Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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S^^^SS^S^^^^^^S^^^^^^^S^^^^^^SB?» "^i^>-;i^:-3^*.w»4^Wir:«T^? U.hPR.1 Frankfurt a« M« 17, April 1936 25, Nissan 5696 Nummer 16 3*cssacfi in der IDeff Die einlaufenden Berichte zeigen, daß das Fest der Befreiung in diesem Jahre allüberall mit gesteigerter seelischer Teilnahme gefeiert wurde. In D e u t s c h 1 a n d bildete die Pessachunterstützung den würdigsten Abschluß . des grandiosem, jüdischen Winterhüfswerkes, und man darf hoffen, daß auch religiöse Impulse aus den mehr denn je besuchten .häuslichen uncl synagogalen Feierlichkeiten ausgingen. (Siehe auch Wochenrundschau.) In Polen vermochte das Fest die durch die politische .und wirtschaftliche Not erzeugte Stimmung nicht völlig zu verdrängen. Alle aufgebrachten und aus Amerika erhaltenen Mittel reichten bei weitem nicht aus, die gewaltige Zahl der Unterstützungssuchenden voll zu berücksichtigen. In Lodz allein waren es rund '70.000 jüdische Seelen, unter einer jüdischen Be- -völkerung von 200.000, idie von der Pessachhilfsaktion Gebrauch machten. Für die Juden im Pogromgebiet P r z y t i k mußte das Allernötigste. beschafft werden. In E n g 1 a n d benutzten die jüdischen Führer die Festtage, alle jüdischen Herzen für die Aktion des Council for German Jewry aufzurütteln, über dessen Programm und Ziele Herbert Samuel in einer Ansprache im Rahmen des Festg'ttesdienstes in der West End Synagogue in London die Gemeinde aufklärte. In Amerika wurden an den Festtagen besondere Gebete für die notleidenden Brüder in tder Welt verrichtet. Der vielen eingewanderten Juden, die sich in den Festtagen auf Ellas Island aufhielten, nahmen sich die bekannten Organisationen auch dieses Jähr an. Ihre Sederlieder "werden eine eigene persönliche Note aufgewiesen halsen. Wie in Amerika üblich, erwiesen der Präsident der USA und andere führende Persönlichkeiten der Regierung und des öffentlichen Lebens der jüdischen Gemeinschaft mit Festbot-; schaffen ihre Sympathie. .In Palästina, wo unzählige jüdische Touristen das Pessachfest verbrachten, wurde der tausendjährigen Pessachhoffnung wie immer in vollen Akkorden Ausdruck gegeben, wiewohl auch dort 'die bekannten Ereignisse die Stimmung beeinflussen. In Haifa wurden, wie die ITA. berichtet, mehrere Juden von Arabern unter der Anschuldigung, vier Mohammedaner getötet zu haben, angegriffen und mißhandelt. Der Polizei gelang es, die erregte Menge restlos aufzuklären und die Ordnung in kurzer Zeit wieder herzustellen. Hetzerische Zeitungen wurden unter Androhung meines totalen Verbotes verwarnt. Palästinarunderlaß für Dcviscnbcwirtschaftung- Beriin, 9. April. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat am 2. April 1936 einen umfassenden Palästi na- Rund erlaß veröffentlicht. Dieser Runderlaß stellt eine Zusammenfassung der seit 1933 im Zusammenhang mit den Transfervereinbarungen herausgegebenen Runderlasse dar. Ihrer Tendenz zur Vereinheitlichung der vielfältigen und sehr kompliziert gewordenen Bestimmungen zur Regelung der devisenrechtlichen Fragen der Auswanderung folgend, hat die Reichsstelle damit nunmehr die Kodifikation und Erneuerung der die Auswanderung nach Palästina betreffenden Runderlasse der vorangegangenen Zusammenfassung der übrigen die Auswanderung nach anderen Ländern betreffenden devisenrechtlichen