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Der Israelit · 1936-04-23 · Heft 17 (23.4.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 17 (23.4.1936)
Date
1936-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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23. -April 1936 Der I s_r a e 1 i t Nr. 17 Seite 7 bare Kraftstrahien sich, .in den Sklayendjenst .des Menschen und!;Ijir Erleichterung seinem Lebens einspannen lassen. Diese Interessenten stellten den Gelehrten zwangsweise , vor' die Auf gäbe, fast garnicjit mehr-, das ^esen aind fast .nur noch die Zahlefa-vet-hältnisse der-n Sehöp- -fungskiäite ..zu beachten. Das hatte den offen bareiT Vorteil, daß die;unfruchtbaren, nicht auf Beobachtung gegrünideten Phantasien über das Wesen dieser Kräfte endigten, und das hatte zugleich. den ebenso offenbaren Sebalden, daß im Zahlenbetriebe der Sdhöpfungskräfte und ihrer Verwendung die Meinung aufkam, es gebe ■gar nicht eia solches inneres We sen der S c h ö p f u n g s k r ä f t e. 2. Doch jetzt hat sich hierin in unseren Tagen das Blättchen gewendet. Man hatte schon längst Zweifel daran, ob denn wirklich das Zählender hältnis der Sohöpfungskräfte ihr ganzes Wesen und nicht vielleicht nur ihr dienstbereites Aeußere sei, hinter dem sich ein möglicherweise minder dienstbereites und zugängliches, dunkles Innenwesen verbirgt. Das Uebersehen dieses Kerns der Dinge gilt einem Forscher wie E. Dacque (Lebeji als Symbol, S. 15) als nicht mehr zeit gemäß. Er sagt: „Unsere vergangene Wissen schaftsepoche konnte mit diesem'Innenraum (des Daseins), wovon alle (quantitative) Naturform Symbol ist,1 nichts anfangen. Man sah in dieser Frage keine Bedeutung für die Erkenntnis der Wahrheit." Oder ebendort 23: „Erkenntnis (in heutigem-Sinne) kommt weder vom gehäuften Stoff noch von einer „genügend" lange fortgesetzten äußeren Beobachtung als vielmehr davon, daß wir an jene Stelle gelangen, wo schon die einzelne, uns zum Bewußtsein kommende Erscheinung den ganzen Sahatz innerer Erkenntnis aufzuschließen vermag, damit wir von da aus durch das Aeußere unmittelbar in das eigene Innenwesen eindringen, das auch das Innenwesen des Daseins ist." 3. Aus der hirschisohen Symbolik und aus den Worten unserer Ueberlieferer ist uns dieser Begriff des Innenwesens der Sohöpfungsmächte nicht fremd. Die Gebote, welche mit der Siebenzahl zu tun haben, faßt H i r s c h als wegweisende über den Bereich des in den sechs Schöpfungstagen Erschaffenen hinaus auf; die anderen, „nicht Jedem zugänglichen arithmetischen usw. Eigenschaften" der Zahlen läßt er außer Betracht. Andere Erklärer weisen darauf hin, daß sechs die* (doppelte) Zahl der Dimensionen, also der Körperwelt sichtbarstes Sinnbild ist, während die Sd ebenzahl das des Innenwesens ist: Der Sinn des Menschenlebens und der Welt, soweit er nicht in Zahlen faßbar ist. Zu diesem über das Zahlenwesen erhobenen Denken, zum Vorstoß in den Bereich des Persönlichen und Un-' abschätzbaren will uns so manches Gesetz der Thora erziehen, das von der Unreinheit zur Reinheit auf dem Umwege über eine Siebenzahl von Tagen geleitet. Die Unreinheit entstammt den „Polen des Löbens", dem Sterben und Geborenwerden, den Lebensb,ereichen, ,;di;rch die (Ges. Schriften III 299-^303) der Mensch der Zahlen-! weit, der in Zahlen ausrechenibären vergänglichenj Alltagswelt unterliegt. Die Siebenzahl fügt sich1 in keins der rein lebenskundlicheu Schemata.: Sie ist also Bild des Lebensziels, vom Irdischen; unabhängig zu sein. 4. Die Außenstehenden hatten sich die Erklärung des Sabbats in der Urmenscbheit allzu bequem gemacht. Sie hatten die siebentägige Feier auf das Beobachten der Mondphasen zu-, rückgeführt, die, obgleich abwechselnd 7tmd 8tägig,. später angeblich zur Vereinfachung durch-! gezählt ^worden sein sollten. Dabei hatte man 1 ganz übersehen, daß Mondbeobachturig