Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450890--81485-2539381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 14 Nr. 33 Der Israeli! 15. Äugusfc 1935 ich erst die geräucherten Fische essen, zumal es bis Nacht sehr spät wurde. Ich zündete meine Jomtow lichter auf meinem Waschtisch an, empfing den schö nen Jomtow nach arbeitsreichen Wochen mit beson derer Freude, um dann mein Mahl einzunehmen. Müde kroch ich dann unter dem Moskitonetz in mein Bett. Mit. der zunehmenden Dunkelheit kamen, von den Lichtern angelockt, Scharen von Moskitos in mein Zimmer, doch war ich durch >däs Moskitonetz vor ihnen geschützt. Schlafen konnte, ich nicht, die.klei nen bösen Insekten summten und sangen zuviel um mich herum, und dazu kam ein anderes Konzert: Da knapperte und nagte es mit vollen Kräften an meiner Reisetasche, ^und durch meinen Moskito-Schleier sah ich große Ratten, die sich an meinen so kostbaren Vorrat machten. Wegen der Moskitos konnte ich nicht aus meinem Bett, und konnte nicht die Ratten daran hindern, daß sie ein großes Loch in meinen Koffer fraßen und nach und nach die Würste wegschleppten oder zur Unbrauchbarkeit annagten. Erst gegen Morgen fiel ich in bleiernen Schlaf. Am Mor gen im Sonnenlicht, war der ganze nächtliche Spuk verschwunden, und mein Wurstvorrat auch! — E: vergingen Wochen und Monate und kut2 vor dem nächsten Pessach kam ich wieder nach New York zurück. Am Seder fiel mir ein, daß .ich meinem Freunde 0. noch das Geld für die damals gesandte Wurst schulde. Derselbe wollte aber davon nichts wissen und machte dagegen allerlei Ausflüchte. Da erzählte ich ihm mein Rattenerlebnis da drunten in der Nähe des Golf von Mexiko, und daß ich von der Wurst gar nichts abbekommen habe. Da atmete er erleichtert auf und erzählte mir, daß kurz nach Absendung des Paketes es sich herausgestellt habe, daß die bewußte Metzgerei ganz unzuverlässig war, und ^die Wurst trotz Koscher-Plomben trefo war. — Die Ratten und die Moskitos hatten mich vor dem Genuß der Wurst bewahrt; "b yvcis mt£> san. Vom östlichen Humor, Der Humor in den Warschauer, Wilnaer und Rigaer Zeitungen zieht in letzterer Zeit wiederum seine Nahrung fast ausschließlich aus dem schwarzen Boden der zugespitzten wirtschaftlichen und politischen Lage. Hier einige Beispiele: „Das Dach ist durchlöchert, wird es nicht naß im Zimmer sein?" sorgt sich auf Nalewki der Wohnungssuchende. „Höchstens nur, wenn es regnet," antwortet der Hausbesitzer seelenruhig ..." ' . * „Sollte ich bei den nächsten Sejmwahlen durchfallen und nicht mehr Deputierter sein, dann muß ich mich nach einem ehrlichen Gewerbe umsehen ..." In G r o d n o , der polnischen Stadt der Judenexzesse, sagte der Bürgermeister zu der jüdischen Delegation: „Ihr Juden könnt wirklich nicht leugnen, daß wir euch Gastfreundschaft erwiesen haben." „Gastfreundschaft?" bestätigt der Führer der Delegation. „Viel mehr. Ihr habt an uns neben „Hachnosas Orchim" auch „Bikkur Cholim" und „Halwojas Hamess" geübt ..." „Jeckel verkauft die Ware zum Selbstkostenpreis." „Also ganz umsonst, denn er hat die Ware nie bezahlt ..." Am Jordan bittet ein Jude den arabischen Bootsmann, er möge ihn umsonst hinübersetzen, er würde ihm zum Entgelte einen Rat erteilen, wie er sich in Zukunft vor Schaden bewahre. Der Araber ist neugierig und bringt den Juden hinüber. „Nun laß deinen Rat hören!" „Ich rate dir, nächstens keinen umsonst hinüberzurudern, wenn du vor Schaden bewahrt sein willst." Warum spenden die Leute ganz gern für.Alteh¬ und Krüppelheime, selten aber für Thoragelehrte? Wohl fürchten sie, einmal selber alt, verkrüppelt und hilflos zu werden, nie aber einmal Gelehrter zu werden. . Man kauft