Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1936)
- Date
- 1936-05-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprechungen. Recherches lexicographiques Sur Maudens texias francais d'origine juive. By Raphael Levy Baltimore, London, Paris. 193 2. Das Werk gibt eine Zusammenstellung von ait französischen Worten in mitteialtefrlicihen jüdischen Glossen zum Alten Testament. Die Arbeit schließt sich eng an die Werke an, die bereits früher auf die sem Gebiete erschienen sind, vor allem an das Glossaire hebreu-fräncais du Xllle siede von Louis Brandin (1905) und das Wörterbuch des Altfranzösischen von Godefroy. Der Verfasser hat im wesentlichen, wie er sagt, nur diejenigen Worte behandelt, die bisher noch nicht behandelt worden waren, oder die er in ihrer Bedeutung korrigiert hat gegenüber den alten Auffassungen. Wertvoll an dieser Arbeit ist vor allem die Ge genüberstellung des Originaltextes in hebräischen Buchstaben und der lateinischen Lettern transpo nierten Werte. So erklärt das hebräische Wort oft mals die Bedeutung des französischen. Die Arbeit scheint mir bedeutungsvoll für das Studium des Altfranzösischen. Vor allem läßt sich die Bedeutung des französischen Wortes auf Grund des hebräischen Textes genau bestimmen. Denn oftmals ist das schwere hebräische Wort nicht nur ins Französische über setzt, sondern auf hebräisch erklärt. Wir können das bei ganz bekannten französischen Wörtern finden z. B. Mere Bedeutung: prince, chef hebr.: sp^K — Noyer-nettoyer hebr. Erklärung iran m niwa \wb Siede zz monde, eternite abivn ja njw» vvb- So läßt sich aus den Wörtern schließen auf die Verwurze lung der Juden mit der französischen Kultur. Es wäre z. B. interessant, nachzuforschen, ob die Vokalisie rang der in hebräischen Buchstaben geschriebenen Worte, wie der Verfasser, darum abweicht von der allgemeinen Vokalisierung, weil die Nachbildung der Laute mit hebräischen Buchstaben nicht genau mög lieh war, oder ob matn vielleicht für die Juden eine eigene Aussprache unterstellen soll. Vielleicht läßt sich daraus auf eine Bevorzugung irgendeines Dialekts durch die Juden schließen. (Die Dialekte stehen ja im 13. Jahrhundert noch nebeneinander, erst später setzt sich der Pariser Dialekt durch). Auch das gäbe Aufschluß über Wanderung und Ausbreitung der Juden. Umgekehrt wäre es auch bedeutungsvoll für die Bestimmung der französischen Sprache und Kultur des Mittelalters überhaupt. Der Verfasser kündigt als Ergänzung dieses Werke® eine ausführliche Abhandlung über die Bedeutung dieser Glossen für das Studium der französischen Sprache im Mittelalter an. Ich weiß nicht, ob sie bereits erschienen ist. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Arbeit für das Studium des mittelalterlichen Französisch, wie auch des Verhältnisses der französischen Juden zur allgemeinen Kultur einen wertvollen Beitrag liefert. Dr. Leo Trepp. Das Handeln im Sinne des höchsten Zieles. (Absolute Ethik). Von Hugo Ding ler. München. 19 3 5. Ernst Reinhardt Verlag. Man nimmt diese« Buch aus der Feder eines Philosophen, der vor zehn Jahren den „Zusammenbruch der Wissenschaft" verkündete und jetzt die absolute Ethik gefunden zu haben behauptet, mit einiger Spannung in 'die Hand und ist insofern nicht enttäuscht, als die klare, lebendige Diktion trotz des ungeheuren Selbstbewußtseins, das aus jeder Zeile spricht, den Leser fesselt, auch wenn sie zum Widerspruch herausfordert. Im Grunde hat Dingler schon in seinem großen Buche von 1936 dem negativen Teile, das den Bankerott der kritischen, rein logisch orientierten Wissenschaft erwies, einen positiven Teil angefügt, der die- Ethik aus dem Zusammenbruch zu retten