Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 3 Der Israelit 16. Januar 1936 ..Times" eine in hohem Maße zuständige Persönlichkeit, der frühere Kolonialminister A. S. A m e r y, das Wort zu einem Vermittlungsvorschlag, der u. E. von allen interessierten Teilen noch jetzt in ernste Erwägungen gezogen werden sollte. Amery führt zunächst aus, daß man in Palästina leider noch weit von der Lage entfernt sei, wie sie beispielsweise in Indien herrscht, wo die Hindu-Majorität und die muselmanische Minorität immerhin ihr Recht, an der Bestimmung des nationalen Lebens mitzuwirken sich gegenseitig nicht bestreiten. Auf der anderen Seite sei England durch die Annahme des Mandates und durch die Erklärungen aller seiner Staatsmänner seit fast 28 Jahren in feierlichster Weise dazu verpflichtet, jede Politik abzulehnen, die den Aufbau des jüdischen Naticnalheims gefährden könne. Die Errichtung des Legislative Council bedeute aber zweifellos die künstliche Schaffung von Schwierigkeiten in der Erfüllung des Mandates. Wenn, so meint Amery, dennoch der begreifliche Wunsch besteht, der Zusage der Errichtung irgend einer legislativen Körperschaft zu entsprechen, so gäbe_es einen Weg, um diesem Wunsche zu genügen ohne die unheilvollen Konsequenzen eines Legislative Council in der heute vorgeschlagenen Form. Die beiden Gemeinschaften in Palästina, die arabische und die jüdische, haben das gleiche Recht auf Leben und Entwicklung. Daher darf das zu schaffende Vertretungssystem keiner der beiden Gemeinschaften ein s t ä r k eres Stimmrecht geben wie der andern. Die Möglichkeit der Majorisierung verträgt sich nicht m i t d e m G e i s t e u n d Z w e c k e d e s Mandates. Es müsse also bestimmt werden, daß in allen Stadien gesetzgeberischer Tätigkeit kein B e - scihluß gültig ist, wenn er nicht von der Majorität sowohl d er arabischen, als auch der jüdischen, Mitglieder gebilligt wird. Durch die Durchführung dieses einfachen Gedankens würde jeder Versuch der einen Gemeinschaft, die andere zu schädigen, von vornherein vereitelt werden, während andererseits ein unbegrenztes Feld vorhanden wäre zur Zusammenarbeit zwischen Repräsentanten der beiden Gemeinschaften in allen nichtstrittigen Fragen. Natürlich würde das Recht des High Commissioner, aus eigener Initiative Gesetze zu geben und dadurch die Gefahr völliger Untätigkeit auf legislativem Gebiete zu überwinden, aufrecht erhalten bleiben müssen. a | Amery schließt mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß man an der Herstellung freundlicher Beziehungen zwischen den 'beiden Bevölkerungsgruppen des heiligen Landes und der Entwicklung eines gemeinsamen palästinensischen Patriotismus keineswegs zu verzweifeln brauche und daß nur Geduld dazu gehöre und die Anwendung vernünftiger gesetzgeberischer Prinzipien, um dieses wünschenswerte Ziel zu erreichen. Das jüdische Volk als ganzes, wahrscheinlich mit Einschluß derjenigen, die heute kurzsichtig genug sind, um sich in einer wenig durchdachten Gefühlspolitik zu erschöpfen, würde ihnen wahrscheinlich für immer Dank v/issen. Vielleicht wäre nun der Gedanke nicht zu kühn, die Zielet die Herbert Samuel und seine Freunde bei ihrer Amerika-Reise im Auge haben, in engster Fühlung mit dem vom Völkerbund neu zu schaffenden Organ derFlüchtlingsfürsorge zu er- Die kommende Woche wird unter dem Zeichen zweier Ereignisse stehen, deren Tragweite zwar nicht im vorhinein mit Sicherheit zu übersehen ist, die aber möglicherweise den Ausgangspunkt wichtiger Entwicklungen für das Schicksal weiter Kreise der jüdischen Gemeinschaft sein werden: die Beschlußfassung des Völkerbundrates über den ihr von der Sachverständigenkommission für Flüchtlings- und Auswanderungsfragen zu erstattenden Bericht und die Reise Herb ert Samuels, Lord Bearstedts und Simon Marks nach Amerika zur Konsultierung der