Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1935)
- Date
- 1935-08-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 34 Der Israelit 22. August 1935 LITERATUR. Aschkenasisches oder sephardisches Hebräisch? Von Dr. Elias Fink. Zu. dem unter obiger Ueberchrift in Nr. 32 dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikel möchte ich folgendes bemerken: Bei einer Erörterung der Frage, welche der beiden bestehenden Aussprachen des Hebräischen vorzuziehen ist, wird der strenggläubige Jude zweifellos diejenige wählen, die unsere Vorfahren, unsere Propheten, unsere Talmudlehrer, unsere Midraschweisen gesprochen haben. Allein wie soll dieses heute nach Tausenden von Jahren ohne das moderne Hilfsmittel der Schallplatte und des Grammophons, das . auf die erwähnten Männer doch nicht anwendbar ist, festgestellt werden? Glücklicherweise ist aber doch wenigstens für diecmani 0"2M 'öDn ein indirekter Beweis für die Behauptung möglich, daß sie das Hebräische sephardisch gesprochen haben, so daß an ihnen uns buchstäblich zur Wahrheit wird DW TlSt? 3317» 1. An den Satz der 'j >'2 pö mmi mwa: min1' *m mw •»dt 'ai "»nrnisa pipi «Vi mp naik „hat man beim Lesen des die Buchstaben nicht genau ausgesprochen . . ." knüpft im Talmud (n"S? V'B *]"?) 82*1 eine Reihe von Beispielen, wo namentlich auf Verhütung des Zusammenfließens gleichklingende Buchstaben zu achten ist, insbesondere dann, wenn ein Wort mit dem gleichen Buchstaben beginnt, mit dem das vorhergehende endigt, wie bei •pxö Dsna -"pa1? '-pa>3 Üw» »^nö *]asn Die beiden ersten Beispiele betreffen zwei Buchstaben (2 und d)' die als sogenannte D^SDiaa- Buchstaben eine zweifache Aussprache zulassen, eine harte 3 b; s=p, und eine weiche 3 — w; s f. Wir Aschkenasim lesen essew bessodecho und hakonof pessiel, haben also in diesen beiden Fällen gar nicht gleichklingende Laute am Ende des ersten und Anfang des zweiten Wortes ideser Paare. Für uns hätte demnach NUT bei diesen beiden Beispielen sich vergriffen, was natürlich ausgeschlossen iat Für den Sefardi aber, der esseb besadecha und hakanap pessil liest, sind diese beiden Beispiele ebenso treffend wie die übrigen. Hiermit ist erwiesen, daß und wohl auch seine Genossen das Hebräisch sephardisch gelesen haben. 2. Im 'n 'tj nms) rriwna nm am» heißt es: nam tn» aw rum aira inxa tkö »ai imina 'Dia aiu ,,in der von Rabbi Mei'r benutzten niin fand sich bei den Worten ~kd Xiü mm (G'tt sah, was er geschaffen hatte, und siehe da, es war sehr gut) eine von ihm hinzugefügte Anmerkung „und siehe, gut ist das Sterben." Während uns Aschkenasim diese Anmerkung durchaus rätselhaft erscheinen muß, da wir zwischen tko me-aud und rna — maus außer gleichem Anfangsbuchstaben und vielleicht auch annähernd gleichen Vokal seine Uebereinstinimung feststellen, klin-, gen für den Sephardi beide Wörter fast vollkommen gleich, denn er liest TNa m'ohd und ma — moht. So wird es begreiflich, wie T>xa "1 durch den Gleichklang beider Wörter an den Tod denken mußte und zur Erkenntnis geführt wurde, daß auch dieser vom Weltenschöpfer als ein Gut ins Weltgetriebe eingereicht worden ist. Nachdem durch diese beiden Beispiele, die von manchem Leser vielleicht noch vermehrt werden können, außer Zweifel gestellt ist, daß unsere o^n sephardisch gesprochen haben, fehlt uns jede Grundlage zu einer btnb tSHj? ^a "^7377 