Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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30. April 1936 Der Israelit Nr. 18 Seite. 15 im der er neiben den auswärtigen Gästen, die Vorstands chaft der Adas Jisroel sowie die Vorstandschaften der Agudasi Jisroel Orts- und Jugendgruppe herzlich willkommen hieß, richtete ein Chawer des Noar Agudati eine hebräische Ansprache an die Versammelten. Hierauf ergriff unser Raw das Wort zu einem Bericht über seine Erez. Jisroel-Reise, der in richtungweisenden Ausführungen über die Aufgaben der agudistischen Jugend in Erez Jisroel und der sich hierauf vorbereitenden Jugend gipfelte. Für die einzelnen Altersgruppen fanden hiernach gut geleitete Schiurim und Arbeitsgemeinschaften .sowie Singkreis statt, während die Gruppenleiter, unter Anwesenheit des Vorsitzenden des Landesaussohusses Bayern der jüdischen Jugendverbände Herrn Dr. Teutsch, zu längeren Besprechungen zusammentraten, um, von den Ortsgruppenleitern der verschiedenen Gruppen Berieht über dia Arbeit der einzelnen Gruppen entge genzunehmen. Diese Aussprache zeugte von dem emsten Bestreben der vom Agudismus beherrschten Jugend, das rechte Verhältnis zu finden zwischen der an den Einzelnen gerichteten Forderung nach Ver vollkommnung der Persönlichkeit und der dem KJail dienenden Betätigungen. In einer zweiten großen Ge meinschaftsveransitaltung behandelte Herr Rabb. Dr, B r e s 1 a u e r" in einer tiefsinnigen Ausdeutung einer Stelle in den Wert der Gemeinschaft, die in dem Zusammenschluß Gleichgesinnter den Einzelnen zur Hergabe seiner höchsten seelischen und geistigen Kräfte befähigt. Durch die Vorführung zweier Film streifen über die beiden Blankeneser Bundestage während des gemeinsamen Abendessens wurde den Teilnehmern eine besondere Freude bereitet. Noch vor Abschluß der Tagung traf der Nürnberger Orts gruppenleiter Adolf K o h m ein, um im Kreise der Aelteren einige praktische Fragen der Ausbildung des Führernachwuchses, als eine der vordringlichsten Aufgaben des Bundes>; eingehend zu besprechen. — Die Tagung, die auch organisatorisch gut vorbereitet war, brachte die einzelnen Gruppen in innigere Beziehung zueinander, die erwarten läßt, daß samt liehe bayerischen Esra Pirche Agudas Jisroel-Grup pen der Bundesarbeit und somit dem Bund näher gerückt sind. Die Frankfurter Woche. Die ordentliche Gemeindeversammlung der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft. Die ordentliche Gemeindeversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft fand am Montag nachmittag, den 27. April, unter Leitung des ersten Vorsitzenden, Herrn Philipp Posen, statt. Sie begann mit der Verlesung des Jahresberichtes durch Herrn Gemeindesekretär Bergmann. Die Folgen der Abwanderung und des Einkommenschwundes,r so heißt es im Berichte u. a„ machen sich in starkem Maße bemerkbar und legen der Gemeinde größte Sparsamkeit und Einschränkung auf. Ein fünftes Steuerquartal mußte eingelegt werden. Dagegen mußte in Berücksichtigung der Lage die Sesselgebühr reduziert werden, um damit allen pflichttreuen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich Synagogenplätze zu nehmen. Es wird im Berichte hervorgehoben, daß, allen wirtschaftlichen Nöten zum Trotze, die Einrichtungen zur Verbreitung und Vertiefung des Thorastudiums in Wirksamkeit bleiben. Die Vorträge des Herrn