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Der Israelit · 1935-11-28 · Heft 48 (28.11.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I- », •■ . - , »V vy Ein C^ntralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a* M- 28, November 1935 2. Kislew 5696 Nummer 48 Der Führer und Reichskanzler über die Nürnberger Judengesetze, Das „Deutsche Nachrichtenbüro'' berichtet über eine Unterredung, die der Führer und Reichskanzler vor einigen Tagen dem bekannten amerikanischen Journalisten Mr. B a i 11 i e, dem Präsidenten der ,,limited Preß", gewährte. TJeber den Grund und die Bedeutung der N ü r nberger J u d e n g e s e t z e äußerte sich dabei der Führer und Reichskanzler, nach, einem von der „Frankf. Ztg." vom 28. November wiehergegebenen Berichte des D. N. B. wie folgt:!')„Die Notwendigkeit der Bekämpfung des Bolschewismus ist einer der Hauptgründe für die Judengesetzgebung in. Deutschland. Diese Gesetzgebung ist nicht antijüdisch, sondern pro-deutsch. Die Rechte der Deutschen sollen gegen destruktive jüdische Einflüsse geschützt werden." Der Führer und Reichskanzler wies dann idarauf hin, daß. fast alle bolschewistischen Agitatoren in -Deutschland Juden gewesen seien, sowie darauf, idaß(' Deutschland nur durch wenige Meilen von Sowjetrußland getrennt sei, so daß es ständiger wirksamer Abwehrmaßnahmen bedürfe," um ■:t , Deutschland gegen die Umtriebe der meist jüdischen Agenten des Bolschewismus zu schützen. Im weiteren Verlauf der Unterredung sagte der Führer, daß aus den Zehntausenden von Offizieren, die nach dem Kriege entlassen wurden, leine Art intellektuelles Proletariat entstanden sei, und daß viele von diesen, obwohl akademisch gebildet, als Straßenkehrer, Autofahrer und in ähnlichen Berufen Arbeit annehmen mußten, um ihr Leben zu fristen. Auf der anderen Seite hätten die Juden, die weniger als ein Prozent fder Bevölkerung, ausmachten, versucht, die kulturelle Führung an sich zu reißen und die intellektuellen Berufe, wie z. B. die Jurisprudenz, Medizin usw., überschwemmt. Der Einfluß dieses intellektuellen Judentums in Deutschland habe; sich überall 'zersetzend bemerkbar gemacht. „Aus-diesem Grunde war es nötig," sagte der Führer, „Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Zersetzung einen Riegel vorzuschieben und eine klare und reinliche Scheidung zwischen den beiden-Rassen herbeizuführen." Das Grundprinzip, nach dem diese Frage in Deutschland behandelt werde, sei, daß dem Deutschen gegeben werden solle, was dem Deutschen zustehe, und dem Judenj was diesem zustehe. Er betonte, daß dies auchdem Schutze der Juden diene, und ein Beweis dafür sei, daß seit den einschränkenden Maßnahmen die a n t i j ü d i s c h e Stimmung im Lahde sich g. e m i 1 d e r t habe. Auf die-Frage Mr. Blaillies, ob weitere gesetzgeberische |! Maßnahmen in dieser Frage zu erwarten?; seien, antwortete der Führer, daß die Reichsregierung von dem Bestreben geleitet sei,- der Selbsthilfe des Volkes, die sich unter enpesetze Umständen in gefährlichen Explosionen entladen könnte, durch gesetzgeberische Maßnahmen v o r z u b e u g e n , um auf diese Weise, wie bisher, Ruhe und Frieden in Deutschland zu wahren. Auf dem Kurfürstendamm in Berlin seien ebensöviele jüdische Geschäfte wie in New York und anderen Hauptstädten, und der Augenschein lehre, daß der Betrieb dieser Geschäfte absolut ungestört vor sich gehe. Er glaube, daß durch die Nürnberger Gesetze neue Spannungen vielleicht verhindert würden. Sollten diese allerdings kommen, so würden unter Umständen weitere gesetzliche ^Maßnahmen Jiotwendig werden.; .. . Die jüdischen Kursmakler scheiden aus ihren Aemtern aus. Berlin, 21. November. Nach einer Meldung ^des „Deutschen Nachrichtenbüros" hat Reichswirtschaftsminister Dr. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: In Auswirkung des Nürnberger Judengesetze Seite 1 u. 2 Araberaufstand in Haifa......Seite 2 Kinder vom Lande.........Seite 6 Das neue Gesicht des englischen Parlaments Seite 7 Schwere Unruhen in Polen.....Seite 7 Israels Erbe. Von Dir. Elias in Frankfurt a. M. Seite 7 Über das kulturelle Eigenleben der Juden in Deutschland........ '. Seite 7 Nachrichten aus Polen.......Seite 9 Englische Kirchenversammlung zur Judenirage.........Seite 10 Jctusalemer Brief.........Seite 10 Kinderecke...........Seite 12 Ist der Keren Hajisctiuw eine „separatistisch-orthodoxe" Angelegenheit? i. In der ,,Jüdischen Telegraphen-Agentur" vom 26. November werden zwei Nachrichten gebracht, die in einem indirekten Zusammenhang stehen und deren Inhalt eine eingehende Beleuchtung verlangt. Die. erste dieser Nachnichten lautet; „Außenpolitische 'jüdische Einhe-'itsfront für Palästina. Jerusalem, 22. Nov. (ITA.) Von agudistischer Seite wird der ITA. mitgeteilt, daß bei den in letzter Zeit zwischen Vertretern der Äguda und .der Jewish Agency geführten Verhandlungen auch die Frage der Stellungnahme zu der geplanten Einsetzung-eines Legislative Council in . Palästina her sprachen wurde. Die Verhandlungen wurden mit einer Vereinbarung zwischen Jewish Agency, Waad Leuini und Agudat Israel abgeschlossen, derzufolge die drei Körperschaften eine gemeinsame Front nach außen in allen politischein Fragen, die den Gesamtjischuw betreffen, bilden werden." Die zweite Mitteilung der ITA., datiert vom 24. November, berichtet über eine Tagung der Jewish Agency und des Keren Hajessod für Deutschland. Nach einer Wiedergabe der Referate wird über die sich daran anschließende Aussprache folgendes mitgeteilt*. „Die Aussprache wurde von Rabbiner Dr. Jacob Hoff mann, Frankfurt a. M. eröffnet, der auf die verstärkte Werbearbeit der Palästina-Zentrale der. Agudas Jisroel in liberalen, und extremliberalen- Kreisen mit Unterstützung des RjF. hinwies, wobei der Keren Hajischuw als Instrument des religiösen Aufbaus im Gegensatz zum Keren Hajessod', der einen „YÖlkisch-rasBischen" Aufbau erstrebe, hingestellt werde. Demgegenüber sei festzustellen, daß der Keren Hajischuw nur das Aufbauinstrument der separatistisch orientierten orthodoxen Kreise sei, die das neue Palästina erst in 'der letzten Zeit entdeckten, während religiöser Aufbau schon seit 30 Jahren in Palästina geleistet wird. Die religiösen Misrachischulen werden wie die übrigen hebräischen Schulen Palästinas vom Keren Hajessod gefördert und umfassen ein Drittel aller jüdischen Schulkinder Palästinas. An den Keren Hajessod richtete der Redner den Appell, noch weitherziger als bisher auch für religiöse Aufgaben, insbesondere für die Errichtung und Erhaltung von Synagogen und Lehrhäusern Sorge zu tragen. Rabbiner Dr. Hahn, Essen schloß sich als Vertreter der reilgiös-liberalen Kreise den Ausführungen von Rabbiner Ho ff mann über die Propaganda-Aktion des Keren Hajischuw an. Er ■w&ncHe sich sodann der Besprechung der Mitarbeit der Nichtzionisten an der Palästina-Arbeit zu und regte die Neugründung von Keren Hajessod-Komitees in allen Städten an. In diese Keren Hajessod- und Jewish Agency-Komitees sollten auch die Gemeinden ihre Vertreter entsenden." So unzeitgemäß es auch sein mag, in der Gegenwart in jüdischen Angelegenheiten eine öffentliche Diskussion zu führen, statt alle Kräfte m den Dienst positiver Aufgaben zu stellen, so wichtig scheint es uns, trotzdem in dieser Frage des Keren Hajischuw und seines Appelles auch an die nichtagüdistischen Juden, zu einer prinzipiellen Klärung zu gelangen; bei welcher der Versuch gemächt werden soll, lediglich durch Aufzeigen des tatsächlich Gegebenen die Aus- Fortsetzung siehe Seite 3.)

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