Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450906--81757-2539545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 Nr. 50 Der Israelit 12. Dezember 1935 im ewigen Frieden untergehen und fühlte das erlösende Naß der Tränen auf den Wangen. Er sprach langsam und deutlich, daß es den Weibern drinnen ins Herz schnitt und die aufwachende Frau die Hände faltete vor demütiger Ergebenheit in G'ttes Willen: „Der Herr hat gegeben — der Herr hat genommen — ^er stockte und sein .Blick suchte den Himmel, ob es so und nicht anders hatte kommen dürfen für eine ungewisse Zukunft dann aber senkte er ergeben das Haupt und vollendete, was vorhin seine Frau nicht fertig brachte zu sagen: ,,Der Name des Herrn sei gelobt — auf immer!" Die Bundeslade der Abessinier. Durch die Zeitungen iging die Notiz, daß die Abes sinier ihre Bundeslade an die Front brachten, von der sie den entscheidenden Sieg erwarten. Mit dieser Bundeslade hat es folgende Bewandtnis: . Die Kaiserdynastie in Abessinien führt ihren Stammbaum bekanntlich, auf König Salomon zu rück. Die Legende knüpft an den biblischen Bericht über den Besuch der Königin von Saba bei Salomon an. Nach der abessmischen Tradition blieb dieser Besuch nicht ohne Folgen. Ejej aus dem Verhältnis hervorgegangene schwarze Prinz bekam den Namen Menelik und wurde vom Vater, da im Lande Israel für ihn kein Platz war, nach dem Lande K u s c h, d. h. Aethiopien geschickt, um dort sein eigenes Reich zu gründen. Daraus entstand das Land Abessinien, in dem sich die Amhara, d. h. die Herren, alle als Nachkomen von König Salomon fühlen. Diese Ueberlieferung hat aber noch eine kleine Fortsetzung. Menelik, der schwarze Prinz und Sohn von Salomon und der Königin von Saba, ging nicht mit leeren Händen' aus Jerusalem. Er schlich sich zuerst in den Tempel und insi Aiierheiligste und entwendete die Bundeslade, um sie nach Abessinien zu bringen. Dort stehe sie heute noch als das ailerheiligste Gerät im Allerheiligsten der ersten koptischen Kirche in Addis Abeba. Was in dieser Lade enthalten ist, hat noch keiner, außer den sie hütenden Geistlichen 'gesehen. Vermutlich nicht viel. Aber der Glaube des Volkes und des königlichen Hauses an 'diese legendäre Bundeslade ist so groß, daß man sie zur Belebung des Mu-- tes und der Siegeshoffnung im Volke an die Front bemüht. Damit schloß mäh sich •einem jüdischen Brauche an; denn anverschiedenen Stellen der Bibel, so auch in Samuel I, Kap. 4 und 5, wird erzählt, wie es im alten Israel des öfteren üblich war, die Bundeslade mit ihrem heiligen Inhalt, den wirklichen Bundestafeln, mit in den Krieg zu nehmen. Aus dem Berichte in Samuel I, erfahren wir, daß sie gelegentlich von Philistern gefangen würde. Da die Philister mit dem jüdischen Heiligtum nichts anzufangen wußr ten, luden sie es auf einen mit Kühen bespannten Wagen, und durch ein Wunder brachten die Tiere die heilige Lade ohne Führung ins jüdische Lager zurück. Flucht in die Heimat. Ein Dokument der Zeit. Von S. Schachnowitz. Wenn hier mit ein paar Worten zu ■dieser jüngsten Gabe unseres verehrten Verfassers Stellung genommen werden soll, so sei im Voraus bemerkt, daß es sich hierbei nicht um „Kritik" handeln soll, sondern um „Dank!" Die Kritik sucht nach den Mängeln, der Dank nach den Vorzügen! Es mag sein, daß dies Buch vom Standpunkt einer kritischen Untersuchung her zu Anständen Anlaß gibt — vielleicht findet der Jagdlustige hier und dort etwas