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Der Israelit · 1935-09-26 · Heft 39 (26.9.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 39 (26.9.1935)
Date
1935-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ws^^^^^^^^^ 1 ■ - ■ ■ . \f ■' . ■ ■ ■ 1935 Frankfurt a» M. 26. September 1935 28. Elül 5695 Nummer 39 Itoscfi Jjascfianafi 5696. Der Schofar, dessen Ton in-, alter jüdischer Zeit die Befreiung der Unfreien kündete, führt uns deutsche Juden .dieses Jahr aiis der unbeschränkten bürgerlichen und politischen Freiheit eines Jahrhunderts in ein eigenes, von Ausnahmegesetzen umschränktes Judenre c h t zurück. Aber mit diesem Joidenrechte soll uns( — das. ist der Wille und die Absicht der Schöpfer der Gesetze, —- der L e b e n s r a um geschaffen werden, innerhalb dessen wir unser eigenes jüdisches Haus bauen, und von dem aus wir auch ein erträgliches' Verhältnis zum Wirtsvolke finden können. So wird die Jahreswende diesesmal für a lle Teile der deutschen Judenheit, ob sie wollen oder nicht, im Zeichen der Rückkehr, der- Heimkehr stehen.; Allen, die heimkehren wollen, bieten,sich aus der Gedankenwelt des Festes die drei Grundpfeiler dar für das neu zu errichtende alte Haus: - . .-nprs ti^sjv mwn 7 Im trüben Lichte-der Zeit gesehen, besa^a die drei Worte: U m k e h r , Ein k e h r und An s c hl uß. ■• .' ' niWri ist Umkehr; es ist der Ruf: „Jude icehre um!", wie ihn die Propheten seit, zweitausend Jahren "luis warnend entgegen halten, und nun erst lebendig wirksam wird, da Andere mit Schild und Warnungstafel ihn gegen uns aufgenommen haben. nV'Bn ist die E i n k e h r , die weit mehr bedeutet als bloße Umkehr im Leben, Heimkehr d e r S e e 1 e , dahin, wo sie, bei allem Wandel und bei aller Unrast der -Zeit, ihre Ruhe und Stetigkeit findet, "orma1? Wül •'>3W* nj?*TS im höheren und weiteren Sinne ist aber Anschlu ß' an die jüdische Gemeinschaft, um mit. vereinten Kräften das eigene Haus, auf das -wir verwiesen werden, auszubauen. 7LT7X in ihrer edelsten Blüte ist das, was die Thora mit dem Worte "pS ^TU* T1V und die Lehrer aller Zeilen mit der vielfachen Ausdeutung dieses Wortes von uns wollen. .Es ist letztlich auch das( wozu uns die neuen Gesetze ungewollt erziehen, wenn sie uns in bestimmten Fällen die Beschäftigung jüdischer Arbeitskräfte vorschreiben, wenn uns lokale, Verordnungen immer mehr auf den Handelsverkehr zwischen Juden und Juden verweisen. - Als V e r h ä n g n i s mag der Sturz vom vollen politischen Recht ins Judenrecht von manchen empfunden werden. Allein, Umk eh^r , E i n k e h r und Anschluß wandeln das Verhängnis in Segen — für uns und die Welt. " •rrm-an snn ns,'p,'3»» npisi rrV'öm nanwrr-- :m; ' - ■ .• - ■ ■" ' ■ ■ . E i n Wo r t a n d i e J u den , - T - .' ■ ■■ _ ' Deutschlands. Die Vorsehung G'ttes, die-das jüdische Volk durch die Jahrtausende geführt hat, läßt die Judenheit Deutschlands den Rausch Haschono 56% in ernster Stunde erleben. Schwer und schmerzhaft ist die" Wende in unserem bürgerlichen Leben, die von den in Nürnberg vom /Deutschen Reichstag beschlossenen Gesetzen für uns Juden heraufgeführt wird, ob wir auch hoffen dürfen, daß das. deutsche Volk unter dem uns zugesicherten gesetzlichen Schütz auch die Wahrung unserer Ehre und ein Mindestmaß wirtschaftlicher Lebensmöglichkeit verstehen wird. Um so gebieterischer erwächst uns die Pflicht, den Stolz auf unsere Gemeinschaft .. im Sinne der religiösen Quellen des Judentums liebevoll im Herzen zu hegen und 'vor allem über das geschichtlich bestimmte Wesen dieser Gemeinschaft mit klarer . Erkenntnis und beharrlicher Festigkeit zu wachen. J Gerade in dem Augenblick, da die grundlegende geschichtliche Tatsache des jüdischen Volkstums in den Brennpunkt legislativer Gestaltung tritt, obliegt uns die religiöse Pflicht, feierlichst zu erklären: Untrennbar vom jüdischen Volk, ist die jüdische Religion! :Nur um G'ttes heiligen Willen, der in Seiner Thora niedergelegt ist, zu verwirklichen und durch die Jahrtausende zu tragen, lebt das jüdische Volk. Um dieses /Hochzieles willen hat G'tt dieses Volk ins Dasein gerufen und bis zum heutigen Tage erhalten. ■ ilLebensinhalt des jüdischen Volkes ist G'ttes Thora. Sie ist die jüdische Fahne, unser Panier. Als Volk der T h o r a ,; nicht im religionslosen zionistischen Nationalismus werden wir vor der. Geschichte 'bestehen. Wer die jüdische Religion_verleugnet, wer durch Taufe oder Mischehe sich von-Glauben und Gesetz seines Volkes abgewendet hat, kann im Sinn der Thora nicht mehr als einer der Unsrigen gelten. ' Wer die Religion bekämpft, hat auch mit dem jüdischen Volk gebrochen. In dem religionsfeindlichen Bolschewismus haben wir darum von Anbeginn an den gefährlichsten Feind des Judentums erblickt. Wer die Sittenreinheit verletzt, die die jüdische Religion von allen Gliedern der jüdischen Gesamtheit fordert, entweiht G'ttes Namen und Seine Thora und gefährdet und schändet das jüdische Volk. Unsittlichkeit, ob gegenüber Juden oder Nichtjuden, hat unsere Religion, haben Thora und Talmud von jeher als Verbrechen gebrandmarkt. Solange wir G'ttes heiligem Willen die Treue wahren und Seinen Namen durch unser Leben heiligen, dürfen wir.unsere Zukunft Ihm vertrauensvoll anheimgeben, G'tt führt uns. Er. wird uns nicht verlassen. Der Vorstand des Verbandes Orthodoxer Rabbiner Deutschlands .Rabbiner Joseph J. Horowitz - Frankfurt a, M, / Rabbiner Dr. A. Klein - Nürnberg Rabbiner Dr. J. Merzbach - Darmstadt

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