dortigen " jüdischen Führer über das deutsch - jüdische Auswanderungsproblem. Wie bereits früher berichtet, hat die Mehrheit des Sachverstänidigenkomitees des Völkerbundes beschlossen, dem Rate zu empfehlen, eine hervorragende Persönlichkeit zu ernennen, die das Werk des High Commissioner Macdonald fortsetzen und erweitern soll, die insbesondere eine internationale, von den Regierungen zu beschickende Konferenz für 'die Ordnung der Rechtsverhältnisse der Flüchtlinge in den verschiedenen Ländern vorbereiten, den Flüchtlingen Arbeitsmöglichkeiten in ihren neuen Niederlassungsländern erwirken und endlich ein repräsentatives Komitee aus Regierungsvertretern bilden soll, das die Interessen der Auswanderer nach außen hin wahrt, und dem die Delegierten jüdischer und nicht jüdischer privater Organisationen in bera- " streben. Nur die Autorität des Völkerbundes wür de es vermögen, die. verschiedenen jüdischen Gruppen und Organisationen zu e i nh e i t - lichem Handeln zusammenzuführen. Es;sollte die Wiederholung des beschämenden Schauspiels erspart bleiben, das die Welt nun wiederholt'erlebt hat: daß durch passive öder aktive Resistenz einzelner jüdischen Oi ganisationen, in der Regel solcher, die sich in vielleicht verzeihlicher Selbstüberschätzung an das Schiller'sehe Wort halten „Der Starke ist am mächtigstenjallein", die wirkliche, Zusammenfassung aller moralischen, intellektuell e n u n d finanziellen Kräfte der jüdischen Gemeinschaft für eine g r o ß e h i s t o - v i sehe A u f g abe verhindert wird. Hier' ist wirklich einmal Einheit des Handelns ohne Gewissensdruck m ö g 1 i c h und daher von gebieterischer Notwendigkeit. tender Eigenschaft zur Seite stehen sollen. Neu ist außerdem die in den letzten Tagen dazu ausgegebene Mitteilung, daß das Sachverständigenkomitee auch seinerseits die Notwendigkeit betont, außergewöhnlich große finanzielle Mittel zur Weiterförderumg des Au s w an de r un g's - Problems aüfz ub r i n g e n unddaß es empfiehlt, sich an das Nobelpreiskomitee zu wenden mit dem Antrag, ein oder zwei Preise für das Flüchtlingshilfswerk zur Verfügung zu stellen. Leider vermißt man in den Vorschlägen des Sachverständigenkomitees, abgesehen von den durchaus nicht unwichtigen Formalien, jede konstruktive Idee darüber, auf welche Weise Zehntaus ende oder Hunderttausende von Menschen in andere Länder verpflanzt werden, wie man den Begüterten unter ihnen die Rettung ihres Besitzes zum* Besten der Gesamtheit ermöglichen und welche Staaten für die Aufnahme ausgedehnter jüdischer Siedlungen in Betracht kommen können. Man kann nur hoffen und wünschen, daß der V ö 1 k e r b u n d r a t selbst, der nun am 20. Januar zusammentritt, um zu den Vorschlägen des Komitees Stellung zu nehmen, eine großzügigere Haltung zu diesem gewaltigsten Problem unserer Tage — bei dem es sich keineswegs bloß um die deutschen Juden handelt — gewinnen wird. Wir haben bereits früher der Üeberzeugung Ausdruck gegeben und glauben dies nochmals unterstreichen zu müssen, daß ein ge- Etwas von den literarischen Einwirkungen S. R. Hirschs Vst. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. (Zum 27. Teweth.) Die Leser werden sich noch erinnern können, daß wir in Nr, 50 des Jahres. 1934 in einem unter dem Titel „Das Gesetz und das Land" erschienenen Artikel auf das allerentschiedenste Verwahrung gegen die Ausführungen eines im Jerusalemer „Hahed" erschienenen Aufsatzes einlegten, worin sich u. a. der Verf. zu der ungeheuerlichen Behauptung verstieg, daß „die Hirse h's che Bewegung von ihrem Beginne an bis zum heutigen Tage den Religionsschatz nicht bereicherte, ihn nicht verbreitert* und vertiefte usw." und die Bodenlosigkeit solcher oder ähnlicher Stilübungen unwiderlegbar nachgewiesen haben. Der „Hahed" hat seinerzeit von unseren Ausführungen— trotzdem, daß nicht nur journalistischer