Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. .3 Der 1 s r_a e 11 t 16. Januar 1936' Jugendgemeinschaft,; in der es pünktlich', disziplinär und doch kameradschaftlich zugeht. Mädchen-Seminar: Was für die Chawerim die' Jescliiwa leistet; soll den Chawerot das Mädchen-Seminar bieten. Einen Teil des Tages arbeiten die Ghawerot in ausgewählten guten Privathaushalten; im übrigen feil kommen sie zusammen, um unter kundiger Leitung diejenigen Wissensgebiete sich anzueignen, die für die jüdische Frau von' heute notwendig sind:' Dinirir und solche Disziplinen, die die jüdische Persönlichkeit und den Charakter bilden. Das Mädchen-Seminar in Hamburg steht unter Leitung unseres Chawers Arnold Falk. Gegenwärtig eröffnen wir das Mädchen-Seminar Berlin unter Leitung von Ghawer Max Haas. Es ist begreiflich, daß 'die jüdischen Hausfrauen es begrüßen würden, wenn an möglichst vielen Orten ^solche Mädchen-Seminare eröffnet werden. Jedoch müssen wir darauf sehen, daß wir unseren Chawerot genügend gut befähigte Lehrkräfte für die jüdische Ausbildung zur Verfügung stellen, was nicht in allen Städten möglich ist. Zudem ist es wünschenswert, den Kreis der Chawerot innerhalb eines S'eminars nicht zu klein zu halten. Pegischa: An der Pegischa der gesamten Aguda-Jugend in Blankenese vom 25. bis 29. Dezember konnten über 50 Chawerim unseres Bundes teilnehmen. Es bestand die Möglichkeit einer gegenseitigen Beeinflussung des agudistischen Jugendbundes und des agudistischen Chaluzimbundes. Für unsere Chawerim ist es wertvoll' zu sehen, wie im Jugendbund die vom Materiellen losgelöste Betrachtungsweise und die Konzentration auf Thora und Geistigkeit vorherrscht, umgekehrt können die Chawerim des Jugendbundes von den Chaluzim selbst vieles über die wahren Verhältnisse in der Haohscharah und dem' Kibbuz erfahren. Dies ist notwendig, damit nicht die neu zu ..uns kommenden Chawerim mit falschen Vorstellungen und Illusionen in die Hachscharah eintreten. Wir hoffen, daß die Chawerim und Chawerot des Jugendbundes in Blankenese eingesehen haben, daß die Beziehungen zwischen Cha- werim und Chawerot in der Hachscharah einer viel größeren gegenseitigen Distanzierung unterworfen sein müssen, als im Jugendbund, gerade weil die Hachscharah als dauernde Gemeinschaft einen vertraulicheren Rahmen schafft. In Blankenese fand eine mehrstündige Besprechung nach einem Referat, alles vollständig in Iwrit, statt, in der sich zeigte, mit welcher Liebe die Chawerim des Chaluzimbundes heute schon Laschon hakodesoh zu sprechen sich bemühen!'Es ist unser ernstes Streben,- das Studium der hejbräischen Sprache in der "gesamten Agudajügend anzuregen und'; zu erweitern, nicht . aus äußeren, materiellen Gründen, sondern aus einer inneren Beziehung zu .einem zentralen jüdischen ^erfc Alija: . \ Zum ersten Male hatten wir dieser Tage eine größere Alija von etwa 310' Chawerim und Chawerot, die zum überwiegenden Teile in die agudistischen Kibbuzim Kfar. Saba und Gedera ge;- hen wollen, die sich jetztgerade — zu unserer Freude — zusammengeschlossen haken.: Es mag; unseren Olim und Olot zum Bewußtsein gekommen sein, ein wie kleines Häuflein.,wir Charedim im-jüdischen Volk bilden,Die sieb,unwillkürlich. aufdranpende 'Frage, wie es ^injs ' 'möglich sein wird, ln 'einer so zahlreichen1 'anders;' gesinnten .Umgebung ■ e;ine merkbar,^ Wirkung'.für'die