Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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26. September 1935 Der Israelit Nr. 39 Seite 7 Märtyrer zu erzeugen imstande ist. Und man soll nicht zuletzt erfahren, was in diesem Weltbilde, das ,;einj so vollkommen äutochtones Erzeugnis der jüdischen Geisteskultur ist, wie kaum ein anderes, das heilige Land den jüdischen Menschen und jüdische Menschen dem heiligen Land bedeuten. In unserer' Gegenwart, die eine „Zeit ist, für G'tt zu wirken," will der Verfasser den Suchenden einen Richtpunkt geben. Er hofft, daß diese Anregung, die. nur als. Grundlegung für ein kaum erschlossenes Forschungsgebiet gedacht ist, all denjenigen etwas bieten wird, die nach einer jüdischen Kultur ringen und dabei von Ehrfurcht gegen diejenigen getragen '-werden»' welche die Erde retten und reinigen wollen, indem sie dieselbe zu den Höhen des Himmels emporzuheben streben. Dies ist der Gedanke, der in diesen Tagen uns erfüllt, dies der grundlegende Gedanke in den Gebeten des TliVTl 1PN> An diesen Tagen des ni3*DS7n"tüÜ wollen wir uns aus unserer irdischen Kleinheit zu Ihm erheben. Was bedeutet unser unscheinbares Sein gegenüber Ihm, der die Welt in sieh trägt. Nicht uns gilt oder soll vornehmlich gelten unser Streben und der schwere Kampf des Lebens, als vielmehr Ihm, der Ehre des "j^a JT'Vs?« Diese Erkenntnis bedeutet nicht weniger, als die Zurückstellung des eigenen Ich, der eigenen Wünsche, lyTt nai 138 na Was sind wir und was ist unser Leben, Eine kurze Episode an der Spanne der Ewigkeit gemessen, die daher um so mehr mit dem richtigen Gehalte ausgefüllt 5ein sollte. In einem Worte des Midrasch heißt es: •pa ntn DMn«V. rrapn iaa "ins V'K nm im ■riTp» itttxi i'Sjpin itp M'wn -pon pmoa ■"nl pj?a ViWff piör pn ddak natai pnsr »"oi ^vu nanpn »prp sinn ovi „Deine Kinder sind verwickelt im Dickicht der Sünde, so sprach G'tt zu DM2K. Sie mögen vor mir SsilP blasen, ich will sodann der Verdienste pfiX* gedenken und auch ihre Erlösung soll durch; den SüW eingeleitet werden, denn also wird durch den Propheten verkündet: Und es geschieht an demselben Tage, da wird gestoßen in die große Posaune und heimkommen die Verlorenen im Lahde Aschur und die Verstoßenen im Lande Mizrajim und werfen sich nieder vor dem Ewigen auf dem heiligen Berg, in Jeruscholajim/'m^asrn *p03 paiDU'T33 nm Wir verstricken uns in eine Lebensweise, die nicht im Sinne des Schöpfe« ist, der uns das Leben gegeben hat, um in ihm zu bestehen. Wie wenig verstehen wir, worauf es eigentlich ankommt und was unsere eigentliche Aufgabe ist, nämlich, die Zeit unseres Daseins g'ttgemäß zu gestalten. Um aus der Verstrickung herauszukommen, sollen wir Uns auf unsere Pflicht besinnen. i\T '3Sb J'ypltV Sie sollen des Schöfars Ton nicht bloß hören. Sie sollen ihn vielmehr innerlich vernehmen und durch ihn auch wirklich wach werden. Sie sollen sich dessen bewußt werden, daß ihre Ahnen bis zur Selbstaufopferung und Selbstentäußerung nur die Treue gehalten haben. Daran wollen wir in der Zeit der Not besonders denken und Er wird uns die^nS"? fl"Tj?y gedenken, ppl bXVb )Q10V Wenn wir des Schofars Mahnruf verstehen und auf uns wirken1 lassen und ihn in seiner ganzen Bedeutung zu begreifen suchen, dann kann der ")SW der Ausgangspunkt unserer Erlösung für uns werden. -pypn l\*p* Lasset Ihr den _*iaw mit seinen Ermahnungen, ertönen,' so wird er der Vorbote eines anderen Schofar : sein, der weithin der gesamten Weif die alleinige Herrschaft G'ttes künden wird. ins 'nb Tinnum wa spjr sinn ctpi">m •D^nnvn wmpn . Deutsches Reich. Ausschluß von Juden« Würzburg, 16. Sept. Der Oberbürgermeister von Würzburg hat, nach Meldung des „Völkischen Beobachters" (Nr. 256; Münchener Ausgabe), folgendes Verfügt: 1. Städtische und stiftische Grundstücke usw. dürfen in Zukunft nicht mehr an Juden verkauft werden. 