Anstand, sondern vor allem die gebührende Pietät gegenüber den Manen eines Geistesriesen wie S. R. Hirsch s. A. solches forderte ■— keine Kenntnis genommen, wenigstens seinen Lesern keine Mitteilung hiervon gemacht. Er beachtete bedauerlicherweise nicht den Ausspruch: min ^mb ->~\*n ntt yi'm ps, um so weniger, da geradezu handgreiflich nachgewiesen worden war, daß jener Angriff auf den imo msV 'is auf purer Unkenntnis, höchstens oberflächlicher Kenntnis des bekrittelten Hirsch'schen Schrifttums beruht' Doch möge dies die Redaktion des „Hahed" mit dem eigenen Gewissen ausmachen . . . Um so mehr freut es uns nun, diesmal über die Veröffentlichung eines Artikels in erwähntem Organe berichten zu können, worin sich ein Absatz •befindet, der die von uns gerügten Ausführungen geradezu Lügen straft. Wir meinen nämlich die im Heft 8, Seite 12 und 13 d. J. 5633. erschienene Buchbesprechung: a^ins ins — T")ö"tr aus der Feder des angesehenen Schriftstellers Hillel Zeit Ii n in Warschau. Diese Besprechung ist dem vor zwei Jahren erschienenen Buche o'-rnSrn nain tnoaip von dem berühmten chassidischen Rabbi in Piaseena gewidmet. Dasselbe bezweckt eine Einführung in die chassidische Gedankenwelt und Lebensweise. Und wie der Rezensent mit geradezu überschwänglichem Lobesworten ausführt,, soll diese Aufgabe auf das glänzendste gelöst worden sein. Namentlich hebt der Rezensent hervor, wie der Vf. Ordnung und Methode in die Erlernung des Ghassidismus hineingebracht hat und auch mit Kenntnis der Psychologie und der theoretischen und praktischen Pädagogik in denselben einführt. Danin aber fährt der Autor fort: „An vielen Stellen des Buches aber kommt es uns vor, als würden wir in den Neunzehn Briefen über das Judentum oder in den Chaurew von Rabbiner S. R. Hirsch lesen. Ich weiß nicht, ob unser Vf. die Werke Hirschs gelesen hat und sie auf seinen Stil und sein eigentümliches Pathos eingewirkt haben, oder aber ob hier eine Seelenverwaindtschaft vorhanden sei, die einen und denselben ivio bei Männern bewirkt, die sonst, was Zeitalter und Wohnort, auch Auffassungsweise und geistiges Milieu betrifft, voneinander entfernt sind." Nun, uns, die wir die begeisterten Zuschriften kennen, mit denen nicht bloß ein R. Jizehak Elchonon Spektor, ein Chofez Chajim usw. und in neuerer Zeit ein R. Oser Gro dzenski, sondern auch, c h a si s i - dische Rabbi® wie R. S. D, Schneirsohn in Lynbawitz und R. L. J, Schneirsohn in Niesen seinerzeit die hebräischen Uebersetzungem von den 19 Briefen und dem Chaurew. oder die Bearbeitungen der Hirsch'schen Gedankenwelt (]V3n yo~a von Rabb. Hirschowitz) begrüßen, ist es gar kein Zweifel, daß hier von keiner mystischen „Seelenverwandtschaft", sondern nur von einer direkten Einwirkung der Lektüre des ins Hebräische, übertragenen Hirsch auf unseren chassidischen Autor die Rede sein kann. Dieser Umstand mag zugleich zur Beleuchtung der selbstbewußten These des ersten ,;Hähed"-Artikels dienen, wonach des Meisters geistiges Schaffen ohne," Einwirkung auf außerdeutsch-jüdische Kreise geblieben ist. Die von Hillel Zeitlin besprochene Arbeit eines hervorragendein chassidischen Rabbis ist der Beweis für die Unrichtigkeit jener These. Bei dieser Gelegenheit sei es uns auch gestattet/ darauf aufmerksaim zu machen, wie auch in ""n* p«, Palästina, immer mehr und mehr die Sehnsucht nach *a* r-i^m, der geistigen Nachlassenschaft Hirschs sich äußert. So schreibt Rabbi E. A. Mileikowsky, der früher Oberrabbiner in Charkow gewesen, jetzt aber Mitglied des Beth-Dim zu Tel Awiw ist, in der Vorrede der von ihm verfaßten hebräischen Uebersetzung des Aufsatzes von S. R. Hirsch „Die fünf . Chanukoth", maun {Tel Awiw 5693): „Fürwahr, wir haben große., und ausgezeichnete Uebersetzer, : aber ihr größter Teil, fast alle beschäftigen sich damit, um solche Werke, Erzählungen und Aufsätze