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Der Israelit · 1936-02-27 · Heft 9 (27.2.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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28.FEB.193Ö Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M« 27. Februar 1936 4. Adar 5696 Nummer 9 Der Gesetzentwurf des Schächtverbots vor dein polnischen Sejm« Warsc hau , 25. Februar. Der polais ch e. Sejm hat in seiner am Freitag, den 21. Februar, abgehaltenen Sitzung die erste Lesung des von der Abgeordneten Janina Pryslor eingebrachten Gesetzentwurfes, der ein allgemeines S ch ä c h t v e r b o t für Polen aus „humanitären und wirtschaftlichen Gründen" vorsieht, vorgenommen. Den Bestimmungen der Geschäftsordnung des Sejm zufolge fand k e i ii er 1 ei Debatte im Anschluß an die erste Lesung statt. Der Schwerpunkt der Verhandlun gen über diesen für die Judenheit Polens so folgenschweren Entwurf wird in der V e r w a 1 tungskommission liegen, der das Gesetzprojekt nach seiner ersten Lesung im Plenum des Sejm zugewiesen wunde. Einheitsfront der polnischen Judenheit. Warschau, 26. Februar. Wäre der Anlaß nicht gar so tragischer Natur, man könnte sich des einheitlichen Geistes freuen, der zur Zeit die gesamte Judenheit in Polen beherrscht und sie in die Abwehrfront gegen das drohende Schächtverbot stellt. Von allen Versammlungen und Abwehrmaßnahmen wird die Konferenz der Vorsteher der fünfzig größten religiösen Gemeinden und Organisa^ tionen von ewiger geschichtlicher Bedeutung bleiben, Die Konferenz fand kn großen Kehillohsaal statt. Die Eröffnungsrede hielt Präses Masut Am Präsidhimstische sah man die bedeutendsten Chassiddmrabbis, die jüdischen Senatoren und Deputierten, wie auch sonst führende Persönlichkeiten, Das große vereinigte Komitee, erklärte Präses Masur, habe bereits die nötigen Kommissionen gebildet. Wünschenswert sei noch eine Delegation der angesehensten T h o r a k a p a z i t ä t e in , die beim Oberhaupte der polnischen Republik vorstellig sein soll. Es sprach dann als erster der S o c h a t - s c h ewer (Rabbi im Namen des R a b b i n ischen Rates der A g udas Jdsroel und fand überaus warme Töne zur Schilderung der drohenden Gefahr und der heiligen Pflicht, sich mit der ganzen Kraft des jüdischen Empfindens ihr entgegenzustemmen. Großen Eindruck machte darauf auch die Rede von Dep. Rabbiner R u - b i n s t e i n , der insbesondere die «rechtliche Seite der Frage behandelte. Umfassend und von gewaltiger Wirksamkeit waren die Reden des Dep. Mirizberg und des Senators Jacob T roc ke n h e i m. Im Namen des vor kurzein versammelten R a b b i n e r v e r >b a n d e s überbrachte Rabbi Seratzkim die Beschlüsse der Konferenz, Der Kiis mir1 er Raib b i rief mit ergreifenden Worten noch einmal zur Buße und Einkehr auf. Zuletzt sprach noch der Präses der polnischen Aguda, I. M. 'Lewin, der das ganze lern in einer Weise aufrollte, daß es den Anwesenden ganz klar wurde, worum es gehe ' und was zu unternehmen sei. Von den gefaßten Resolutionen seien kurz folgende Punkte erwähnt: 1. Es geht bei dem geplanten Verbot um eine Gewissensvergewialtiguiig für dreieinhalb Millionen Menschen, wie sie einzig in der Geschichte dasteht. i 2. Die gänzliche Grundlosigkeit der Kampagne gegen die Schechita sei mit den eingereichten Protokollen und Gutachten restlos bewiesen. 