Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1935)
- Date
- 1935-11-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr- 46 Der Israelit 14, November 1935 Pflanzenfett. Wir sehen uns veranlaßt, unsere Gemeindemitglieder darauf hinzuweisen, daß Pflanzenfett und Pflanzenmargarine nur dann ohne Bedenken veirwendet werden dürfen, wenn sie .unter Aufsicht des Rabbinats hergestellt, bezw. (bei Pflanzenfett) vom Rabbinat ausdrücklich zugelassen sind, und jede Einzelpackung mit den bekannten Siegelmarken des Rabbinats bezw. einem die rituelle Zulässigkeit bescheinigenden Vermerk des unterzeichneten Rabbinats verseben ist. Bei Packungen, die nicht in dieser Weise gekennzeichnet sind, besteht immer die Befürchtung, daß sie religio nsges etzlich verbotene Stoffe enthalten. Unter Aufsicht des Rabbinats werden zur Zeit lediglich die folgenden Sorten Pflanzenfett und Pflanzenmargarine hergestellt: Blauweiß, Schiro, Tow, Jaffa. Vor etwaigen Irreführungen und Fälschungen wird nachdrücklichst gewarnt. Das Rabbinat der I. R. G. (Wie wir hören, werden von den zuständigen Stellen alle Anstrengungen gemacht, um die ausreichende Versorgung mit koscher Pflanzenfett und Pflanzenmargarine nach Möglichkeit sicherzustellen.) Thora im Derech Erez-Lehrgänge der Israelitischen Religionsgesellschaft. Die vom Jugendausschuß der Israelitischen Religionsg&sellschaft unter obigem Titel veranstalteten Lehrgänge haben am Dienstag mit einer Arbeitsgemeinschaft des Dozenten Dr. Th. Biberfeld über Probleme der jüdischen Geschichte (1. Methodologie und Chronologie) begonnen. Das Programm für das Winterhalbjahr 1935/26 ist allen Mitgliedern der Gemeinde wie allen Interessenten auch außerhalb der Gemeinde zugegangen, so daß jeder über die vorgesehenen Kurse, Lehrgänge und Vorträge sich genau orientieren kann. In der nächsten Woche finden die Scniurim und Lehrgänge A und B (Tanach und Talmud), wie im Programme angeführt, regelmäßig statt. Der für diese Woche vorgesehene erste Vortrag des Herrn Redakteur S, Schachnowitz über „Exotische Juden" (Falaschas) findet erst am Dienstag, den 2 6. November (nicht am 19. November) statt. Herr Dr. Isaac Breuer beginnt mit seinem Vortragszyklus „Vom Sinn unserer Zeit" am Mittwoch, den 27, November. Bemerkt .sei nocheinmal, daß die Lehrgänge allgemein zugänglich s i n d und 'die Gesamtkarte für sämtliche Vorlesungen zu RM. 3.— bei den bekannten Buchhandlungen und im Cafe Griinebaum, sowie im Sekretariat der I. R. G. zu haben sind. Die Lehrgänge ointer Abteilung A und B sind sämtlich kostenlos. Der Eintrittspreis für Einzelvorlesungen beträgt im Hörsaale RM. —.20, im Zeichensaale RM. —.10. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Diesen Freitagabend, den 15. November, 20.30 Uhr, sprechen im Hörsaal, Friedbergeranlage 5, Herr Rabbiner Hermann Meyer; man mar und Herr Pinchas L enger. — Veranstalterin: J.es.chdwoh. Jecheskel Weichselbaum V'XT* Im Alter von 87 Jahren hauchte am Mittwoch Rabbi Jecheskel Weichselbaum seine reine, in der Liebe zur Thora stets erglühte See!« aus. Einer großen Gelehrtenfamilie in Polen entstammend, übersiedelte er vor einigen Jahrzehnten zu seinen Kindern nach Frankfurt, wo er sein gewohntes Leben in rvriayi min fortsetzte und nun, da ex sorglos in Muße leben konnte, seine ganze Zeit dem Thorastudium widmete. Dreimal hatte er in seinem Leben ganz 0"v ausgelernt. Ein ehrwürdiger Greis, hochverehrt von seinen .Kindern', seinen zwölf Enkeln und seinen Urenkeln, :3D verbrachte er einen ungetrübten Lebensabend an der Seite der .gleichgearteten Gattin, Bei der Bestattung am Donnerstag Mittag fand sich ein überaus großes Ehrengeleite auf