Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 14-15 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr, 14/15 Der Israelit 3. April 1936 Ausbildung nicht einverstanden sei; denn in Brasilien und in anderen südamerikanischen Staaten verlange man vornehmlich besonders gründliche handwerkliche Ausbildung. Deshalb müsse das Theoretische zunächst zweitrangig behandelt werden. Die Herren Bloch und Felix Mayer traten ein für eine sorgfältige Ausbildung, ohne das Geistige und Seelische irgendwie zu vernachlässigen. Für die Zionisten brachte Herr Dr. Hans Pommeranz zum Ausdruck, daß wir nicht vergessen dürfen, daß wir die Aufgabe hätten, ein Volk des Geistes zu bleiben. Namens der Liberalen hob Herr Dr. Strauß hervor, daß man mit Sorgfalt an diese neuartige Aufgabe der Gemeinde herangehen müsse. Es sprachen noch die Herren Dr. Merz b ach, Dr. Warmbrunn und Dr. Geiger, wobei noch hervorgehoben wurde', daß das Projekt dem Vorstand und einer Spezialkommission vorgelegen und die Reichs Vertretung sich anerkennend dazu geäußert hätte. Im Prinzip wurden diese Anlernwerkstätten gutgeheißen, lieber Einzelheiten des Lehrplans werden sich die Fraktionen und Kommissionen noch zu einigen haben. . Sodann wurden vom Vorsitzenden Einzelheiten bekanntgegeben hinsichtlich des Steuerbeschlusses 1936/37, dem nur formale Bedeutung beizumessen ist. Danach ist das Gemeindegeld und die Kultussteuer in der gleichen Höhe zu belassen wie 1935/36. Unter anderem sind als Gemeindegeld von jedem Mitglied mindestens RM. 1.50 zu zahlen bis zur Höhe von RM. 100.—. Dr. Geiger weist darauf hin, daß die gemischte Finanzkommission diesen verschiedenen Vorschlägen bereits zugestimmt habe. Er bittet die Gemeindevertretung, dem beizutreten, was geschieht. Herr Felix Mayer verlas dann für die konservative Fraktion, der sich die liberale angeschlossen hatte, eine Erklärung, nach der es von vornherein beabsichtitg gewesen sei, die verschiedenen Kommissionsmitglieder vorläufig auf zwei Monate zu wählen. Durch den Exodus der Zionisten aus der Februarsitzung sei es übersehen worden, dieses deutlich zu betonen. Die Fraktionen stimmten der Wahl der Mitglieder bis Ende Mai zu. In den Vorsitz für den Arbeitsnachweis werden die Herren Heinrich Gerlich, Joseph und Frau K a t z entsandt, in die Kommission für die Religionsschule anstelle des ausgewanderten Herrn Goithein, Herr Dr. H. Frankel. Gemäß einer Mitteilung der Reichsvertretung an den Vorstand sei als Frist zur Entscheidung für die Neuerrichtung des Arbeitsnachweises der 31. Juli 1936 festgesetzt. Die alten Stellenvermittlungsbüros können ihre Tätigkeit zunächst fortsetzen. Der Vorstand ist damit einverstanden, daß zwei Mitglieder der Jugendkommission zur Beratung bei der Errichtung der Anlernwerkstätten herangezogen werden. Ha. Chaje Feige Jelen Die Bewohner der ruhigen Straßen um den Hermesweg herum sahen täglich, Sommer wie Winter, bei Wind und Wetter, schon in frühester Morgenstunde die alte Matrone, wie sie immer den gleichen Weg ging: zur Synagoge, Sie gehörte sozusagen zum „eisernen Bestand" der Synagoge Hermesweg, wo sie keinen Morgen- und keinen Abendg'ttesdienst versäumte. Es war Frau Chaje Feige Jelen Tt"Vt die am ersten Nissantage mit 85 Jahren in die sonnigen Gefilde der Ewigkeit einzog. Der Nissan hat dieser ehrwürdigen Frau die Erlösung gebracht. Sie schlummerte ohne Kampf und ohne Krankheit hinüber, mit einem Gebete im Munde für ihre Kinder und Enkel. Chaje Feige Jelen entstammte einer alten Rabbinerfamilie in .