Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1935)
- Date
- 1935-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ H.VOK.- Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M- 14. November 1935 18. Marcheschwan 5696 Nummer 46 Wie die ITA. erfährt, haben führende jüdische Kreise 'die Information erhalten, daß High Commissioner Sir Arthair Wauchope, der in (dieser Woche «nieder in Jerusalem eintrifft, am F r e it ag , dien 1 5. N o ve mfo e r, di e Schaffung des Legislative Council für Palästina proklamieren wird. Der Council soll aus sechs Mohammedanern, zwei Christen und zehn Engländern bestehen. Für die Juden sollen vier Sitze reserviert werden, die jedoch im Hinblick auf die Ablehnung des Council durch die Juden unb esetzt bleiben dürften. Der High Commissioner wird als Vorsitzeruder unemgeschränktes Vetorecht gegenüber den Beschlüssen des Council haben. Ferner wird aus Jerusalem berichtet: In der Frage der Proiklamierung und Einsetzung eines Legislative Council für Palästina herrscht noch immer Unklarheit. Eine offizielle Bestätigung der von führenden jüdischen Persönlichkeiten auf Grund angeblicher Informationen geäußerten Ansicht, daß der Legislative Council am kommenden Freitag proklamiert werden wird, ist vorläufig nicht zu erlangen. Arabische Zeitungen wußten zu melden, daß der High Commissioner unmittelbar nach seiner Rückkehr die arabischen Führer zu einer Besprechung zusammenberufen und dann die Schaffung des Council verkünden werde. Demgegenüber schreibt die hebräische Tageszeitung ,,Doar Hajonx", sie sei dahin informiert, daß zwischen dem Colonial Office und dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope eine Vereinbarung in dem Sinne getroffen worden sei, daß die Einsetzung des Council auf einen günstigeren Zeitpunkt verschoben werden soll. 'Bis zur Einsetzung des Council, heißt es in dem Artikel des ,,Doar Hajorn" weiter, solle ein von Sir Arthur und Beamten des Kolonienminist eriums ausgearbeitetes Projekt^ für die Entwicklung der Landwirtschaft und Industrie Palästinas in Angriff genommen werden. Im Hinblick auf 'diese einander widersprechenden Versionen gibt man vielfach der Erwartung Atisdruck, daß zunächst die Schaffung des Legislative Council zwar grundsätzlich proklamiert, der Beginn seiner Tätigkeit jedoch auf einen etwas späteren Zeitpunkt verschoben werden wird. Die Aerztesperre in Palästina. Die durch Entstellung eines Satzes von der J. T. A. falsch wiedergegebene Verordnung über Zulassung zur ärztlichen Praxis in Palästina hat folgenden Wortlaut: „Eine Erlaubnis, sich als Arzt niederzulassen, kann von jetzt ab nur (der bekommen, wer dem Leiter der Abteilung für Gesundheitswesen nachweist, daß er 1. einen einwandfreien Leumund •besitzt, 2. nicht weniger als fünf Jahre an einer Universität oder Hochschule, die von der palästinensischen Regierung anerkannt wird, studiert und ein Diplom erhalten hat, 3. daß er die palästinensische Staatsbürgerschaft oder das dauernde Aufenthaltsrecht im Lande besitzt. Diese Nachweise müssen alle Bewerber erbringen-" Zugleich aber gibt das Gesetz dem High Commissioner das Recht, die Zahl der Lizenzen für die, die die palästinensische Staatsbürgerschaft oder das dauernde Aufenthaltsrecht nach dem 1. Dezember 1935 erlangen, zu begrenzen. Nicht später als bis zum 31. Dezember jedes Jahres wird der High Commissiomer die Maximalzahl der Lizenzen, die solche Personen im Laufe des (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die Verteilung der Zertifikate . . . Seite 2 Der Tunnel der N. Z. O........Seite 3 Jüdische Geburtslisten ohne Abrahamsbund Seite 3 Halachiscb.es zur Frage der aschkenasischen oder sefardischen Aussprache. Von Rabb- Dr. Jacobovits, Berlin...... Seite 4 Koheleth. Von Oberrabb.Dr. Carlebach . Seite 4 Assimilatorische Parolen eines Konservativen Seite 7 Die Liquidation jüdischen Besitzes . Seite 8 Umbildung des Berliner Gemeindevorstandes Seite 8 Brief aus Ungarn..........Seite 9 Brief aus Rumänien........Seite 10 Palästinaberichte.......Seite 9 u- 11 Die Vätergeschichte heute. Eine alte, fromme Ueberlieferung kabbalistischer Prägung schildert, wie Abraham an der Spitze der anderen Väter und Gestalten aus der Bibel in die Festhütte des Juden triti, dort Umschau hält und den Tisch segnet, der im Strahlenglanze der Festlichter die Familienglieder zur ijüdischen Freude vereinigt. Das dürfte u. E. noch viel mehr für die jüdische Freitägabendstube im Winter zutreffen, die der Festhütte gefolgt ist. Abraham, Isaak und Jakob, bis zu Josef im Mittelpunkte seiner Brüder, grüßen uns in diesen Wintersabbaten Woche für Woche, beherrschen unsere Freitagabende, die lang und lichtvoll sind, wie immer schon im jüdischen Kreise, wo dem Sabbat und der vorangehenden Woche der Thoraabschnlitt mit seinen Lehren und Erzählungen die Prägung gibt. Es hat Zeiten gegeben, da unser Verhältnis zu den Heldenvätern nur von der jüdischen Geschichte 'bedingt war, von Jthrtausenden bewegter und leidvoller Geschichte, denen diese Väter den Stempel ihres Schicksals aufgedrückt haben. Heute ist es anders. Sie grüßen uns in einer Lebensnähe, die jede geschichtliche Distanz verwischt. Sie kommen nicht aus weiter Ferne, aus Urväterzeiten, sie kommen aus unserer Zeit und sprechen für unsere Zeit. Abraham mit dem Wanderstabe in der Hand. „Jude wohin?" Abraham in wirtschaftlicher Bedrängnis, denn. es ist Hungersnot im Lande und er muß weiterwandern. Hirtenhader bestimmt den neuen Kurs seines Weges. Abraham kämpft für und wider fremde Könige und verzichtet auf Dank und Lohn, im Bewußtsein, daß jeder Lohn ihn aufs neue verpflichtet und seine Seele bindet. Frei bleibt Abraham der Aufblick zu den Sternen nur, die überall, wohin der Wanderstab ihn auch führt, von gleicher Leuchtkraft sind und in denen überall geschrieben steht: ,, Ich bin Dein Schutz, Dein Lohn bleibt nicht aus! . . ." Isaak sieht, wie seine Brunnen, kostbares und heiliges Erbe der Väter, ihm streitig gemacht werden. Und wieder ein Jude auf der Wanderschaft in Nacht und Not. Jakob schaut zu den Bergen aus: „Wo kommt mir Hilfe her?" Aus Tiefe und Erniedrigung arbeitet sich Josef, des Vaters 'Lichtgestalt im Herzen und vor Augen, zur Höhe empor, um dann mählich wieder in. Abstieg zu geraten und so langsam das Golusleid seines Volkes vorzubereiten, Alles entwickelt sich Sabbat für Sabbat organisch, in schicksalhafter Bedingtheit vor unseren Augen. Von Phase zu Phase, von Etappe zu Etappe gehen wir, Stein auf Stein schichten wir, bis der (Fortsetzung siehe Seite 3.) mm