sucht, indem er als „Urz-iel" der Welt die „Artdauererhaltang" statuiert. Was ihr dient, ist „gut", was sie gefährdet, „böse". Das Urziel wird aber nicht analythisch durch logische Operationen erkannt, sondern es steigt aus der freien Willenssetzung des Menschen empor. Der „freie Wille" wird letzten Endes zur einzigen Möglichkeit der Rettung aus den Trümmern des Intellektualismus. iDie Theorie erinnert sehr stark an Karl Joel und sein klassisches Werk „Der freie Wille". Auf der gleichen Grundlage baut nun Dinglers neues Buch weiter. Aber es schränkt die Arterhaltung im Sinne der Menschheitserhaltung nun auf die Volkserhaltung ein, auf diejenigen, die im großen Ganzen „eines Blutes" sind. Dabei werden polemische Auseinandersetzungen einiget lochten, die zu der Objektivität des Denkers schlecht passen. Merkwürdig ist auch der Wandel in der Einstellung des Philosophen zum Alten Testament. Während Dingler im Jahre 1936 mit einem gewissen Stolz davon spricht, daß sein Grundbegriff der Ethik mit der altisraelitischen Auffassung z. B. mit dem 91. und 92. Psalm in ihrer „unvergänglichen Schönheit" weitgehend übereinstimme, daß die Begriffsbildung der israelitisch-religiösen Führer der biblischen Zeit „intime Parallelitäten" mit der seinigen aufweise, und während er endlich damals in heller Begeisterung vom „Gesetz der Thora" spricht, und seiner einzigen, Leben zeugenden Problematik fürs Leben, — wird in dem neu e n Buch die Ethik des Alten Testaments :n Grund und Boden verdammt. Das „Gesetz" ist plötzlich nichts weiter als die „priesterlichen Kult- und Lebensvorschriften" und die altjüdische Ethik ist — „unethisch"! Dieser Gesinnungswandel ist um so auffälliger, als Dimgler noch 1915 ein ganzes Buch geschrieben hat; „Die Kultur der Juden. Eine Versöhnung zwischen Religion und Wissenschaft", worin er die „sieghafte Verbreitung der altjüdischen religiösen Schriften über die Welt" aus ihrer Uebereinstimmung mit seiner Theorie der „reinen Synthese" erklärt. Seltsam, aber wahr. Versuch einer systematischen Darstellung der Err kenntnistheorie des Maimonides. Von Dr. A. J. BombacJi. Tarnow. Druckerei G r a f j a Goldhamera 9. Es ist eine recht verdienstvolle Arbeit, die der Verfasser in dieser Dissertation über die Erkenntnis theorie des Maimonides. der Wissenschaft bietet. In konsequenter Beschränkung auf das rein Erkenntnis theoretische wird der gar nicht leichte Versuch unternommen, die Stellung des Rambam zu den Grund Problemen des wissenschaftlichen Erkennens — Wesen der SeeJe, Wahrnehmung, Vorstellung, Vernunft erkenntnis — herauszuarbeiten und überall aufzuzei gen, in welchen Punkten der jüdische Denker von der arabisch-neuplatomischen und der aristotelischen Auffassung abweicht. Bombach kommt zu dem Er gebnis, daß Maimonides eine Mittelstellung zwischen Empirismus und Rationalismus zuzusprechen ist. Seine Erkenntnistheorie ist an sich durchaus realistisch. Das spezifische substanziale Wesen der Dinge wird an erkannt und das Sein zeitlich vor das Denken gesetzt. Aber dennoch sind «die empirischen Gegebenheiten nur -eine Offenbarung des Wesens der Dinge, das sich dem forschenden Geiste auf dem Wege des induktiven Denkens erschließt. So zeigt sich der durchaus moderne Charakter des maimonidischen Denkens. Die Schrift ist eine wertvolle Erzeugung der Literatur des Rambam-Jahres. Sprechsaal. Was geht in der Kehilla Marienbad vor? Vor Jahresfrist hatten wir Gelegenheit, unsere Leser dahingehend zu informieren, daß die Kultusgemeinde Marienbad den Weiterbestand orthodoxer Betstuben zu verhindern versuchte und in ihrem orthodox- und reEgionsfeindlicheo Eifer vor nichts Halt macht. Nun wird uns wieder