dem Friedhof der Israelitischen ReMigionsgesellschait ein. An der Bahre schilderte Gemeinderabbiner Joseph Horowitz mit ergreifenden und ehrenden Worten die Bedeutung 'dieses im Verborgenen lebenden und lernenden Dan vabn- Möge sein war den Seinen beistehen, .rraitth Abraham Zimmer V"£T' Im Alter von 67 Jahren ging Abraham Zimmer von uns. Ein Mann von schlichter, stiller und ebenso tiefer und opferbereiter Frömmigkeit war Abraham Zimmer, der einer bedeutenden alten jüdischen Familie in Fürth entstammte. Ein glühender mm am«/ versäumte er kaum einen Schiur oder einen Vortrag in der ihm zur geistigen Heimat gewordenen Hirsch- Gemeinde, um zu lernen und sein jüdisches Wissen zu vertiefen. Ausgeglichen und zufrieden blieb er in allen Lagen des Lebens, ob .die Kurve nach oben ging oder ihm Prüfunigen auferlegt wurden. Vor einigen Jahren wurde ihm die treue Gattin von der Seite gerissen und er fand Trost in der Familie des gleichstrebenden Sohnes und am heranblühenden Enkel. Der Heimgang dieses .allverehrten Mannes löste allgemeine Trauer aus, die sich auch bei der starken Beteiligung an der Bestattung auf dem Friedhofe der Israelitäschen Religionsgesellschaft widerspiegelte. Herr R.-A. Dr. Posen schilderte im Auftrage des Rabbinats die starken jüdischen Qualitäten Abraham Zimmers. Möge sein J113T den Seinen und uns allen beistehen. .rrasan Gustav Una n"tft Am vorletzten Donnerstag trugen wir unter großer Beteiligung das, was" sterblich war an Gustav Una, zu Grabe. Ein kurzes Krankenlager hat nun dem rastlosen Streben «dieses vorbildlichen Mannes ein jähes Ende gemacht. Der große Kreis von Verwandten, Freunden und Bekannten, zu einem nicht geringen Teil auch Nichtjudien, betrauert in dem Dahingeschiedenen einen wackeren, überaus pflichttreuen und uneigennützigen Men&chen, der seine weitbekannte Vertrautheit mit den Wegemarkierungen und Schönheiten des heimischen Gebirges als langjähriges Vorstandsmitglied des Taunusklubs in den Dienst der Allgemeinheit stellte. Unas Naturverbundenheit war keine alltägliche und wurzelte in seinem religiösen und »g'ttverbundenen Empfinden. Aus eigener Erkenntnis! schloß er sich in seinen Jugendjahren dem überlieferten Judentum an und erzog seine vier Kinder, von denen zwei in Erez Jisroel seit einigen Jahren wohnen, im 'gleichen Sinne. Gustav Una hat, sich kaum die erforderlichen Ruhepausen gönnend, 43 Jahre in angesehener Position bei einer Firma das Vertrauen seiner Chefs sich zu erwerben und, trotz allem Wandel der Zeiten und Verhältnisse, zu erhalten verstanden. In herzlichen Worten zeichnete Herr Rabbiner Dr. H o f f m a n n 'bei der Bestattung Unas Vorzüge und seine mustergültigen Eigenschaften, die der ,Familie ein Trost sind und der Gemeinschaft zu Ehren gereichen. Möge 'n der Familie seinen Beistand geben.' -JraMn Ha, Ha, Sportveranstaltung für die Jüdische Winterhilfe. Sämtliche jüdischen Sportvereine des Bezirkes haben sich unter der Führung ihrer Dachorganisation, der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine SüdwestdeutschlandsT (Sitz Frankfurt a. M.) der „Jüdischen Winterhilfe" zur Verfügung .gestellt und führen am 17. und 20, November in mehreren Städten mehr als 20 Fußball- und Handballspiele durch, deren Bruttoeinnahmen der Jüdischen Winterhilfe zufließen. Selbstverständlich ist bei diesen Veranstaltungen auch der Jüdische T u r n e r b u n d (Frankfurt a. M.) in hervorragender ■ Weise beteiligt. In Frankfurt a. M. werden den Freunden des jüdischen Sportes am 17. November iganz besondere Genüsse geboten. So wurde aus den Frankfurter Großvereinen — Bar Kochba, Schild und Jüdischer Turnerbund (JTB,) — eine außergewöhn/Moh starke Frankfurter Stadtmannschaft zusammengestellt, die um 14.30 Uhr auf dem Sportplatz Am Buchrainweiher (Haltestelle Linie 16 Buchrainstr.) .gegen eine Städtemannschaft der Vereine von Offenbach, Hanau und Aschaffenburg antritt. Dem Kampf voraus geht ein Schülerspiel um 13.15 Uhr, bei dem eine Auswahlmannschaft des Jüdischen Turnerbund—Schild gegen eine solche des Bar Kochba—Philanthropin kämpfen wird. Am gleichen Tage werden von der „Arbeitsgemeinschaft" noch in anderen Städten Wönterhilfsspiele durchgeführt. Am 20. 