jedes Jahr zum neunten Aw neue Kinothbücher und zu Pessach neue Hagadoth. Weil jedes Jahr seine neuen Klagen hat und der „Roscho" vom vorigen Jahre heute schon ein „Chochom" ist. Kinderecke. Israel in Ägypten- Dem Sefer Hajaschar nacherzählt von Rabbiner Dr. Robert Zion. (Fortsetzung,] Die Rede der Königin machte großen Eindruck auf das ganze Volk. Es beriet bis zum Abend und krönte am nächsten Morgen Minochris zum König von Kusch. Aber dem Mose täten sie nichts Böses, sondern entließen ihn mit großen Ehren und mit reichen Schätzen. So verließ Mose mit siebenundsechzig Jahren das Land Kusch. Q'tt hatte es so gefügt, weil das Ende, die Zeit der Befreiung Israels aus Aegypten, herannahte. Mose wanderte gen Midjan, denn er fürchtete, nach Aegypten zurückzukehren.^Als Mose zu einem Brunnen in Midjan kam, wollten gerade die sieben Töchter des Midjaniters Reuel ihre Schafe tränken. Nachdem sie bereits Wassr geschöpft hatten, kamen midjanitische Hirten und vertrieben sie. Da trat Mose hinzu, half den Mädchen und tränkte ihre Schafe. Die" Töchter erzählten alsbald ihrem Vater, ein ägyptischer Mann habe sie gerettet. Reuel rief Mose ins Haus und lud ihn zum Mahle ein. Als Mose dann seine ganze Geschichte erzählte, beschloß Reuel, den scheinbar geflohenen abgesetzten König gefangen zu nehmen, um dem Reiche Kusch gefällig zü sein. Daher warf Reuel den Mose ins Gefängnis und reichte ihm keinerlei Nahrung, um ihn Hungers sterben zu lassen. Aber seine Tochter Zippora hatte Mitleid und versorgte Mose täglich mit Brot und Wasser. So blieb Mose zehn Jahre lang im Gefängnis. Um diese Zeit war das Volk Israel noch immer in Aegypten versklavt. Die Fron wurde sogar immer noch schwerer, denn Pharaos Haß gegen Israel wurde immer hemmungsloser, G'tt bestrafte den Pharao mit furchtbarem Aussatz am ganzen Körper, von der Fußsohle bis zum Scheitel. Zur Heilung des Aussatzes schlugen die Weisen und Zeichendeuter vor, das Blut kleiner K'.nder auf die kranken Stellen zu streichen. Daher ließ der grausame König täglich ein israelitisches. Kind seiner Mutter entreißen und von seinen Aerzten töten. Aber dieses Mittel nützte nichts, obgleich das Blut von dreihundertundfünfundsiebzig Kindern zu diesem Zwecke vergossen wurde. G'tt strafte den Grausamen und schlug ihn auch noch mit bösem Grind. Eines Tages kehrten zwei Diener des Königs aus Gosen zurück und meldeten dem Könige, die Kinder Israel seien nachlässig und faul geworden. Als der kranke Pharao dies hörte, regte er sich sehr auf und tobte: „Weil die Kinder Israel wissen, daß ich krank bin, glauben sie, über uns spotten zu können. Spannet schnell meinen Wagen an, denn ich will nach Gosen fahren und sehen, wie die Israeliten über mich spotten!" Da spannten seine Diener den Wagen an und höben Pharao aufs Pferd, denn er konnte nicht reiten. Pharao nahm zwanzig Reiter und zehn Fußsoldaten mit. An der Grenze der Provinz Gosen geriet das Pferd des Königs, auf einen engen, hohen Pfad zwischen Weinbergen und der Ebene. Die Pferde wurden unruhig und stießen aufeinander. Dabei wurde «das Pferd des Königs gestoßen, so daß es mit dem Könige in die Tiefe stürzte. Dabei überschlug sich das Pferd und fiel auf den König. Pharao schrie sehr, denn er hatte sich durch die Quetschung starjs verletzt und mehrere Knochen gebrochen. Seine Diener hoben ihn auf die Schultern und trugen den totkranken König in den Palast zurück. Die Königin trat ans Bett und beide weinten heftig» Als die Fürsten und Diener Pharaos ihn im Sterben liegen sahen, weinten auch sie sehr un4 baten ihn unter Tränen, denjenigen seiner Söhne, den er für würdig halte, zu seinem Nachfolger zu -ernennen; Der König hatte .nämlich drei