Thora. hervorzubringen,, läßt unseren Blick: und unsere Kräfte gebieterisch"sieh': öaöh dönen kehren. -Wir" werden uns und den andern zu beweisen feäb'en,. daß wir . aus Arbeit,: Lernen und geistigem ■• Niveau "ehr dauerhaftes>, jüdisches Leben aufzubauen imstande sind. ' . ' Der Keren Hatorah der Agudas Jisroel. Äus dem Keren Hatorah-Ref erat von Henry P e 1 s auf dem Frankfurt er, D e 1 e g i e r - t e n t a g e geben wir folgende wesentlichen Stellen wieder: Nach zehn Jahren stetiger Aufwärtsentwicklung war in der Arbeit des Keren Hatorah in Deutschland durch den Umschwung der Verhältnisse ein Stillstand eingetreten, der in der Folge dazu führte, daß die Arbeit .des Keren Hatorah, und damit auch die Möglichkeit für Leistungen, nach und nach geringer wurden. Die erste Sorge der neuen Verwaltung des K. H. galt der Einsetzung .von: Keren Hatorah- Kommissariaten in allen größeren Gemeinden. Ein Teil der alten Freunde stellte sich hierfür zur- Verfügung, zum Teil aber auch mußten neue Menscheil für diese Arbeit .gesucht werden. Inr verschiedenen großen und wichtigen Gemeinden ist es bis heute nicht gelungen, Kommissariate auf die Beine zu stellen, die etwas leisten. Die Keren Hatorah-Kommissariate waren immerhin die wesentlichen Stützpunkte des Keren Hatorah und eie sollen auch weiter so ausgebaut werden, daß sie die zuverlässigsten Säulen des Keren Hatorah wenden körnten, n Es isterfreulicherweise gelungen, eine ganz große Reihe von Lehrern kleiner Gemeinden für den Keren Hatorah zu 'interessieren, Tind' der Referent :"steht .,heute mjt last 200 Herren in Verbindung, die sich bereit gefunden haben, auf die Anregung des Keren Hatorah 'nach besten Kräften 'zu .reagieren. Auch -.'die Ghanukah- Aktion hat in den kleinen Gemeinden einen ganz besonderen Anklang gefunden. Ah Mittel für die Geldbeschaffung dienen folgende Einrichtungen: 1. regelmäßige Monats- oder Jahresbeträge; 2. einmalige Spenden; 3. Sammelbüchsen; 4. das sogenannte „goldene Buch", ein Spendenbuch; 5. regelmäßige Schowuaus!- und Chanukah- Aktionen; 6. gelegentliche Herausgabe von hebräischen Texten; 7. Subvention der Reichsvertretung. Die wesentlichsten Einnahmen des Keren Hatorah im vergangenen Jahre gingen aus Einzelspenden zu, die durch die Kommissariate beschafft wurden. Zur Unterstützung der Bemühungen um Geldbeschaffung hat Referent eine kleine Broschüre zusammengestellt, die die Aeußerungen und die. Stellungnahme bedeutender Rabbonim zum Keren Hatorah enthält. Wir sind mit neuen Keren'Hatorah-Büchseh herausgekommen, die durch ihre nette, gefällige. Form eine gute Verbreifung gefunden haben. Die alte Einrichtung des Spendenbuches wurde wieder aufgenommen.. Zweimal im Jahr zu Schowuaus und zu Chahukah tritt der Keren Hatorah an die Oeffentiichkeit und' wendet sich dann an einen größeren Kreis von. Freunden und Gönnern, um durch diese zwei" Aktionen die Mittel aufzubringen, die ihm die Erfüllung, seiner wesentlichen Aufgaben ermöglichen sollen. Die diesjährige Schowuaus-Aktion verlief befriedigend, von der jetzt im Gang befindlichen Chanukah- Aktion verspricht man sich einen größeren Erfolg, nachdem' die herausgebrachten Menauraus anscheinend sehr , viel Beifall gefunden haben» Es sind 3000-. Menauraus . in Deutschland. diesen jChanukah aufgestellt,,., von denen Referent •hqfff/,daö..'