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Der Israelit · 1936-01-09 · Heft 2 (9.1.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a« M. 9. Januar 1936 15. Tebet 5696 Nummer 2 A i. I Auch die Araber lehnen den Jerusalem, 6. Januar. Die Partei des Großmufti und der Kongreß 4er arabischen Jugend P al ä s'tin.as halben beschlossen, den geplanten Legislative Council abzulehnen und an seiner Stelle eine Arabische Nationalregierung und ein Parlament mit vollen (gesetzgeberischen Befugnissen zu verlangen. High Coanmissioner Sir Arthur Wauchope hat sich nach Nablus begeben; es wird behauptet, daß er die Reise unternommen hat, um 'die dortigen arabischen Führer zu bewegen, der Einsetzung des Legislative Council zuzustimmen. Für Dienstag, den 7. Januar, war eine dringende Beratung von Vertretern der leitenden jüdischen Körperschaften über den geplanten Legislative Council einberuf en "worden. An der Konferenz nahmen alle in Palästina anwesenden Mitglieder des Zionistischen Alktions-Komitees, die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, die Mitglieder des Waad Leumi und die L eii'U n g der A g u d a t J i s r a e 1 in Palästina teil.; ' ' v " ' Jerusalem, 7. Januar. Internem Communique der Jewish Agency wird bekanntgegeben, daß in der von den in Palästina, anwesenden Mitgliedern des Aktions- Committees, den Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency, des Waad Leumi, der Leitung der Agudat Jisrael und Bürgermeister Meir Dizengcff am 7. Januar abgehaltenen gemeinsamen Beratung die. früheren jüdischen Entscheidungen in Bezug auf den Plan, in Palästina einen Legislative Council einzusetzen, bestätigt worden sind. Wie die ITA. erfährt, hat das Mitglied des "Waad: Leumi Dr. Jacob Thon vorgeschlagen, in •eine heue/Erörterung der für eine jüdische BeteiMgimg am Legislative Council günstigen Momente einzutreten. Der Vorschlag Dr. Thons "wurde einmütig abgelehnt. Oberrabbinerwahl in Jerusalem vollzogen? Die ITA. verbreitet folgende Nachricht aus Jerusalem: ,,Ohne vorherige Verständigung mit den jüdischen Vertretungskörperschaften haben die Je- Tusalemer Rabbiner Rabbi Zwi P es ach F r a.p!k als Nachfolger Kuks zum Ob erräbb^i n e r ig e w ä h 11. Die jüdischen Institutionen ■weigern. sich jedoch, Rabbi Frank als OberrabbinW anzuerkennen. Die Gerer Chassidim haben ^^VZ emba. eingeladen, als ihr geistlicher Führer:- nach Palästria zu kommen." Wir hassen fürs erste die Verantwortung für diesef;kau^i glaubliche "Meldung der ITA. überlassen, * Die Strafbestimmungen des neuen Palästina- Eiuwauderungsgesetzes. ' Jerusalem, 9. Januar. Die am 1. Januar veröffentlichte neue Immigration (Amendment) Ordinance sieht vor, daß die Entscheidung darüber, ob jemand für die Zulassung nach Palästina ungeeignet ist, statt wie bisher deni High Commissioner, dem Direktor des Einwanderungsdepartments überlassen sein soll. Ein Verzeichnis aller Personen, die nach Palästina kommen, mit Ausnahme der Besatzung von Schiff en und Aeroplamen oder sonstiger Verkehrsmittel, ist dem Einwanderungsdepartment vorzulegen. Der High Commissoner kann im Einvernehmen mit seinem Beirat Einwanderungsgebühren festsetzen. Das neue Gesetz bestimmt, daß Ausländern, die unter der Beschuldigung, illegal nach Pa- . (Fortsetzung siehe Seite 2.) 1 Aus dem Inhalt: Zulassung der ärztlichen Praxis in Palästina Seite 2 Aktion zur Ansiedlung deutscher Juden Seite 2 Genfer Regelung der Auswanderung ." Seite 2 Ein Geburtstag und ein Todestag . . . Seite 3 Zum Schweizerisch-palästinensischen Abkommen .......... . Seite 4 . Seite 4 AgudistiSche Tagungen ...... , Seite 5 Gesinnung und Leistung. Von Rabb. Dr. Michalski . . . . Seite 8 Briefe und Ungarn und Rumänien Seite 12 u. 13 Palästinanachrichtein ..... Seite 11 u. 14 Von Dir. Dr. Elias. II. Was an den Bemühungen der Werkleute so eindringlich wirkt, das ist 'die Unmittelbarkeit religiösen Gefühls, der starke Wille zum Wiederanschluß an den Geist jüdischer Geschichte, das ist vor allem das ernste Streben, im ,,Hier und Jetzt" und lebensmäßig und persönlich Ju-> den tum; wirksam werden zu lassen. Ob, freilich diese Bewegung sich zwischen Neologie .Und Zionismus wird halten können, erscheint zw/eifelhaft. Zwar im Negativen, in der Formulierung des Gegensatzes zu jenen beiden Richtungen, klingt die Begründung präzis und sicher. Aber sobald es sich lim die Herausarbeitung des Positiven handelt, das an deren Stelle treten soll, erscheint die Position so widerspruchsvoll und gerade in den entscheidensten Fragen so schwach, daß von einer tragfähigen.' geistigen Grundlage, zu der auch erzogen werden könnte, nicht die Rede sein kann. Ich greife hier mir drei Fragen heraus, an deren Beantwortung die Stellung der Werkleute gut-beurteilt werden kann: Wie stellt sich der Werkmann zur Geschichte des Judentums nnd des jüdischen Volkes? Was bedeutet ihm die , Offenbarung und die Bibel? Wie steht er zu den Mizwoth? Das stärkste Argument, auf das sich Gerson bei der Auseinandersetzung mit der Verweltlichung des Zionismus und dem Subjektivismus der Neologie beruft, holt er aus der Geschichte. An ihr erkannte er Israel als Erinnerungsgemeinschaft, aus ihr lernt er* daß wir nicht nur anders sind als die Völker der Welt, sondern daß wir auch eine andere t Bestimmung haben. Aber der Begriff der Geschichte bedarf wohl erst der Klärung, bevor sie als Wegweiser angerufen wird. W)as versteht Gerson darunter? Ist darunter alles zu verstehen, was — positiv oder negativ — für die Entwicklung des Judentums von Bedeutung geworden ist? Offenbar nicht. „Zu wissen, daß das Leben nicht mit dem Einzelnen beginnt, daß seine Existenz durch das historische Geschehen mitbedingt ist, daß er nicht umhin kann, sich jeweils mit ihm auseinanderzusetzen, heißt nicht, daß er sich von vorneherein der Geschichte unterwirft, und sie in allem und auf jeden Fall für verbindlich nimmt." Das ist nur natürlich. Nicht in Ordnung ist aber, daß Gerson diese Einschränkung und ihre Motivierung in der Auseinandersetzung mit der Orthodoxie gebraucht. Eine überflüssige Bemühung. In der Geschichte haben sich die gegensätzlichsten Kräfte, Strömungen und Persönlichkeiten ausgewirkt, ein Hillel so gut wie ein Hemdes, Käraer wie Rabbaniten, Hellenismus wie Christentum. Eine Weltanschauung, die all das bejahte, begäbe sich des Anspruches auf Jüdischkeit. Auch die Orthodoxie, ja sie vor allem, wird aus der Fülle des gesdbichtlicben Stoffes eine Auswähl treffen. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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