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Der Israelit · 1935-08-08 · Heft 32 (8.8.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 32 (8.8.1935)
Date
1935-08-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 32 Der Israelit 8. August 1935 nen. (S. 75.) Er bejaht diese Frage, weil die Juden „fanatisch gläubig" waren, „bar jeder Art von Toleranz". Ist dies, die subjektive Auffassung des Verfassers, ein hinreichender Beweis? Und selbst wenn die Strenge der Juden in Glaubenssachen sich auch nach außen gewandt haben sollte, wofür der Beweis noch zu erbringen wäre, — man darf den Haß und die Verachtung der Juden gegenüber abtrünnigen Juden nicht mit einem Haß gegen die geborenen Christen gleichsetzen und als „jüdischen Christenhaß" (a. a. O.) bezeichnen — ließe das einen Schluß auf die Verübung von Hostienschändungen zu? Eine solche Antwort, wie Grau sie hier gibt, darf sich nicht auf Gefühle stützen, sondern muß erwiesene Tatsachen als Grundlage haben, sonst darf sie der Historiker nicht geben. ' Grundsätzlich Ahenliches ließe sich zu der Beurteilung sagen, die Verfasser Herzog Georg angedeihen läßt (S. 98}, dessen sinnfälliger judenfreundlicher Politik er unterstellt, daß sie „Interessenpolitik" gewesen sei, da anders sich der Herzog unmöglich der zeitüblichen antisemitischen Haltung entzogen haben könnte. Auch hier Urteil der Empfindung und Vermutung, wo der eindeutige Beweis sich nicht erbringen läßt. Es muß jedoch hier bemerkt werden, daß man dem Verfasser Unrecht tun würde, wollte man glauben, diese mängelhafte Methode der Beweisführung sei für ihn Grundsatz, Dem ist mitnichten so; so läßt Grau z. B. auf S.. 83 hinsichtlich der Bedeutung der Hofjuden des Bischofs alle Vorsicht in der Schlußfolgerung walten. Wenn zum Schlüsse noch auf die im vorliegenden Buche ausführlich behandelte Wirtschaftsgesinnung der Juden hingewiesen werden soll, rühren wir damit an die u. E. eigentliche Ursache des Regensburger Judenhasses im ausgehenden Mittelalter. Verfasser schildert ganz richtig die tiefgehende wirtschaftliche Verelendung der Stadt, deren Ursache das Volk im Juden suchte, weil es ihm verschuldet war. Denn nur er, der außerhalb der christlichen Gemeinschaft stand, durfte nach dem kanonischen Zinsverbot Zinsen nehmen. Es gab allerdings auch christliche Wucherer (S. 83), gegen die der Rat auch vorging, aber die Wut des Volkes richtete sich gegen die Juden, die d i e Geldleiher schlechthin darstellten. Um ihnen ihr Geld zu sichern, gab man ihnen die Erlaubnis, Pfänder zu nehmen, woraus sich derÄ jüdische Althandel entwickelte, der dann zum Warenhandel wurde. Daß die Juden danach griffen, scheint uns nicht einer spezifisch jüdischen Wirtschaftsgesinnung zu entsprechen, wie Grau annimmt (S. 45ff.), ohne übrigens Beweise oder Parallelen aus anderen Zeiten jüdischer Geschichte zu bringen, sondern ist das Produkt einer geschichtlichen Bedingtheit, des Ausschlusses der Juden von anderen Erwerbszweigen, denen die Juden im karolingischen und auch noch im Deutschland der Sachsenkaiser nachgegangen sind. Gewiß, die Bezogenheit auf die Umwelt fehlte den ins Ghetto eingesperrten Juden vielfach (S. 46), aber das kann man doch unmöglich als eine religiös gewollte Rücksichtslosigkeit dem Andersgläubigen gegenüber darstellen. (Vgl. S. 49.) Eben so wenig kann man es den