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Der Israelit · 1935-09-19 · Heft 38 (19.9.1935) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 38 (19.9.1935)
Date
1935-09-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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19. September 1935 D Israelit Nr. 38 Seite 11 gefordert, :spä^tejtj§ bis .^ami-.-l," KMe.y -^r^- An; Schluß, anzumelden. Sämtliche angeschlossene Gemeinden werden .g^eten, ihren Bedarf an Mehl für Mazozth nur; durch Vermittlung der Kanzlei zu decken, wodurch nicht allein das Kaschruth garantier^ sondern <sogar noch ein bplegejtiejr-'Pfeis /e^fl* werden kann. Das Unwesen der unzuverlässigen Hechscherim für Lebensmittel muß mit aller Energie abgestellt werden. Es' soll fortan ein Hechscher nur mit Einwilligung der Kanzlei ausgestellt werden können. Andere Beschlüsse betreffen organisatorische Fragen, und Ver^altiuigsmaßhahmen. Die Beschlüsse der Rabbiner wurden am Montag vom Verwaltungsausschuß einstimmig angekommen. Es wurde auch ein Finanzausschuß .gewählt, Der Präsesr Herr Schönberger, stellt fest, daß die Kanalei in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits über" achtzig wichtige Angelegenheiten von Gemeinden und Privaten zu erledigen hatte. Das icarpathoru&sische" Judentum habe in der Kanzlei eine Führung, mit der alle heule rechnen. Die bitteren Kämpfe gegen die Kanzlei kämen nur von einer Seite, von der zionistischen, deren Machenschaften in Karpathorußland von weiteren Rednern schonungslos aufgedeckt werden. Das Präsidium verspricht, auf der Wacht zu.bleiben, um alle Anwürfe und Angriffe "wirksam abzuwehren. Es wurde beschlossen, ein Regulativ über das Verhältnis -der kleinen und Filialgemeinden zu'den Bezirksgemeinden und deren Rabbinaten auszuarbeiten. England« Die Wirtschaftslage der Juden in Polen. — Auf dar Londoner Konferenz polnischer Juden des Auslands. London, 12. Sept. Auf der Londoner polnisch-jüdischen Konferenz referierte Z. T y g e 1 ausführlich über einen Plan konstruktiver Hilfe für die Juden in Polen, von denen ein Drittel völlig erwerbslos und dem Hunger ausgeliefert sei. Diese katastrophale wirtschaftliche Lage *sei zum Teil auf die zerstörenden Wirkungen des Weltkriegs, zum Teil auf wirtschaftliche und politische Benachteiligung der jüdischen Bevölkerung zurückzuführen. Der Steuerdruck laste auf der jüdischen Stadtbevölkerung besonders schwer. Juden werden vom Staat nur in geringem Maße beschäftigt, obwohl der Staat der größte Arbeitgeber ist und i. J. 1926 von den insgesamt drei Millionen Städten 1,100.000 vom Staate lebten. Während die Juden 40 Proz. der •städtischen Bevölkerung bilden und 44 Proz. der direkten Steuern zahlen, gibt es unter den Staatsangestellten nur wenig mehr als 1 Proz.; Juden. Der Zutritt zu den freien Berufen wird immer schwerer. Von den 200.000 jüdischen Arbeitern und 47.000 jüdischen Angestellten in Polen sind 60 Proz. arbeitslos, aber nur ein kleiner Teil von diesen erhält Beiträge von der Arbeitslosenversicherung. Ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung bilden die Handwerkerfamilien. Von diesen ist wiederum ein Drittel erwerbslos. Neue Vorschriften erschweren die Betätigung in Handwerk und Handel, der 38 Pro?;, der jüdischen Berufstätigen umfaßt. Ein Drittel der jüdischen Schulkinder ist auf Schulspeisung angewiesen. Als konstruktive Hilfe kämen in erster Reihe billige Kredite für Kaufleute und Handwerker in Betracht^ ferner eine "planmäßige Aktion zwecks Heranführung der jüdischen Massen, besonders der Jugendlichen, an die Produktion. Das jüdische Handwerk müsse modernisiert und rationalisiert werden, die jüdischen Händler müßten, um konkurrenzfähig zu bleiben," modernere Methoden anwenden. ■ . ' Der Vizepräsident des Verbandes polnischer Juden in Amerika, Samuel G. Dorna s h, besprach die Rechtslage der Juden in Polen und erklärte, die RegierungiSpolitik Wirke sich verhängnisvoll für die jüdische.