$e'iuiis' größere- Mittel zuführen werden. Der bisherige,.. Ablauf dieser Aktion hat wieder gezeigt, daß,, wenn nian mit etwas gefälligen und originellen Ideen an größere Kreise herantritt, dann selbst in solchen Gemeinden Erfolgezu erzielen sind, die sich sonst ablehnend verhalten. Bisher war es in der Agudas Jisroel so, daß die- ' wesentlichen .geldlichen Ergebnisse immer ,von einer" kleinen. Zahl von.-Menschen bestritten .wurden. Referent hält es aber für gesünder und erstrebenswerter, . wenn sich die Eingänge der Organisation aus vielen kleinen Beträgen züsammensetze^ i;die; ja. schließlich ^dann auch in der Gesamtheit das gleiche- "Ergebnis habeii':könhen; - : ■ r^mr.i:n;;; r-'-Bei" der Herausgabe der. bekannfen- Gebettäfeln, kam es nicht so sehr-.auf..de'n.^geldlichen Erfolgean,- als viel mehr darauf, <deh Namen des "Kerenu^Hatorah immer wieder.^ dem^'Publikum;' vor Augen zu fuhren- Die gleiche' Absieht lag .'auch:, zugrunde' "beider Herausgabe unseres Luachs, von dem ca. 4000t.;Stück in Deutschland leicht-'abgesetzt 'wenden'konnten. Die Subvention der R e i c h s v e r t r e t u n g , diedem K. H; schon -seit einigen Jähren laufend gewährt wird, beträgt Mk. 3000.— jährlich. Zu den Leistungen des Keren Hatorah in diesem Jahre übergehend,-berichtet Herr Pels zunächst über die Talmud Thora-Schulen, deren Zahl in diesem Jahre unverändert blieb. Es handelt sch hier im wesentlichen um Schulen, die der Keren Hatorah gegründet hat und auch heute noch subventioniert, und um solche Schulen, die an den' Keren Hatorah um Subvention herangetreten sind. Die Zahl der Schulen beträgt 5, die Zahl der Lehrer 7, die der Schüler 190. Die Hauptlast für; die Aufihren Wurzeln in früheren Zeiten und Entwicklungen aufzeigen. Klare und korrekte Darstellung zeigt den routinierten Schulmann. Moses Mendelssohn, Gabriel Rießer, Isaac Adolphe Cremieux, Moses Montefiore u, v. m. sind knapp und gut gezeichnet. Bei der Schilderung der relijgiösenUmges t a 11 u n g und religiösen Par treib il d un g im vorigen Jahrhundert kennt der Verfasser auch Samson Raphael Hirsch und läßt für den Menschen und sein Werk einige Teile "aus den „Neunzehn Briefen" sprechen. Damit sind aber für ihn die Akten über die religiöse Bewegung im Judentum im thoratreuen Sinne abgeschlossen. . Wenn' ,der Autor an einer Stelle als Organe der exponierten unabhängigen Orthodoxie Agudas Jisroel und A ch du th nennt, so ist daraus zu sehen, wie wenig Kenntnis er von der neuesten Entwicklung in der Orthodoxie hat. Es ist schmerzlich, zu sehen, wie ein Mann, der sich an vielfachen Stellen einer gewissen Objektivität und Ehrlichkeit befleißigt, scheinbar aus purem Unwissen über ganze Kapitel und wichtigen Phasen der neuzeitlichen jüdischen.. Geschichte hinweggleitet, ohne dem jungen Leser, der doch aus dem Buch ein Gesamtbild der Geschichtsentwicklunig erhalten soll, eine Spur davon zu verraten. So ist beispielsweise die Agudas Jisröel nur in jenem sonderbaren Zusammenhange genannt, bei anderer Gelegenheit auch einmal die „Freie Vereinigung", währendänderen Organisationen und Organisatiönchen ganz große; Kapitel gewidmet sind. Das Buch hat trotz der ge-; strafften Form Platz für allerlei Autoren, die .in den letzten Jahren die jüdische Literatuf mit einemi'zweifelhafteh Roman oder einem Gediehtbändchen' be-; Vriechert und beglückt habeai, rkenntiiund-nennt aber keinen einzigen Namen