Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1935)
- Date
- 1935-10-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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eshe —IIIHIIHsUlMJLt- I o lololl o—o | o |o |o|| |hü -HIIHIIh- ^IIHIE^ ■5BIM] Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands I M II I— -HIIHILIs?? -H II Hill— ■H Ho! o!o 1 o—o | o o[|o|| ^HMJQ^ —IHM III— —IIIHI Verantwortliche ScbrHtleitu&g' L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Ottenbach) Vom Zusammenhang unserer Feste. Von Elias Gut in Köln. Zweimal jährlich halten wir großes Manöver ab, Frühjahrs- und Herbstmanöver und jedes dauert sieben Wochen. Das Frühjahrsmanövei' findet statt von Peßach bis zum Schowuausfeste, 'das dementsprechend in der Mischnah Azeres, Schlußfest, genannt wird. Das Herbstmanöver dauert vom ersten Elul bis Schemini Azeres. Beim Frühjahrsmanöver handelt es sich Um Nachtübung, wach zu bleiben bis zur Aumerzählung bei Anbruch der Nacht, so spät es auch werden mag; beim Herbstmanöver um Frühübung, die besonders in den Seiichaus- und Teschuwohtägen Anstrengung und Ueberwindung fordert. Beide Manöver werden durch eine große Nachtübung abgeschlossen, nämlich das Lernen in der Schowuaus- und in der Hauschano rabbo-Nacht. In der Schowuausnacht werden von jedem der 24 Bücher der hl. Schrift, sowie von jedem Mischnah- Traktat, der mündlichen Lehre, Anfang und Schlußgelesen, ferner das Offenbarungskapitel und das Buch Ruth ganz. Wenn der Offenbarungsmorgen noch nicht angebrochen ist, werden an vielen Orten einige Stellen aus dem Buche Sohar vorgetragen. Am Hauschano rabbo-Abend werden das fünfte Thorabuch, Deuteronomium, und das Buch der Psalmen gelesen, sowie gegebenenfalls auch Stücke aus dem Sohar. Kurz vor Schowuaus und vor Rausch Haschonoh erfolgt die Verlesung der großen Feldpredigt, der Tauchochoh, in der der Lohn für treue Pflichterfüllung und! die Strafe für treulose Gehorsamsverweigerung verkündet werden. Das Ziel des Frühjahrsmanövers ist Kabolas Hatauroh, Annahme des Gesetzes, das1 Ziel der Herbstmanöver Simchas Tauroh. Erst wenn Israel siebenmal die Uebung gemacht hat, den Schabbos richtig zu halten, die Tage und Wochen genau zu zählen, ist es befähigt zu Kabolas Hatauroh. Nur wenn es die Zeit vom Morgengrauen des ersten Elul bis zur Hauschano rabbo-Nacht gewissenhaft benutzt hat, ist es reif für die echte Thora-Freude, für Simchas Tauroh. Besonders umfangreich und eindringlich sind die Herbstübungen. Vier Wochen lang morgens und abends Probealarm durch Schofarsdgnale, bis der Tag der großen Heerschau, Rausch Haschonoh, herannaht, an dem alle gemustert werden und jeder Rechenschaft abzulegen hat. Die Parole dieses bedeutungsschweren Tages lautet: „Blaset am Neumond die Posaune, am Tage der Mondverhüllung für den Tag unseres Festes!'' {Psalm 81, 4j>. Als Fest, Ohag, ohne nähere Bezeichnung gilt durchgehends das jüdischste der Feste, das, Hüttenfest, Suckaus, die Zeit unserer Freude, an dem acht Tage lang alle wehrfähigen Männer in der Tempelstadt sich aufhalten mußten, während sie am Peßach- und Schowuausfeste nur je einen Tag dort zu bleiben verpflichtet waren. Am Hütteöfeste fanden abendlich beim freudigen Wasserschöpfen große Illumination und Festkonzerte statt. ,,Wer die Freude beim Wasserschöpfen nicht gesehen hat, hat überhaupt noch keine Freude gesehen." (Sukka. 