aus M a r i e n b a d geschrieben: Aus der Nachbargemeinde Karlsbad sollte eine Aschenurne am Friedhofe Marienbad zur Beerdigung gelangen. Wir wollen konsequenter Weise betonen, daß die Bestattung von Aschenurnen selbst auf jüdischen Friedhöfen gesetzlich vorgeschrieben ist, und dieses Staatsgesetz respektiert werden muß. Gegen die Bestattung als solche wäre also deshalb nichts einzuwenden. .Die meisten Gemeinden wählten in Respektierung des Gesetzes den Ausweg, indem sie innerhalb der bestehenden Friedhöfe einen bestimmten Platz absonderten, und so einen Urnenfriedhof im Friedhofe schufen. Zu diesem Auswege war der Vorstand der KultuiS'gemednde Marienibad nicht nur nicht zu bewegen, sondern er beschloß, im Sinne eines Ansuchens, die Beerdigung dieser Aschenurne in ein bereits bestehendes E i n z e 1 g r a b. Die Chewra Kadiseha Marienbad, die sich zuerst damit zu beschäftigen hatte, lehnte solch ein Ansuchen kategorisch ab und überreichte vorsichtshalber durch ihren Obmann Stellvertreter Herrn David Leitner, einen schriftlichen Protest bei der Kultusgemeinde, da sich dieselbe als vorgesetzte Instanz damit zu beschäftigen hatte. Dieser Protest, sachlich und religiös begründet, blieb unbeantwortet und unberücksichtigt. Der Vorstand der Ktdtusgemeinde beschloß, trotz dieses Protestes dje Beerdigung der Urne in das bestehende Eimzelgrab, gab der Familie der Verstorbenen ihren Beschluß schriftlich bekannt und ordnete die Bestattung in aller Stille zu einer ungewöhnlichen Stunde (morgens 7 Uhr) an, ohne daß auch nur die leitenden Herren der Chewra Kadiseha hiervon Kenntnis erlangen durften. Wir wollen uns mit den einzelnen Protesten' und Empörungenf die selbst im Kreise der Marienbader jüdischen Bevölkerung dadurch hervorgerufen wurden, nicht näher befassen. Was uns aber interessiert und was wir den gesetzestreuen Glaubensgenossen nicht vorenthalten können, ist der Umstand, daß die Kultusigemeinde Marienbad, die Kultusgemeinde eines internationalen Kurortes, der zum Großteil auch von orthodoxen und religiösen Juden besucht wird, von einem Geiste beherrscht und regiert wird, der mehr als heidnisch bezeichnet werden muß. Daß wir in Marienbad außerhalb der (dortigen jüdischen Gemeinschaft leben müssen, war uns^ — leider — schon lange bekannt:; daß man aber dortselbst nunmehr auch außerhalb dieser jüdischen (?) Gemeinschaft sterben muß, das ist uns leider neu und das muß offen und wahrheitsgetreu Allen unseren Glaubensgenossen gesagt werden. Sollte in dieser Verletzung der jüdischen Gefühle, der jüdischen Pietät nicht bald die Staatsbehörde einschreiten und uns dadurch die Gewähr geboten werden, daß dies Verfehlungen Einzelner vorstellt, die jedoch Einzelfälle für alle Zukunft bleiben, so müßte jeder Jude, der nicht nur orthodox, sondern schon aus Pietätsgründen religiös fühlt, darauf aufmerksam gemacht werden und daraus die Konsequenzen ziehen. Selbst die z. Zt. herrschenden Ratsherren scheinen ihrer Sache nicht sicher gewesen zu sein, denn sonst hätte die Beerdigung dieser Aschenurne nicht nur zu solch einer ungewöhnlichen Stunde vorgenommen werden müssen, sondern der zurzeit amtierende Kultusvorsteher, Herr Adolf Pinkusfeid, Besitzer des Hauses Helvetia, hätte hierzu nicht polizeiliche Assistenz erbitten müssen. Es war bisher usuell, sich zahlreich an Beerdigungen zu beteiligen, um dadurch die Mizwo der Thora zu erfüllen und den verstorbenen Glaubensbruder die letzte Ehre zu erweisen, keinesfalls ist es aber bei uns Juden usuell, Beerdigungien mittels Polizeiorganen vorzunehmen, während man gleichzeitig den Herren der Chewra Kadiseha die Stunde der Beerdigung absichtlich verheimlicht. Das soll