2. Bei der Vergebung städtischer " Aufträge dürfen Geschäfte, die nachweisbar mit jüdischen Firmen in Beziehung: stehen,, nicht berücksichtigt .werden. :>; - Z u z ugsverb.o t"--für Juden/ verbunden mit dem Verbote, ihnen '.Hauser und Grundstücke'zu' verkaufen, w,ird aus K ö n i g s statt e n Kr. Gr.. Gerau in Hessen gemeldet. , \- <';,;. ■ Gedanken zur Jahreswende Von Rabb. Dr. Ph. Frankl in Halberstadt. Mahner aus ernster Zeit sind uns stets die D'STtf O'a'' gewesen, und als solche sind sie - vielfach verkannt—r in ernster Zeit wieder aktuell geworden.' Mahner und zugleich Tröster in Zeiten, in denen das jüdische Volk des Trostes besonders, bedürfte. "Hierin haben wir auch ihren Ursprung" zu suchen. In den Jährhunderten, nach dem" jaiirt' da zuerst die" Lehrer des Volkes in O^TTö zu ihm gesprochen haben, um es rzü er-, heben und'in seinem Leide" zu trösten, da wur-* den die Ö'tPna dazu benutzt, um aus ihnen Trost und Belehrung izu spenden. Diese Vorträge sind auch die Anreger zu den b'öVS geworden, die sodann nach und» nach. Bestandteile des Gebetes. an den Festtagen' geworden sind.:, ■ Ein Moment jedoch,' das unsere EPBY'S enthalten, ist im Laufe der Zeiten allzusehr in den Hintergrund getreten. Unsere Gebete und d,OVS als Mahner. Man hat sich, wenn man sich in sie vertiefte, von ihnen belehren lassen. Man hat sich von ihnen besonders an den; erhabenen Tagen der Q'Kl.un D">a'>' in höhere Sphären tragen lassen. Wenn uns beinahe in jeder Zeile der ruWH ni^SH derKönigschärakter G'ttes als der yisn ^3 *7V "fift entgegentritt, wenn;, die prophetische Verheißung, daß das tPWD TCthli einstens der ganzen: Weh erstrahlen und sie in seinen- Dienst rufen wird,; wenn wir durch diese pro> phetische Schau uns gehoben und getröstet! gefühlt haben, so haben wir aus all diesen Gedanken dasjenigeherausgeholt,- was uns persönlich Trost und Erhebung gebracht hat. Die Frage, die wir in ernster.. Zeit an uns -stellen müssen, geht dahin,, ob wir das D'O^ DID^ö stets um. seiner selbst willen-herbeigesehnt :amd erfleht ha-r' ben." Haben-, wir tnicht jzu sehr unsere eigenen Wünsche; in die Gebete umm*31Pn p|? nannrhineinverwoben? Haben wir nicht an uns gedacht, wenn wir .-pa^ 'fj frriK f^ani gebetet haben?. :So . natürlich und menschlich begreiflich dies; an und für sicK wäre, so äst es i doch nicht;; die Stufe, zu welcher uns!,unsere Propheten; erheben wollen. Soi begreiflich es ist, wenriwitsogar bei dem Gebeteiaa^öV $h BN 13!?»?? fjpyauch an uns und an unser Schicksal denken, so sollen uns doch unsere Damian. ä,a'? höher stehen, als. daß wir. an ihnen nur oder hauptsächlich für uns beten, nxmn DY> und riSTin .)ft3&Taj* und , Gedenken, der Erschütterung soll uns der^rßwn 2>K*l: sein. Dies bedeutet jedoch nicht,* daß wirr.an diesem Tage bloß mit unserer Erschütterung .und. mit. unserem schweren Geschick vjor; den Richter , der Welt treten sollen. Zu einer solchen Erschütterung braucht uns nicht erst das GJtteswort aufzurufen.. Sie ist da in. all -ihrer*. Schärfe und Tragik, -wir haben sie in jedem 'Augenblicke während des ganzen Jahres vor Augen und es bedarf nicht erst der ä^HTUM um unser schweres Herz vor unserem Vater im Himmel auszuschütten. Der HSTHD -DT' soll uns -vielmehr aus unserem Innern -heraus erschüttern.-- Er;, soll;..uns strenger. Mahner sein^l - ■• <r , '^oanar-ma urpn- D^arm-ösrutfa öjwv'W. wie es Eäiribam in nnwnl JVDVrl,so erschütternd, formuliert. - Wacbet: - auf r ^Schlaf ei}de#r. aus,: Eiirem; Schläfer»fundi Ihr. -..Schlummernden aus Eurem ^tiefen, Schlummer und Jkehret zu.