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Der Israelit · 1935-12-24 · Heft 52 (24.12.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 52 (24.12.1935)
Date
1935-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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% 7 Yv£ Ein Centraiorgan för das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. I 24, Dezember 1935 28. Kislew 5696 Nummer 52 Der Legislative Council in Palästina angekündigt. Jerusalem, 23. Dezember. Der High Commissioner empfing am Samstag und Sonntag die arabischen und jüdischen Vertreter und eröffnete ihnen, daß die Zeit für die Zusammensetzung des Legislative Council reif sei. Alle jüdischen Vertreter, u. i. auch der Beauftragte der Agudas Jisroel, Rabbi Mosche Blau, lehnten den Vorschlag mit der-Begründung ab, daß die derzeitigen Verhältnisse keine Gewähr für eine gerechte Zusammensetzung der Volksvertretung gewähren. Nähere Nachrichten iolgen, Jerusalem, 20. Dezember. Die Ankündigung der Proklamierung des Legislative Council hat bei allen Teilen der Bevölkerung Palästinas außerordentliche Erregung hervorgerufein; Die Tageszeitung „El Liwaa", die wegen ihrer engen Verbindung mit dem Großmufti als .besonders gut informiert gilt, weiß zu berichten, daß der Legislative Council nach den jetzigen Vorschlägen eine etwas andere Zusammensetzung aufweisen soll als vorher geplant war. Dem Rat sollen nunmehr sechzehn ernannte Mitglieder angehören, davon fünf Juden, fünf englische .Beamte, drei Mohammedaner, zwei christliche Araber und ein nichtarabischer Christ, ferner zwölf gewählte Mitglieder, und zwar acht Mohammedaner, drei Juden und ein christlicher Araber. Das Blatt weist darauf hin, daß diese Zusammensetzung des Council für die Araber, denen die Hälfte der Sitze im Gesetzgebenden _ Rat zufallen soll, wesentlich günstiger sei als die seinerzeit von dem High Commissioner Sir Herbert Samuel vorgeschlagene. Dem Hdgh Commissioner' bleibe ein uneingeschränktes Vetorecht in Bezug auf den Erlaß von Gesetzen durch den Council sowie vorläufig auch in Bezug auf den Etat vorbehalten. Repräsentation nach außen, internationale Politik in Bezug auf das Mandat und öffentliche Sicherheit fallen in den ausschließlichen Kompetenzbereich der Regierung. Wie der ITA. von der Regierung auf eine Anfrage mitgeteilt wird, beruhen die Ausführungen der Zeitung ,,E1 Liwaa" offenbar auf den Inhalt der Unterredungen arabischer Führer mit dem High Commissioner vor dessen Abreise mach London. Im gegenwärtigen Augenblick könne die Regierung die Meldungen des Blattes weder bestätigen noch dementieren. Die hebräische Tageszeitung „Doar Hajom" führt in einem Leitartikel zur Ankündigung des Legislative Council Klage darüber, daß die jüdischen Führer die Wahrheit vor dem jüdischen Volk verborgen hätten. In „einem Leitartikel zur Ankündigung in der Zeitung „Haarez" wird erklärt, die Schaffung des Legislative Council sei auf ein Versprechen zurückzuführen, das der High Commissioner jenen arabischen Hetzern gegeben hat, die sich Führer nennen. Bald aber werde der High Commissioner die feste Antwort der Juden hören, die lauten werde; Non possumus! Mit Rücksicht auf die bürgerlichen Feiertage gelangte diese Nummer schon am Dienstag früh zum Versand, wodurch eine Reihe von lokalen und anderen Nachrichten zurückgestellt werden mußten. Die nächste Nummer erscheint am Freitag, den 3. Januar 1936. Aus dem Inhalt: Jüdische Aerzte und Rechtsanwälte Seite 2 Zwei Arbeitsgerichtsurteile Seite 2 . Die Schächtfrage in Polen Seite 2 Der Präsidenteinwechsel in der Tschechoslowakei .. Seite 2 " Vom Delegiertentag der Landesorganisation der Agudas Jisroel .... Seite. 3 u. 5 Die Haawarah .......... Seite 3 Landgemeinden ohne Minjan . . . Seite 3 Mut zur Thoratreue....... Seite 5 Der Ansiedlungsplan Ruppins . . . . Seite 6 Auf der Suche. Von Dir. Dr. M. Elias in Frankfurt a. M. Die innere Bewegung, die durch den äußeren Schicksalsumschwung der deutschen Judenheit in den Seelen, vor allem der Jugendlichen, ausgelöst wurde, .wird, abgesehen von der Berufsumschichtung, der Umstellung auf Handwerk und Landwirtschaft, abgesehen von der engeren Beziehung zu Erez Jisroel und zur Geschichte durch ein starkes Suchen nach Erfassung der traditionellen und religiösen Werte des Judentums gekennzeichnet. Die Wortführer der nichtorthodoxen Judenheit stellen sich heute zu den geistigen Strömen, die aus der Bibel und dem nachbiblischen Schrifttum fließen, viel positiver ein. Da ist die Rede von dem starken Ethos, das dem Judentum des Mittelalters sein Glaube gegeben, da ist die Rede von der Kraft, die von der treuen Bewährung im Sinne des Gesetzes ausging. Die Frage ist; Welches sind die Träger dieser zum alten Glauben und zur alten Bewährung rufenden Bewegung? Wir finden sie in allen Lagern. Bei den. Liberalen sowohl, wie bei den Zionisten. Am deutlichsten umrissen, von einer Gemeinschaft und nicht nur von Einzelnen begründet, findet sich diese neue Hinwendung hei den Werkleuten, einer Art moderner •»psn flBWü in deren Namen und für die Hermann Gerson einige Vorträge veröffentlicht hat, die sich in ernster Suche mit dem alten Judentum auseinanderzusetzen -'bemühen.- Gerscn spricht über die jüdische Stellungnahme zu den Problemen, die den Jugendlich ei*,, sei es rein persönlich, sei es im Zusammenhang mit der Umwelt bewegen. Von der ursprünglichen Fragestellung, die rein persönlich war, ist der Werkmann zu der Erkenntnis gelangt, daß die große Zerrissenheit im Innern tiefer wurzele, als im denkenden Verstand und individuellen Wollen. Je mehr er sich dieser tiefen Grundlage gegenüber verschlossen hatte, desto größer war' die Verzweiflung geworden. So kam er zu den ersten sein ganzes bisheriges Leben umdeutenden Schluß: Es gibt nichts anderes, als sein Schiclcsal .zu liebe n. iMit dieser auf den Boden Juda Halevis stellenden Liebe erhielt er auch die Bindung, nach der er sich sehnte. Diese Bindung'geht tiefer als alles Einzel-Persönliche. In der jüdischen Geschichte eröffnet sich ein höherer Wert, als der der Durchsetzung des persönlich Gemeinten und Gewollten. Wichtiger als die durch Spinozanaturen errungene seelische' und geistige G'ttesnähe in Haltung und Tat — von Bub er früher einmal als Kriterium jüdischer Frömmigkeit angesehen — ist die U n t e r w e rf u n g von.Massen von Menschen unter eine bestimmende Lebensauffassung , wie sie sowohl im Massenmärtyrium des Mittelalters, als in dem Thorälemen des Ostens sich" offenbarte. Vom persönlichen Leid führt die Versenkung in die Geschichte dann zur dritten Erkenntnis, daß unser Volk nicht nur anders ist, wie andere, sondern eine g an z bestimmte Aufga b e hat, um derentwillen es (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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