sich Herr Adolf Pinkusfeid sowie seine Mitarbeiter gesagt sein lassen. Wir werden unsere p. T. Leser über diesen traurigen aber trotzdem interessanten Fall am Laufenden halten. Hoffen wir, daß -solche Fälle in der Geschichte der jüdischen Gemeinden — wie bisher — auch für alle Zukunft einzig und alleinstehend bleiben. In Marienbad, dem von orthodoxen Juden stark besuchten Badeplatze, sind Gestaltung und Maßnahmen der Kehillaverwaltung mehr als von lokalem Interesse. Um so mehr müssen solche Vorgänge als Herausforderung von der Orthodoxie insgesamt empfunden werden-. Die Frankfurter Woche. Aus dem Mekor Chajim. Unser Schwuaus-Lernen findet, wie alljährlich, in unserem Vereinslokal Hans Handwerkstr. 18, Dienstag Abend 11 Uhr statt. Ein Kostenbeitrag wird nicht erhoben. Anmeldung ist nicht erforderlich, aber erwünscht. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß auch Gäste sehr willkommen sind. Das weitere Schwuausprogramm wird in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. Diesen Sonntag, den 24. Mai, veranstalten wir im Hörsaal Friedberger Anlage einen Omervortrag des Herrn Gemeinderabbiners, auf den wir besonders hinweisen. (Thema: Das Ziel der Zählung), Der Vortrag findet um 8,15 Uhr statt. Gumpertz'Sches Siechenhaus. Die Generalversammlung des gemeinnützigen Vereins Gumpertz'sches Siechenhaus fand am 29. April 1936 statt. Nach Begrüßung der erschienenen Mitglieder durch den Vorsitzenden, Herrn Dr. Richard Merzbach, erstattete dieser .den Geschäftsbericht für 1935 und machte hierzu u. a. folgende Ausführungen: Im abgelaufenen Jahre 1935 zeigte sich mehr als je die Notwendigkeit des Bestandes eines Heims für chronisch kranke, sieche Personen und somit des Gumpertz1 sehen Siechenfaauses. Viele Familien, die ihren Wohnsitz verlegen mußten und bisher, zum Teil wenigstens, ihre chronisch kranken Angehörigen bei sich behalten konnten, waren gezwungen, eine Unteribringungsmöglichkeit bei uns zu suchen. Es handelt sich zumeist um völlig hilflose mittellose Kranke, die dann nach Platzmöglichkeit im Siechenhaus Aufnahme fanden. Unter den Kranken befinden sich zurzeit 23 gehunfähige zum Teil völlig gelähmte Patienten. Daß trotz der gewaltigen Aufgabe, für soviel arme Sieche sorgen ZU müssen, auch ihre oft, mit großen Kosten verbundene medizinische Betreuung durchgeführt werden konnte, verdankt .die Anstalt mit dem treuen Stamm von Freunden und Helfern, der . ihr noch verblieben ist, dann aber auch einer unermüdlich tätigen Mitarbeiterschaft, die ihr Bestes für das Heim hergibt. Ihnen allen zu danken für die vielen Beweise ihrer Hilfsbereitschaft, ist der Verwaltung eine angenehme Pflicht. Eines Ereignisses, das zwar chronologisch für das laufende Jahr in Frage kommt, müssen wir an dieser Stelle bereits gedenken. In diesem Jahre ist das 25jährige Jubiläum unserer Stiftungssynagoge. Am ersten Sabbat nach Pessach vor 25 Jahren fand der erste G'ttesdienst statt. Nach und nach zeigte es sich immer mehr, welch seelische Belebung auf die Kranken diese Einrichtung herbeiführte. Unmittelbar dann nach den Herbstfeiertagen ging man dazu über, regelmäßige G'ttesdienS'te. abzuhalten. Erfreulieberweise steht neben unserem Herrn Seckbach auch der Hausrabbi, Herr S, Wolpert, seit Oktober 1911 dem , kleinen G'tieshau® vor. Ferner erwarben «ich seit der j Gründung die Herren Raphael Golde, Jules Oppenheimer und Siegmund Keller, letzterer ein Patient, i der sich bereits 38 Jahre im Siechenhaus befindet, besondere Verdienste für unsere Synagoge. Wir wissen, daß diese Herren eine reine Befriedigung von ihrer Wirksamkeit haben, und danken ihnen anläßlich ihres .gemeinsamen Jubiläums in den ,kom-