-Grltt zur rück, Diesen? Weckruf desjug/jy-ds^- trotz: [Mahnr, ruf es der Propheten uhd depd?apnj .doch nur* sehr selten? in': seiner tiefemSfi'Aeutv^g-i verstanden worden. Er ist am wenigsten, verstanden worden in den Zeiten, da es uns relativ gut ging und ^wir .uns bis zu einem gewissen Grade geborgen gefühlt haben. Wie ist es jedoch dam.it jetzt, da wir doqh aus dem Schlummer derptn '^ail der Nicbtigkeiten der Zeitenr5lerwacht sein sollten. Sind wir denn auch wirklich; innerlich erwacht? Der Mahnruf des Schofartones und unserer Gebete dringen wohl an, unser Ohr und wir verstehen sie gewiß besser als bisher. Aber dringen sie auch in unser,. Inneres, greifen sie auch an unsere Seele? Sind wir von ihnen auch erfüllt in; einem Maße, daß sie gestaltend und formend unser Innenleben ergreifen und umwandeln? Hören wir aus ihnen nicht bloß, unsere eigenen Nöte und Schmerzen odej.künden., sie. ■ uns .auch das n^DUm fll^X? Dies ist die Frage, die wir uns in den ü"»»1' D'KTttn einer tiefernsten Zeit vorlegen müssen. Wir müssen erkennen, daß unsere Not, sowohl des Einzelnen wie der Allgemeinheit auch eine Not der na'DJÖTl-TIM darstellt. Wenn wir erkennen, daß wir nicht bloß uns bedauern sollen, sondern daß — 'gewiß nicht ohne unsere Schuld — auch der heilige Name G'ttes in Mitleidenschaft, gezogen ist, nur dann werden wir uns aufraffen und auch die D^STlin tPW mit ihren erhabenen Gebeten in uns wirksam werden lassen. Dann werden besonders die'iUtPli PNI m^Bfliri ihrem Grundtoh auf :uns besonders einwirken. Sind sie doch in der Hauptsache r nicht Gebe'te für uns, sondern um rWrwn pj? nxnir Gebete für das OW nisVa'daß es, baldigst 'die Welt erfüllen möge. Und es ist 'besonders ^bezeichnend, daß unsere Gebete uns gerade am ersten Tag des Jahres zeigen und lehren^ wollen, was wir Menschen als unser eigentliches Lebensziel betrachten sollen. Unser Lebensziel und unsör höchster Wunsch soll sein, .wäs^so erhaben und doch schlicht in dem p ^jy *|V fttpJ ausgesprochen ist. Unser Hoffen gilt nicht Iuns.. armseligen. Menschen, sondern einer höheren iSehnsucht. Daß die Zeit bald kommen möge, da )der Name G'ttes in der Welt Anerkennung finde limd daß damit die Zeiten über alle Irrungen und!Winningen g'ttgemäß werden. Dieser Gedanke, wird in beinahe allen D^üTS in verschiedenster Weise variiert, zu rPlrUP und zu «]D1D« Ob in •pp 'MIM 11TS' in ]vbv oder CJ'öXa ^DV überall derselbe Gedanke, dieselbe Sehnsucht. Nichts sollen wir sehnlicher wünschen, als O'X'afla Vd>< daß . alle rWelt sich zu Ihm im reinen Glauben bekennen möge. , ... ., . ' _ . j . All: diese erhabenen Gebete sind uns jedoch nicht nur Mahner, an das .Ewige in unsj Mahner, daß wir. uns über unser kleinliches (Ich' erb^eben.; sollen.^ $iev. sind; uns iaujch.Trost; und ^Erhebung Süber des5 Tages Mühsal.. Es weraen uns da^Zeiten verkündet, in welchen die Herrlichkeit des Allmächtigen allein die Welt erfüllen wird. Eine Zeit, in welcher die d^asra 1Q01S'' Ö'asr in welcher das ^mttP m^a einer besseren Zeit wei- .chen wird. Aber ganz besonders' klingen in untseren Öhren jene Töne,, die unseine Zeit kün- Iden, da der ,Name G'ttes nicht mehr geschmäht iwird. In welcher DTa^a ^31 die ganze Welt löhne. Ausnahme vbekennt niias 'S Sin^» daß Er allein'der G'tt der (Treue ist und alle Götzen und Idole in das Nicht versinken werden, aus fwelchem/sie gekommen sind, üi^n na^ 'fl..aawi ' Sin'"1 G'tt ganz allein dasteht in einer Welt, die geläutert in ih^^n Anschauungen und Ideen isich zu Ihm erhebt.'.;■