Juden zum Vorwurf machen, daß sie sich in der Zeit des allgemeinen Geschäftsniedergänges bemühten, ihr Geschäft zu heben und auszudehnen. (S. 40, 41, 44, 54.) In der Beurteilung der damaligen zunftgebundenen .Zeit mochte ein daraus herzuleitender Vorwurf eine psychologische Berechtigung haben (vgl. S. 56), eine logische und rechtliche hat er an sich nie gehabt und kann daher nicht Grundlage eines geschichtlichen Urteils werden. Wie sehr der Judenhaß des Volkes wirtschaftlich bestimmt war, zeigt Grau selbst daran, daß mit der Austreibung der Juden die Wirtschaftsnot nicht behoben war und man sich dann gegen die Geistlichkeit wandte, die gleich den Juden als „soziales Problem" betrachtet wurde. (S. 164.) Es ist unbedingt richtig, daß der Judenhaß nicht vom wirtschaftlichen Moment allein diktiert war, (S. 56.) Der religiöse Gegensatz war ebenso treibend für die Abneigung, z. T. länger schon als das wirtschaftliche Moment. Aber daß rassische Gegensätze im Empfinden des Volkes mitgesprochen' haben sollen, scheint uns sehr zweifelhaft. Wenigstens können wir uns den diesbezüglichen Schlußfolgerungen Graus (S. 137) nicht anschließen, seine Ausführungen und Belege (S. i34ff.) scheinen uns diesen Schluß nicht zuzulassen. Zum Schlüsse sei noch auf die vorzügliche und übersichtliche Anlage des Buches hingewiesen, die mit peinlichster Sorgfalt ausgeführt ist. Dr. A. Wie unsere Kinder Erez Jisroel seilen-*) Hr. Kinderecke, Israel in Ägypten. Dem Sefer Hajaschar nacherzählt von Rabbiner Dr. Robert Zion. (Fortsetzung.) So hatte Mose durch seine Weisheit die Stadt bezwungen. Das dankbare Volk erneuerte Mose's Herrschaft, setzte ihn auf den königlichen Thron im Palaste des Kikanos und gab ihm die Witwe des Kikanos zur Frau. Mose fürchtete jedoch G'tt und hielt sich von der Heidin fern. Er dachte auch daran, daß einst Abraham und Isaak nicht gewollt hatten;- daß ihre Nachkommen kanaanitische Frauen heirateten, weil die Hamiten von Noah zu Sklaven der übrigen Söhne Noahs verflucht waren. Die Kuschiten waren aber ebenfalls Hamiten, Daher wendete Mose sein Herz und seine Augen nicht auf die Königin und blieb ihr seine ganze Regierungszeit hindurch, die für das Land Kusch ungemein segensreich war, fremd. Als die Bene Kedem und die Aramäer hörten, daß Kikanos gestorben sei, fielen sie wiederum von Kusch ab. Mose aber unterwarf beide Völker und machte sie von neuem dem Reiche Kusch tributpflichtig. So gewann Mose neuen Kriegsruhm' und stärkte sein königliches Ansehen. Um diese Zeit —:_ es war im einhundertmidachtzigsten Jahre des Aufenthaltes der Kinder Israel in Aegypten — zogen dreißigtausend kriegstüchtige Männer aus dem Stamme Ephraim aus Aegypten. Denn sie glaubten, das Ende, das G'tt einst dem Abraham verkündet hatte, sei bereits gekommen. In Wirklichkeit hatten sie sich jedoch um dreißig Jahre verrechnet. Sie rüsteten sich und zogen im Vertrauen auf ihre Kraft mit starker Hand aus Aegypten. Sie nahmen jedoch keine Wegzehrung mit — nicht einmal Brot für denselben, Tag — sondern nur Silber und Gold. Denn sie beabsichtigten, den Philistern die Lebensmittel. für Geld abzukaufen, oder, falls die Philister das nicht tun wollten, sie ihnen mit Gewalt fortzunehmen. Diese Ephraimiten waren außergewöhnlich stark.. Einer verfolgte Tausend, und zwei schlugen Zehntausend in die Flucjit. Sie wandten sich