Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1935-10-31 · Heft 44 (31.10.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 44 (31.10.1935)
Date
1935-10-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450858-2450900--81652-2539574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. ML I 31. Oktober 1935 4. Marcheschwan 5696 Nummer 44 SicherheitsVerhältnisse in Palästina zufriedenstellend. Jerusalem, 28. Oktober. Der Stellvertreter des High Commissioner, €hefsekretär Hall, hat einer Abordnung mitgeteilt, die augenblicklichen Sicherheitsverhältnisse in Palästina seien durchaus zufriedenstellend. Was den Jaffaer Waffenschmuggel betreffe, so habe die Regierung keinen Grund zu einem Verdacht gegen die Juden in diesem Zusammenhang. An die arabische Presse ist eine Warnung ^vor Fortsetzung ihrer aufreizenden Schreibweise ergangen. Gleichzeitig wurde die Einfuhr gewisser arabischer Zeitungen aus dem Ausland -verboten. Ueber die Unterredung des stellvertretenden High Commissioner mit den arabischen Führern •wird-bekannt, daß der. Chefsekretär darauf hingewiesen habe, daß Waffen, die sich etwa in jüdischem Besitz befinden, ausschließlich für den Selbstschutz der Juden bestimmt seien. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die gegen die Juden gerichteten blutigen Ausschreitungen des Jahres 1929. Eine Erörterung des Einwanderungsproblems lehnte der Chefsekretär mit dem Bemerken ab, daß dieses mit dem Waffenschmuggel in keinen Zusammenhang gebracht werden Icönrie. Die zur allgemeinen Winterhilfe. Zu der Frage, ob die jüdischen Firmen zur allgemeinen Winterhilfe des deutschen Volkes herangezogen werden, ist in einer Berliner Pressekonferenz de.r Reichsvertretung der deutschen Juden folgende Aufklärung gegeben wor: den: Alle jüdischen gecshäftlichen Unternehmungen, die die Form von Kapitalgesellschaften, haben, werden zur allgemeinen Winterhilfe heran g e zogen, die übrigen jüdischen Firmen dagegen n i c h t. Die frühere Auffassung, daß bei allen jüdischen geschäftlichen Unternehmungen dieFirma als solche vom deutschen, der jüdische Inhaber persönlich aber ■vom jüdischen Hilfswerke erfaßt wird, hat die Juristische Abteilung des Winterhilfswerkes im oben erwähnten Sinne richtig gestellt. Reichsminister Or. Frank über die Judenfrage in der Justiz. Fr ankf urt a. M„ 29. Oktober. Im Rahmen der Gautagung des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen in Frankfurt a. M. fand eine Kundgebung im Frankfurter Hippodrom statt, bei der nach einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" Reichsminister Dr. Frank u. a. ausführte: „Es ist auf die Dauer unerträglich, daß Juden im deutschen Rechtsleben eine irgendwie geartete Rolle spielen. Wir wollen damit Schluß machen, daß die Richtstätten des deutschen Gewissens von den Repräsentanten eines fremden Volkes zu Börsen des Rechtshandels herabgewürdigt werden. Wir weiden daher nicht müde werden in unserer Forderung der völligen Beseitigung des Juden aus der deutschen Rechtspflege. Wir wollen keinen Kampf mit den Juden im Sinne einer Auseinandersetzimg, sondern wir wollen nur unserem deutschen Volk den Weg zur Freiheit bahnen und dazu gehört, daß man uns auf deutschem Boden befreit von Dingen, auf denen das deutsche Volk nur von deutschen Volksangehörigen vertreten werden kann. Und das gilt vor allem auf dem Gebiete des Rechts." (Fortsetzung siehe Seite 2,) Aus dem Inhalt: Abesswischer Völkerbundsvertreter über die Falaschas .......Seite 2 Erez oder Erez Israel?........Seite, 3 Judenscbicksal der Halb- und Viertel jaden Seite 4 Koheleth. Von Dr. Carlebach .... Seite 4 Eröffnung des Jüdischen Hilfswerkes in Berlin Seite 8 Liquidation jüdischen Besitzes . . Seite 2 u. 8 Tuden unter den auslandsitalienischen Freiwilligen...........Seite 9 Gleichstellung aller Bürger in Polen . Seite 9 Palästimanachrichten ......Seite 9 u. 10 Falaschas erzählen ihre Geschichte . . Seite 12 .Kinderecke............Seite 13 Die Jüdische Winterhilfe ist keine Ablösung In einem Aufruf, den die Vorstände der einzelnen Gemeinden an ihre Mitglieder versenden, befindet sich folgender Satz: „Die jüdischen Gemeinden haben die schwere Pflicht auf sich genommen, die Aufbringung der nötigen Mittel und ihre Verteilung an die jüdischen Hilfsbedürftigen sicherzustellen. Eine neue große moralische, finanzelle und organisatorische Aufgabe tritt damit z u d e n .Verpflichtungen hinzu, die die jüdische Gemeinschaft in Deutschland für die Durchführung konstruktiver Hilfs- und Aufbauarbeit und für die Fonds zu erfüllen hat, die dem Neuaufbau jüdischen Lebens in Palästina dienen." In diesem Satze ist ein Punkt angedeutet, der zur Klärung vielfacher Mißverständnisse u. E. noch einer weiteren Betonung und Unterstreichung bedarf, Die Winterhilfe ist als zusätzliche Leistung zu allen anderen Verpflichtungen, die die" jüdische Gemeinschaft im Großen wie die jüdischen Gemeinden im Einzelnen schon früher auf sich genommen haben, als sieh ihre Mitglieder noch am Winterhilfswerke des deutschen Volkes beteiligen durften und in reichem Maße auch beteiligten, gedacht. Die konstruktive Hilfs- und Aufbauarbeit, die die tjüdische Gemeinschaft in Deutschland seit wenigen Jahren in die Wege geleitet und mit der sie der jüdischen Welt auch außerhalb Deutschlands Bewunderung abgerungen hat, darf darunter nicht leiden. Das ist auch der klar.e Sinn der uns vom Staate erteilten Konzession, ja Weisung zur Organisierung unseres eigenen Hilfswerkes. Die von dem Herrn Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk genehmigten Richtlinien für die Durchführung des Hilfswerkes durch die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden passen sich den Richtlinien des allgemeinen Winterhilfswerkes für das deutsche Volk in allen Teilen an. Daraus ergibt sich, daß der Jude, der die früher der aligemeinen Winterhilfe zugeführten Spende in gleicher oder in ähnlicher Höhe der jüdischen Winterhilfe zustellt, sich mit dieser Liebesgabe genau so wenig von den anderen ihm als Juden auferlegten Verpflichtungen befreien darf, wie er früher je an eine solche Entlastung gedacht hätte. Der Winter mit seiner kalten Not geht vorbüer. Solange sie herrscht, diese Winternot, muß gegen sie mit dem schweren Geschütz der menschlichen und jüdischen Liebe angekämpft werde, damit auch bei uns keiner hungert und friert. Aber wenn auf den Winter ein neuer Frühling folgt, sind die aus dem Geleise geworfenen jüdischen Existenzen noch nicht aufgerichtet, die Quellen der Not noch nicht verstopft. Darum darf die konstruktiv aufbauende Arbeit der jüdischen Hilfsstellen über der Winterhilfe nicht vergessen werden, darum darf, wenn die Hörner zum Kleinkrieg gegen Hunger und Kälte rufen, jene große Offensive gegen die große Not an ihrer Quelle, die schon manchen Sieg zu verzeichnen hat, keine Minute aus dem Auge gelassen .werden. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.