Söhne und zwei Töchter von der Königin und außerdem viele-Kinder von den Nebenfrauen, Der älteste, der Söhne war ein Dummkopf; abet* der Zweite, Adikam mit Namen, war sehr gewandt und klug und in allen Wissenschaften Aegyptens gebildet. Er war jedoch außergewöhnlich häßlich und dick und sehr klein, nur sechzig Zentimeter groß. Wegen seiner großen Verschlagenheit und Klugheit hatte ihn Pharao schon längst zum Thronfolger aus ersehen und ihn daher früh verheiratet. Von seiner Hauptfrau hatte Adikam, vier Söhne und von drei Nebenfrauen acht Söhne Und drei Töchter. Als Pharao Malol sah, daß sein Leiden unheilbar war, übergab er die Regierün| seinem Sohne Adikam, Nach drei Jahren starb der König und war so furchtbar entstellt; daß man ihn ohne Einbalsamierung begraben mußte, was für einen ägyptischen König als große. Schande galt. Vierundneunzig Jahre lang hatte Malol regiert, davon die letzten zehn Jahre in schwerer Krankheit. Nach Malols Tode wurde Adikam auch offiziell zum König gekrönt und erhielt den Beinamen Pharao. Er regierte nur vier Jahre lang; aber er war noch frevelhafter als seine Vorgänger und erschwerte den-Israeliten , ihr Los immer mehr, Pharao, dessen kleine Gestalt durch einen sehr langen Bart noch abstoßender wirkte, bestellte über Israel Aufseher aus ihrer Mitte und Antreiber aus den Reihen seiner Diener. Wenn die Israeliten die festgesetzte Anzahl von Ziegeln an einem Tage nicht erreicht hatten, so entrissen die Antreiber den Frauen eine entsprchende Anzahl von Kindern und mauerten sie in den Bau ein, Sie zwangen sogar die Väter, bei der Einmauerung ihrer Söhne mitzuwirken. Und so vermischten sich die Tränen der Väter mit dem Lehm. Die Zahl der auf diese grausige Weise umgebrachten Kinder betrug 270. Die Kinder Israel seufzten schwer unter dem Joche des neuen Pharao. Sie hatten gehofft, er werde ihnen ihr schweres Los erleichtern, aber er hatte es sogar noch erschwert. So stieg ihr Flehen und Seufzen zu G'tt empor, und G'tt hörte ihre Stimme, gedachte seines Bundes mit den Vätern und beschloß, sie zu erretten. (Fortsetzung folgt.) Wie unsere Kinder Erez Jisroel sehen.*) Wie ich. mir Palästina vorstelle. Es muß ein beglückendes Gefühl seift, zwischen lauter Juden .zu wohnen, die l hebräische Sprache zu benutzen und nicht den Anfeindungen der Nichtjüden ausgesetzt zu sein. Die Behauptung der Antisemiten, daß die Juden ein Handelsvolk sind und Handwerk und Landwirtschaft nicht kennen, wird hier am glänzendsten widerlegt. Wer die kräftvollen jüdischen Männer sieht, die-aufs Feld und in ihre Werkstätten eilen, muß zugeben, daß der Aufbau in besten Händen liegt. Wenn man sich Tel Awiw und seine, gepflegte Umgebung ansieht, kann man kaum glauben, daß vor 30 Jahren an dieser Stelle unbebautes Land war. Es muß .herrlich sein, tätigen Anteil an der Aufbauarbeit zunehmen. Aber trotzdem dürfen wir uns- Palästina nicht als ganz fehlerloses Land ansehen. Die. verschiedenen Strömungen im Judentum mächen sich auch dort bemerkbar. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen frommen und unfrommen, zwischen West - und "Ostjuden untergraben vieles, dasdurch einige Zusammenarbeit erreicht werden könnte. Dessen ungeachtet ist Palästina ein Land, das noch einer großen Entwicklung entgegensieht. Wenn wir uns vor Augen halten, wie. das. Land vor 30 Jahren aussah und welche Fortschritte es bis heute gemacht hat, sind wir berechtigt, zu hoffen, daß Palästina uns allen «ine freie und schöne Heimat sein wird. Heranann Ro t enstein, : "*. Schüler der Israel. Volksschule zu Ffm.' Kl. Iä. *) Aus der Serie der Aufsätze der Schüler der S. R. Hirsch-Schule und Israelitische Volksschule in Frankfurt a. M.