-Polen und war die Frau eines frommen Thoragelehrten in Lomscha. Seit 35 Jahren Witwe, sah sie ihren Beruf und ihre Berufung ausschließlich darin, Kinder zur G'ttesfurcht, zur Menschlichkeit und zur Kenntnis der Thora großzuziehen. Dieses Bemühen und das Gelingen dieser Arbeit trug sie über manchen schweren Schicksalsschlag in der Heimat hinweg. Sie klammerte ich in allen Lagen des Lebens an G'tt. Gebetbuch und Psalmen kamen nicht aus ihrer Hand, und so blieb sie gesund und rüstig bis zum hohen Greisenalter. Seit 1920 wohnte sie hier bei ihrem Sohn, dem bekannten Thoragelehrten Herrn Joel Jelen, dem es im Vereine mit seiner Frau vergönnt war, sechzehn Jahre lang ns Tiaa in vollendeter Weise zu betätigen. Still, wie sie gelebt, ging sie dahin. Auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft wurde sie am 3. Nissan zur ewigen Ruhe gebettet. Möge ihr iwi den Ihrigen beistehen, n"a2Hn Rosa Grünblatt n"y« Man mochte es kaum glauben, als am Sabbat die Kunde vom Ableben der stets rüstigen, unermüdlich tätigen Frau uns erreichte. Ihr Gatte, Josef Grünblatt b"x> der ein gut Teil seines Lebens und alle seine Frankfurter Jahre in den Dienst der Thora und des Mekor Chajim gestellt hatte, ist uns allen noch in guter Erinnerung. Frau Rosa Grünblatt war die tapfere Gattin dieses Mannes; die treue Gefährtin seines Lebens, die nicht zum geringen Teil dazu beigetragen hat, daß der Gatte, bis die schwere Krankheit »eine Kraft lähmte und ihm das Augenlicht nahm, seinen Dienst im Mekor Chajim mit solch aufopfernder Liebe versehen konnte. Sie blieb auch nach dem Tode des Mannes die „Frau Grünb 1 a tt", d. h. Freundin und Helferin des großen Lernvereines. Es war im Mekor Chajim kein Fest, kein Schwuauslernen denkbar, ohne daß Frau Grünblatt ihre helfende Hand dazu bot, die Herstellung der Backwerke und die Bedienung übernahm. Sie tat es mit einer wahren mx« bv nn»«;, mit einer ungeheuren Freude an der Sache. Denn sah sie doch in jeder Feststunde des Mekor Chajim sich mit ihrem Manne vereint, dessen Leben der Thora im Rahmen dieses Vereines gehörte. Im Alter von 62 Jahren ging Frau Grünblatt von dannen, am Freitag kurz vor Sabbateingang. Sie hatte die Sabbatbrote gebacken, das Haus hergerichtet und den Tisch sabbatlich gedeckt, und kehrte in dem Momente, da sie die Lichter anzünden sollte, in die Welt des ewigen Lichtes, in den großen Sabbat ein. Ein großer Kreis in der Gemeinde beweint die tapfere und tätige Frau und wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren. rraxjn. Eine Neunzigjährige. In den ersten Tagen des April begeht Frau Charlotte F e u c h t w a n g e r , Reuterweg, ihr neunzigstes Lebensjahr. V"S"\HV Vom Noar Agudati. Der Noar Agudati, Frankfurt a. M., (Schwanenstr. 