nach dem Lande Gath und trafen die Hirten, wie sie die Herden der Gathiter weideten, Sie baten die Hirten; „Wir wollen euch Schafe abkaufen, denn wir sind sehr hungrig, weil wir heute noch nichts gegessen haben." Aber die Hirten antworteten: „Sind es denn unsere Schafe, so daß wir sie euch, selbst gegen Bezahlung, geben könnten?" Als jetzt die Ephraimiten die Schafe mit Jjewalt nehmen wollten, schrieen die Hirten so fürchterlich, daß die Bewohner der Stadt es hörten und hinzukamen. Weil sie aber die Stärke der Ephraimiten erkannten, kehrten sie zurück und' holten den ganzen Gau zu Hilfe. So kam es in der Ebene Gath zu einer großen Schlacht, bei der von beiden Seiten zahlreiche Krieger fielen. Am zweiten Tage waren auf den Hilferuf der Gathiter vierzigtausend Bewaffnete aus dem ganzen Philisterlande herbeigeeilt, die mit den erschöpften Söhnen Ephraims, welche seit drei Tagen nichts gegessen hatten, kämpften. G'tt gab die Bene Ephraim in die Hand der Philister, so daß sie alle vernichtet wurden, bis auf zehn Mann, die nach Aegypten flüchteten und dort von der Niederlage berichteten. Denn G'tt bestrafte die Ephraimiten, weil sie G'ttes Ausspruch mißachtet hatten und aus Aegypten gezogen waren, ehe das festgesetzte Ende gekommen war. Aber auch von den Philistern fielen zwanzigtausend Mann. Während jedoch die Philister ihre Toten bestatteten, ließen sie die Leichen der Ephraimiten unbestattet auf freiem Felde liegen. Nachdem Mose vierzig Jahre lang — von der Liebe seines Volkes getragen — gerecht und erfolgreich über das Land Kusch regiert hatte, erklärte eines Tages die Königin in Gegenwart des Königs und aller Fürsten: „Wißt Ihr nicht, Kuschiten, daß dieser Mann in den vierzig Jahren seiner Regierung weder mich berührt noch die Götter unseres Landes angebetet hat? Laßt es nicht mehr zu, daß über Euch ein Mann, der nicht Eures Blutes ist, herrsche. Minochris, mein Sohn, den mir Kikanos hinterließ, soll Euer König sein. Denn es ist für Euch besser, dem Sohne Eures Königs zu dienen, als einem fremden Manne, einem Knecht des Königs von Aegypten, dienstbar zu sein." (Fortsetzung folgt.) Einst befreite G'tt unsere Väter aus Mizrajim mit starker Hand undausgestreckten Armen, trug sie auf Adlerfittichen durch die Wüste, gab, ihnen seihe Lehre und führte sie in s e i n Land. Sie Vertrieben auf G'ttes Geheiß die Urbewohner des Landes, vermehrten sich, wurden immer mächtigeVund — fielen von G'tt ab. — Völkertragik. — Sie gingen in die Gola und hofften ..auf. GHt, der sich ihrer Väter erbarmt hatte. G'tt erhörte sie und führte sie wieder in sein Land. Sie vermehrten sich, wurden eine große Nation und — fielen wieder von G'tt ab. Sie gingen wieder in die Gola, durchwanderten den Erdball, lernten G'ttes Lehre, wie er ihnen befohlen und wie sie es /noch nie zuvor getan, große Könige des Geistes entstanden, und sie-alle hofften auf ihn, auf ihn, der sie in dieses Elend gestoßen, weiL sie ihm untreu geworden waren. Sie überlebten Völker und überdauerten Nationen. Sie wurden bedrückt, niedergemetzelt, verhöhnt wegen seiner Lehre, doch nur um so fester hingen sie an ihr. Immer .höher, immer weiter, aber immer glänzender sahen sie das große Ziel vor sich, das sie durch seine Lehre wieder erringen wollten: Erez Awotenu. Eines Tages erwachten die Völker und sagten, es käme eine neue Zeit