auszusetzen — dem Schreiber geht es aber mit den Erzeugnissen der Schachnowitz'schen Feder :— oder besser ausgedrückt: mit den Früchten der Schachnowitz'schen Seele — so, wie es ihm jüngst in Krakau beim Besuch des dortigen Beth Jacob-Seminarsi erging: Das, was er im Seminar erlebte, war so schön und reich, daß er darüber völlig übersah, daß die Fassade des Seminars noch immer nicht ausgebaut ist. Wo „drinnen" so viel Gutes ist, kann man darüber hinweg" sehen, daß „draußen" manches fehlt! Die Orthodoxie — ihre Schöpfungen und ihre — Schriftsteller -— kann auf die Fassade verzichten! Diese Vorbemerkung mache ich nur, um diesies Buch gegen eventuelle Vorwürfe von der „zünftigen Kritik" her in Schutz zu nehmen! Worauf kam es Schachnowitz an? Den Weg der von der Peripherie zum Mittelpunkt Heimsuchenden zu schildern, so wie er sich vollzieht, unfer-dem Druck der Zeit! Und hierbei wurde der Mittelpunkt in zweifacher Weise gedeutet: nun und puj Diese Doppeldeutung gab dem Verfasser Gelegenheit, in seiner Darstellung treffliche Milieuschilderungen zu verweben; einen „gemütlichen" Freitagabend, wie ihn in seiner Sonderart eben nur das „altmodische' deutsche Judentum kannte, '©inen Frankfurter ,;Schas- Sijum" in plastischer Lebendigkeit, da® Treiben in einer orthodoxen „Hachscharah"— und andrerseits Zeichnuiigen des palästinensischen Lebens, wie es sich an heiligen Stätten und am Alltag abspielt. Wie unübertrefflich schön, wie ergreifend ist die Szene am Grabe" Raheis dargestellt, wie schwingt bei der Schilderung von an und für sich ungesunden Zuständen doch die heiße Liebe des Verfassers zum heiligen Lande und allem, was dort lebt und webt, mit, wie weiß er der scharfen Kritik auch „unserer" Chaluzim an der palästinensischen Bourgeoisie die Spitze abzubiegen (Seite 190), kurz, wie lehrreich — und dabei voller Spannung — ist idies iganze Buch geschrieben. Ich glaube, daß dies Buch, in einer aufnahmebereiten Stunde gelesen, die „Chibas Hoorez" stärker entflammen kann als mancher „Kurs über Erez Jisroel". Es ist ein „Tonfilm" in des Worte* bester Bedeutung: die Bilder, die an unserem Auge vorüberziehen, sind von Worten begleitet, 'die tief in idie Seele dringen. Mir hat das Buch an mehr als einer Stelle Tränen in die Augen getrieben, Tränen der Sehnsucht nach dem, was hier dargestellt wird. Und wenn es auch vielleicht „unmännlich" ist, unangemessen der „heroischen Zeit", in der wir leben, Tränen zu registrieren, so geschieht es nur deshalb, um anzudeuten, wie stark dies Buch auf den schlichten Leser wirkt und wie dringend ich es darum all denen zur Lektüre empfehlen möchte, die „das Land der Väter mit der Seele »suchen"! Bedeutet naun auch Erziehung, d.ann ist dies Buch eines der schönsten und trefflichsten Ghanukahgeschenke, mit denen wir alle idie erfreuen können, die bei sich selbst spüren, daß sie noch der „Erziehung zur TpKn ran" bedürfen. Und wer das heilige. Land in Sehnsucht liebt, nach der Lektüre dieses Buches wird er es doppelt lieben. Nach dem „Licht ausfdem Westen" strahlt uns hier auf „das Licht im Osten"! ' Wolf S. Jacobson. Jugendbücher zu Chanuka. Land d«r Jugend nennt sich ein ßuch der Kinder-Rundschau, (herausgegeben von Kurt Löwenstein-Verlag Jüdische Rundschau GmbH., Berlin W 15). Wie nicht anders zu erwarten, ist das ganze Buch auf die zionistische Erziehung der Jugend abgestellt. Auf dieses Ziel wird aber, das muß ■zugegeben werden, mit