Bestimmungen folgen lassen. (Forts. S. 2») Aus dem Inhalt: Verpachtungszwang für jüdische Apotheken Seite 2 Pessachnachklänge .........Seite 3 Der Palästinarundfunk und seine Nebengeräusche ...........Seite 3 Jüdische Auswanderung aus Deutschland Seite 4 Das neunte Schuljahr in den jüdischen Volksschulen ..........Seite 5 Die ersten Folgen des Schächtgesetzes in Polen Seite 6 Die Einladung der Araber nach London Seite 4 u. 7 Eine jüdische Abordnung beim König von England /'...........Seite 7 Wirtschahsnachnchten und Berichte aus Palästina .........Seite 5 u. 8 Aus den Orts, und Jugendgruppen der Agudas Jisroel .......*j . Seite 8 Kleiner Jerusalemer Bilderbogen . . . Seite 9 Allerlei über Palästinas Wirtschaftsverhältnisse. Von Menachem E. Lewinsky in Tel Awiw. Die Geschäftslage Palästinas ist seit dem Ausbruch des Italienisch-Abessinischen Krieges nichts weniger als rosig zu nennen. Man fragt sich mit Recht, was hat dieser Krieg mit Palästina zu tun? Man soll sich nicht; von den in den Exportzeitungen angegebenen Ziffern täuschen lassen, die namentlich immer von einer Erhöhung des deutschen Exportes nach Palästina berichten. Die Erhöhung dieses Exportes geschieht auf Kosten anderer Länder und ist durch das Transferabkommen bedingt. Es handelt sich bei diesen Lieferungen nur um lebenswichtigste Waren. Der Nutzen dieser Geschäfte fließt nur einigen ganz großen Firmen zu. Wenn man auch nicht direkt von einer Krise sprechen kann, so liegt doch das geschäftliche Leben sehr stark darnieder, auch ist keinerlei Baulust vorhanden. Es gibt leider auch schon viele Arbeitslose. Während in anderen Jahren die größeren Schulkinder zur Orangenernte aus den Klassen herausgeholt wurden, war es dieses Jahr nicht einmal möglich, alle Facharbeiter zu beschäftigen. Die Ernte fällt in diesem Jahr quantitativ natürlich weit größer aus als im vergangenen Jaihr, aber die Preise sind derartig gedrückt, daß die Pflanzer meist nicht die Erstehungskosten herausbringen können^ so daß sehr viele von ihnen sich in sehr bedrückter finanzieller Lage befinden. Ich möchte aber nochmals bemerken, daß man trotzdem G. s. D. von einer Wirklichen Krise nicht sprechen kann. Zahlungseinstellungen haben bisher nur in ganz geringer Zahl stattgefunden, es rhüssen jedoch sehr viele Wechsel prolongiert werden. Auch ein großer Teil der Banken ist nicht von Schuld freizusprechen. Statt nun ihre Kunden in dieser schweren'Zeit möglichst zu stützen, halben sie ihrer alten Kundschaft Kredit und Wechseldiskonto stark herabgesetzt. Allen voran, die aus nationalen Mitteln errichtete Großbank, die es sonst immer sehr gut verstanden hat, alle Geschäfte an sich heranzubringen. Ein Beispiel von vielen, das des Humors nicht entbehrt. Eine große Schuhfabrik Tel Awiws, die über 40 Arbeiter beschäftigt, benötigt zur Aufreahterhaltung ihres Betriebes LP 6000, die Anglo-Palästina- Bank Lmt. lehnt den Kredit ab, selbst auf die Gefahr hin, daß 'die Fabrik schließen und ihre Arbeiter entlassen muß. Prompt springt die Barcleys-Bank, die kein nationales Institut ist, ein und bewilligt den Kredit. Wenn diese Bank den Kredit bewilligt hat, so besteht nicht der geringste Zweifel an der Bonität der Firma, aber die nationale Bank hat eben wieder einmal versagt. Wie ergeiht es erst den kleinen Kreditbedürftigen, von denen die Öffentlichkeit nicht spricht? (Fortsetzung siehe Seite 3,)