-Bevölkerung aus. Es sprachen noch J.'Fr e id und W e i ß vom Verband - der polnischen Juden in P a 1 ä sti'na. Die a m e r i k a n i s c h e Delegation legte eine Entschließung betreffend die Schaffung eines Weitverbandes polnischer Juden vor: —- Bei einer Massenversammlung irr der Shoreditch ' Town Hall/riefen Benjamin W i n t e r und Abg. Bärnett Jann e r die 'englischen Juden auf, sich an-'der konstruktiven Rettungsaktion für die Juden in Polen zu b;eteJHgen, : -. -; ^fl&o.Kd%^n^ dex po^isqhen Ju^ejD im Ausland - geschlossen. ~ London, 12. Sept. •.;Nach Annahme zahlreicher Resolutionen wu.rde die Konferenz im Ausland lebender polnischer Juden geschlossen. Die Konferenz hat die aus Mitgliedern bestehende Exekutive des neugeschaffenen Weltverbandes beauftragt, den Völkerbund zu ersuchen, eine Legalisierung der Stellung staatenlos gewordener Juden herbeizuführen. Auch von der polnischen Regierung werden Interventionen in dem gleichen Sinne verlangt. Für die Förderung der Auswanderung aus Polen nach verschiedenen Ländern soll ein besonderer Emigrationsfonds geschaffen werden. In Palästina wird die Errichtung einer Kasse für langfristige Darlehen zur Unterstützung von Einwanderern aus Polen geplant. Ein besonderer Fonds soll zu dem Zwecke geschaffen werden, jüdische Waisen und vernachlässigte Kinder aus Polen in landwirtschaftlichen Siedlungen Palästinas unterzubringen. Ferner soll Vorsorge für die Auswanderung polnischer und staatenlos gewordener Juden aus Deutschland nach Palästina getroffen werden. In weiteren Beschlüssen wird verlangt, daß den Juden aus Polen, die als Touristen nach Palästina kamen und sich wirtschaftlich eingegliedert haben, erlaubt werde, ihre Familien nachkommen zu lassen, und daß sämtliche Angehörigen von Palästinasiedlern," die in anderen Ländern Diskriminierungen ausgesetzt sind, Einwanderungserlaubnis erhalten. — Zum Ehrenpräsidenten des neuen Verbandes wurde Sokolow, zum Präsidenten Benjamin Winter gewählt. Neben einem Hauptbüro in London werden auch in Jerusalem und in New York Verbandsbüros geschaffen. Palästina. Maßnahmen zur Sicherung des Huleh-Gebietes vor Beduineneinfällen. Jerusalem, 12. Sept. Die arabische Tagespresse meldet, daß die stellvertretenden Oberkommissare von Palästina und Syrien ein Abkommen betreffend die Regulierung der Grenze zwischen Syrien und Libanon geschlossen haben. In dem Abkommen seien auch die Lagerplätze für Beduinenstämme festgelegt worden. Hauptzweck des Abkommens sei es gewesen, das Gebiet der Huleh-Konzession vor Einfällen ungestört vor sich gehen könne. Großzügige Einbürgerungs-Aktion in Erez Israel. Jerusalem, 12. Sept. Die J.erusalemer Jüdische Gemeinde hat eine großzügige Aktion zur Erwerbung der Erez Israel-Bürgerschaft durch die jüdischen Einwohner für die Zeit vom 17. Elul bis Ende Tischri proklamiert. In dieser Angelegenheit wurde auch eine Besprechung mit dem Vorsitzenden des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, und Vertretern der Presse abgehalten. Mexiko. Die Lage der Juden in Mexico. New York, &. Sept. Bei einem Besuche in New York gab der Herausgeber der in Mexico erscheinenden jüdischen Zeitung „Der Weg", Mosche Rosenberg, der ITA. folgende Schilderung der augenblicklichen Lage der mexikanischen Juden. Die etwa 30.000 Juden Mexicos, erklärte er, haben sich den Landesverhältnissen gut angepaßt. Ihre materielle Lage ist zufriedenstellend. Es gibt in Mexico zwei jüdische Volksbanken und etwa 20 nationale Berufsvereinigungen und Finanzinstitutionen. Auch das kulturelle Leben verfugt über eine verzweigte Organisation. Die jüdische Bevölkerung ist national eingestellt, von Assimilationsströmungen gibt es fast., keine Spilf. Vor kurzem, berichtete, Herr Rosenberg weiter, wurdej der Grundstein i zu; einem eigenen Schulgebäude gelegt. Die jüdische Schule, wird im kommenden Jahre zu einer höheren Schule ausgestaltet und besitzt volles Öeffentlichkeitsrecht. Die Unterrichtssprache ist Spänisch, doch, wird::auch dem Religiösen und Hebräischen ein breiter Raum gewährt. Die Juden Mexicos verfügen1 .ferner -über .ein. ständiges jüdisches Theater. Es arbeiten in Mexico, etwa zehn jüdische Schrlltet^ler und Publizisten., Die^ einzige jüdische Zeitung ist „Der Weg*'. Zur E«p.wanderungsfrage bemerkte der Gewährsmann, daß vorlaufig Völlige Eiftwandöf^gssperre besteht ' und es den in Mexico ansässigen Juden sogar schwer ist, Angehörige aus Europa nachkommen zu lassen; man erwarte aber, daß binnen kurzem ein neues Einwandetungsgesetz erlassen werden wird, das gewisse Milderungen der bisherigen Vorschriften bringen soll. Auf die Frage nach der antisemitischen Bewegung in Mexico, v^ der in der Presse in letzter Zeit viel gesprochen wurde, antwortete Herr Rosenberg, daß die antisemitische Propaganda von der Organisation der „Goldhemden", an deren Spitze der frühere Präsident General Rodriguez steht, getragen werde. Die jüdische Bevölkerung habe aber volles Vertrauen für den gegenwärtigen Präsidenten, General Cafdenas» von dem sie erwartet, daß er die „Goldhemdfen-Bewegung" in den gebührenden Schranken, halten wird.