pädagogischem Kunstempfinden flott losgesteuert. Alle 32 Nummern haben irgendwie mit Erez Jisroel, dem Jischuw oder dem Zionismus zu tun. Eine Skizze zeigt Tel . Awiw in Wort und Bild, eine ändere ist der Briefmarke von Erez Jisroel gewidmet. Es wird nicht nur die Kinder interessieren, Einblick in eine jemenitische Schule zu tun, oder in ein arar bisches Familienhaus zu schauen. Die Jerusalemer Altstadt ist mit guten. Worten und guten. Bildern dargestellt. Einiges vom Besten, was Bialik für das Kind geschrieben hat, dem „Sefer Hagada", wird geboten. Der hebräische Teil ist quantitativ .nicht groß, aber gut gesiebt. Das spezifisch Jüdische in unserem Sinne wird in diesem Jugendbuph, das mit dem Bilde, des Bon eh (Erbauer Erez Jisroels) beginnt und, mit der Horrah schließt, vermißt. Vom Leben in B-e n - Schiemen erzählt ein Kapitelchen. Daß es in Ben Schemen auch so etwas wie einen Sabbat, einen G'ttesdienst oder sonst ein religiöse® Gemeinschaftsleben in irgend einer Form gibt, erfährt man au® der Schilderung nicht. Man weiß aber leider aus anderen Quellen, daß es dort so was nicht gibt. Das Büch ist, um es mit einem Worte zu saigen, gut zionistisch, durchweg palästinensisch. Wer aber Geist und Herz seines Kindes in noch anderen Heiligtümern verankern möchte, als im bloßen jüdischen Nationalismus, wird einige Bedenken nicht los . . . Unter dem Titel ,, Di e g old e n e Me.norah" ist im Verlage von Joachim-Gold st ein in Berlin in recht anmutiger Ausstattung ein Chanuka- Kinderbuch von E11 y Ludwig erschienen. Das Buch enthält biblische Erzählungen, Lebenden, Schilderungen von Chanuka-Bräuchen, Chanuka-Lieder, Zeitbilder und auch Rätsel,; Es wird zu Anfang erzählt, wie das Chanukafest entstanden ist. und dann gesondert als Legende das Lichtwunder geschildert, was d a s Kind, das gewöhnt ist, im Lichtwunder das eigentliche Chanuka-Motiv zu sehen, gewiß in einiges Staunen versetzen wird. Andere Dinge, wie die Geschichte der Menorah, ebenso das Zeatbildchen wie Klein Ruth mit ihrem Chänuka-Lichtchen. auch die. ganz abseits stehenden Eltern in eine echterChänuka- Stimmung mit hineinzieht, sind ganz hübsch gezeich-! net und durch gute, dem kindlichen Sinn angepaßte Bilder verdeutlicht. Was da in das T r e n d e 1 eben, hineingeheimniist wird, wird .kaum dem Sinn des Kindes eingehen: „Es stieg keine Erhebung von unten auf (damals zur Zeit der Chanuka-Geschichte), ajtle.s geschah durch die Gnade, von oben. Darum spielt man am Chanuka mit dem Trendel, das man ob«n .anfaßt." Wer das versteht, r-wird am . Ende über" idie recht anspruchslosen Reime, idie sich hier Gedichte oder Lieder, nennen, weit hinausgewachsen seiii.j^ Was ist das schließlich mit dem''Gha'n u.•k:am^ä^n,'h-' clli'en.f das auf Seite 20 ein Kind erst erschreckt, um es dann zu-beglücken? Söll dasi wohl der „jüdische Nikolaus" sein? Uns ist solcher Brauch nicht bekannt. Trotz allem sind wir überzeugt, daß das Buch mit seinem guten soliden Papier, in seiner kunstvollen Aufmachung und mit seinen einigen gelungenen Nummern als Chaniuka-Geschenk dem Kinde eine ehrliche Freude bereiten wird. Drei Jugendbücher legt uns der Ke dem-Verlag, Berlin, auf den Kindertisch; in Einband, Druck und Papier bunt und jugendlich ausgestattet, ,1m ersten Buch „Die Jungen vom Gusch" von Bernhard G e 1 b a r t erzählt ein Junge seine Geschichte in 18: Kapiteln. Gut und flott, mit einem warmen frischen Ton, der von Kindesherz