Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1935)
- Date
- 1935-12-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 51 Der Israelit 19. Dezember 1935 die deutschen Juden in Amsterdam zum ersten Male zu einem gemeinsamen G'ttesdienst zusammengefunden und erst 36 Jahre später, 1671, konnten sie ihre „groote Synagoge" einweihen. Daß heute die Aschkenasimgemeinde in Amsterdam eine ^fcnwn OKI TU, eine___ Mutter- und Mustergemeinde in ,r_ Israel is, die vortreffliche Institutionen besitzt und von religiösem Geiste ganz durchweht ist, muß hier nicht erst gesagt werden. Einige Daten seien hier noch angeführt: Die Portugiesengemeinde war, als die deutschen Juden kamen — die ersten kamen schon etwa 1615 — erst seit wenigen Jahrzehnten im Lande, aber sie waren bereits genug im Boden verwurzelt, um sich der deutschen Brüder hilfreich anzunehmen, Regierung und Volk, deren Toleranztraditionen schon seit Wilhelm von Oranien datierten, gönnten den Fremden gern den Lebensraum, in dem es aber zunächst noch eng und düster genug aussah; denn alle politischen Rechte, die 1796 zur vollen Emanzipation führten, konnten den Leuten kein Brot geben. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts kamen in großen Scharen die jüdischen Flüchtlinge >aius den Chmelnitzki-Verfolgungen in Polen nach Amsterdam, die, nach Wesen und Tradition eher zu den Aschkenasim gehörten. Mit der jüdischen Bevölkerung wuchs auch das Elend im freiwilligen jüdischen Ghetto an, von dem wir heute noch in der Amsterdamer Jodenbrees t r a a t genug der sichtbaren Spuren haben. Die Armut im Amsterdamer Judenviertel war noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts so groß, daß im Jahre 1805 die Armenkommission unter 24.000 Seelen 19.600 Almosenempfänger zählte. Es fehlte auch nicht an inneren Differenzen, ja sogar Kämpfen zwischen den Deutschen und Polen, die Deutschen blieben führend, die ersten Rabbinen kamen aus Deutschland, und die Einigkeit und Vereinigung kamen, nicht ohne sanften Zwang von Seiten der Regierung, endlich zustande. Die Sabbatai- Zwi-Verirrung um 1660 erfaßte die Portugiesengemeinde in höherem Maße als die nüchternen Aschkenasim, Zu den Einrichtungen der Aschkenasimgemeinde, die das Licht der 'Lehre weit über Amsterdam und über Hollands Grenzen hinaustrugen, müssen vor allem die berühmten hebräischen Druckereien gezählt werden, die die halbe jüdische Welt mit Talmudexemplaren und jüdischen Schriften aller Arten versorgten. Mutter gerne in de in Israel war die Amsterdamer föehillo bereits im 18. Jahrhundert, da sie mittels der holländischen (Regierung und ihrer Gesandten für die Juden überall in der Welt eintrat, und sie ist es heute noch. Männer wie Rabbi Josef Hirsch Dünner, Wagenaar, Onderw y z er ^WST' standen zuletzt als geistige Führer an der Spitze der Gemeinde. Sie hat sich in all ihren Synagogen wie Institutionen rein und streng jüdisch erhalten. Das von Oberrabbiner Dünner gegründete R a b b i n e r s e m i n a r du Amsterdam sorgte und sorgt für einen rabbinischen Nachwuchs, in dem das religiöse Führertum in den holländischen Gemeinden bestens gesichert ist. Fremde Winde wehen in den letzten Jaihren. aus England und Deutschland, die die ijetzt liberales Judentum benannte Reform hinüberzutragen suchen. Diese fremden Winde werden an dem festen Bau des holländischen Judentums nicht zu rütteln vermögen. r ^sr\-^^rr^-~z,r' ■ » S-^' ^#(.