der auch in außerorthodox'en Kreisen wohlbekannten Denker und Führer des orthodoxen Judentums, selbstverständlich auch keinen seiner Schriftsteller. Es bliebe für den Autor sehr vieles zu ändern und nachzutragen, wollte er in einer zweiten Auflage dem jüdischen Leser in Wahrheit den richtigen Weg in die jüdische Neuzeit weisen. In zweiter erweiterter Auflage''"erschien der Rieseriband (732 Seiten;in .Großformat) von Adolf B öh m unter dem Titel „Die zionistische Bewegung bis zürn' Ende des Weltkrieges".- (Jüdischer Verlag, Berlin.) Für' Männer, die im öffentlichen jüdischen- Leben stehen,. auch wenn sie .der.;rzionisti-- schen Bewegung und Ideologie fernstehen, .wird das. Buch mit seinem reichen Quellenmäteriar in' mancher Beziehung ein Wegweiser sein'. '"'; '' ' 1 ' " '-- •'; Den jüdischen Müttern widmet J a c o b s o h n - Hirsch sein im Vortrupp-Verlag, Berlin., erschienenes Buch „Jüdische Mütter". Die Gestalten von Glückel von Hameln; Frau Gedullah, der Mutter der „Fünf Frankfurter"; Frau.F^umet Mendelssohn; der;Mutter Heinrich Heines u. a, m.; leben 'in künstlerisch gestalteten Kapiteln,'denen zumeist auch noch ein Bild angefügt ist, Vbr! uns'erennAugen auf." Das Buch schließt -mit dem Bilde der „Mütter der Zwölftausend'V wie <es uns aufe dem, Gedenkbuch des Reichsibundes jüdischer Frontsoldaten bekannt ist. Ein Buch pietätvoller Liebe ist es, aus. dem man manches lernen kann. . Ein etwas' verspätetes MaimonMesbuÖlr'. ist das 'Werk vön'Ernst Salomen K?o p l o witiz fuhter demr Titel > |)D i-e A bh ä; n g i'g.keMi > X h..p<m asj. von, Aiq u ins vo,a R-. Mp s e ^e.»f;,JVL:>adm.o n". (Zu jbeziehefl beim Verfasser in M^ir,' pow. Stolpce, Polen, S." P. IV.) Die Einleitung brlngf beinerir Wz'en-Abriß! aus der Leibensgeschichte von Maimonides, das Buch selbst sucht den Einfluß Rambams auf die Lehren des Thomas von Aquin nachzuweiisem, und: es . soll demnächst in einer ausführlichen Besprechung gesagt werden, ob und inwieweit dieser Nachweis gelungen ist. " -Die 'Nummer 2/3:?der :;,Zeitsehrift. für .Greschichte der Juden m Deutschland" 4^HO"Veriagf BeriinW 15) ist dem Andenken von David Friedlähder zu seinem hundertsten Todestage;'gewidmet und enthält Aufsätze von- Ernst Fraenkel, Ismar Freund, Ismar Elbogen u. [ v. m. : ■ David1" Friedländer war einer der .Wortführer der' Emanzipation, er 'gehörte in seinen ' Jügehdjahrefn 'äix dem infönistefi: Kreise Moses Men- ' detssöhhs und:Später zu dien Vertretern, der radikalen Reform: Man hätte keinen Grund, in einer Zeit, die den Zusammenbruch der Assimilation und Reform so deutlich ad oeculos führt, einen prominenten Vorkämpfer dieser Bewegung Gedenkbücher zu widmen, es sei denn, um den Lebensirrtum dieser Schule nachzuweisen, Daß , die ^avid Friedjänder. gewidmeten Aufsätze in der genannten Zeitschrift dieser Tendenz ni cht dienen, braucht nicht erst'gesagt zu sein. Heft 6 der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" {begründet von Z. Frankel, jetzt herausgegeben von J. Hememann H. Marcus-Verlag, Breslau])! ist, wie immerv reich: ausgestattet mit Beiträgen von zum Teile hohen^ wissenschaftlichem Werte. Neben Aufsätzen über geschichtliptie TMemen''referiert Imanuel 'L ö-'w über ^ein ureigenei ' Gebiet y,Die Fauna; der r Juden". Map,, liest 'nocheiniges zuto biblisichen Chronologie und Bespre- <cbua£en der neuesten Buoheracheinun^en.