zu Kindesherz geht. Als jüdisches Jugendbuch deklariert sich wohl das Werk deshalb, weil es die Neigung der jüdischen Jugend zum Gemeinschaftsleben, ' zur Kwuzah widerspiegelt. Mit. der Anrede „Chawer" und .mit .dem S c h a 1 o m - Gruß ist aber die jüdische Note noch nicht gegeben, auch nicht mit anderen hebräischen Fetzen. Das beengte Leben im Kinderheim und demgegenüber die freie Entfaltung der kindlichen Kraft im Genieinschaftslager sind gut gegenüber gestellt und mit schönen Bildern, idie ebenfalls vom Verfasser stammen, gut illustriert Im L i c h t e r h a u s i m W a 1 d e von Leo Hirsch blitzen schon mehr jüdische Lichter auf. Freitagabend, jüdische Lieder, ein Lichterfest, der Traum eines echt und ganzjüdischen Kinderlebens. Die Chanukahgeschichte strahlt im Glänze der Freitagabendkerzen auf. Es äst ein schönes Jugendbuch und ein j ü d i s c h e ä , zu dem Ludwig Schwerin ein paar hübsche Bilder geliefert hat. Das 'dritte Buch ist 'ganz undgar palästinensisch. Es erzählt von den „Vier vom Kinereth" und igibt ein. gutes Bald aus dem Leben des Kindes im neuen Palästina. Zu dem Texte von Jaakow Simon hat Bernhard Gelbert schöne Bilder gegeben. Als Ganzes werden di? 'drei Bücher dem Chanukahtäsch zum Schmuck und den Kindern zur großen Freude gereichen. In unserer heutigen Ausgabe befindet sich eine Beilage der Firma Rheinverkehr G.m.b.H., Frankfurt a. M-, Mainzeriandstr. 65.. Diese Firma befaßt sich .ganz speziell mit der gewissenhaften Durchführung von U m z u ig s tr ans p o rt« n na c h de m Auslande sowie mit. deren Lagerung, V^ir teilen unseren-'Lesern gerne mit, daß alleiniger Gesellschafter dieser Firma Herr Albert H e r iz' ist; däsi bisher mit den Umzugstransporten beschäftigte Personal ist von der Rheinverkehr GnibH. übernommen worden. — Näheres siehe Einlage. Die -Firma S p o r t h e s s , Frankfurt a. M.;/ Am Schauspielhaus 2—4, Tel. 29335, macht unsere werten Leser darauf aufmerksam, daß sie< außer 'sämtlichen Sportgeräten und Sportkleidung 'für Sportler, ^Vereine und Schulen, viele Artikel für Auswanderer nach Pja^' lästina führt, wie Moskitonetze, Shorts, Regenmäntel mit Spezial-Ventilation, Schlafsäcke usw. ,(Siehe Inserat.) Die .Skifelder von Arosa, seit 1903 in Betrieb, bilden heute das Paradies des Wintersports, und das Dorado alter führenden Sportkreise, Das zeigt sich in der bunten Zus ammensetzung der Win - terigäste .dieses nunmehr in edlem Weiß prangenden Dorfes. Die E i s f e s t e von AroSa haben geradezu Weltruf. Wer Erholung, Ausspannung, Freude und Gesundung sucht, kommt für ein paar Winterwochen nach Arosa und findet all das, was er sucht und braucht. Den jüdischen Erholungssuch^nden muß esi zur besonderen Freude gereichen, daß .ihnen die Möglichkeit gegeben ist, alle diese Wonnen der weißen Winterferien als echte Juden rituell unter Glaubensbrüdern und in bester anregender Gesellschaft genießen zu können. Die Möglichkeit dafür bietet das Hotel.Metropol, das ijeder wieder aufsucht und weiterempfiehlt, wer hier nur einmal seine Söinmer- oder Winterferien verlebt hat. Wochenkalender. Vom 14. — 21. Dezember 1935 / Vom 18. — 25. Kislew 5696 :" 'ni> sp 'V- ■ . , ■■ Li,r Samstag 14 18 'na^aa . RJp nVtf'l Sonntag 15 19 a3? . i\ Montag 16 20 «j? Dienstag 17 21 •ttf> t s ■■ Mittwoch Dez. 18 1^03 22; Donnerstag 19 23 .Up fllim '& 3E7'1 Freitag 20 24 mm -p-ntt ■ Mauled: Mittwoch nachm. Samstag 21 25 riip ' * 1 Uhr;8«3/jg Miimtöi; ■