für alle, auch für sie. So halfen sie mit, Völker befreien, Menschen beglücken und auch sie wurden-freie Bürger der Länder, in denen sie Jahrhunderte lang gewohnt hatten. Doch wo war die alte'Hoffnung, die Hoffnung auf ihr Land? Verschwunden, .unterdrückt, ja sogar gewaltsam unterdrückt, und auch sie wurden Andere, als sie es Jahrhunderte lang gewesen waren. Sie hatten ein anderes Ziel, nämlich das, so schnell als möglich ihr Judentum zu vergessen und sich dem Volke, bei dem sie lebten, anzugleichen. Und das gelang den meisten auch sehr gut, und nur wenige blieben und dachten an Erez Awotenu. Diese wurden von ihren Brüdern verlacht und verspottet, doch sie waren die einzigen, die auch an die Zukunft dachten. Und ob sie recht behielten, muß die Gegenwart zeigen. Das erwachende Nationalgefühl vieler Völker, neue Begriffe wie z. B. Rasse, Blut und Boden, erschüttern die Lage der Juden in allen Ländern. Alle schauen nach Palästina, und was sie nicht zu denken wagten, tritt nun hart an sie heran. Sie müssen sich mit dem Gedanken befassen, auch selbst .in absehbarer Zeit nach Palästina auszuwandern. Doch was ist aus Palästina geworden, dem Lande, das zweitausend Jahre der Kultur entrückt war? iEin blühendes Land. Alle Länder der Erde sind von der Wirtschaftskrise erdrückt, Palästina ist in wirtschaftlichem Aufbau begriffen. Der Grund des Aufstieges? Der stählerne Wille ideal gesinnter jüdischer Menschen, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Es ist"wieder „Land unserer Hoffnung". Freilich, die richtige Basis fehlt: die Religion. Diese Juden, die solch Ungeheures vollbrachten und noch vollbringen, vergessen leicht den Grund, dessentwegen ihre Väter vertrieben werden mußten. Sie vergessen ihre Mission als Juden. Sie vergessen, daß ein Land, das von Grund auf aufgebaut werden soll, dies immer nur in Verbindung mit der Religion erleben kann. Als die Römer Italien eroberten, waren sie am Anfang religiös. Die Griechen ebenso. Die frühen Christen und Araber kultivierten ihre Länder im Zeichen der Religion. Das jüdische Volk aber soll eine Ausnahme von dieser, man könnte fast sagen, naturgesetzlichen Notwendigkeit bilden?! Die vornehmste Aufgabe aller religiösen Kreise muß sein, der areligiösen Entwicklung Einhalt zu tun, den richtigen Weg zu weisen. Zu spät, die Fundamente stehen bereits? Nein, nie ist es zu spät, die Jugend, die ja auch die meisten Pioniere stellt, ist immer noch zu belehren. Im allgemeinen ist es ja die Jugend, die das große Werk zu erfüllen hat, Palästina aufzubauen. Auf sie setzt das Judentum seine - Hoffnung für die Zukunft. Richard Simon, Untersekunda 15% Jahre. Auflösung des Silbenrätsels aus Nummer 30- 1. Urne; 2. Esau; 3. Baden; 4. Eduard; 5. Rollstativ; 6. Motto; 7. Ungeziefer; 8. Talmud; 9. Karawane; 10. Oelbaum; 11. Moses; 12. Minaret; 13. Titulescu; 14. Vetter; 15. Opitz; 16. Robbe; 17. Deborah; 18. Ebro; 19. Medoc; 20.. Frankreich; .21. Abraham; 22, Lindau^ 23, Landshut, Uejbermut kommt vor demFal I e — Und vordem Sturze Hochmut. Sprüche Salomonis. Richtige Lösungen sandten ein: . Helene Lidzbarski, Frankfurt a._M.; David Wilder, Dresden; Simel-Wolf Cnöll, Dresden; Leon Tisser, Dresden; Philipp Pfeffer. v S. R. Aus der Serie der Aufsatze der Schüler der Hirsch-Schule in Frankfurt a. M.

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