5, .1.) Morgens war täglich feierliche Prozession um den Altar. Und alle sieben Jahre fand am Hüttenfeste die große Volksversammlung statt (Hakhel), zu der nicht nur die wehrhaften Männer, sondern auch Frauen und Kinder, das gesamte Volk zu erscheinen hatte. Da erreichte die Festesfreude ihren (Höhepunkt, Alle unsere anderen Feste feiern auch ändere Völker und Religionen: Ostern, Pfingsten, Neujahr, Büß- und Bettag, Lichter- und Maskenfest. Das Hüttenfest allein ist1 das typisch j üdas c h e Fest; erst am Ende der Tage „werden sie von Jahr zu Jahr hinauf ziehen^ sich niederzuwerfen vor dem G'ttkönig der Heerscharen und das H ü 11 enf est zu feiern." (Sechariah 14, 16.) So zielen unsere ernsten Tdschrifeste, Rausch Haschonoh und Jaum Hakippurdm, der gewaltigste jüdische FßfiUag, hin iejaum chagenu, auf den Tag u ns e re s Festes, des 'Hüttenfestes, das jetzt noch viel verkannt und oft vernachlässigt, in Zukunft jedoch allgemein geheiligt und gefeiert werden wird. Die Laubhütte und der Feststrauß der vier Pfianzenarten werden dann zu der ihnen gebührenden Ehre und Anerkennung gelangen. Die Schlußtage dieses Festes, Hauschano rabbo, Schemini Azeres und Simchas Tauroh schließen den Festzyklus des Tischri auf imposante Weise ab. Die Festesbitte „Laß uns hinaustragen den Sogen Deiner Feiertage!" soll dann ihre Verwirklichung finden im Monat des jüdischen Still-Lebens, dem Monat Gheschwan, in dem kein Feier- und Festtag verzeichnet ist. Dann ist Gelegenheit geboten, in Schule und Haus, in Familie und Bund nochmals durchzusprechen und lebendig zu gestalten den tiefen Sinn und die hohen Ideen, die unseren Frühlings- und Herbstmanövern zu Grunde liegen. „Laß uns hinaustragen, Ewiger, unser G'tt, den Segen Deiner Festtage zum Leben und zum Frieden, ZUr Freude und zur Wonne,, wie Du es wolltest und verhießest, uns zu segnen." iiiiiiiilll Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Allen unsern Mitgliedern und Freunden entbieten wir herzlichste trn -lm-Wünsche. Der Vorstand i.A.: Münk, Vorsitzender. Ehemalige Kölner! Euch allen die besten o"n "im-Wünsche für Beruf und Familie! J. Apt, Hannover, Sallstr, Allen meinen verehrten Mitarbeitern, lieben Kollegen und Freunden wünsche - ich herzlich navwi naa TUTO» L. Kaufmann, Sprendlingen. Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht. Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe, (Fortsetzung.) . >ä nw» jaipa mnrK-pns: Ganz Israel hat .Heiligungsgenuß genießen sollen, durch die Sünde des goldenen Kalbes hat es ihn sich verscherzt, den Priestern ist er übertragen worden.42) Auf bestimmte Teile der Q^p n">inp ist der allgemeine Genuß beschränkt. Die Priester jedoch müssen sich beim Genuß der Bedeutung desselben bewußt bleiben. Durch die f räumliche Umgrenzung steht sie ihnen vor Augen.' Nur innerhalb der Umhänge, die das Heiligtum und den Vorhof umschließen, ist der Genuß gestattet. Nur angesichts des Heiligtums und seiner Geräte, nur innerhalb .des Vorhofes, der die Vorstufe zu diesem sein will,43) nur innerhalb der Mauer, die später die Vorhalle des Tempels umschließt, wird der Genuß im Opferraum ein Zeugnis der Fähigkeit, auch ihn der Heiligung dienstbar zu machen. Selbst Befriedigung sinnlicher Begierde kann Mittel werden, Gedanken wachzurufen, Gedankenlosigkeit zu scheuchen, .kann Sühne werden der Vergehen, die aus Gedankenlosigkeit begangen werden, die unbewußt geübt werden.44) Haben nun gar. die Priester vor-dem" Genuß deri Namen dessen zu nennen, dessen Entsündigungsopfer "ihnen übergeben wird, so .ist es für diesen eine persönliche Mahnung, im Priester ein Vorbild zu sehen und die Sünden künfi2) 'a «na vm> snioö zu II. B. M. 19, 6. ,43) Vgl, Kommentar H. H M, 5, 390. 