3. Ein Schechitaverbot in Polen würde den wirtschaftlichen Ruin auch eines Teiles der nichtjüdischen Bevölkerung bedeuten. Zuletzt wird an die führenden Männer des polnischen Volkes appelliert, dieses Attentat auf ein jüdisches Religionsgesetz nicht zuzulassen. Nach dieser einheitlichen Wülenskundgebung darf man zuversiohtliah hoffen, daß sich Parlament und Regierurig nicht einfach, über die vitalen Interessen einer Dreieinhalbmillionenbevölkerung hinwegsetzen werden. Aus dem Inhalt: Der Fasttag in Polen........Seite 2 Die ärztliche Berufsordnung nach den Nürnberger Gesetzen......Seite 2 Tausch von Vermögenswerten nach dem Auslande........Seite 2 Der neue Oberkommissar für Auswanderungsiürsorge .... Seite 3 Umwertung aller Werte.......Seite 4 Von der Agudas Jisroel.......Seite 5 Pesachaktion iür die Landgemeinden Seite 6 Briei aus Ungarn..........Seite 7 Berichte aus Polen.......Seite 1 u- 8 Londoner Brief...........Seite 9 Die Oberrabbinerwahl in Jerusalem Seite 10 Lebens. Von Rabbiner M„ D. Rogosnitzky. Der Weg der jüdischen Jugend führt über die Tauroh zum Leben hin. Der Jude der vergangenen Jahrhunderte reifte auf Grund eines umfangreichen Tauroh-Wissens langsam fürs Leben heran. Ihm war noch das Glück, mit sicherem Schritt all den mannigfaltigen Verästelungen der Tauroh folgen zu dürfen, stetig, andauernd. Er trug ausschließlich die Tauroh, so trug auch ihn die Tauroh, Es war ihm ein Leichtes, sich auf Grund der Gemoroh die Weltanschauung zu ziinmern. ' Reden wir hier von Forderungen an die Jugend, oder von Forderungen der Jugend an sich selbst, so dürfen wir nicht über dem Sollen das Sein und die gegebene Realität vergessen. Hier kann es sich nur darum handeln, ein oder einige Jahre der Vorbereitungszeit fürs Leben hinzuzufügen und vor allem diese Zeit so nutzbringend wie möglich anzulegen, diese Lehrjahre Jahre der „Lehre" werden zu lassen, sich in ihnen und durch sie fürs Leben. vorzubereiten; denn „viel ist die Arbeit und beschränkt die Zeit". Darum entsteht die Frage: Wie garantieren wir, daß der Jugend in ihren Werdejahren das vermittelte oder erarbeitete jüdische Gut zum Halt urid zur Stütze werde, daß ihr bei all den Kämpfen eine gefestigte jüdische Weltanschauung den Weg weise. Wie ermöglichen wir es, daß das größere oder 'kleinere jüdische Wissen nicht zu totem Stoffgemenge werde, nicht blutleere Wissenschaft, nicht „Chochmoh" ohne „Tauroh". Es seien hier einige Vorschläge gestattet, die hierbei den Weg erleichtern können. Unbedingte Unterordnung: Der größte Ehrentitel, den unsere Weisen den Gelehrtesten zu verleihen haben, ist „Talmid-Chochom", nicht Chochom, sondern Schüler des führenden Chochom. Wir sinken von Geschlecht zu Geschlecht, entfernen uns immer weiter von jenen Geistesheroen und vom Sinai; denn „es schrumpfen die Herzen zusammen". Jedes durchgearbeitete und verstandene Blatt Gemoro berechtigt uns mehr, uns Schüler zu nennen. Der ,,Manhig-Wahn" ist auch eine der Verfallserscheinungen unserer Zeit. In fremden Gedankengängen sich bewegend, glaubte zuweilen die jüdische Jugend, vergessen zu dürfen des Thorarates „Frage deinen Vater, er wird es dir künden". Die Manhigim und Mechanchim für das kommende Geschlecht strömten aus den Mittelschulen und wurden geformt von Arbeitsgemeinschaften, die allerdings — und wir können es mit Freude und Genugtuung feststellen — häufig durchaus echt jüdisches Gepräge trugen. Aber um dem Anderen den Weg weisen zu können und auch zu dürfen, bedarf es wahrlich auch des jüdischen Wissens, das nun einmal eine noch so schöne Arbeitsgemeinschaft nicht vermitteln kann. Das Geltungsbedürfnis der Jugend, das, so es «n richtige Bahnen gelenkj: wird, höchst $e-

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