Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M. 15. August 1935 16, Ab 5695 Nummer 33 Auf Initiative der belgischen Landesorganisation der Agudas Jisroel in Antwerpen fand am Sonntag und Montag eine gut besuchte Konferenz der westeuropäischen Landesorgänisationen der Agudas Jisroel statt. Etwa sechzig Delegierte und führende Mitglieder der Aguda aus Belgien, England, Frankreich, Holland, Schweiz und Deutschland waren erschienen und ein zahlreiches Publikum nahm an den meist öffentlichen Verhandlungen teil. Das Präsidium bildeten die Herren Oberrabbiner R ö 11 e n b € r g , Antwerpen; .Lew e h s t e i n » Zürich; Hirsch , Zwolle; Rabbin o w i t z - Su n d e rland, Dr. Nathan B ir n b a um , J. Ro t s ch i 1 d , Antwerpen; Dr. Eh r m a n n , Frankfurt: a. M.; Jacob Rosenheim, Frankfurt ä. M. Das praktische Ergebnis der Tagung ist die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der westeuropäischen Landesorganisationen (Belgien, England* Holland, Frankreich, Schweiz, Skandinavien) für die Zwecke der Organisation, Propaganda, Keren Hathora- und Keren Hajischuw-Arbeit, sowie gegenseitiger. Unterstützung mit dem Sitze in L o n d o n unter dem Präsidium von Mr. Harry Goodmän. Die Mittel zur Berufung eines hauptamtlich tätigen Generalsekretärs wurden zur Verfügung gestellt. Dem Sekretariat wird ein Jugendamt angegliedert, das den von der zahlreich anwesenden Jugend, geäußerten Anregungen . Rechnung tragen soll. Der Sonntag war einer freimütigen Aussprache unter den Delegierten über alle aktuellen agudistischen Fragen im Anschluß an einen Bericht der Exekutive gewidmet. Montag referierten in öffentlichen Sitzungen Oberrabbiner Rottenb erg und Rabb. Rabbinowitz über Keren Hathora- und Bes Jaakauw-Angelegenheiten, nachdem schon zu Beginn der Tagung der Präsident und nach ihm namens der Exekutive Jacob R o s e n h e i m des am Trauertage des jüdischen Volkes in die Ewigkeit eingegangenen, allbeliebten Schöpfers und Leiters des agudistischen Chinuch, Dr; Leo D e u t s c h l ä n der *?"2n in erschütternden Worten gedacht hatten. Die ganze Tagung stand unter dem Eindrucke dieses furchtbaren Schlages. Beifallsstürme entfesselten die Referate Harry G o o d m a n s über die Grundprinzipien; der agudistischen Organisation und der anderthalbstündrge geistvolle Erez Isroel- Bericht Dr. E h r m a n n s.. Von Jubel begrüßt richtete Dr. Nathan B i r n b a u m trotz sichtbarer Schwäche nach kaum überstandener Krankheit eindrucksvolle Worte der Ermahnung an die Jugend, während Direktor R a b binowitz aus Jerusalem hebräisch und deutsch überaus gründlich und originell das Thema der Kulturun d Erziehungsprob 1eme Erez Isroels behandelte.- Die Erez Isroel-Debatte konnte erst -Montag Abend 10 Uhr für die Dauer einer Nachtsitzung einsetzen. Dienstag Abend soll eine Massenversammlung als Abschluß der Tagung stattfinden. Genauerer Bericht bleibt vorbehalten. Zentralkomitee der Aguda gegen AnscnluO an die Nene Zionistische Organisation. Warscha u, 13. August Das Zentral k o mitee der/Agudas J i s r o e 1 i n Pol e n hat eine Erklärung betreffend die Beziehungen zur Neuen ZionistischenOrg ani sation (NZO.) veröffentlicht. In dieser Erklärung werden die orthodoxen Juden vor dem Beitritt zur NZO. gewarnt. Wer als Mitglied oder Freund der Aguda, heißt es in dem Aufruf, der NZO. beitritt, schließe sich selbst aus den Reihen der Agudas J i s r de laus. Aus dem Inhalt: Die Juden im Saargebiet ....... Seite 2 Gegen wildes Plakatieren ......Seite 2 Bericht der Mandatskommission über Palästina Seite 2 Religiös-liberale Offensive in Palästina Seite 4 Programmatische Plattform der NZO. Seite 4 Wo wir hingehören.........Seite 5 Trost aus Trümmern.........Seite 5 Ein Wegweiser durch Golustoacht Von Dr, Michalski .......Seite 6 Ausschluß von Juden . ... ... . Seite 7 Zur litauischen Landeskonferenz der Z. A. J. Seite 8 Palästinaberichte ........ Seite 9—10 Kinderecke ............ Seite 14 Dr. Leo Deutschländer Vitt. Das Wort, das uns gestern erklang und manchem von uns an Ohr und Herz vorbeiging, heute wird es jedem von uns zu erschütternder Frage und Klage; Ti DTK fsiKh* MÖ. «Was klagt der lebende Mensch, genug ihm, daß er leben darf!" traWl 'K ^»X tPSD M2lh KWl „Wir müssen unser Herz festnehmen in unsere Hand und so tragen wir es entgegen G'tt im Himmel!" Bevor wir nachsinnen über das Leben dieses geUebtesteri Menschen, sind wir pin j?*nx» und erleben es in tiefster Seele:-»s üTl Y73 VbV btJJ! Leo Deutschländer ist tot! Man braucht nicht nach Worten des Midrasch zu suchen, uin das, was uns alle getroffen, richtig schildern zu;können; man braucht nicht von diesem Tag der Trauer durch die Jahrhunderte erst ablesen, was Trauer ist und wie man trauert, Wenn man an ihn denkt, der uns allen so unendlich viel gewesen —- und nun nicht menr ist! Wollte man Leo Deutschländer gerecht werden, so, wie er es verdiente, dann müßten sich viele Menschen zusammensetzen, Menschen der : | i ' . 1 4 verschiedensten Berufe und Fähigkeiten und jeder von ihnen würde ihn mit Recht als s e in e n engsten ^Genossen reklamieren: da käme der Er-, zieher und schilderte ihn als den wunderbaren Erforscher und Gestalter jugendlicher Seelen, da käme der T'nachforsch er und sänge das Lied des Mannes, der die Bibel zu deuten wußte wie ganz wenig andere neben ihm, da käme der Politiker und sagte aus über seine unvergleichlichen Fähigkeiten, Menschen und Verhältnisse auszugleichen und für ein gemeinsames Ziel zusammenzuschweißen, da käme der Organisator und huldigte bewundernd den Werken, durch die Leo Deutschländer schon während seines Lebens in die Geschichte unseres Volkes eingegangen, da kämeder Wissenschaftler, der Literaturforscher und priese den kenntnisreichen und gründlichen Gelehrten! Und kämen sie alle und schilderten ihn als den i*h r e n, so hätte jeder doch nur eine Seite seines Wesens, seiner Leistung, seines Könnens geschildert, nicht die Seite. Denn dies war ja das Wunderbare, das Einmalige an L e o Deutschländer, daß er so vielseitig war und dennoch jede Seite beherrschte! Und könnte sein verstummter Mund auf unsere Frage: „Wer soll das Lied deines Lebens singen?" Antwort geben, dann hörten wir gewiß die Antwort: Niemand!" Denn er war ja bescheiden bis in die geheimsten Falten seines Wesens und nichts war ihm ferner, ja, verhaßter als alles, was mit dem Wort „Kowaud" zusammenhing. Sein Beruf zwang ihn, oft vor die Menschen zu treten: das Referat machte ihm keine Schwierigkeiten, aber die Begrüßung durch den Versammlungsleiter — „der Hesped bei lebendigem Leib", — wie er sich scherzend auszudrücken pflegte, das war ihm immer eine Tortur! Und wenn wir heute, ohne ihn zu fragen, aber aus der nahen Kenntnis seines Lebens und Strebens, die Menschen über Leo Deutschländer aussagen ließen, die sein Herzblut und seine Sorge (Fortsetzung siehe Seite 3.)