Rabbiner, wie der bekannten Lernvereine, denen Dank ausgesprochen wird, erfreuten sich großen Zuspruches. Die Thoralehranstalt Jeschiwa kann auf eine Periode segensreicher Entwicklung zurückblicken. Sie zählte im vorigen Jahre 100 Bachurim. Auch die Jeschiwah ktanoh mit ihren Kinderkursen kann dank der Arbeit des Kuratoriums große Erfolge verzeichnen. Die S. R. Hirsch - Schule hatte im Berichtsjahre 380 Schüler und Leitung und Lehrpersonal wetteiferten, die Schule auf große Höhe zu "bringen. Der Unterricht im N e u - hebräischen wird dm neuen Schuljahre obligatorisch. Den Herren Studienrat Dr. Schüler und Oberrealschullehrer Reich, die au® Gesundheitsrücksichten ausscheiden, wird Dank abgestattet, ersterem auch 'für seine aufopfernde Tätigkeit als Vorsitzender der Vereinigung ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Samson Raphael Hirsch-Schule. Die Israelitische Volksschule zählte im Berichtsjahre 640 Kinder, die vom Kollegium in größter Selbstlosigkeit geistig betreutr werden. Es wird auch das herzliche Verhältnis zwischen dem Leiter und dem Lehrkörper der Schule verzeichnet. Die Synagoge hatte im Berichtsjahre einen befriedigenden Besuch aufzuweisen. Ein besonderes Kapitel nimmt in dem Berichte die Fürsorgekasse der Gemeinde ein, .die bei verminderten Spenden ein starkes Anwachsen der Hilfsbedürftigen zu verzeichnen hat. Trotzdem konnte die Fürsorgekasse im abgelaufenen Jahre Hervorragendes leisten. Da® G. S. v. R o t h s c hi 1 d ' s c h e Hospital hat eine .große Belegziffer aufzuweisen; und wird allgemein als., mustergültig anerkannt. Die Finanzverwaltung des Krankenhauses ist von der der Gemeinde völlig unabhängig. Es werden die neu in die Gemeinde eingetretenen Mitglieder begrüßt und der Wunsch geäußert, daß noch mehr von den Zugezogenen den Weg zu uns finden. Dank wird auch der männlichen und weiblichen Chewra Schomer Mizwoh ausgesprochen. Unter den Toten des Jahres werden erwähnt und durch Aufstehen von den Plätzen geehrt Heinrich Kahn, der sich als Oekonom lange Jahre mit größter Bereitschaft für die Gemeindeinteressen eingesetzt und Alfred Schwarz Schild, der sich früher im Schulrate der Israelitischen Religionsgesellschaft und bis zuletzt in der Chewra Kadischa sich eifrig betätigt hatte. Mit Dank an die verschiedenen Kommissionen, auch an den Synagogenchor, schließt der Bericht, mit einer Mahnung an die Mitglieder, sich in schwerer Zeit noch enger der Gemeinde anzuschließen. Nach Erstattung des Berichtes wurde noch ein kurzer Bericht des Gemeinderates und das Protokoll der Sitzung verlesen, worauf man zu den Wahlen schritt. In den Vorstand wurden die Herren Isaac W o 1 f f , Simon M u g d a n , Dr. Salomon E h r m a n n wiedergewählt und die Herren Siegmund A u m a n n und Fritz Nußbaum neu gewählt. In den Gemeinderat wurden die Herren S. H. Katze n s t e i n und Dr. Marcus Lange wiedergewählt. Neu gewählt wurde in den Gemeinderat Herr Siegfried Oppen heimer. Eine HeSpedverainStaltung für den Rogatschower Gaon. In dem bis auf den letzten Platz besetzten Hörsaal der Synagoge Friedberger Anlage wurde am Sonntag nachmittag noch einmal das Andenken an den Rogatschower Gaon, Rabbi Jossef Rosin b"xu in der denkbar würdigsten Form geehrt. Die Veranstaltung ging von der Agudas Jisroel- Ortsgruppe und dem Mekor Chajim aus, in deren Namen Herr Redakteur S. Schachnowitz