^ aS; v,Ä'Siil.4-eSt-; < . Wir sehen dann auf Bild 2 die stattliche Außenfront der neuen Synagoge auf dem Jonas Daniel Meyerpleinjk die im Jähre 1730 erbaut worden ist. Erstes Bild auf Seite 3 zeigt uns das sogenannte „alte Vraghaus", jetzt Historisches Museum der Amsterdamer Jüdischen Gemeinde. Wir sehen danin unten linksdas schöne Gebäude des B e s - hamidr a s c h in der Rapenburgerstraat. Von historischer Weltberühmtheit ist das renovierte Remfcrandtihaus , wo der große Künstler gelebt hat, und jetzt als- Rembrandt-Museum Anziehungspunkt aller Touristen ist. Das Haus befindet sich in der Jodenbreestraat. (Die fünf Bilder verdanken wir Herrn Chefredakteur B. Gobäts in Amsterdam. sr,Y<lG'odsy .ÖfiK :.v "f;-"^'' ' 'r // firf ^'i/nxr'zy-ps .\//tfiizjT-Tj:)r-' >. ■-;:- :''- ■ \i*t*i i*/yfrs\ ■1-aj;* Mt>gsjt:-x-/xits- Die zwei großen Synagogen der alten Amsterdamer Gemeinde Zum Rücktritt des Präsidenten Masaryk. (Siehe Bild! auf Seite 4.) Masaryk, der Präsident der tschechoslowakischen Republik, zieht sich aus Altersgränden von seinem hohen Amte zurück. Unter den Menschengruppen, die auf dem Erdenrunde weit außerhalb seines Landes mit glühender Dankbarkeit zu diesem Staatsoberhaupt hinaufschauen, «stehen vielleicht sogar in vorderster Reihe die Juden. Schon lange bevor er zu seinem hohen Amte gelangt war, als Professor und Historiker an der Prager Universität, setzte er seine ganze Kraft und sein ganzes Wissen für die Verteidigung der Juden vor der schlimmsten aller Beschuldigungen, vor dem Blutmärchen ein, Er schrieb vor 30 Jahren vielhändige Bücher über die Juden im Zarenrußland, zur Verteidigung ihres Memschenrechtes, zum Proteste gegen unmenschliche Pogrome. Er setzte sich seinerzeit, leider ohne Erfolg, auch für den unglücklichen Hilsner ein, der bei der Polnaer Ritualmordaffäre von einem durch die Straße eingeschüchterten Gerichte verurteilt wurde. Unser Bild zeigt uns den Präsidenten Masaryk bei einem Besuche in der Jerusalem er Altstadt im Jahre 1927, wo ihm die jüdische BevöW, kerung, zum großen Teil slovakische Staatsbürger, Huldigungen entgegenbringen. In unmittelbarer Nähe des Präsidenten steht der damalige geistige Führer des thoratreuen Judentums in Jerusalem und Palästina, Rabbi Chajim Sonnenfeld h'nu mit dem er sich bei diesem Anlaß lange über die Verhältnisse der Juden und die Entwicklung Palästinas, unterhielt. Man -wird in den Synagogen, der Tschechoslovakei Gebete für ein weiteres langes glückliches Leben des beliebten Präsidenten verrichten, und die Judenheit der Welt wird sich diesen Gebeten von ganzem Herzen anschließen. Außenfront der neuen Amsterdamer Synagoge, erbaut 1730 Das erste Bild zeigt uns die beiden großen Synagogen der alten. Gemeinden, zu Amsterdam auf dem Jonas Daniel Meyerplein, links die große und neue der Aschkenasim und rechts die portugiesische Synagoge. Jüdische Landarbeit in Polen. Es ist ein. Irrtum, zu glauben, diaß die Juden erst jetzt den Wert der Laadarbeit erkannt haben. In Südrußland gab es schon in der zaristischen Zeit blühende jüdische Kolonien, die sogar den Nachbardörfern als Muster hingestellt wurden. Aus jener ^Gegend rekrutierten sich zum großen Teil die ersten Kolonien in Argentinien und auch in den ersten Kolonien Palästinas. Aber auch in Polen gab es schon echte jüdische Bauern bevor man noch das Wort Hachschara kannte. Unser Bild (Seite 4) zeigt einen jüdischen Landarbeiter im polnischen Dorfe Ignatowka. In üppiger Landschaft befindet fiidh dort seit ittndenkliohen Zeiten eine jüdische Niederlassung, die in letzterer Zeit vom „Ort" weitgehend unterstützt wird. Die Baulichkeiten im Hintergrund sehen sehr primitiv aus, aber die Landschaft, das kann man auch schon auf dem Bilde sehen, prangt in voller Blüte und das Gesicht des alten Mannes ist jung, glücklich und zufrieden. Bs sind einfache religiös gut gesinnte Leute, die nach schwerer Arbeit