Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Die Feiertage bei den Feileif cheis nach dem ... Die (Blicke der Welt sind nach Ostafrika gerichtet, nach A b e s s i n i e n , wo mit dem Einmärsche der Italiener ein Kriegsfall geschaffen wurde, von dem wir hoffen wollen, daß er »ich nicht, was G'tt verhüten möge, zum Weltbrande auswächst. In Abessinien leben hunderttausend Juden, F a 1 a - s c h a s genannt. Sie werden vom Herrehvolke der Amharas, die sich selbst als Nachr .kommen König Salomos betrachten, nicht gerade brüderlich behandelt. Es ist;Uas Verdienst Dr. Jaques F a i 11 o v i t c h s,!der wiederholt Abessinien besuchte, uns in aufschlußreichen Werken über das Leben der Falaschas diesen versprengten jüdischen Stamm näher gebracht zu haben. Aus seinem Buche ,,Quer durch Abessinien" (erschienen bei JVL Poppelauer, Berlin) geben wir die Erlebnisse des Forschers in Abessinien an den Hohen Feiertagen wieder. Auch die Bilder dieser Beilage, soweit sie die Falaschas zeigen, sind dem genannten Werke entnommen. Am Sonntag morgen, den 20. September, verließen wir Meriena und erreichten einem Aufstieg von 3A Stunden das auf Hochplateau gleichen Namens gelegene Hoharua, wo sich der alte Mesgid der Falaschas befand. Das Hoharuagebirge, von dessen ragender Höhe man einen weiten Uniblick über ganze Provinzen Abessiniens, hinaus bis nach dem Sudan, genießt und sich ein Bild von hohem landschaftlichen Reiz bietet, bildet die Stätte der heiligsten und teuersten Erinnerungen der Falaschas, und ein ganzer Kranz von Sagen schlingt sich um seine Gipfel und Abhänge. In der Tat sieht man hier noch heute viele Ueberreste einstiger G'tteshäuser und anderer Zeugen der Vergangenheit der Juden Abessiniens. In der Gegenr wärt aber bilden die Falaschas dort nur noch eine kleine Gemeinde, deren Angehörige zerstreut am Fuße des Gebirges ihre Wohnstätten haben. Auch hier, wie in anderen Teilen Abessiniens, gehören^ ihnen, die einst freie Bauern auf freiem eigenen Grund und Boden waren, in der ganzen Gegend nur, noch kleine Landstrecken im Gebirge, .die von der Regierung selbst als freies Eigentum des Tempels anerkannt werden. Die Bearbeitung dieses Tempellandes erfolgt zumeist durch die Priester, die daraus ihren Lebensunterhat ziehen, teilweise aber auch durch Falasohabauern. , Der Tempel selbst, heute das schönste G'tteshaus der Falaschas, ist völlig abweichend von allen anderen, ein imposanter Massivbau, in charakteristischster Tempelform mit weithin siehtin Abetfinien X ^rtJnM^r} •^HK^irT!*^«- il|--/< * 7-/pf£C*%«S x.-^sl»)—f ' >.i*JSS5 Mesgid (G'tteshausi) in Udenkato dem Zentrum der Falaschas in Abessinien barer Zinnbedeckung. Er erhebt sich an einer kleinen Senkung des Gebirges, an einem Orte, der den Namen Loso trägt, und ist von einem Kreis von Wohnungen der Priester umgeben, Nebenräume für Männer und Frauen schließen Falaschaiamilie in Addi Sedu sich unmittelbar an den Tempel an. Die Entstehung dieses in der Tat bemerkenswertesten Falaschag'tteshauses in ganz Abessinien reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Es soll von Abba Zabra, dem Stifter der asketischen Richtung und Verfasser religiöser Schriften, erbaut worden sein, als er sich dort niederließ. Die Sage erzählt, daß in diesen Tagen Abba Zaga, ein Sohn des Kaisers von Aethiöpien, Zar'a-Ja'eqob (um 1434—1468), als Schüler Abba Zabras mit ins Hoharuagebirge geflohen und dort zum Judentum übergetreten sei. Die Sage fügt hinzu, daß dies einer der Anlässe für den Kaiser Zar'a-Ja'eqob gewesen sei, Hoharua und den Tempel anzugreifen und die Falaschas mit Krieg zu überziehen. Wenngleich vieles als Ausschmückung und Phantasiegebilde der Falaschas gelten darf, haben diese Legenden doch einen historischen Kern, denn aus der abessinischen Gesichichte ist bekannt, daß Kaiser Zar'a-Ja'eqob in höchstem Maße religiös unduldsam war und gegen alle, die nicht der anerkannten abessinischen Staatskirche angehörten, mit äußerster Strenge vorging und sie bekriegte. Er schonte hierbei auch nicht Mitglieder und Verwandte des "eigenen kaiserlichen Hauses, sogar seine eigenen Kinder nicht, die er, soweit sie in den Verdachtgerieten, Häretiker zu sein, hinrichten ließ. Als wir uns Loso, wo sich der Mesgid der Gemeinde Hoharua befindet, näherten, bot sich uns ein überraschendes Bild dar. Die Hohepriester waren durch die Falaschas von Meriena, die bei Tagesgrauen zu ihnen eilten, von unserer Ankunft unterrichtet und kamen uns in feierlichem Aufzuge, unter den Klängen ihrer Musikinstrumente, tanzend, Psalmen singend, laut Gebete sprechend, entgegen. Es war ein Anblick und ein Empfang, wie er mir bis dahin in .keinem anderen Orte Abessiniens zuteil geworden war. Tags darauf, am Montag, den 21. September, besuchten wir in Begleitung, der Hohepriester alle Oertlichkeiten, an die sich Erinnerungen an die Vergangenheit der Falaschas knüpften. Am Nachmittag nahmen wir dann. Abschied von ihnen und stiegen den Berg wieder hinab, um den Rückmarsch anzutreten. Für die Rückkehr nach Amba-Gualit schlugen wir indessen eine andere Route, die über Gondar, ein. Obwohl auf diesem Wege Falaschaansiedlungen bis nach Gondar kaum anzutreffen waren, wählte ich doch diesen ,Weg, weil er kürzer und besser war, so