d. h. zu einer Scheidung zwischen Gebetsprache und Umgangsprache. Wäre eine solche wirklich vonnöten, so hätte in pio sratp nx^P JTDVh "> rp^n '3 nicht gesagt; | ^aa toip/n nrna ">n->ip ]wb ^aa säv ns tn» »Tip pipim \wbn wisap tow "»Wa nnrn1? "px p^V '«npn'psrVa pipiaw loa■ pwVn'miiia' „man darf yaip in jeder-.Sprache lesen, die man versteht; hierbei muß man Fehler in dieser Sprache vermeiden und in ihrer Aussprache es ebenso genau nehmen wie in der heiligen Sprache." Wenn demzufolge die Weihe des Gebets nicht so sehr durch die dabei angewandte Sprache bedingt ist, als vielmehr durch ihre fehlerfreie Handhabung, so braucht auch unsere Jugend nicht mehr die aschkenasische Aussprache neben der sephardischen, welch letztere sie ja doch nicht mehr entbehren kann wie früher. „Aushöhlung und Abschleisung der überlieferten biblisch-prophetischen Ausdrucksmittel" sind nicht zu befürchten von der gebrauchten Aussprache, sondern höchstens von etwaigem fremden Gedankengut, zu dessen Ausdruck die Sprache mißbraucht wird. Aber diesem Mißbrauch kann doch nicht durch rein äußerliche Maßnahmen gesteuert werden. Was' schließlich „die Anpassung an die Gebetsprache der aschkenasischen Eltern" betrifft, so darf man vom pädagogischen Standpunkte aus viel eher diesen Eltern eine Umstellung zumuten, als die Schuljugend mit einer Doppelaussprache des Hebräischen belasten, die sie nur verwirren kann und den vorstehenden Ausführungen zufolge durchaus zu entbehren ist. Bücherbesprechungen, Die Mischna, Text, Uebersetzung und ausführliche Erklärung. Herausgegeben von Prof. D, Dr. Beer, Heidelberg, Prof. Dr. Krause, Wien, Priv.-Dozent Lic. Rengstorf, Tübingen. Sukka (Laubhüttenfest) Text, Uebersetzung und Erklärung nebst einem textkritischen Anhang und einer Tafel von Hans Bornhäuser, Dr. theol., Vikar in Mannheim. Berlin. 193 5. Verlag von Alfred Töpelmann. Groß- Oktav VIII. 197 Seiten. Ladenpreis Mk. 16.—. Daß diese Mischna-Ausgabe lediglich in usum delphini erscheint, d. h. in erster Linie zum Gebrauche für Theologe^ zeigt sie auf Schritt und Tritt durch häufige Bezugnahme auf das Neue Testament. Ohne diese Berücksichtigung läge auch wohl kaum ein Bedürfnis für eine deutsche Uebersetzung der Mischna vor, nachdem eine solche durchaus brauchbare von Baneth und seinen Mitarbeitern bereits vorliegt, auf die unser Verf. auch oft genug verweist. Ihm sind auch unsere klassischen Kommentatoren zur Mischna, die Maimonides' und Bartinoras, nicht weniger bekannt als die Bibelkommentatoren Raschi und Malbim. Andere dagegen und zwar nicht minder hervorragende, wie Lippmann. Heller und Israel Lipschütz, hat er leider nicht berücksichtigt. Allerdings zitiert er an einer Stelle (S. 103) den Kommentar zw ov msoin -ip'sr/ ohne zu wissen, daß dieser nur einen Auszug aus dem aia ov> riöoin des L. Heller darstellt. Und doch hätte gerade dieser auch für die Ermittelung des richtigen Textes oft mit Nutzen herangezogen werden können. So z. B. ist (S. 110) JJ bei saos'Nn entschieden falsch und durch 11 zu ersetzen, worauf eben dieser L. Heller im Anschluß an b. Sukka 45a hinweist. Auf dem „Dache" des Säulenganges würden ja unter dem Einfluß der Sonnenhitze die D'n'TiV verdorren, wogegen sie Raos'« aa vollkommen geschützt sind, nämlich auf gedecktem Lehnsessel. — Daß (S. 115) die Lesart "im ,38 die einzig richtige ist und das