für den Urmenschen viel einfacher als gedächtnismäßiges : Durchzählen der Siebentagewoche gewesen sein muß, wonach also sich ergäbe, daß, wenn Verein-! fachüngeä1 vorgenommen wurden, sicher die baj bylonischen Mondphasen-Sabbate das Spätere waren, l^ach Obigem aber bedarf es dieses Hinweises garnicht. Wir müssen nur annehmen, daß die ersten Menschengeschlechter einen inneren Sjhm besaßen, der sie nicht nur als „Natursicht' zur Beherrschung der Erdenwelt befähigte (Dacque), sondern auch das innere, geistige We sen der Schöpfung ihnen offenbarte, das1 über die Sechszahl, gleichsam erhaben war: Das ist „der Sabbat des,, ersten Menschen," dessen Erinnerung später nur dem Stamm Abrahams erhalten blieb. Wohl finden wir auch in Völkern und Zeiten, die mit der Thora nicht in Verbindung gelangt sein konnten, in nebelhaft iranmgleicher Ahnung eine Heiligung der Sieben als „Zahl" über den Zahlen". Aber in seiner ganzen Klarheit und Erhabenheit über alles Irdische finden wir den Sab batgedanken doch nur in Israel. So vollzieht sich denn auch der Uebergang Israels aus dem niede ren Stande der ägyptischen Sklaverei zu den Höhen der Sinai-Worte in einer siebenfachen Siebenzahl von Tagen. So zählen wir sieben Jahre zur Ruhe des heiligen Landes, durch die wir G'tt und keiner Erdenmacht uns dankbar für das Land bekennen, und so zählen wir diese Jahrwoohe siebenfach bis zum Jahre der Freiwerdüng und der Heimkehr. In allen diesen Geboten sehen wir ein Bekenntnis zu G'ttes Kraft der Weltbelebung, welche als Siebtes zu den Dimensionenpaaren, als „Persönlichkeit der Welt" zum Weltleben hinzuzurechnen, als Quell alles Diesseitslebens zu betrachten ist. Und wir krönen unser Bekenntnis zum überweltlichen G'tte durch diejenigen Gebote, in denen die A c h t z a h 1 vorherrscht, die Hirsch als Symbol der messianisohen Zukunft, als Sinnbild der freien Menschenpersönlichkeit ansehen lehrt, der Seelenkraft des freien Willens, durch den wir uns sowohl über die Sechstageschöpfung als über die seelischen Lebensnotwendigkeiten erheben. Diese Heiligung des Menschen gelingt erst in jener Zukunft, in der „der Davidsharfe die achte Saite" aufgespannt wird. Sie wird aber angebahnt durch jene sittliche Heiligung Israels, welche am achten Lebenstage der jüdischen. Menschen durch seinen Eintritt in den Abrahamsbund beginnt. Sie Wird fortgeführt durch die Heiligung unseres Gewandes mit dem achtfachen Zizithfaden. Und dieses Tatbekenntnis befreit uns von allen „geschichtlichen Notwendigkeiten" und macht uns zum Volke der reinen, zahlbefreiten Wesenheit. Und es eröffnet unserer Seele Entfaltungsmöglichkeiten, welche die im Zahlennebel geblendete Alltagsseele kaum ahnt. 5, Wesentlicher als die Dimensionenwelt, wesentlicher selbst als das Leben innerhalb der Dimensionenschöpfung! Können wir.das fassen? Wir haften doch gar zu se.hr an der Zahlenweitr'Wie" ein ^Gleichnis.-unserer eigenen Seele mutet uns das Geschick eines kleinen Schulkindes an, dem ein unternehmungslustiger Lehrer die Aufgabe stellt, die Frage schriftlich zu beantworten: Was täte ich, wenn ich reich wäre? Das Kind zählt "alle Freuden seines kindlichen Begriffsvermögens auf und "benennt sie in maßloser Wiederholung, als Inhalt eines einzigen Tages der erträumten Wiederholung. Alles wird an diesem einzigen Tage in beängstigender Menge genossen; Sieben Theaterbesuche, fünf neue Mäntel, vierzehn Torten, acht Karussell-Ritte, sechs Limonaden. Weshalb erträumen wir Erwachsenen einen weniger in Zahlen faßbaren Reichtum?' Weil wir an Begriffen mannigfacher Art reicher sind. Wir wünschen uns weniger zahlenmäßig wiederholte als wesenhaft zueinander und zu uns stimmende Werte und Genüsse des Lebens. Das Gleiche ist der Unterschied zwischen den Zahlenforschern' der überwundenen Wissenschaftsepoche und. der Welt-Wesensforschung der Gegenwart. G'tt ließ sich :nicht aus den Zahlenverhältnissen der Welt errechnen. Er läßt sich aus dem Wesen aller seiner Geschöpfe und ihrer Tendenzen und ihrem Innenleben erahnen. Die verwirrende Zahlenfülle der materialistischen Zeit hatte uns für das Wesen der G'ttesschöpfung blind gemacht. . Der erwachende Wesensblick der Gegenwart gibt uns neuen Lebensmut. Das Zahlenjahrhundert hatte uns dafs Sklaventum der leutigen Industrie und Eriwertrsjagd hinterlassen; das Wesensjahrhundert wird den neuen freien Menschen entstehen lassen. 