die einleitende Ansprache hielt. Es sei beschämend, sagte er, daß wir im Gegensatze zu den Weltvölkern, die ihre Dichter und Denker nach Gebühr verherrlichten, unsere Großen so wenig kennen. Der Rogatschower, der in den „vier Ellen der Halacha" lebte, kannte die Welt und die jüdische Not wie nur einer und nahm in seinen Responsen zu den laufenden jüdischen Fragen in einer souveränen Art Stellung, die für uns das letzte Wort war. In schwerer Zeit ging er von uns. Bei dieser Gelegenheit sprach der Redner in erschütternden Worten von den letzten Vorgängen und den jüdischen Opfern in Erez Israel. Letzter Zweck der Trauerveranstaltung sei, uns das Leben des großen Lehrers vor Augen zu führen, damit er noch weiter und immer unter uns lebe. Darauf ergriff der Redner des Abends, Herr Benzion Rachelsohn, das Wort zu einem großangelegten Hesped, der schon mehr eine instruktive Lern «tun de zum Andenken an den Rogatschower Gaon war, dem er persönlich nahestand und mit dem er eine ausgedehnte Korrespondenz führte. Eine Fülle von ^"in 1"i»r» und eine reiche Kollektion von agadischen Berichten über das Leben und den Tod großer Talmudlehrer boten den Hintergrund, auf dem sich dann die grandiose Lichtgestalt des inn TW» wie wir ihfi im „Rogatschower" hatten, erhob. Redner las Briefe halachischen Inhalts vor, die er erst in letzterer Zeit vom Rabbi erhalten hatte und die in kürzester Prägung Entscheidungen von weittragender Bedeutung enthalten. Die Veranstaltung hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Agudas Jisroel. Wir veranstalten "im Hörsaale der L R. G. am Sonntag, den 3. Mai. abends 8.45 Uhr, einen neuhebräischen Vortrag des Herrn Pinchas W o 11 - mann über „Die hebräische Sprache und wir ". ' Der Referent, der in einigen Wochen Frankfurt verläßt, wird in leichtverständlicher Form sprechen, so daß ihm auch Anfänger in ri'ia» werden folgen können. Montag, den 4. Mai, abends 8.45 Uhr: Referat des Herrn Rabbiner Jos. J. Horovitz über „ S efiro als Ruf der Agudas Jisroel". Gäste, Damen und Herren, herzlichst willkommen. Die Vorträge sind veranstaltet von der Agudas Jisroel-Ortsgruppe, Agudistischen Frauenortsgruppe und der Aguda-Jugend. Der Müssar-Schiur des Herrn Rabbiner Josef I. Horowitz, Fichtestr. 5, 4.30 Uhr, beginnt diesen Schabbos mit der Lektüre von Q^n fsrt nao- Neue Teilnehmer sind willkommen. trjp-TSchiur des Herrn Rabbiner Mannes. Nach längerer Unterbrechung beginnt diesen t\yp um 4 Uhr wieder der. D^'l-Schiur des Herrn Rabbiner Mannes im Rabbinatszimmer Friedbergeranl. 4. Ein großer Abend im Dienst der jüdischen Blinden in Deutschland. Mehr als 300 jüdische Blinde leben zur Zeit in Deutschland. Denselben, die zum großen Teil ihr Augenlicht im Kriege verloren haben, ein würdig Erholungsheim zu schaffen, war ich'on lange e;- Wunsch von unbedingter Notwendigkeit. Zu d e^ Zweck sollen in allen Großstädten Deutschlands ' anstaltungen stattfinden. Der F;an k f A b e n d ist auf Samstag, den 9. M a i (Las* festgesetzt und zwar im Großen Saalbau-Sae .' Zur Mitwirkung wurden folgt;* de pro' Künstler gewonnen, Magda Spie^ dtV sem Konzert zum ersten Male sei* >r>:: vom Frankfurter Opernhaus vor dau: jüdisc - kum von Frankfurt singt. Prof. H^ns B a s s- / der bedeutende Geiger und erste Konzerttm Kulturbundorchesters, ferner c ie' frühere Camilla S p i r a , die Röss'l-Wirtin n den führungen von Benatzky's „Im Weiikn Rö ' * Großen Schauspielhaus Berlin und WiWv F der populärste Chansonnier. Alexander Kipnis «inet. Im großen Saal des Saalbauet l.