Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1935)
- Date
- 1935-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450889--81457-2539352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die gesetzliche Sonntagsruhe in Ungarn und der Sabbat. Budapest", 6. August. Eine Abordnung der ungarländischen Orthodoxie, bestehend aus dem Oberhausmitglied Adolf Frank 1, dem Präsidenten der Orthodoxen Landeskanzlei Samuel Kahan-Frankl und Rechtsbeistand Dr. Emmerich R einer, hat dem Handelsriiinister Bornemissza die Wünsche der <lurch die neue Verordnung über die Vervollständigung der Sonntagsruhe empfindlich geschädigten sabbathaltenden Kaufleute dargelegt. Der Minister empfing die Abordnung sehr freundlich, erklärte aber, er müsse bei aller Anerkennung der religiösen Haltung der orthodoxen Kaufleute den Sonntagsruhewunsch der christlichen Bevölkerung respektieren und könne zu Gunsten ■der orthodoxen Juden keine Ausnahmegesetze machen. Immerhin zeigte sich der Minister geneigt, evtl. das Offenhalten der Läden am Samstag Abend bis 10 Uhr zu gestatten, um den orthodoxen Käufleuten eine Entschädigung für den Ausfall des Sonntagsgeschäfts zu bieten. In der Praxis sich ergebende Mängel der Sonntagsruheverordnung würden im Herbst durch eine Revision behoben werden, " Diese Konzession bedeutet gegenüber der in jüngster Nummer (Budapester Brief) mitgeteilten Verordnung, die den sabbathaltenden Juden am Sonntag nur den eins tünd igen Verkauf leichtverderblicher Lebensmittel erlaubt, immerhin eine wesentliche Milderung. Illegale Einwanderung und Ein wanderimgsschedule, Jerusalem, 6. August. Die Palästina-Regierung hat beschlossen, in Zukunft illegale Einwanderer nur dann gegen Kaution auf 'freier^Fuß zu setzen, wenn die Jewish Agen c'y zustimmt,, daß für die illegalen Einwanderer, denen das Verbleiben im Lande gestattet wird, ein entsprechender Abzug von der Zahl der der Jewish Agency für das nächste Halbjahr zur Verfügung gestellten Arbeitereinwanderungszertifikate erfolgt. Der Leiter der Einwanderungsabteilung der J e w i s h A g e n c y , J. Grünbaum, weist darauf hin, daß die Exekutive bedeutend mehr Einwanderungszertifikate erhalten könnte, wenn die Regierung nicht stets eine bestimmte Zahl von Zertifikaten mit Rücksicht, auf die illegale Einwanderung, zurückbehielte. Kennzeichnung jüdischer Geschäfte gefordert, Frankfurt a. M,r 5. August; In einem Artikel „Klarheit über jüdische Geschäfteden der „Wirtschaftspolitische Dienst i der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz" verbreitet, wird eine Kennzeichnung jüdischer Geschäfte durch behördliche Anordnung verlangt. In dem Artikel heißt es u. a., man solle sich nicht hinter dem „Eingriff in die Wirtschaft" verschanzen. Es wird gefragt, ob die schonende. Behandlung des Juden unserer Wirtschaft irgendwie Vorteil gebracht habe. Das Ausland habe darin, genau wie der Jude im Lande, nur einen Beweis von Schwäche gesehen und habe um so eifriger zum Boykott gehetzt. Im Inland hemme jüdische Geschäf,tsgesinnung den Aufbau einer nationalsozialistischen Wirtschaft. Durch die Kennzeichnung werde der Jude die reale Macht der nationalsozialistischen Idee fühlen und werde Respekt vor ihr bekommen. Deutsche aber würden nicht mehr in Gefahr geraten, durch den Juden in Unannehmlichkeiten verwickelt zu werden oder gar (z. B. durch eigenmächftge Kennzeichnung jüdischer Geschäfte) mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Aus dem Inhalt: Die Judenirage aal dem Essener Gautag Seite 2 Ausschluß von Juden ........ Seite 2 Kulturelle Betätigung der Juden . . . Seite 2 Völkerbund und Auswandererirage . . Seite 2 Einsturzkatastrophe in Warschau . . . Seite 2 Aschkenasisches oder sephardisches Hebräisch? Seite 3 Krise in der palästinensischen Industrie Seite 4 Jüdische Binnenwanderung .....Seite 4 Vom Konferenzsaal an die Tagesarbeit Seite 5 Ergänzungsstatut der ungarischen Orthodoxie Seite 6 Palästinaberichte . . . . Seite 7 und 8 Kinderecke ............Seite 14 Was haben wir zu verlieren? Von Jedidjah. 1. Es war der Wille des Allgütigen, die Juden Deutschlands besondere Wege zu führen. Sie erlebten als Erste vor 150_ Jahren den Hohn der Aufklärer. Sie erlebten als Erste und Wissendste den wissenschaftlichen Zusammenbruch bibelfeindlichen Forschens und seinen Uebergang in die Hände derer, die es zu außerwissenschaftlichen Zwecken weiter betreiben, als sei nichts geschehen. Die deutschen Juden erlebten als Erste das Aufblühen und als Erste <den Zerfall einer Kultur, die auf Verneinung des Sinai-Gehorsams gebaut war. Niemand wird es den Juden verargen, die jetzt den deutschen Böden dieser Geschehnisse verlassen müssen, — daß sie diesen Weg nicht nochmals gehen wollen. Wir haben alles durchgekostet, was das Galuth scheinbar Süßes und Verlockendes bescheren kann. Die Ueberwindung aller dieser Gefahren ist uns auf Wegen gelungen, zu denen uns die Großen der vorigen Generationen leuchten. Unser Gemüt bangt um die anderen Stämme der Judenheit, welche .diesen Weg noch nicht durchirrt haben, der so Vielen den jüdischen Atem gekostet hat. Tun wir ein gutes Werk, wenn wir ihren' Gefahren nun auch unsere Kinder aussetzen? . , . 2. Unsere Jugend bedarf des Haltes durch diesen Erbschatz unserer Erfahrung bis ins feifste Alter. Sie darf nicht durch die augenblicklichen Scheinerfolge der immer noch zivil!» sationsberauschten Juden anderer Stämme zum Vergessen dieses unseres köstlichsten Erbteils gebracht werden, nicht in die Versuchung kommen, den Weg der VA Jahrhunderte wiederholen zu wollen, der in Erez Israel eben jetzt von neuem beschritten wird, ahnungsloser als selbstimOsten. Wir könnten leicht das echt jüdische Leben Erez Israels oder auch des Ostens um eine wertvolle Komponente bereichern: um unsere Erb-Erfahrung, daß die scheinbar nur gegen Bibelwahrheiten kämpfenden Kulturströmungen in Wirklichkeit schlecht verhüllte Kämpfe gegen die anerzogene Tüchtigkeit und materielle Existenz des Thorabefolgervolkes sind. Wir könnten leicht unsere Brüder da draußen in Ost und West um unsere heilsame Erkenntnis der außenstehenden Welt bereichern. Können wir das auch dann, wenn wir, wie bisher, die wenigen Getreuen, die wenigen Besitzer und Blutzeugen dieser Erfahrung, zwischen den hierin ahnungslosen änderen Brüdern im Heiligen Lande und in anderen Ländern planlos und zusammenhaltlos sich verstreuen lassen? Es war sicher nicht so sehr Achtlosigkeit als Mittellosigkeit, in deren Folge es bisher so gekommen ist; aber die Tatsache, daß es so gekommen ist, — genügt, um Jeden in der Erez Jisroel-Skepsis zu bestärken, der nicht gleich Nachmanides die Mizwath Jischuw zu den 613 zählt und damit verabsolutiert, ohne sich um religionspädagogische Folgen zu bekümmern. Steht uns Heutigen ein solches Bitochaun (Fortsetzung siehe Seite 3.) i