44) Vgl. Kommentar III. B. M. S. 200. tig zu meiden.45) Nur die Männlichen der Priesterschaft"") können im Genuß eine Fortsetzung des Opferdienstes, den sie vollziehen, zum Ausdruck bringen. ^3«tt ^53 „in jeder Genußform" der Zubereitung können sie diese Mahnung zum Bewußtsein bringen. Nicht ist, wie beim nDS-Opfer, das Braten erforderlich, v/enngleich es erwünscht ist.47) nisn 19 n^l dv^> „Einen Tag und die Nacht bis Mitternacht. Wie aus diesem Grunde der Genuß örtlich, so ist «r auch zeitlich begrenzt. Präzise Beschränkung des Ortes und der Zeit foi lert Gehorsam und scheucht die Begierde. Nur in unmittelbarer zeitlicher Verbindung mit dem Opfertag bleibt der Zusammenhang des Genusses mit der vorangegangenei; Opferhandlung im Bewußtsein bewahrt und erhalten. Hat die ncnir am Tage mit scharfem Schnitt dem Triebleben der Selbstsucht ein Ende bereitet, einen Trennungsstrich zwischen Genußsucht und Heiligung gezogen, so muß der Genuß, der der Bewältigung des Materialismus dienen soll, noch am gleichen Tage erfolgen, der noch die folgende Nacht in den Kreis der Empfindungen des Tages zieht. Der örtlich und zeitlich kontrollierte Genuß steht unter dem Eindruck der Kontrolle körperlicher Sinnenlust, die in ]issa ]rtj>nip zum Ausdruck kommt. Schon der nächste Tag schwächt die Kraft der Gedankenverbindung, gefährdet die Heiligung des Genusses. Die Befürchtung unserer Weisen i'xir es könne beim Genuß die Grenze der Nachtspanne überschritten werden, es könne der Genuß noch in den nächsten Morgen hinein sich erstrecken, läßt sie die Zeit des Genusses verkürzen und begrenzen. Bis Mitternacht nur, im offenbar" -'entliehen Zusammenhang mit dem Opferungstag, ist der Genuß gestattet. (Fortsetzung folgt.) Lektüre für den Deutschunterricht in der jüdischen Schule, Vortrag, gehalten in unsfer Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von S. Koste rieh in Frankfurt a. M. (Schluß.) Unsere Schule hat für die unterste Klasse eine Fibel: „Der fröhliche Anfang"; für das zweite, dritte und vierte Schuljahr das Ltsebuch „Der bunte Kranz" erster, zweiter und dritter Teil; für das fünfte bis achte Schuljahr haben wir die Gedichtsammlung „Der Blütenbaum". Der . überaus größte Teil der Fibel ist für die Erlernung der Buchstaben, deren Zusammensetzung zu Worten und schließlich zu kleinen Sätzchen zusammenhängenden Inhalts bestimmt. Daran eine Aenderung oder Ergänzung wichtigen Formats vorzunehmen, dürfte sich erübrigen. Der zweite Teil der Fibel' rekrutiert sich aus kleineren Prosastückchen und Gediehtchen, dem täglichen Leben, dem Milieu des Kindes, dem Spielkreis des Kindes entnommen. Ich nenne einmal ein paar Titel: „.Drachensteigen", „Platzregen", „Auf dem Jahrmarkt", „Feuer", „Die Ferienreise", „Nikolaus", „Gebet am heiligen Abend", „Weihnachtstraum", „Der erste Schnee", „Osterhäschen", „Ostern" usw. Alles kleine Geschichtchen oder Gedichtchen von keinem namhaften Dichter geschrieben, sondern von den Verfassern des Buches, so nehme ich an, zweckbestimmt geschaffen und zusammengestellt. Jeder Lehrer ist wohl Imstande, ein paar ähnliche Verschen zu schmieden, die in den Rahmen dieser Fibel passen und dabei aus dem Leben eines jüdischen Kindes genommen sind. Der Freitag-Abend, das Reinemachen für ,,Peßach", ein Purimscherz, „Hawdoloh" oder wie die fast unerschöpflichen Stoffe alle heißen mögen, die dem jüdischen Kinde doch wohl mindestens dasselbe geben, wie etwa, die Stücke „Weihöachts träum", „Osterhäschen" . und dergl. oder?? Selbst ein gutes Aufsätzchen eines älteren -Kindes, das eines dieser Themen behandelt, könnte Aufnahme finden. *5) R"a*in nirb nVw min '0» vgl. auch Hose.a 4, 8. praua "»Vitt sind nur individuell, nicht generell untauglich, daher vom Genuß nicht ausgeschlossen. 47) a» JSW1 pbw 'DD