- I. T. A.) Sprechsaal. Ueber den „Schalom-Gruß". So erfreulich es ist, daß heute überall n»w gelernt wird, so berührt es doch den orthodoxen Menschen unangenehm, hierbei einige Unebenheiten konstatieren zu müssen. In erster Linie ist es die Tatsache, daß die Teilnehmer dieser Kurse größtenteils ohne .Kopfbedeckung das jvna» erlernen. Und ganz besonders ein Wort ist es, das in all diesen Stunden oft fällt,, das jeder Lernende kennt, das Wort 'i^tf Es dürfte allgemein bekannt sein, daß das Wort "ito üvn '«3, ein Beiname n~ap>n ist. Ist schon das Sprechen unserer heiligen Sprache ohne Kopfbedeckung ein glatter -nött» um wieviel mehr ist es zu verwerfen, den heiligen Namen G'ttes mit entblößtem Haupte auf seinen Lippen zu führen. Vielleicht ließe sich ein anderes hebräisches Wort, etwa wie pin oder ähnlich einführen, um wenigstens den Dü?n Vflp zu wahren? M, Lewkowitz, Regensburg, Personalien* Randegg, 12. Sept. In diesen ernsten, bangen Tagen des Elul verläßt ein Mann mit seiner Familie die Gemeinde, dessen Wegzug ein bitterer, schmerzlicher, kaum, tragbarer Verlust bedeutet. Der bisherige Vorsteher, Herr Marko Bloch. Eine wirkliche Führernatur, der mit Umsicht, Stetigkeit und Hingabe seine kleine, tapfere Kehillah sicher und mit fester Hand durch die Fährnisse der Zeit geleitete. Sein ungestümes, heißes Herz gehörte ganz dieser Kehillah, für die er sich einsetzte mit seinem ganzen, lodernden Temperament, für die er sich wehrte und warb in Wort und Schrift. Immer wieder wies er in jüdischen Blättern und den' Gemeindezeitungen auf die Schönheiten gerade seiner Heimat hin, immer wieder fuhr der Unermüdliche nach Karlsruhe, um mit seiner Behörde, dem Oberrat, das Wohl und Wehe der Gemeinde durchzuberaten. Aengstlich wachte er darüber, daß die alten, heiligen Bräuche hier, auf dem klassischen Boden der Tradition, treu gewahrt wurden. Schulter an Schulter kämpfte er zusammen mit der durch das gemeinsame Rabbinat schicksalverbundenen Nachbargemeinde Gailingen um die Besetzung und dauernde Erhaltung eben dieses Rabbinates. Es ist sein Glaubenssatz, daß eine Gemeinde steht und fällt mit einem Lehrer. Und als vor kurzem der bisherige Junglehrer hinaufzog nach Erez Jisroel, da brachte er mit seiner nieversagenden Energie das Unwahrscheinliche fertig, daß, allen Widerständen zum Trotz, die Stelle auf diesem scheinbar verlorenen Posten von Neuem besetzt wurde« Dieses köstliche Abschiedsgeschenk an seine Gemeinde gab ihm sicher die innere Ruhe zu dem wahrlich nicht leichten Entschluß des Wegziehens. Eine eigentliche Abschiedsfeier fand nicht statt. Aber als kürzlich in einer vollbesetzten Gemeindeversammlung ein Vortrag gehalten wurde, bei der "durch eine merkwürdige Fügung zwei zu Gast weilende Besucher teilnahmen, da gestaltete sich dieser Abend harmonisch, spontan von innen heraus ,zu einer Huldigung für den Scheidenden. Es feierte den treuen Hirten der Ortsräbbiner, Herr Dr. Bohrer, es sprach Herr Prof. Darmstädter die Anerkennung des Oberrat« aus für den pflichtgetreuen Verwalter der Gemeinde, es fand Worte der Freundschaft der Synodalabgeordnete des Bezirkes. Am ergreifendsten aber sprach der also Gefeierte selbst. Mit tränenerstickter Stimme nahm er Abschied von der ihm 60 teuren Wirkungsstätte, beschwörend ermahnte er .seine Gemeinde zur Festigkeit, zum Beharren iiri! Glauben, zur Einigkeit und zum Scholaum. Sein Wirken in der Gemeinde wird Früchte tragen. Möge das Sedhüs für all das, was "er seiner Gemeinde getan, in seinem heuen Wirkungskreise ihm und seinen Lieben ZU Glite kommen. S. 'H. G,

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