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Der Israelit · 1936-02-13 · Heft 7 (13.2.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13. Februar 1936 Der Israelit Nr. 7 Seite 13 Kein Jude darf notleiden Die Jüdische Winterhilfe muO helfen! Die Frankfurter Woche. Eröffnung des Sozial- und Heilpädagogischein Seminars in Frankfurt a. M. Am 3. Februar wurde in der Aula der Religionsschule, Hennesweg 7, das yon der Zentralwohlfahrtsstelle, dem Provinzialverband und dem Jüdischen Lehrhaus errichtete Sozi a 1 - und H e i 1 p ä d a g o - g i is c h e Semina r eröffnet. Dieses Seminar, das zunächst nur mit zwei Lehrgängen beginnt, soll der Erfüllung von zwei Aufgaben dienen. Die immer komplizierter werdende Notlage der jüdischen Bevölkerung und der ständige Rückgang der Hilfsmittel erfordern eine planmäßige, gut durchdachte Wohlfahrtspflege, die wiederum gut geschulte Kräfte voraussetzt. Unser Nachwuchs kann sich diese Schulung auf den allgemeinen Wohlfahrtsschulen nicht mehr erwerben. Diesem Mangel sucht der Lehrgang zu begegnen, der in den Nachmittagsstunden einmal wöchentlich die bereits in der sozialen Arbeit stehenden oder sich darauf vorbereitenden Menschen zu intensivem Lernen zusammenfaßt. Er steht unter Leitung von Prof. Dr. Kantorowicz, dem für die Spezialf ragen Fachkräfte aus den verschiedenen Sparten der jüdischen Wohlfahrtspflege zur Seite stehen. Dieser Kreis muß, wenn eine wirkliche Schulung erreicht werden soll, naturgemäß klein bleiben und hat daher seine Arbeit in aller Stille bereits aufgenommen. Der Heilpädagogische Lehrgang hingegen wendet sich an einen weit größeren Kreis und setzt eine bereits abgeschlossene pädagogische, soziale oder pflegerische Ausbildung voraus. Zu der Eröffnung waren ca. 70 Menschen erschienen, davon eine beträchtliche Zahl Auswärtiger, die die Strapazen der wöchentlichen Reise nicht scheuen, um diese Fortbildung zu erhalten. Rabb. Dr. H o r o vi t z eröffnete den Abend mit einer Ansprache, in der er die Erschienenen im Auftrage der drei veranstaltenden Institutionen begrüßte, und in der er die 'Notwendigkeit einer guten Schwachsinnigen- und Psychopathenfürsorge eindringlich darlegte. Er wies auf die bereits bisher geleistete Arbeit hin, die zur Errichtung des heute so unentbehrlichen Heilerziehungsfaeimes in Marburg geführt hat. Aus diesem Heim heraus ist dann auch der Plan zu dem heilpädagogischen Lehrgang gekommen. Die Dozenten, sowie die Redner des heutigen Abends gehören seinem Vorstande an. Die Zeitumstände bringen es mit sich, daß auch leichte psychopat'hische Veranlagung, die in normalen Zeiten kaum zur Auswirkung gekommen wäre, sich heute hemmend und störend bemerkbar macht und unheilvolle Folgen haben kann, wenn ihr nicht rechtzeitig mit Verständnis begegnet werden kann. Deshalb müssen Arzt und Pädagoge zusammenwirken, um diesen schwierigen Kindern zu helfen und sie vor Verwahrlosung zu schützen. Den hierzu Berufenen das nötige Rüstzeug zu liefern, ist die Aufgabe des Heilpädagogischen Seminars. In einem längeren Vortrag schilderte sodann Prof. Dr. B o n d y die z. Zt, bestehenden Schwierigkeiten. 5o gibt es z. B. in Berlin unter den vielen Kindergärten keinen einzigen für «?Wer Erziehbare, keine Hilfsschule usw. Aehnüeh ist es überall im Reich. Schwer psychopathische Kinder sind stets eine Gefahr für die gesunde Umgebung. Heute muß ein Kind, das eine solche Gefahr bildet, um der Gesamtheit willen ausgeschieden werden, aus dem Heim, dem Kindergarten, der Schule oder dergl., obwohl man genau weiß, daß es damit um so sicherer der Verwahrlosung aniheim fällt, denn es fehlen uns die Einrichtungen/ die es dann aufnehmen und bewahren könnten. Prof. Bondy zog in seinen weiteren Ausführungen die Grenzen zwischen der Wirksamkeit des Arztes und der des Erziehers", um aber schließlich die Notwendigkeit beider und die Wege ihrer gegenseitigen Ergänzung aufzuzeigen. Er schilderte die verheerende Wirkung der Enttäuschung auf die Persönlichkeit des Erziehers, der, nachdem er seine beste Kraft vergebens eingesetzt hatte, schließlich selbst eine Gefahr für die Kinder werden kann. Dem kann am besten durch eine gediegene fachmännische Ausbildung begegnet werden, die ihn befähigt, das Krankhafte vom Gesunden im Kinde rechtzeitig zu unterscheden. Aber auch vor der übertriebenen Axir