in keineswegs durch ton zu ersetzen ist, hat bereits Raschi zu b. Sukka 45a angegeben und ebenso auch L. Heller. Es ist überhaupt zu bedauern, daß Bornhäuser unter dem Einfluß von Rengstorf sich hat bestimmen lassen, seinem Texte die Kaufmännische Handschrift zugrunde zu legen, obwohl er selbst von deren Fehlerhaftigkeit überzeugt ist. Sagt er doch (S. 160) selbst von dem Schreiber dieser Handschrift, daß ein Fehler — er schreibt ö'jro, wo nur/nvinira richtig sein kann — „kein gutes Licht auf ihn wirft." Bedenkt man ferner, daß nicht weniger als 52 fehlerhafte Stellen dieser Handschrift vom Verf. angemerkt sind, so wird man wohl bezweifeln dürfen, ob sie „ein guter Zeuge" (S. 175) genannt zu werden verdient, Ihr gegenüber hätte die Handschrift von Parma, oder die von Cambridge, "die doch ebenfallss „gute alte Zeugen" sind und „eine viel geringere Anzahl derartiger Fehler aufweisen" (S. 176), entschieden den Vorzug verdient. Beachtet man schließlich auch noch das Zugeständnis des Verf. (S. 185,)i, daß „die Genizafragmente der Mehrzahl mit den ältesten Zeugen, und zwar mehr mit Parma und Cambridge als mit Kaufmann parallel gehen," so ist nicht zu begreifen, wie trotzdem diese letztere zum Muster gewählt Werden korinte. Das einzige Moment, das für sie spricht, ist zudem rein negativer Art; sie „steht nämlich der Mischna des Babli-. am fernsten." Allein dieses ^Verdienst" hätte ihr doch wahrhaftig nicht das entscheidende Uebergewiöht über alle übrigen einräumen dürfen! - Während die Uebersetzung uneingeschränktes Lob verdient, ist in der Erklärung manches zu beanstanden. Daß (S. 29) eine Laubhütte verzehntet werden müßte, beruht' auf einem Mißverständnis von Hnwya III 7, wo von dem in die nao gebrachtem G e - t r e i d e gesagt wird, es müsse eben so /gut verzehntet werden, als „ob es ins Haus gebracht worden! wäre. An der gleichen Stelle ist der Hinweis auf Exod. 25, 25 verfehlt. Hier liegt offenbar eine Verwechslung vor von man im Vers 17 mit mao» Vers 25. Dieses heißt aber nicht Deckel,-^ sondern Leiste, Einfassung und gehörte zum in*???' aber nicht zum P"n< Da im Pentateuch die Dicke des Deckels nirgends angegebeji ist, wird sie erst in langer Diskussion im Babli (nao 5a und sav 72b) ermittelt. — Mehr noch" zu bedauern ist es, wenn unser Verf. die Fabel von der religiösen Minderwertigkeit der Frau (S. 71) sich zu eigen macht. Wenn er dabei auf die Regel von m-nös qivi sau prn» r.wv verweist, so ist darauf, zu erwidern, daß diese Regel keineswegs allgemein gilt, sondern viele Ausnahmen aufweist und mithin zur Erhärtung jener Fabelei untauglich ist. In dem Pentateuchkommentar von S. R. Hirsch Bd. III 630 findet man eine recht einleuchtende Erklärung für jerie scheinbar auffällige Befreiung der Frauen von einer Anzahl »mj imm nmv ivmv die lediglich mit der symbolischen Bedeutung dieser >r>ixa zusammenhängt und eine Minderwertigkeit der Frauen so wenig ausdrückt, daß sie im Gegenteil ihre größere Zuverlässigkeit und Standhaftigkeit in religiöser Begeisterung bekundet. Die hohe Stellung der Frau im Judentum ist hinreichend belegt durch nwin 24, 67, wo der 40jahrige Jizchok in der nachhaltigen Trauer um den Verlust seiner hochbetagten Mutter Trost findet in seinem Weibe. Der biblische Name des ersten Weibes mn deutet schon dessen hohe Stellung als „Lebensspenderin" an. — Daß (S. 