Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1935)
- Date
- 1935-10-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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£/ Ein Centralorgan für das Orthodoxie Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Main* Frankfurt M,| 24.J>ktobcr^l935 27. Tischri 5696 Nummer 43 Nun ist es entschieden: Die Juden Deutsehlands scheiden zwar -vom allgemeinen Winterhilf swerk "als Gebende wie als Empfangende aus, nicht a;b er aus dem Helf en un d a ii s d .'e r H i 1 f e 1 e ist u n g a n sie h. - J u - den werd e ii J it ie n h e 1 f en!. Es ist von •der Regierung der deutschen Judenheit der Raum und alle Möglichkeit gegeben, - ein eigenes g r o ß z ü:g i g e s j üd i s c h es-Wirft er hi l f sw e r k zu organisieren, und diese Möglichkeit erfaßt und empfindet das deutsche Judentum als h e i 1 ige P f 1 i c h t. Nicht nur, daß der Jude die ihm von dem allgemeinen Hilfswerk belassenen Beträge nicht für. sich behalten wird, er wird sie mit freudigem iHerzen gewähren, um das große Werk der (jüdischen Bruderliebe zu einem DTPn EHTj? größten Ausmaßes zu gestalten. Der Auftrieb, den * das jBekanntwerden der Verordnung dem jüdischen Wohltätigkeitssinne schon gleich zu Anfang gegeben hat, spiegelte sich in den Aufrufen der Organisationen und Gemeinden wieder und in dem Verständnis und Wohlwollen, mit denen diese Aufrufe allgemein entgegengenommen wurden. Die Kanzel stand an den Feiertagen in allen Synagogen, mehr oder weniger im Zeichen dieses uns aufgegebenen und so ganz dem Triebe des jüdischen Herzens entsprechenden großen Liebeswerkes. Mögen" die, Lehren von der „Freude im Erfreuen", vom „Glücke im Beglücken", mit denen uns das Fest am vorletzten Tage entlassen hat, in den kommenden Tagen und Wochen ihre volle Auswirkung zeigen. . Damit werden wir am besten den Segen und die Freude des Festes in den Werktag, in den kalten, langen Winter, — für die Gebenden nicht minder als für die Empfangenden — hinaustragen. ' Das Hilfswerk in Frankfurt am Main sjf£ h a f t Frankfurt a. M. gemeinsam abgefaßte A u f r u f hat folgenden Wortlaut: Der von . der I s f a e 1 i t i s c h e n Gern e i n d e und der S y n a g o g e n g e m e i rn d e Israeli t i s che R e 1 i g i o n s g e s e 11 - An die judische Bevölkerung Frankfurts! Das Winterhilfswerk des Deutschen. Volkes betreut in diesem Jähre jüdische Hilfsbedürftige nicht und zieht die Juden auch nicht' als Spender heran. Mit Genehmigung des Reichsbeauftragten für da» Winterhüfswerk des deutschen Volkes 1935/36 ist der Zentral wohlfahr tsstelle der deutschen Juden bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Durchführung einer Winterhilfe, für die jüdischen Hilfsbedürftigen in Deutschland überlassen worden. Nur dadurch ist die Möglichkeit geschaffen, für die zahllosen notleidenden Brüder und Schwestern unserer Gemeinschaft; mit Tat und Hilfe einzutreten. Kein Jude in Deutschland wird sich der ernsten Verpflichtung entziehen, die ihm aus' der Notlage seiner jüdischen Mitmenschen erwächst.' - .|: Kein Jude kann sich; darüber hinwegsetzen, daß <Ier Wintef für zahllose Menschen unserer Gemeinschaft erhöhte Not und verstärkte Sorge mit sich bringt. Kein Jude darf die Not seiner jüdischen Mitmenschen, die. dem Winter mit Bangen entgegensehen, vergessen und sich der Verpflichtung -entziehen, die. größten persönlichen Opfer zu bringen! Die: Anspannung jeder jüdischen Familie, jedes Einzelnen von uns muß bis zum Äeußersten gehen, wenn es gelingen soll, , das Ziel, das uns gesteckt worden ist ■■ und dessen Verwirklichung wir selbst als jüdische Verpflichtung; auf uns nehmen, zu erreichen. In den nächsten Tagen werden alle Mitglieder der jüdischen' Gemeinschaft . Frankfurts von der Jüdischen Winterhilfe benachrichtigt werden, in welcher Form die Durchführung des jüdischen Winterhilfswerks 1935/36 für die jüdische Bevölkerung in Frankfurt a. M. in die Wege geleitet wird. (Ist inzwischen geschehen.) Die Sammlung der Mittel, die Aufnahme der Anträge, die Betreuung der Hilfsbedürftigen wird dann in 2weekentspreehender Weise zur Kenntnis gebracht werden. Wir erwarten von der von jeher geübten Einsatzbereitschaft und dem opferfreudigen Willen zum Helfen der Frankfurter Juden ein volles Gelingen un-; serer schweren Aufgabe. Frankfurt a. M., den 15. Oktober 1935 Die Vorstände der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M., Justizrat Dr. Blau —■ Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft Frankfurt a. M., Philipp Posen — Jüdische Winterhilfe Frankfurt a. M. San.