'November (Büß- und Bettaig.) gastieren wieder zwei Frankfurter Stadtmannschaften aus den Vereinen JTB., Schild und Bar Kochba auswärts', und zwar in Hanau gegen eine Städtemannschaft Hanau—Langenselbold und in Aschaffenburg gegen eine Städtemannschaft Aschaffenburg—Offenbach im Fußball, In Mannheim wurden die Winterhilfsspiele bereits am 10. .November mit außergewöhnlich star-' kern Erfolg ausgetragen. Für 'die Veranstaltungen am kommenden Sonntag erwarten wir, daß nicht nur die Anhänger des jüdischen Sportes, sondern auch die Nichtsportier angesichts des guten Zwecks ihr Interesse durch regen Besuch der Sportplätze bekunden. Jüdischer Turnerbund E. V. I. T. B. Herren: R. I. F. Gießen 1 : 2 I. T. B. Schüler: Pbilantropin Ia 16 : 0 I. T. B. Jugend: I. I. B. Hanau Jugend (Hanau nicht angetreten) In. der Fuß b a 1 La b t ei lu ng zeigte das Spiel der Herrenmannschaft ein »ehr. schönes Niveau, Die Mannschaften waren etwa gleichwertig, jedoch konnten die Frankfurter gute Torchancen nicht ausnützen. RTF. Gießen erzielte zu Beginn der ersten Halbzeit ein erstes Tor und .gelang es den ITB.-enn trotz technischer Ueberlegenheit nicht, den Ausgleich herbeizuführen. Ein Spieler wurde verletzt, wodurch die Mannschaft außerdem geschwächt wurde. Nach der Pause erzielte Haas (ITB.) infolge eines, schönen Durobhruehes ein Tor und gelang es jedoch Gießen in der 17. Minute einen weiteren Treffer zu erzielen. Die ITB.-er bedrängten besonders gegen Schluß das gegnerische Tor, trotzdem gelang es ihnen nicht, ein weiteres Tor zu erzielen. Den ITB.-Schülern stellte sich ein ungleichwertiger Gegner, und muß sich die erst neu zusammengestellte Mannschaft des Philantropins noch einspielen. Wir eröffnen am kommenden Samstag, den 16. No^ vember, abends 8.30 Uhr im Cafe Loeser, Großer Wollgnaben, eine S c h a c h a b t e i 1 u n g. A. Jacob wird die Leitung übernehmen und sind Gäste sowie Freunde des Vereins herzl. willkommen. Es ist beabsichtigt, in Kürze ein Turnier auszutragen und bitten wir Interessenten, sich baldigst anzumelden. Meisterkonzert der 'Konzertdirektion Hermann Koch. Mit einem selten geschmackvollen Programm verabschiedete sich der Frankfurter Baritonist Ernst W o 1 f f von dem Frankfurter Publikum, Kurz vor Antritt seines Engagements nach Newyork, wohin er von Professor Max Reinhardt an (die Manhattan Oper verpflichtet wurde. Allerdings legte die Wahl eines so auserlesenen Programm es auch dies Verpflichtung einer ganz reifen Künistlerschaft nahe. Daß Ernst Wolff dieselbe erreicht hat, bewies seine Wiedergabe der Lieder von Schubert, Schumann und vor allem Hugo Wolf. Er versteht es, nicht nur schön zu singen, .sondern auch zu gestalten, was den Gesängen z. B. „Wegles Gesang", „Provenz-Lied", „Tod und das Mädchen" ein ganz besonderes Gepräge gab. Ebenso reif gestaltete sich seine Mitwirkung in Duetten von Mendelssohn und Brahms. Der bekannte Pianist Paul Meyer hatte die Begleitung übernommen und trug so zum Gelingen dieses selten wertvollen Abends bei. H. Ko. Shakespeare im Jüdischen Kulturbund. Am Montag abend veranstaltete der Jüdische Kulturbund, Bezirk