144) zu Dochten lediglich reine Leinwand verwendet werden durfte, trifft schon deshalb nicht zu, weil ja der Priestergürtel Bans aus dem die Dochte auch bereitet wurden, im -Gegensatze zu den D'oaa». die allerdings nur aus reinem Leinen hergestellt waren, auch Wolle enthielt. (Exod. 39, 28 und 29). Der mir hier zugemessene Raum verbietet ein Eingehen auf manche anderen Unrichtigkeiten. Von den 10 angemerkten Druckfehlern sei nur der auf S. 75 hervorgehoben, weil er sinnstörend ist: . statt •ws» muß es 'wsx heißen. Die beigegebene Tafel, die einen wirklichen Vorzug des Buches bildet, hätte einen noch höheren untemchtliehen Wert, wena die zugehörige Schrift ohne Zuhilfenahme der Lupe leserlich gewesen wäre. Eine weitere Erleichterung für den Leser wäre zu erreichen, wenn jede Textseite oben Zahl des Abschnittes und der frcVn trüge und wenn die Nummerierung der einzelnen Teile von dem inneren an den äußeren . Band der Uebersetzung versetzt würde. Eine solche Hilfe beim raschen Aufsuchen von Stellen, auf die verwiesen „wird, wäre auch beim Text von Nutzen. Doelfi. Juden und Judentum in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten. Herausgegeben und erläutert von Franz Kobler, Wien. 19 3 5. Saturn-Verlag. Es war ein glücklicher Gedanke, in diesem Augenblick, da das geschichtliche Problem der Beziehung des Diaspora-Juden zur Kulturwelt schwerste -Verwicklungen zeitigt und leidenschaftlich erörtert wird, in einer Sammlung von Original-Dokumenten aus drei Jahrhunderten die Stimmen repräsentativer Vertreter aus beiden Menschheitsgruppen aus dem Grabe heraufzubeschwören. Das Buch beginnt mit dem ausgehenden jüdischen Mittelalter (1648—1750), widmet naturgemäß den. breitesten Raum der "Emanzipationszeit von Moses Mendelssohn bis Max Liebermann und schließt mit der Periode 1897—1932, die"es als „Krise der Assimilation" bezeichnet. Trotz der ungeheuren Reichhaltigkeit des Werkes- — es umfaßt 400 Seiten — ist die Beleuchtung des r e 1 i - giösen Problems etwas dürftig ausgefallen. Offenbar fehlte es an QueJ|lenmaterial in Briefform, so. daß der Verfasser dazu greifen mußte, ein Fragment aus Si R, Hirschs „Neunzehn Briefen Über das Judentum" (also kein eigentliches B r i e f- Dokument); mit aufzunehmen. Dann kommen Proben aus dem Briefwechsel zwischen Moritz Veit und Michael Sachs und einzelne Briefe Geigers „und Zunzens. — Auf alle Fälle ist das Buch eine äußerst anregende Lektüre und auch für die nach historischer Erkenntnis'* verlangende Jugend ein gutes Quellenbuch. Amerika, Roman von Franz Kafkä;. "Berlin. Schocken-Verlag. Nach Ansicht des Herausgebers bildet dieses den zweiten Bandder Gesamtausgabe ausmachender -Roman-Fragment mit den beiden Erzählungen „Der Prozeß und „Das Schloß" eine innere Einheit. Das Grundthema sei das Problem der Fremdheit, der Isoliertheit mitten unter den Menschen. Hier ist es die Hilflosigkeit eines unerfahrenen Menschen mitten in dem vom Leben tobenden Amerika, die die Phantasie des Dichters reizte und beflügelte, und die er mit seiner schlichten, die Wirklichkeit bildhaft gestaltenden Kunst zur Lebensgeschichte gestaltet. Auch in diesem Werke spricht eine schöne anteilvolle Menschlichkeit zum Leser -— spezifisch Jüdisches tritt nicht, zutage. Vielleicht bringen es die Tagebücher Kafkas; "deren VefSffetttHchuttg der Herausgeber u. a. verheißt.