-Rat Dr. Ettlinger. Das Jüdischer Winterhilf swerfc in Berlin ünd iria Reiche In einem Aufrufe der Jüdischen Gern ein de zu Bex Ii n heißt es u, a.: „Ernst und eindringlich mahnt der Winter uns an ,<di.e~ Pflichtengegen die Armen und Bedürftigen in unserer Gemeinde.. Schwer lastet die Not auf "denen,; die sich seihst nicht erhalten können. Ihr Geschick zu> erleichtern, soll unsere vornehmste Aufgabe sein. , Obdach und Heizung, .'Nahrung und Kleidung sollen auch den Aermsten unter uns ^gewährleistet werden. Deshalb ergeht unser Ruf an die jüdische Bevölkerung, die Mittel für 'die Betreuung der Armen im Winter aufzubringen. Wir vertrauen darauf, daß dieser Ruf in jedem jüdischen Haus gehört wird. Wir rechnen auf die tatkräftige Hilfe aller, die helfen können] 'Regelmäßige Beiträge von Einkommen, und Vermögen, Eintopfsperiden, Pfuhdsammlungen sind;die.] wichtigsten Formen für die Aufbringung der Mit-? teil i Kein jüdischer .Armer soll hungern, kein jüdischer .Bedürftiger soll 'frieren/ Jüdische Hilfsbereitschaft Aus dem Inhalt: Das Jüdische Winterhilfswerk . Seite 1 u. 2 Agudistische Jugendalijah . . . . . Seite 2 Der Frontgeist bei den Revisionisten Seite 3 Des Gaons Erbe . . Seite 4 Jubiläum der Amsterdamer Aschkenasimgemeinde ..... Seite 4 Aschke nasisch, oder Sefardisch? . . Seite 5 Koheleth. Von Oberrabb. Dr. Carlebach . Seite 6 Hausgehilfen in jüdischen Haushaltungen Seite 8 Auswanderung...........Seite 8 Reichsvertretung und Orthodoxie . . Seite 9 Palästinaberichte . .....Seite 12 Falaschas in Abessinien erzählen ihre Geschichte .... Seite 19 Beilage: Erziehung und Lehre hat hier ein würdiges Ziel der Betätigung. Jüdische Ehre und Würde gebieten, daß jeder mithilft, daß niemand beiseitesteht." Ein Aufruf ähnlichen .Inhalts ist außer von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland noch von sämtlichen Landesorganisationen und größeren jüdischen Körperschaften im Reiche unterzeichnet. Die Richtlinien für die Winterhilfe. Die Zentralwohl fahr tsstelle der deutschen Juden hat "mit Zustimmung des Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk desd e u t s c h en Volkes folgende R i c.h 11 i n i e n zur Durchführung der Winterhilfe der (jüdischen Bevölkerung in Deutschland bekanntgegeben; I. Kreis der Hilfsbedürftigen. Entsprechend den Gründsätzen des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes, sollen alle jüdischen Personen unterstützt werden, die den nötigen Lebensbedarf für sich und ihre unterhaltungsberechtigten Angehörigen nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Mitteln und Kräften beschaffen können. Dazu gehören Erwerbslose, Wohlfahrtsempfänger, Kurz- und Notstandsarbeiter, Klein- und Sozialrentner und Erwerbstätige, deren Verdienst zur Deckung der im Winter erhöhten Lebenshaltungskosten nicht ausreicht. Die jüdische Winterhilfe soll sich bei der Betreuung der Hilfsbedürftigen nicht auf den durch die kommunalen Füt&org&veth&tiÄe erfaßten Pefsonenkreis beschränken. Es können demnach auch Personen der gehobenen Fürsorge und Personen, die nicht durch die kommunalen Fürsorgeverbände unterstützt werden, im Sinne der Winterhilfe hilfsbedürftig sein. Ausnahmen für Ausländer bestehen nicht. Bezüglich des- Höchsteinkommens, bis zu dem Hilfsbedürftigkeit im Sinne der Winterhilfe angenommen wird, gelten die Grundsätze des Winterhilfswerks des deutschen Volkes. Hilfsbedürftigkeit für die Win-