Rhein-Main, in der Mozart-Loge seinen ersten Schauspielabend bei einer Beteiligung, für die der relativ kleine Saal bei weitem nicht ausreichte. Zur Aufführung kam die „Komödie der Irrungen" von Shakespeare durch die Mitglieder des Rhein- .Ruhr- Theaters. Eine saubere Aufführung, die auch einer 'großen Staatsbühne würdig igewesen wäre. Jeder der Künstler gab sein Bestes, und alle zusammen brachten es zuwege, daß ein kunstfreudiges Publikum für einige Stunden aus der Sorge und der Realität des Tages hinweggeitragen und entführt wurde in jene Shakespeare'sehen Welten, wo man sich noch erlauben durfte, dramatische Verwicklungen zu dichten und den Zuschauern aufzutischen, die nicht den geringsten Anhaltspunkt in der Lebenswirklichkeit haben. Daß Doppelgänger, soigar paarweise, einen .ganzen Abend hindurch selbst ihre nächste Umgebung und die Zuschauer naseführen, und ohne es zu wollen in die drolligsten Situationen treiben, das alles war so wenig glaubhaft und überzeugend, wie es eben nötig ist, um sich in einem Shakespeare'schen Lustspiel von aller Wirklichkeit und allen Realitäten des Lebens loszusagen, Die barocken, gemeißelten Sätze, pikant, klug überspitzt, messerscharf stechend, wie einmal die ShakespeaTe'schen Helden, besonders' die Diener, sprechen, lösten große Lachsalven aus. Man freute sich auch über die vortrefflichen Kräfte, die der Kulturbund, dessen Sdhiwerpunkt sonst mehr i m Reiche der Töne liegt, nach Bedarf auch auf die Schauspielbühne stellen kann. Mahler-Feier des Kulturbundes. Anläßlich der Wiederkehr des ' 75. Geburtstages Gustav Mahlers (1860—1911) führte der Kulturbund die 1, Sinfonie in D-Dur auf. Gustav Mahler, der Sinfoniker, war wie Anton Bruckner (1827—1899 gegen Ende dies 19. Jahrh/) um 'die Jahrhundertwende eine der bedeutendsten Gestalten. Während schon zu Lebzeiten Mahlers sein Ruhm als Operndirektor der Wiener Oper, der er Weltgeltung verschaffte, als Dirigent größten Formats, anerkannt und bewundert wurde, war der Musiker Mahler heiß umstritten und umkämpft. Durch das Eintreten Wilhelm Mengelbergs, vor allem aber Bruno Walters (ein Schüler von ihm) für sein sinfonisches Schaffen, erhielt 'auch der Musiker Mahler Weltgeltung und seine Werke sind aus dem Programm der internationalen Konzertgesellschaften nicht mehr fortzudenken. Literarisch setzte sich Paul Becker mit seinem grundlegenden Werke „Gustav .Mahler und seine Sinfonien" für ihn ein. Die Aufführung der 1. Sinfonie durch Steinberg 'gelang vorzüglich, und der Hingebung des Orchesters ist es zu verdanken-, daß das schwierige Werk stilgerecht und würdig, erklang. Der Sinfonie voraus ging das Konzert in D-Dur für Violine von Mozart, von Hans Bassefmanai technisch und geistig vollendet geformt. . A. K. Errichtung eines jüdischen Schülerheimes. Eine dringende Forderung der Stunde ist es, für Kinder aus Landgemeinden, die die Schulen ihres Heimatortes nicht mehr besuchen können und eine jüdische gesetzestreue Bezirkisschulle nicht in .erreichbarer Nähe haben, in Städten mit regem jüdischen Leben Schülerheime zu schaffen, die in hygienischer und pädagogischer Beziehung allen Anforderungen entsprechen und eine jüdisch:igeistäge Fortbildung ihrer Zöglinge gewährleisten. Selbstvierständlich sollen die Kinder die jüdischen Schulen des Ortes besuchen. Die L a nd es o r'g a ni sa ti o n der Agudas Jisroel Jiat in konsequenter Weiterführung ihrer seit einiger Zeit eingeleiteten Landkinderaktion die Errichtung eines solchen Heimes für Knaben in Frankfurt a, M, beschlossen, 'das den Namen Beth Neorim (Schülerheim)1 tragen soll. Der Pensionspreis soll dem Selbstkostenpreis, entsprechen. Nur in Aus-