12) versendet das Märzheft seiner Informationsblätter, das von der weittragenden erzieherischen Tätigkeit des Noar Agudati zeugt. Wir finden in diesem Schriftsatz von 35 enggehaltenen Maschinenschriftseiten recht instruktive Artikel von Sami Stoiberg, Sigbert Katz u. v. a., lesen Berichte über Kibbuzzim in Mergentheim, Ensehede, Heide, Halberstadt, Siegburg usw., auch über das Leben auf der Jeschiwa in Frankfurt a, M. und in der Jeschiwa ktanah in F u 1 d a. Ein Artikel schildert das Treffen in Blankenese neben Berichten über andere Tagungen und Kundgebungen. Zwei Aufsätze sind Jacob Rosenheim und Isaac Breuer aus Anlaß ihrer Uebersiedlung nach Erez Israel bezw. London gewidmet. Auch Briefe und Berichte aus Erez Israel sind in der Nummer enthalten, die mit hebräischen Aufsätzen von Kaiman K a h a n und Pinchas W o 11 m a n n abschließt. Wer den Noar Agudati in seinem Wesen, Werden und Streben, in seiner Ideologie und Wirksamkeit kennen lernen will, besorge sich dieses lehrreiche Heft bei der Leitung des Noar Agudati, Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12. Erholungsheim für israelitische Frauen Baden-Baden. Am 24. März 1936 fand die Mitgliederversammlung und Verwaltungsausschußsitzung des Vereins Erholungsheim für israelitische Frauen Baden-Baden e. V. in Frankfurt a. M. statt. Der Verein, der seine Tätigkeit und seine herrlich gelegene Anstalt in Baden- Baden einer Stiftung der verewigten Frau Baronin Mathilde von Rothschild verdankt, konnte im Jahre 1935 etwa 160 bis 170 erholungsbedürftige Frauen und Mädchen aufnehmen. Der ärztliche Bericht lautete besonders günstig. Die beiden Leiterinnen des Heimes, Frau R. Cohn und Frau Thekla Isaacsohn, haben in den etwa sechs Monaten, wo das Heim geöffnet war, alles getan, den Insassen den Aufenthalt so erfreulich und erfolgreich wie möglich zu machen. In der Versammlung kam der besondere Dank ihnen wie all den Damen und Herren gegenüber zum Ausdruck, die sich um die Aufrechterhaltung des Heimes bemüht haben. Der Verwaltungsausschuß wurde wieder gewählt. Meldungen für den gleich nach den Festtagen wieder beginnenden Betrieb sind an Frau R. Cohn, Frankfurt a. M., Pfingstweidstraße 4, zu richten. Spenden und Mitgliederanmeldungen nehmen die gesamten Mitglieder der Verwaltung, insbesondere in Frankfurt a, M. die Herren Rechtsanwalt Horovitz, Bankier Willy Dreyfus, Albert Mainz, sowie Frau Max Wimpfheimer, Studienrat i. R. Saul; in B a d e n - Baden Rechtsanwalt Dr. Paul Kahn; in Mannheim Prof. Darmstädter; in Karlsruhe Herr Jacob Ettlinger und Frau Rosa Homburger; in Freiburg i. Br. Herr Joseph Dreifuß an. Debüt eines 14jährigen Violin-VirtuoSen in Frankfurt a, M, Es ist gelungen, den so rasch berühmt gewordenen 14jährigen Violin-Virtuosen Gerhard K a n d e r, einen Meisterschüler von Prof. Carl Flesch, für ein einmaliges abendfüllendes Konzert zu verpflichten. Dieses Konzert, das am Samstag, den 18. April, 20.45 Uhr, im Vereiftshaus Eschersheimerlandstr. 27 stattfindet, dürfte sich zu einem Erlebnis ganz seltener Art für Frankfurt gestalten, wie dies in allen Städten der Fall war. Ein angesehenes Blatt schrieb: „Dieser Junge ist zum Musiker geboren, ein Geiger von G'ttes Gnaden; es ist unschwer, dem jungen Künstler eine glanzvolle Zukunft zu prophezeien." Das Frankfurter Programm bringt u. a. das Violin- Konzert von Bruch, Sonate für Klavier und Violine Brahms, Romanze Beethoven, Polonaise Wieniawski, Slavische Tanzweisen Dvorak, Improvisation (Nigun) aus der Baal-Schem-Suite von Ernst Bloch. — Am Flügel: Dr. Willy S a 1 o m o n. Konzert des Kulturbundorchesters zu Gunsten der Jüdischen