önc ma Dieser Sänger ist ein Stimmphänomen, das rr. Baßbariton in der Welt sein?sglei:!:«. •-' acL mächtig klingt diese herrliche Stimme ju.; d auf, um eine Höhe zu erreichen, dia den ' \••- Erstaunen setzt. Zu dieser wundervollen kommt noch eine Vortrag*kunst hinzu dia, w tivierung und Beseelung anbelangt, Otiten zu ist. Es ist ja ganz gleich, vas Kipnis sinjfl, S2. Mozartarien, seien es Lieder von Schumar- Wolf. Der Eindruck bleibt stets derselbe. ' diesem Sänger gefesselt und ist dankbar, t Stimme hören zu können. Dem Sänger kon. am Flügel Dr. Willy Salomen. Italienischer Opernabend der jüdischen To Die bekannte Sopranistin Käthe Eli mit ihrer wohldurchgebildeten Stimme, A Bender mit gepflegtem AI-, Ed<ih Eise, mer mit ihrem ansprechender) Koloratursop'". nicht zuletzt Hans- Assenheim mit cci^e«- vollen Bariton brachten in guter ^.^ammenarbeii von Mozart, Verdi-Puccini usw. zu Gehör, von Willy Salomon trefflich begleitet. Trio-Abend. Der treffliche Cellist Prof. Felix . idoKssohfU, Kapellmeister Mor Meier (Klavier) und Dr. GoVi-hilf (Violine) brachten in Jutem Zusammenspiel und stilgerechter Wiedergabe u. a. das Trio In b-dur von Mozart und Beethoven 2u Gehör Kammermusikabend des Kulturlandes. In der letzten Kammermusik de;; Kulturbundes erklang einleitend das Klavierquartett in g-moll von Mozart. Es folgte die Sonate in es-dur von» Ditter von Dittersdorf. Zum Schluß eine plastische Wiedergabe des Forellenquintetts von Schubert. Die Ausführenden, die ausgezeichnete Geigerin Anni Steiger, der hervorragende Cellist Ary S c h u y e r , der Bratschist Richard Karp, Bernhard Atramowitsch und der Kontrabassist Ernst Böhm waren den Werken stilgerechte Interpreten. A. K. Die Wanderungsbewegung in der Gemeinde Frankfurt. Aus den veröffentlichten statistischen Angaben für den Monat Februar 1936 ergeben sich interessante Ziffern über die Wanderungsbewegung innerhalb einer Großgemeinde wie Frankfurt a. M. Die Konzentration in den Großgemeinden zeigt sich darin, daß im Verlaufe des Monats Februar aus anderen jüdischen Gemeinden in Deutschland insgesamt 176 Personen nach Frankfurt a. M. zugezogen sind. Wesentlich ist die Zusammensetzung dieser Zugezogenen. Unter ihnen befinden sich insgesamt 134 Ledige, und zwar 42 Männer und 92 Frauen. Bei der Zahl der Ledigen und Verheirateten überwiegt mit 117 ebenfalls das weibliche Geschlecht. Die Fortzüge aus der Gemeinde betrugen insgesamt 158 gegenüber 25 im Februar des vergangenen Jahres. Nach anderen Gemeinden Deutschlands gingen davon 53 Personen, nach dem Ausland rund 80. Von den nach dem Ausland Gezogenen waren 42 ledig, und zwar 23 Männer und 19 Frauen. Berichtigung. Bei der Würdigung von Sanitätsrat Dr. Rosent h a 1 in Bad Homburg aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstages in der jüngsten Nummer, wurde der Vorname des Jubilars verwechselt. Herr Sanitätsrat Dr. Rosenthal heißt mit Vornamen Abraham, (nicht Erich). Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Heinrich, Sohn des Dr. Wilhelm Freyhan und Frau Fanny geb. Hackenbroch. Breslau, Kaiser Wilhelmstr. 82. Q'snj? -»nn« na»- 8 0. Geburtstag: Moses Friesem, Höchst a. M., Leverkuserstr. 9. 12. Ijar.