wendung des Gelernten sei zu warnen. Nach ihm ergriffen noch die beiden Leiter des Lehrgangs, Dr. med. Max Meyer und Dr. med. Arnold Merzbach das Wort, um eine kurze Disposition ihrer Arbeit und die Aufteilung des Stoffes unter die beiden Referenten darzustellen. Das Seminar ist auf voraussichtlich 3—4 Semester berechnet und soll später auch mit praktischen Uebungen verbunden werden. In seinem in humorvollerem Ton gehaltenen Schlußwort betonte» Rabb. Dr. Horovitz, daß die traurigen Bilder, die im Laufe des Abends entrollt wurden, die Arbeitsfreude und den Optimismus des jüdischen Erziehers nur zu stärken vermöchten und nichts ihm das gläubige Vertrauen nehmen könne, daß ein voller Einsatz aller Kräfte nie vergebens sei und in den weitaus meisten Fällen Milderung, wenn nicht Heilung erziele. „Alte Bekannte stellen sich vor". Unter diesem Motto wickelte sich am 1. Februar unter der Leitung von Max Naumann ein buntes, künstlerisch wertvolles Programm ab. Max Neumann leitete an der Spitze eines von ihm zusammengestellten Orchesters den Abend mit einer zügigen Wiedergabe der Ouvertüre zu „Fra Diavolo" von Auber ein. Fritzi J o k 1 (Koloratursopran) sang mit gepflegter und kultivierter Stimme, zu der sich reichste Vortragskunst gesellte, Arien von Nikolai, Verdi u. a. Max F i r n b e r g war ein sicherer und anpassungsfähiger Begleiter. Es folgten eine stilgerechte Interpretation der Ouvertüre zur „Diebischen Elster" von Rossini. Großen Beifall fand der „Kaiserwalzer" von Joh. Strauß. Wahre Lachsalven erntete der bekannte Humorist Josef Plaut mit seinen Gegen Kälte, Hunger, Obdachlosigkeit Jtldische Winterhilfe! heiteren und komischen Vorträgen. Reichen Beifall fanden fernerdie Tanzdarbietungen von Margot Hirsch und Martin Rubinstein. Den Schluß des Abends blidete die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt" von Orlenbach. J. T. B.-Sportecke. RjF. Gießen gegen Jüdischen Turnerbund Frankfurt 3:2 (1 : 1). Unsere erste Mannschaft hatte am vergangenen Sonntag ein Pflichtspiel gegen RjF. Gießen auszutragen. Obwohl unsere Fußballer ein Spiel erster Klasse zeigten, mußten sie doch eine Niederlage mit nach Hause nehmen. Es war diesesmal ein schwacher Punkt in der Mannschaft. Für Gießen, die in der; Runde Hessen den ersten Platz einnehmen, war es kein leichtes1, unsere Mannschaft zu besiegen. Unsere Hintermannschaft arbeitete ausgezeichnet, die Läuferreihe schaffte unermüdlich und der Sturm vergaß neben dem Zusammenspiel auch den Schuß nicht. — Zu Beginn des Spieles ging Gießen sehr zum Angriff über, aber unsere Verteidigung wie auch unser Turnwart waren auf der Hut. In der 20. Minute gelang es Eis, nach schönem Zusammenspiel, das erste Tor für JTB. zu schießen. Kurz darauf glich Gießen aus. Nach Seitenwechsel ging Gießen in Führung. JTB. drängte nun sehr stark und gelang es auch Fuld, JTB. nochmals durch einen schön geschossenen Strafstoß, den Ausgleich zu erzielen. Jedoch 3 Minuten vor Schluß konnte sich Gießen, durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters, den Sieg sicher stellen. RjF. Gießen 2. gegen Jüdischen Turnerbund Ffm. 2. 2:2 (1:1). Unsere Reservisten gaben sich diesesmal recht viel Mühe. Das Spiel, das durch den sehr aufgeweichten Boden sehr beeinträchtigt war, zeigte einige interessante Momente. Unser Torhüter konnte sogar drei Elfmeterbälle meistern. Nach beiderseitigem eifrigen Mühen ging man mit einem Unentschieden auseinander. Familien-Nachrichten. Vermählte: Jakob Oppenheim mit Dora Katzenstein, Fulda, Mittelstr. b. Frl. Eschwege, 16. Februar. 6 0. Geburtstag: Abraham Roos, Hanauerlandslraße 50, 17. Februar 1936. Briefkasten. H. S. D. Mk. 5.— für Abonnement eingegangen. Steuerberatung - BUcherfilhren Mrrhflii! Mauor FrQnkIurt Mi«s«ci»w,i«ifri.j Inlullflul Hill] Gl, Einrichtung von Buchhaltung Nur persönliche Erledigung — Auch auswärts Sabbat-Anfang und Ausgang nn* mt? Ort Anfang Uhr | Min. Datum Ausgang Uhr | Min. Frankfurt am Main 5 | 10 15. 6 30 Berlin 5 ' 10 Febr. 5 49 München . 5 ' 25 1936 6 16 Köln 5 30 6 30 Stuttgart 5! 30 j 22. 6 25 Breslau 5 15 5 49 Nürnberg 5 | 20 rsnn 6 17 Hamburg 5; 15 6 17 Würzburg 5!15 6 25 Existenz im Ausland durch die fachmännische Ausbildung in amerik. Kosmetik-, Mauicure- und Fuß-Spezialisten Aerztl. gepr. 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