Winterhilfe. Wieder lauschte im dichtbesetzten großen Saalbau eine andächtige Menge dem Programm, das durch die jüdische Chorgemeinschaft Jüdischer Kammerchor, unter der bewährten Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich, mit Mirjams Siegessang von Franz Schubert eingeleitet wurde. Die erstklassige Interpretation des Werkes legte beredtes Zeugnis für das eminente Können des Chorleiters und seiner Gefolgschaft ab. Wilhelm Guttmann, dieser hervorragende Bariton, sang u. a. Lieder von Schubert; er sang sie feinfühlend und beseelt. Auch Irma Stern (München) ersang sich mit ihrem gepflegten Sopran großen Erfolg. Nach der Pause klang unter Herrn V. Steinbergs Leitung die III. Sinfonie in es-dur (Errika) von Beethoven auf; das Heldengedicht eines heroischen und kämpfenden Menschens. Erschütternd erklang der Trauermarsch des II. Satzes. Wild jagten die Akkorde des III. Satzes dahin, um im Finale ihren rauschenden Abschluß zu finden. Die hervorragende Wiedergabe der Sinfonie unter Steinberg und seiner treuen Gefolgschaft lösten begeisterten Widerhall aus. A. K. Erwachsenenbildung. Die Mittelstelle /für jüdische Erwachsenenbildung in Frankfurt a. M., Fuchshohl 67, hat einen Rundbrief veröffentlicht, der u, a. einen Hinweis für Bibelkurse, sowie einen Plan für einen jüdischen Geschichtskurs in dreißig Abenden enthält. Der Rundbrief ist gegen Einsendung von RM. —.20 von der Mittelstelle zu beziehen. Das Anschaffen von Herrengarderobe ist wegen des zu beachtenden Kaschrusgesetzes in den letzten Jahren für den Mittelstand zu einer schweren Sorge geworden. Daher ist es sehr anzuerkennen, daß (siehe Inserat) Herr Diplom-Schneidermeister A. J. Neugebauer, Uhlandstr. 57, das Seine dazu beiträgt, diese Schwierigkeit zu beheben. Es hat sich durch seine große Gewissenhaftigkeit in der nso- Verarbeitung schon häufig ergeben, daß man ihn in Zweifelsfällen zu Rate zog. Angefertigt werden genau so preiswert Mäntel und Anzüge aller Art. Ueber die Qualität der Arbeit sind erstklassige Referenzen vorhanden. Wer zum Friseur geht, der suche das Geschäft von F. Weiß, Rechneigrabenstraße 17, auf, das am W) nap streng geschlossen ist. Man findet hier sowohl im Herrenwie im Damensalon eine so erstklassige Bedienung, daß man wieder und immer den Weg dahin finden wird. Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Dr. Heckscher und Frau Gella geb. Bamberger, Hamburg, Klosterallee 28. — .Eine Tochter, Martin Katz und Frau Mirjam geb. Gilbermann, London NW 6, Priory Rd. 60." Barmizwoh: Meier, Sohn des Herrn Jacob v. d. Walde, Emden, is ya na»- — Salomon, Sohn des Herrn Dr. Ph. Frank, Fulda, '£> nas?« Briefkasten. Afikoman. Wie uns das Rabbinat mitteilt, darf man für Afikoman, wenn man keinen Fleischknochen hat, auch andere Speise, so auch Fische, gebrauchen. K. L, Lange Nachrufe voller Übertreibungen auf Männer und Frauen, die im Leben still und bescheiden ihrer Pflicht nachgingen, werden nicht als nnn naa, sondern vielmehr als n»M "[Via empfunden. Wir müssen daher unsere Freunde bitten, sich darin weitgehende Beschränkung aufzuerlegen. j (^eltkotn, J^teinw-eq 9, da.6 -f/ccui det mo-diäck qekLei.de.ten TP<zme - nickt teuetet altet Ite55eti I MODISCHE HANDSCHUHE IN GROSSER AUSWAHL DAMENSTRÜMPFE „HAUSMARKE" IN HÖCHSTER VOLLENDUNG Mk. 1.95