6. Eine der ungerechtesten Beschuldigungen gegen unsere Lehre ist die Behauptung, sie oder ihre Bekenner seien die Initiatoren der kalt berechnenden und beobachtenden Forschung der Neuzeit gewesen. Was die echte Thoragesetzbefolgung betrifft, so ist sie allezeit die Trägerin einer Welten-Schau gewesen, die das Zahlenmäßige weit unter sich läßt. Wohl hat Jesajas vierzigstes Kapitel als Inbegriff aller Tröstungen Israels die Einsicht hingestellt, daß die Verehrung der Idole solchen „Innenwesens der Naturgewalten" spottwert ist. Doch im gleichen Atemzuge kündet derselbe Jesaja uns: G'tt kennt aber Zahl und Namen aller seiner Schöpfungsheere, und wer G'ttes Wege wandelt, der muß den Rhythmus des Lebens finden, der über Leben und Tod hinausführt, — der findet über Sieben- und Achtzahl des Gebotlebens zur zahlfreien Freiheit G'ttes selber und der muß auch den Weg zur Erkenntnis aller Wege G'ttes im Lichte der Gebote G'ttes tois zum Ziele wandeln, so daß im Jobel der Zukunft seine und aller Völker Seele zu ihrer ewigen Stetigkeit heimfindet. •mm« 'H nwT) r>KTn b^n ruwa 1* Korrespondenzen. Deutsches Reich. Der Arier-Paragraph in der Deutschen Turnerschaft. Frankfurt a. M., 18. April. Wie der Leiter der Rechtsafoteilunig des Reichsbundes für Leibesübungen im amtlichen Teil der „Deutschen Turnerzeitung" mitteilt, hat der § 4 der Satzungen, der die Aufnahme in die Vereine der Deutschen Tumerschaft von der arischen Abstammung abhängig* machte, aui Cjrupd der Nürnberger Gesetze seit dem 1. Januar 1936 seine Gültigkeit verloren. Das;Rj?chtT Her Aufnahme von Mitgliedern, so heißt' es weiter, sei dem V.ereinsführer anvertraut. Er könne, da er dieses Recht selbständig und nach freiem Ermessen ausübe, jede Person, die ihm vom Standpunkt seines Vereins aus nicht genehm sei, ablehnen.--Nur dürfe er die Ablehnung nicht mit dem Fehlen der Ariereigenschaft begründen, was. keine Schwierigkeiten bedeute, da Gründe anzugeben^ weder notwendig noch zweckmäßig sei. Wenn eine Person, die als Jude nach den bestehenden Gesetzen gekennzeichnet sei, in einem Verein Mitglied sei, so könne diese Mitgliedschaft nicht einfach durch Streichung gelöscht werden. Denn die Entziehung der Mitgliedschaft sei satzungsmäßig geregelt und setze eine schwere Verfehlung im Sinne des § 7 der Einheitssatzung für die Vereine des Reichsbundes voraus; sie könne auch nur im Wege eines formellen Ausschließungsverfahrens herbeigeführt werden. In der rassischen Eigenschaft einer Person selbst könne aber niemals ein schwerer Verstoß in dem genannten Sinne erblickt werden. Die Streichung eines Juden um seines Judentums willen würde daher einen Verstoß gegen das Gesetz, nämlich den § 6 der Verordnung vom 14. Nevember 1935 bedeuten. Nur wenn etwa das Mitglied den Verein bei der Aufnahme über seine Judenheit arglistig getäuscht hätte, läge die Sache anders. Denn die Aufnahme sei als Rechtsakt des Personenrechtis der Anfechtung fähig und die Anfechtung könne binnen Jahresfrist nach der Entdeckung der Täuschung erfolgen; sie habe die Wirkung der Nichtigkeit der Mitgliedschaft. Ebenso könne ein Irrtum über die Eigenschaft als Jude eine Anfechtung rechtfertigen, und zwar unter Hinweis darauf, daß die Bedeutung der Zugehörigkeit des Mitiedes zum Judentum erst mit dem Durchbruch der

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