr. Freyhan, W. Gluskinos., M. Naumburg und C. Schneller. Für die einzelnen Arbeitsgebiete sollen Kommissionen gebildet werden. Emden, 18. Mai. Am Lag B'aumer veranstaltete die agudistische Jugend Ostfrieslands in Leer ein Treffen, das einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Nach herzlichen Begrüßuragsworten des Herrn Joseph W o 1 f f und Verlesung der eingelaufenen Telegramme, nahm Walter Hirschberg, Emden, das Wort zu einem Referat über die Leistungen der Agudas Jisroel. Nach Thoraworten von Albert Mindus und Meier van der Walde, sprach Simon van d e r. W a 1 id e. über die Lage in Erez Jisroel und rief zu unablässiger Tätigkeit für unser Land auf. . Kurt Ly p o 1 d und Henny van der Wa 1 de erörterten die Möglichkeiten praktischer Arbeit in den Gruppen. Das Treffen, hat zweifellos der agudistischen Tätigkeit in Ostfriesland neuen1 Auftrieb gegeben. TrieSt, 25. Mai. Der „Lloyd Triestino", Frankfurt a. M., teilt mit, daß trotz des Streikes in Palästina die italienischen Schiffe im Hafen von Haifa nach wie vor die erforderlichen Operationen abwickelnd Die Ein- und Ausschiffung der Passagiere erfolgt ohne Verzögerung dank der Vorkehrungen, die der „Lloyd Triestino" getroffen hat. In den letzten Tagen konnten nach Ankunft der Dampfer „Galilea", „Egeo" Und „Vesta" erhebliche Warenmengen gelöscht werden. Auch für 'die Zukunft ist eine reibungslose Abwicklung der Operationen der italienischen Schiffe im Hafen von Haifa gewährleistet. Da diese Nummer schon am Dienstag fertiggestellt wurde, mußte eine Reihe von Nachrichten und Noi ■ tizen für die nächste Nummer, die . am Donnerstag, den 4. Juni, erscheint, zurückgestellt werden. : Das bisher von Herrn Albert Herz unter der Firma „Rheimverkehr G. in. b. H."; geführte, Umzugsgeschäft nach dem Ausland wurde von der Firma Dauzas u. Co, G. m. b. H,, Abteilung für Auslandsumzüge, Mainzerlandstraße 65, übernommen und wird unverändert weitergeführt. Das mit diesen Transporten besonders gut vertraute Personal ist auch weiterhin bei der Firma Danzas u. Go. tätig. Sie reisen nach Erez Jisroel oder fahren •nach Uebersee und benötigem individuelle Beratung, die alle mit der Fahrt im Zusammenhang stehenden . Fragen zuverlässig und erschöpfend klärt. Das. alles j besorgt für Sie die Firma A1 f r e d Adl e r , jetzt S t e i n w e g 9, 1. Dort be-sorgi man auch Ihre Visa- 1 angelegenheiten und Reisekreditbriefe. Ferner erhalten Sie bei' der genannten Firma - prompt alle Reisebillets zu •Originalpreisen.. (Siehe Inserat.)1

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